Rezension zu "Otherland: Stadt der goldenen Schatten" von Tad Williams

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Babscha

Vor 1 Jahr

(16)

Ein „anderes“, unbekanntes Land, erschaffen von einer dubiosen, sich selbst „Gralsbruderschaft“ nennenden Gemeinschaft Superreicher ist der zentrale Mittelpunkt dieses Werkes. Es ist eine mit unvorstellbarem Zeit- und Geldaufwand technisch perfekt konstruierte Parallelwelt im Netz, nur einem eingeweihten Zirkel bekannt und hermetisch abgeschottet. Und der letztendliche Zweck des Ganzen, das große Ziel dieser Investition, bleibt mysteriös.

Im fast 1000-seitigen Auftaktband seines wahrhaft fantastischen Zyklus führt der Autor den Leser in einem permanenten Wechselspiel verschiedenster Handlungsstränge immer tiefer hinein in seine in naher Zukunft angesiedelten Welten aus Realität und Cyberspace. Die eine ist eine dystopisch geprägte Szenerie, in der sich die Wohlhabenden mit militärischer Hilfe und voller Angst in abgeschirmte Ghettos fern der Unterschicht zurückgezogen haben, die andere ein mittels Spielkonsole erreichbarer interaktiver Fluchtpunkt ihrer Bewohner. Und irgendwann geraten die Dinge außer Kontrolle, als Jugendliche im Netz auf Spuren der sagenhaften Schattenwelt stoßen und sich damit in lebensbedrohliche Umstände bringen. „Der Tanz beginnt“, wie es jemand aus dem Lager der Bösen im Buch einmal sehr treffend formuliert, und es ist keine Rumba….

Eine geniale Idee, eine spannende, episch angelegte und bis in feinste Verästelungen auskonstruierte Geschichte nimmt hier ihren Anfang und den Leser sofort in Beschlag. Das lässt auch für die Folgebände Großes erwarten. Unter den vielen guten wie bösen Mitwirkenden kristallisiert sich im Laufe der Handlung ein innerer Kreis von zwei Handvoll Hauptakteuren heraus, um die sich alles dreht und über deren weiteres Schicksal man lieber heute als morgen mehr wüsste. Das lässt sich auch bewerkstelligen, sofern man als Leser sein eigenes „real life“ mal eine Zeitlang etwas schleifen lässt und komplett abtaucht in eine Welt, in der die Genres Science Fiction, Fantasy und Krimi kunstvoll wie selten miteinander verflochten werden.
Ein Meilenstein. 10 von 10 Punkten.

Autor: Tad Williams
Buch: Stadt der goldenen Schatten

thursdaynext

Vor 1 Jahr

Sowohl "Meilenstein" als auch die Reallifevernachlässiggung treffend beschrieben ;)

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