Lexie Madison wird eines Morgens tot in einem verlassenen Cottage aufgefunden. Ein ganz normaler Fall für die Dubliner Polizei, könnte man meinen. Die Sache ist nur: Eigentlich existiert Lexie Madison nicht, sie wurde für einen Undercovereinsatz erfunden. Und die Tote gleicht der Polizistin, die damals in die Identität von Mrs. Madison geschlüpft ist, wie ein eineiiger Zwilling. Was war passiert? Wurde sie verwechselt und deshalb ermordet? Hatte sie eigene Feinde? Um das herauszufinden, schlüpft Cassie Maddox wieder in die Rolle von Lexie, führt ihr Leben als Studentin weiter, zieht in ein abgelegenes Herrenhaus, das sie mit 4 Freunden von Lexie teilt. Daniel, Abby, Justin und Rafe sind überglücklich, dass Lexie wieder wohlbehalten bei ihnen ist, hatten sie doch das schlimmste befürchtet, nachdem man ihnen erzählt hat, das Lexie niedergestochen wurde und im Krankenhaus im Koma liegt. Aber Cassie merkt schnell, dass irgendetwas nicht stimmt. Die 5 waren Außenseiter, im Dorf nicht sonderlich beliebt und auch untereinander nicht die eng verschworene Gemeinschaft, für die sie alle hielten. Auf der Suche nach der Wahrheit taucht Cassie immer weiter in Lexie Leben, bis sie darin unterzugehen droht...
„Totengleich“ stand lange Zeit auf diversen Bestsellerlisten. Warum das so war, kann ich mir nur schwer erklären. Es wird als Kriminalroman bezeichnet, Psychothriller wäre die passendere Einordnung. Denn anders als bei Krimis, weiß man zum Schluss nicht genau, wer der Mörder war. Man muss zwischen den Zeilen lesen, kleine Anekdoten, die erzählt werden und denen man beim Lesen nicht unbedingt viel Beachtung schenkt, im Hinterkopf haben. Und genau das ist das Problem – es wird viel, teilweise sehr ausufernd, in blumig-bildhafter Sprache, erzählt. Dadurch wird es stellenweise sehr langatmig und die langen Kapitel tragen auch nicht gerade zum Lesefluss bei. So braucht es beispielsweise fast 200 Seiten, bis Cassie ins Haus kommt, um endlich mit den Nachforschungen anzufangen. In diesen 200 Seiten wird sie auf ihren Undercovereinsatz vorbereitet. Das war zwar nicht ganz uninteressant, werden doch hier die Charaktere eingeführt und ausführlich beschrieben, aber das wäre bestimmt auch kürzer und spannender voran gegangen. Der Spannungsbogen bleibt aber gleichbleibend flach, mit Mini-Ausschlägen hin und wieder. Aber immer wenn man denkt, jetzt geht es vorwärts und wird interessant, folgt doch nur wieder belangloses Geplänkel. Nun ja, so ganz belanglos zwar nicht, wenn man es als Ganzes betrachtet, aber das kann man ja als Leser vorher nicht wissen (es sei denn man liest die letzten 150 Seiten zuerst). Das macht es nicht gerade zu einem Buch, das man nicht aus der Hand legen kann. Die Autorin macht es dem Leser aber auch nicht wirklich leicht. Hin und wieder legt sie falsche Fährten, aber auch diese werden nicht konsequent genug verfolgt. Letztendlich zeichnet sich dadurch schon sehr zeitig ab, wer es getan haben könnte und warum. Das bei einem Buch mit fast 800 Seiten. Eine straffere Handlung wäre besser gewesen. Auch das immer wieder mal auf einen vorangegangenen Fall eingegangen wird, macht das Ganze nicht lesenswerter. Andeutungen, was da passiert ist, sind sicher ein tolles Mittel, Verkaufszahlen von früheren Büchern anzukurbeln und stört mich normalerweise nicht, aber ist hier zu viel, so dass es nur noch genervt hat. Es erklärt zwar teilweise, weshalb Cassie sich in Lexies Rolle so wohl gefühlt hat – ein Leben ohne große Verpflichtungen, ohne die Schatten der eigenen Vergangenheit – aber so ganz nachvollziehbar ist es für den Leser nicht. Gerade als ausgebildete Undercoverpolizistin sollte man in der Lage sein, die nötige Distanz zur Rolle trotzdem zu wahren.
Für mich hat dieses Buch mehr Schwächen als Stärken, aber wer Psychothriller mag und alles genauestens verfolgt, wird sicher seine Freude dran haben.