Leser-Rezension zu „Gottesopfer” von Tanja Pleva

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antjemue antjemue
Verfasst von antjemue
am 12.08.2010
 

Mäßige Umsetzung eines eigentlich interessanten Themas
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Vorteile: Themenansätze, Covergestaltung
Nachteile: blasse Figuren, Sprachwahl, an den Haaren herbeigezogene Vermutungen
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Vor einigen Monaten bewarb ich mich nach einer Leseprobe um ein Vorableseexemplar dieses Buches. Leider war mir die Glücksfee nicht hold. Trotzdem wollte ich wissen, wie es weiter geht. So kam „Gottesopfer“ von Tanja Pleva auf meine Merkliste und wurde vor einiger Zeit von mir gekauft.
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Zwei nicht ganz koschere Hamburger Streifenpolizisten greifen in einer kalten Januarnacht eine völlig desorientierte, sehr schlimm zugerichtete nackte Frau auf, die niemand zu vermissen scheint.
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Ein Jahr später begibt sich ein katholischer Pfarrer aus Hamburg auf eine Reise, der in München lebende und scheinbar ziemlich ausgebrannte Profiler Sam O’Connor wird von Europol zu einem grausamen Mordfall nach Rom geordert und in Salzburg fällt eine Wahrsagerin einem scheinbar fanatischen Gottesdiener zum Opfer...
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Den Prolog und die ersten 5 Kapitel kannte ich ja schon aus der Leseprobe. Den Ansatz der Story fand ich zu dem Zeitpunkt interessant, denn Thriller im Zusammenhang religiösen Fanatikern konnten mich schon ein paar Mal begeistern. Allerdings haben mich schon da einige sprachliche Fauxpas gestört. Da ich jedoch nicht wusste, ob die Leseprobe bereits die Endfassung ist, sah ich über Dinge wie „als wie ein Polizist“ oder Ausdruckweisen wie „Sensationsgeile Anwohner“ hinweg und hoffte auf ein sprachlich etwas überarbeitetes Buch.
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Als ich das Buch dann in den Händen hielt, musste ich jedoch feststellen, dass es tatsächlich so gedruckt war. Das und eine zu dem Zeitpunkt wieder einmal vorhandene Übersättigung vom Thriller-Genre bewogen mich dann auch erst einmal, dort nicht weiter zu lesen und mich anderem Lesestoff zu widmen.
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Aber gekauft war gekauft und nach dem Lesen von Fantasy und historischen Romanen kam auch der Hunger auf Thriller-Lektüre zurück. So schlich ich noch ein paarmal um das Buch herum und es siegte die Neugier. Doch die Geschichte wurde nicht besser. Weitergelesen habe ich dann eigentlich nur noch, weil ich gerade auf zwei gewonnene Rezensionsexemplare wartete und deshalb kein Buch anfangen wollte, von dem ich mich nicht schnell wieder losreißen könnte.
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Dabei zeigte die Autorin durchaus positive Ansätze. Ein mysteriöser und vielversprechneder Prolog und das Arbeiten mit verschiedenen Handlungssträngen zum Beispiel, zu denen auch Rückblicke aus dem Leben des Täters gehören.
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Teilweise versucht sie sich an bildhaften Vergleichen, die mal mehr, mal weniger gut gelingen. Allerdings reißt sie das von ihr Aufgebaute dann immer gleich mit unbedachten, übertriebenen oder gänzlich unpassenden Passagen wieder ein. So wirken die Elemente, die sie zum Spannungsaufbau verwenden will, nicht selten unglaubwürdig und sogar lächerlich.

Durch ein Zuviel an Akteuren schafft es die Autorin auch nicht, ihren Haupfiguren Tiefgang zu verleihen. Sam O`Connor kämpft meiner Meinung nach an viel zu vielen Fronten, die mir jedoch zu vage und im Schnelldurchgang abgehandelt werden. So kann ich als Leser kein aufrichtiges Mitgefühl entwickeln und das – wie bei anderen Büchern dieses Genres erlebte - Mitfiebern bleibt aus.
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Ein gut gestaltetes Cover, grauenvolle Morde, konstruierte Verwicklungen und ein Zusammenhang mit der katholischen Kirche reichen einfach für ein Thriller-Lesevergnügen nicht aus. Ich stelle für mich durchaus nicht den Anspruch, dass das Thema bei einer solchen reinen Unterhaltungslektüre immer ganz neu sein muss, wenn mich entweder die Charaktere oder die Handlung an sich – im Idealfall sogar Beides - in ihren Bann ziehen können. Hier war es leider weder noch!
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Über die Autorin Tanja Pleva
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erfuhr ich im Internet folgendes: Sie wurde 1965 als Tochter des Schauspielers Jörg Pleva geboren und durch die berufsbedingten Ortswechsel des Vaters bereits als Kind eine Reisende. Das hatte dann auch im Erwachsenenleben auf sie eine ruhelose Auswirkung, so dass sie durch Europa, Asien und schließlich - auf den Spuren ihrer Vorfahren - bis nach Südamerika reiste. Heute lebt sie mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern, zwei Hunden und sechs Katzen in Kolumbien.
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Den Protagonisten Sam O´Connor hätte sie gewählt, weil sie einen Helden schaffen wollte, in den auch sie sich verlieben könnte. Warum auch immer, hat sie das wohl, denn derzeit schreibt sie an einer Fortsetzung. Diese werde ich mir aber ganz bestimmt nicht kaufen.
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Piper Verlag München 2010
ISBN 978-3-492-25867-8
332 Seiten
Als Taschenbuch für 9,95 € im deutschen Buchhandel erhältlich.

 

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Tanja Pleva

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