Heute möchte ich Euch einen weiteren Roman der US-Amerikanischen Erfolgsautorin Tess Gerritsen vorstellen. Bei diesem handelt es sich um ein frühes Werk und so genannten "Romantischen Spannungsroman" von ihr. "Gefährliche Begierde" (1993) ist für mich der 3. Roman, den ich von dieser Schriftstellerin las.
Der Verleger und Chefredakteur des Inselblattes Richard Tremain stammt aus guter Familie. Er selbst hat Macht und Einfluss, finanzielle Probleme sind ihm gänzlich fremd. Verheiratet ist er mit Evelyn, der verwöhnten Tochter des mächtigen Tyrannen Noah DeBolt. Die Tatsache, dass er eine Frau und auch 2 Kinder (mittlerweile erwachsene Zwillinge) hat, hielten Richard nie davon ab, Affären zu beginnen und zu beende, ganz wie es ihm beliebt. Auch die junge hübsche Verlagsmitarbeiterin Miranda Wood fiel auf seine Liebesschwüre und Lügen (ich lass mich scheiden, wenn die Kinder aus dem Haus sind) rein. Doch im Gegensatz zu den früheren Verhältnissen, wacht sie auf und verlässt ihn.
Damit kann sich ein erfolgsverwöhntes Exemplar der männlichen Spezies natürlich nicht zufrieden geben. Obwohl Miranda ihm klar und deutlich zu verstehen gibt, dass es aus ist und sogar ihre Stelle bei Richards Verlag aufgekündigt hat, ruft er sie ständig an und sucht ihr kleines Häuschen in regelmäßigen Abständen weiter auf. Als er sich wieder bei ihr ankündigt, weicht sie ihm mit einem langen Hafenspaziergang aus. Doch kurze Zeit nach Rückkehr in ihr Haus findet sie ihn nackt in ihrem Bett. Umgeben von unheimlich viel Blut, erstochen mit einem Messer aus ihrer Küche.
Trotz all ihrer Beteuerungen, glaubt niemand, dass sie ihn verlassen hatte. Ihr wird ein Verbrechen aus Eifersucht unterstellt. Miranda wird festgenommen und soll bis zur Verhandlung in Untersuchungshaft bleiben. Doch ein anonymer Spender stellt die Schwindel erregend hohe Kautionssumme. Richards Bruder, Chase Tremain, der eigentlich Mirandas Mordmotiv ergründen möchte und auf eigenartige Weise von ihr fasziniert ist, wird mehrfach Zeuge von missglückten Anschlägen auf ihr Leben.
Gemeinsam begeben sie sich dann auf die Suche nach Täter und Motiv. Schnell entdecken sie die heiße Spur zu einem Bauunternehmen, dem Richard kriminelle Machenschaften nachweisen wollte, als plötzlich die Briefe einer scheinbar im Stich gelassenen ehemaligen Geliebten namens M. auftauchen...
Tess Gerritsen arbeitete nach Ihrer Ausbildung zur Ärztin in Honolulu als Internistin. Wie sie zur Schriftstellerei kam und welche Werke sie noch veröffentlicht hat, das kann man auf wikipedia.de oder tess-gerritsen.de sehr gut nachlesen. Die mir vorliegende Taschenbuchausgabe (die 10. Auflage aus März 2008) ihres Romanes "Gefährliche Begierde" habe ich zusammen mit 3 anderen Büchern der Autorin bei buecher.de käuflich erworben.
Bereits in diesem frühen Werk hält sich Tess Gerritsen nicht mit langen Erklärungen zu den Protagonisten auf, sondern lässt die Charaktere in Form von Gesprächen auf den Leser wirken. So lernt er sie mit ihren verschiedenen menschlichen Wesenszügen kennen. Die Geschichte lässt sich flüssig lesen, bedingt durch den unkomplizierten Schreibstil mit einfachen kurzen Sätzen. Sie reicht in Punkto Spannung und Nervenkitzel zwar keinesfalls an die beiden vorher von mir gelesenen Romane "Die Chirurgin" und "Roter Engel" heran, aber trotzdem war ich immer dran und wollte des Rätsels Lösung wissen. Geschickt legte die Autorin bei der Suche nach dem wirklichen Mörder falsche Fährten aus. Ich selbst hatte beim Lesen schon diesen oder jenen Verdacht, aber auf den wahren Täter, mit dem sie mich kurz vor Ende des Buches verblüffte, tippte ich bis zu dessen Enttarnung nicht.
Tess Gerritsen hat sich beim Schreiben auch diverse Klischees zu Nutzen gemacht. Hochmut und Standesdünkel möchte ich da als Beispiel anführen. Das Aschenputtel, im Schatten stehende Geschwister, ein Kuckuckskind, eifersüchtige Megären, die Alkohol naschende Nichtstuerin, ein Übervater, eine moderne Miss Marple, Klüngeleien bei der Polizeispitze, das alles schön bunt durcheinander gemischt, ergeben einen Charaktere Cocktail, der zwar recht wohlschmeckend ist, von der Creme de la Creme jedoch meilenweit entfernt.
Ich habe das Buch gern gelesen und - nach Pausen - auch immer wieder in die Hand genommen und weiter gelesen. Es plätscherte, zugegebener Maßen aber nicht langweilig, vor sich hin und wurde erst kurz vor Ende spannend mit einem Aha-Effekt. Könnte ich noch mal von ganz vorn mit dieser Autorin beginnen, würde ich die Lesereihenfolge umdrehen. Zuerst diesen Roman, dann "Roter Engel" noch vor der Chirurgin. Dann hätte ich eine stetige Steigerung erlebt.
Ich bin aber trotzdem nicht unzufrieden. Seinen Hauptzweck bei mir, vom Alltag abschalten und entspannen zu können, hat er erfüllt. Ich werde mir in Zukunft auch weitere Werke der Autorin zu Gemüte führen und spreche auch für diesen eine Leseempfehlung mit wenigen Abzügen aus.