x Autor: Thierry Cohen
x Titel: Ich hätte es vorgezogen zu leben
x Originaltitel: J’aurais préféré vivre
x Genre: Roman
x Erscheinungsdatum: 10. März 2008
x 224 Seiten
x btb Verlag
x ISBN: 3442752051
x Erste Sätze: 8. Mai 2001. Die Tabletten, der Whisky, das Gras. Hinlegen. Ich weiß, was ich tue. Nur an das Wie denken. Nur an den Vorgang denken. Nur an mich denken, hier, im Wohnzimmer, an die Flasche, an die Tabletten. Nur an mich. Der Flaschenverschluss. Das Tablettenröhrchen. Mund aufmachen, Tabletten auf die Zunge legen, die Flasche zum Mund führen. Schlucken. Nur an das Wie denken. Nichts anderes. Nicht an Papa, nicht an Mama. Bloß nicht. An meine Demütigung. Allein, hier. Ich und meine Demütigung. Ich weiß, was ich tue. Papa und Mama werden es verstehen. Vielleicht. Ist mir auch egal, ob sie es verstehen! Nein … Nicht daran denken. An niemanden Denken. Heute bin ich es, der entscheidet! Ich will dieses Leben nicht mehr. Es ist eine Tortur, eine Beleidigung.
Klappentext:
Und irgendwann wachst du auf und freust dich,
weil du mit der Frau zusammen bist, wegen der du dich umgebracht hast …
Und irgendwann wachst du auf und wunderst dich,
weil jemand Anderer dein Leben auf eine Weise führt, die dir nicht gefällt …
Und irgendwann wachst du auf und merkst,
wer dieser Andere ist: dein größter Feind – du selbst!
Du hast immer nur einen Tag für dein ganzes Leben und deine Liebe – nutze ihn gut!
Worum geht es?
An seinem 20. Geburtstag bringt sich Jeremy um, weil seine große Liebe Victoria seine Gefühle nicht erwidert. Aber er wacht wieder auf, genauer gesagt an seinem 21. Geburtstag, ist plötzlich mit Victoria zusammen und kann sich nicht mehr an das vergangene Jahr erinnern. Als er das nächste Mal erwacht, sind zwei Jahre vergangen und danach werden diese Aufwach-Abstände immer länger und er stellt fest, dass das Ich, das in der Zwischenzeit sein Leben lebt ein durch und durch schlechter Mensch und dabei ist, seine Beziehung zu Victoria zu zerstören. Jeremy beschließt den Kampf gegen sein böses Ich aufzunehmen, doch dies erweist sich als nicht sehr einfach, wenn man nur hin und wieder einen einzigen Tag Zeit dafür hat.
Rezension:
Bei „Ich hätte es vorgezogen zu leben“ von Thierry Cohen handelte es sich bei mir um einen Spontankauf, da mich der ungewöhnliche Titel und der Klappentext neugierig machten. Der Satz auf dem Buchrücken, „Du hast immer nur einen Tag für dein ganzes Leben und deine Liebe – nutze ihn gut!“, erinnerte mich sehr an den Spruch „Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter“ und so war ich auf die Geschichte sehr gespannt.
Das Buch startet mit Jeremys Suizid. In diesem ersten Kapitel liest man fast nur seine Gedanken, die ihm durch den Kopf gehen, während er die Tabletten, den Whisky und die Drogen zu sich nimmt. Erst als er zu Boden geht wechselt der Erzählstil in die dritte Person, was den Rest des Buches so bleibt, sich aber genauso gut lesen lässt, wie die rasenden, abgehakten und spürbar hektischen Gedankengänge Jeremys.
Insgesamt hat „Ich hätte es vorgezogen zu leben“ 10 Kapitel, von denen es im ersten, wie schon erwähnt, um den Vorgang des Suizids geht. Die folgenden 8 Kapitel sind sich ähnlich. Jeremy wacht jeweils an einem seiner Geburtstage auf. Erst ist nur ein Jahr nach dem Selbstmord vergangen, dann schon 3 und schließlich mehr als 6. Die Abstände werden immer länger und jedes Mal wird er von einer neuen Umgebung überrascht, von einer neuen Situation, welche sich von Mal zu Mal verschlimmert, weil der Teil seines Ichs, der außerhalb dieser „hellen“ Momente sein Leben lebt, nur auf den eigenen Genuss und Vorteil aus ist.
Man kann sich als Leser sehr gut in Jeremy hineinversetzen. Die Verzweiflung geht auf einen selbst über und man wird immer hoffnungsloser und trauriger, wenn man miterlebt, wie das Leben, das er sich gewünscht hat – nämlich eines mit Victoria – den Bach hinunter geht. Er will dieses Leben retten, doch die Zeit ist gegen ihn, denn die Abstände in denen er zu sich kommt werden immer länger und er wird immer älter, bis er sich schließlich bewusst wird, dass sein letzter Tag angebrochen ist.
Ich hatte am Ende mit den Tränen zu kämpfen, weil ich mit der Art des Ausgangs niemals gerechnet hätte. Es steckt viel mehr dahinter, als man am Anfang erwartet und das kurze Zwiegespräch mit Gott, das in Kapitel 1 geführt wird, ist nicht das letzte im Buch. Aus einer leicht verwirrenden Geschichte wird eine Story mit tieferem Sinn und einer Botschaft: Wirf dein Leben nicht weg! Niemals!
Ich glaube, dass dieses Buch vielen Menschen, die sehr unglücklich sind oder gar über einen ‘Abbruch’ nachdenken, neuen Mut oder zumindest einen Denkanstoß geben kann. Nämlich den, dass man trotz aller Umstände aus seinem Leben etwas herausholen kann und vor allem sollte. Selbstverständlich ist „Ich hätte es vorgezogen zu leben“ nicht nur für ‘Lebensmüde’ eine Empfehlung – denn neben der Botschaft wird man regelrecht mitgerissen von den Geschehnissen.
Fazit:
Spannend, bewegend und mit einer klaren Botschaft versehen – das Leben zu ehren.