Leser-Rezension zu „Das Leben der Wünsche” von Thomas Glavinic
am 13.12.2009
Jonas (bereits bekannt aus "Die Arbeit der Nacht") ist Mitte Dreissig, hat zwei Kinder und eine Ehe, die ihre beste Zeit schon hinter sich hat. In seinem Beruf als Werbetexter findet er ebenfalls kaum Erfüllung, verdient aber gut und kann sich so regelmässig ein Hotelzimmer mit seiner ebenfalls gebundenen Geliebten Marie leisten.
Eines Tages trifft er auf einer Parkbank einen heruntergekommenen Mann, der nicht gerade vertrauenswürdig aussieht und dies noch dadurch verstärkt, dass er Jonas drei Wünsche erfüllen will. Aber er mahnt ihn, er soll genau überlegen was er will und was er sich wünscht, denn er könnte es bereuen, wenn es in Erfüllung geht.
Jonas nimmt ihn nicht ernst, er kehrt zurück in sein durchschnittliches Leben und überlegt, wie er beide Frauen und die Kinder unter einen Hut bekommt. Doch das ist bald nicht mehr nötig, aufregende Dinge geschehen und machen ihn zum ahnungslosen Hauptdarsteller in einem wahnwitzigen und irrationalen Actionfilm. Seine Frau stirbt plötzlich, er überlebt einen Tankstellenüberfall, ein Flugzeugunglück und einen schweren Autounfall und sein Aktiendepot wächst täglich mehr. Sollte an den Versprechungen das Penners auf der Parkbank doch etwas dran gewesen sein? Und will Jonas wirklich das, was er sich da gewünscht hat?
Mit der Einleitung gewinnt die Erzählung von Thomas Glavinic sofort an Fahrt, flott und unterhaltsam werden wir in das Leben von Jonas geworfen und dürfen mal wieder seine Erlebnisse und Gedanken teilen. Doch in Wirklichkeit setzen wir uns sofort selbst an seine Stelle - welche Wünsche hätten wir und hoffen wir tatsächlich auf ihre Erfüllung? Wolfgang Tischer vom Literaturcafe.de schreibt über das Buch: "Erneut schafft es Thomas Glavinic grandios und gekonnt, den Leser zu verstören." Und ebenso verstört klappte ich nach dem Lesen das Buch zu, anfangs gefesselt von einer guten Idee, unterhalten und angetrieben von existenziellen Fragen nach dem Ziel unseres Lebens und dann ein abruptes Ende, dass mich nur mit immer noch weiteren Fragen zurück lässt. Aber vielleicht ist genau dies im Sinn des Autors und so werden Fans von "Die Arbeit der Nacht" hier auch ihre volle Erfüllung finden. Wer ein Märchen oder einen Thriller erwartet, der sollte die Finger davon lassen, denn Glavinics Unterhaltung besteht eher darin, dem Leser einen Spiegel vorzuhalten. Und wer hat schon den Mut hineinzusehen?

