Leser-Rezension zu „Das Leben der Wünsche” von Thomas Glavinic
am 10.06.2010
Es beginnt wie in einem Märchen.Der Protagonist Jonas trifft auf einer Parkbank einen alten Mann, der ihm drei Wünsche erfüllen. Die Begegnung mit der vermeintlich guten Fee nimmt Jonas jedoch nicht ernst, erst nach einem längeren verbalen Schlagabtausch lässt er sich dazu hinreißen, mehrere Wünsche aufzuzählen. Der Alte geht, zum Abschied meint er, er solle die Wünsche sich entwickeln lassen. Jonas vergisst diese surreale Begegnung recht schnell, denn schließlich ist sein Leben an sich schon kompliziert und verwirrend genung. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder, einen Vater im Heim, einen drögen Job und eine Geliebte, die ebenfalls verheiratet ist und ein Kind hat. Jeden Tag lebt er zwei Leben, liebt zwei Frauen, die eine mehr aus Pflichtgefühl, die andere aus Leidenschaft. Jeden Tag denkt er eines dieser Leben zu Ende. Wie wäre es ohne Helen, seine Frau? Wie wäre es ohne Marie? Hin- und her gerissen durchlebt er seine Tage, bis zu dem folgenschweren Moment, in dem er seine Frau tot in der Badewanne findet. Ist sein Wunsch in Erfüllung gegangen? Hat er sich das wirklich gewünscht?
Von nun an beginnt eine surreale Achterbahnfahrt in unvorstellbare Höhen und dunkelste Tiefen, die den Leser mireißt, um ihn am Ende alleine mit seinen Fragen, Ängsten und Hoffnungen zurückzulassen.
Glavinic ist ein außergewöhnliches Buch gelungen, ein Roman, der einfühlsam, poetisch und zugleich roh die wohl existenziellste Frage behandelt: Was ist Leben?

