Leser-Rezension zu „Das bin doch ich” von Thomas Glavinic
am 2.12.2009
Ist der Erzähler ständig besoffen? Ja! Jammert er dauert? Ja! Wälzt er sich in Selbstmitleid? Ja! Greint er über den Literaturbetrieb? Ja. Himmel, soll man so ein Buch von einem Schriftsteller über einen Schriftsteller, der auch noch genau gleich wie der Schriftsteller heißt, überhaupt lesen? Aber ja doch.
Hört sich zwar für einen "normalen" Leser grauenhaft an, zumal, wenn er bereits schlechte Erfahrungen mit Autoren gemacht hat, die über ihr eigenes schwere Los schreiben, die Angst vor dem leeren Blatt Papier.... gääääähhhhnnnn (ich sage nur: Peter H.)
Doch Glavinics Buch ist einfach witzig, grotesk, unterhaltsam, ein moderner Schelmenroman. Was von "Das bin doch ich" wirklich er, Glavinic, ist, darüber sollen sich doch Journalisten und Literaturwissenschaftler (vielleicht) ganz unterschiedliche Gedanken machen. Die einen versuchen nun krampfhaft, Satz für Satz mit Glavinics tatsächlicher Biografie abzugleichen, die anderen drehen darob wahrscheinlich schier durch, bemühen sie sich doch in jedem Proseminar, ihren Studenten beizubringen, dass der eine nicht der andere ist - oder doch? Einfach lesen und lachen - außer man will nun wirklich gar nichts von Schriftstellern per se wissen. Denn auch Daniel Kehlmann und "der berühmteste Schriftsteller der westlichen Welt" tauchen in diesem Buch auf. Ich persönlich fand's interessant und tippe bei Letzterem mal auf John Irving.

