Rezension verfasst vor 1 Jahr
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"Hannibal Rising" erzählt die frühe Lebensgeschichte des Serienkillers Hannibal Lecter, und wie schon stellenweise im Vorgänger "Hannibal" beschreitet Autor Thomas Harris hier eine ziemliche Kehrtwende in der Darstellung seines Vorzeige-Psychopathen. Ging es früher in erster Linie darum, Lecter als Ungeheuer zu dämonisieren und ihn als Projektionsfläche für tiefsitzende Ängste des Lesers zu benutzen, geht es nun wieder darum, ihn als echten Menschen mit eigener Leidensgeschichte darzustellen und seine späteren Verbrechen und seine Sympathie für Clarice Starling nachvollziehbar zu machen. Man lernt den achtjährigen Hannibal als intelligenten und tierlieben kleinen Jungen kennen, der durch Kriegserlebnisse und den Verlust seiner kleinen Schwester Mischa tiefe Traumata davonträgt, die ihn erst stumm und dann später zum kaltblütigen, menschenfressenden Racheengel werden lassen.
Ob man legendäre Leindwandmonster wie "Hannibal the Cannibal" unbedingt in dieser Form erklären und humanisieren sollte, sei mal dahingestellt, aber für mich hat "Hannibal Rising" durchaus funktioniert. Der geniale, seelisch verstümmelte Hannibal erinnert zwar manchmal etwas an Süskinds Grenouille ("Das Parfüm"), aber er erhält (im Gegensatz zu der Verfilmung) auch wirklich sympathische Züge wie seine Tierliebe oder seinen Beschützerinstinkt gegenüber Schwachen und Unterdrückten. Man hat schon den Eindruck, dass hier vieles künstlich zusammenkonstruiert wurde, um möglichst viele Parallelen zu Clarice Starling herzustellen und Lecters Abscheu gegenüber Vulgarität, Obszönität etc zu erklären, die einige seiner späteren Verbrechen kennzeichnet. Trotzdem bin ich als Hannibal-Groupie natürlich neugierig gewesen und fand die Geschichte in sich stimmiger und spannender als den etwas verhackstückelten (und hastig heruntergeschrieben wirkenden) Vorgänger "Hannibal". Es kommt vielleicht aber auch darauf an, was man zuerst gesehen/gelesen hat, Buch oder Film. In diesem Fall ("Hannibal Rising") kannte ich die Verfilmung noch nicht, als ich den Roman gelesen habe, habe das im Anschluss aber natürlich gleich nachgeholt. ;-)
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