Ich bin relativ angetan von dem Buch.
In erster Linie geht es um den Ritterssohn Thomas "Tam" von Bärenfels und die Jüdin Saphira-bat-Simon in den Jahren 1348-1356 in Basel. Beide lieben sich, doch ihre Liebe ist verboten, da Christen und Juden nicht zusammen sein dürfen. Saphira ist sich dessen bewusst und möchte, trotz ihrer Liebe zu Tam, ihn verlassen, um ein unbeschwerteres Leben zu führen. Als Tam ihr einen Brief durch seinen besten Freund Christian Münch überbringen lässt, kommt es zu einer Liebelei zwischen Saphira und Christian. Tams Vater, Konrad von Bärenfels und der Bürgermeister von Basel, ist jedoch hoch bei Saphiras Vater, einem Geldverleihers, verschuldet und fängt an, eine Hetzjagd auf die Juden der Stadt zu veranstalten, indem er Lügen verbreitet und die Bevölkerung gegen die Juden aufhetzt. Also bleibt als einzige Möglichkeit die Flucht aus Basel, um Saphiras Leben zu retten...
Die Geschichte ist an sich gut erzählt, doch vor allem am Anfang kann man das Verhalten von ein paar Figuren nicht ganz nachvollziehen und die ein oder andere Entwicklung kann man schon ziemlich früh erahnen. Jedoch hält die Geschichte im Laufe des Buches einige Überraschungen bereit. An sich ist die Story auch gut erzählt, sie ist verständlich und nachzuvollziehen.
Die Figuren sind jedoch teilweise etwas oberflächlich gehalten.
Tam ist ein Ritterssohn, jedoch in den Augen seines Vaters ein Schwächling, weil er sich für Musik, Kunst und Bücher interessiert, anstatt mit den Waffen herum zu hantieren. Tam liebt Saphira über alles und genau diese Liebe macht ihn verletztlich, was er auch zu spüren bekommt. Man kann zwar eine andere Seite an Tam erahnen, doch bricht diese nur einmal in einem Schockzustand aus. Bis zum Ende des Buches bleibt er Saphira treu und interessiert sich für niemand anderen, ist jedoch auch teilweise etwas egoistisch, weil er nur an seine Liebe zu Saphira denkt und alle Schwierigkeiten nicht sehen will. Auch auf Saphiras Bedenken geht er nicht ein, sondern redet alles schön.
Christian hingegen ist das genaue Gegenteil von Tam. Er ist ein Draufgänger, vielleicht auch etwas angeberisch und ein Frauenheld. Es gibt sicherlich noch keine Frau in Basel, wo er nicht schon Hand angelegt hat. Problem an der Beziehung zwischen Tam und Christian ist jedoch dieses: Sie sind beste Freunde, doch gleichzeitig gehören sie den beiden revalisierenden Familien in Basel an. Als Christian sich dann in Saphira verliebt, ist das Chaos perfekt. Doch muss ich sagen, dass mich am Ende diese Figur am meisten überrascht hat, da er gegen Ende des Buches sich doch in eine Richtung entwickelt, die keiner vorher hätte ahnen können, sodass er einer der wenigen Figuren ist, die eine große Entwicklung durchmacht.
Saphira ist ein sehr liebes Mädchen. Sie ist auch eine der Figuren, die nicht aus Egoismus handelt, sondern "höhere" Ziele hat. Sie möchte ihren Vater nicht wehtun, also will sie sich von Tam trennen. Als sie eine Liebelei mit Christian hatte, sagt sie dies Tam nicht, weil sie Angst hat, dass sie ihm damit wehtut. Auch hat sie später, selbst Jahre danach, höhere Ziele für ihr Handeln. Doch sie ist hin und her gerissen, da sie Tam von Herzen liebt, sich jedoch auch etwas in Christian verguckt.
Eine weitere Schlüsselfigur in dem Buch ist Konrad von Bärenfels, Vater von Tam und Bürgermeister von Basel. Am Anfang ist er ein grausamer Herrscher, der alles Erdenkliche tut, um seine Schulden los zu werden und den Ritterstand und seine Ehre zu retten. Doch im Laufe der Geschichte sieht man auch eine andere Seite von ihm, die man niemals hätte erahnen können, doch diese Seite bricht auch erst ziemlich zum Schluss raus.
Das Ende des Buches fand ich sehr abgehakt, als ob der Autor irgendwie keine Lust mehr hätte, weiterzuschreiben. Zumindest kam es mir teilweise so vor. Die Ereignisse im dritten Teil des Buches (Jahr 1356) sind auf sehr wenige Kapitel reduziert, obwohl sehr viel passiert, wodurch es eher nach "Schnell zuende" aussieht. Das macht das Buch etwas lieblos, vor allem bleiben noch einige Fragen offen, die einfach nicht erklärt werden, weil das Ende so kurz gekommen ist. Im Nachwort wird zwar gesagt, dass sämtliche Ereignisse in diesem Buch so stattgefunden haben und auch viele Figuren so übernommen worden sind, doch vor allem das Ende ist sehr sehr dürftig ausgefallen.
Insgesamt bekommt man Buch von mir 3 Sterne. Zum einen wegen der Charaktere, die sich teilweise nur spärlich entwickeln, obwohl sehr viele Jahre vorüber gehen. Und zum anderen wegen diesem lieblosen Ende, wo man denken könnte, der Autor hätte keine Lust mehr und wollte das Buch sehr schnell zu Ende bringen. Die Geschichte an sich ist aber schön und verständlich erzählt, obwohl sie mich jetzt nicht komplett gefesselt hat.