Das Taschenbuch, erschienen Dezember 2009, wurde mir vom List Taschenbuchverlag (Ullstein Bücherverlage) als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. An den Verlag an dieser Stelle noch einmal vielen Dank!
Worum geht es?
Der Roman spielt in England von 1792 - 1793. Die Familie Kellaway zieht nach dem Tod des Sohnes Tommy vom Land nach London; der Zirkusinhaber Philip Astley hat dem Stuhlmacher Thomas Kellaway einen Job in Aussicht gestellt. Seine Frau Anne, seine knapp 15jährige Tochter Maisie und sein fast 13jähriger Sohn Jem begleiten ihn und müssen sich in das Londoner Leben einfinden: Enge, viele Menschen, die Luft, der Lärm, die Häuser... Maggie Butterfield, ungefähr in Jems Alter, ist vor Ort, als die Kellaways ihr neues Heim beziehen. Sie werden Nachbarn des als seltsam angesehenen Mr. William Blake, der ganz offen mit den in Frankreich propagierten Werten von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sympathisiert. Maggie ist auf den ersten Blick ein gewitztes, spöttisches und vorlautes Londoner Straßenkind, das zwar nicht lesen kann, aber andere Qualitäten besitzt, die es zum Überleben in London befähigen und bereits eine traumatische Erfahrung gemacht hat. Der Vater Kellaway bekommt Arbeit als Zimmermann im Astleyschen Zirkus, die frühreife Maisie gerät ins Visier von John Astley, Philip Astleys Sohn. Besonders Jem, der seinen Vater hilft, und Maggie, die alsbald in einer Fabrik arbeitn wird, freunden sich an und treffen immer wieder mit Mr. William Blake zusammen. Und so geht ein Jahr "ins Land" und viele Dinge verändern sich ...
Der erste Satz:
"Es war eine demütigende Erfahrung, in einer geschäftigen Londoner Straße wartend auf einem Pferdewagen sitzen zu müssen, um sich herum sämtliches Hab und Gut aufgetürmt, das nun den Blicken der Gaffer preisgegeben war."
Nachlese
Die Wahl des Titels "Das Mädchen mit den funkelnden Augen" zusammen mit dem Klappentext
"Doch dann begegnet sie (Anm: Maggie) dem Dichter William Blake, der ihr die Tür zu ganz neuen Welten aufstößt"
weckte in mir bestimmte Erwartungen. Ich wollte etwas über ein junges Londoner Mädchen lesen, welches William Blake und durch ihn eine neue Welt oder eine Sichtweise kennenlernt, möglicherrweise seine Ideale teilen lernt oder ihn zu einem Gedicht/Gesang/Bild etc.inspiriert (und sich so auch der Titel des Romans ergibt); möglich, daß ich auch mehr über William Blake selbst erfahre ...
Wie gesagt, dies hatte ich erwartet. Was ich bekam war ein - durchaus interessanter - Einblick in das Leben der Familie Kellaway (Maisie und Jem insbesondere) und in dasjenige der Familie Butterfield (insbesondere Maggie). Als Bonus gab es etwas über den Astleyschen Zirkus zu erfahren und ja, auch etwas über William Blake incl. einiger Zeilen seiner Gedichte und philosophischer Gedanken (Gegensätze), es blitzten auch die französischen Unruhen und die Loylistenbewegung in England auf.
Obwohl die Autorin - und die Übersetzerin Ursula Wulfekamp - eine klare Sprache pflegen, die mich auch problemlos in das Geschehen einführte und festhielt, war das Erlebnis letztlich für mich frustrierend. In meinem Hinterkopf blieben über die gesamte Lektüre hinweg die erwartungsbedingten Fragen: Was hat es mit dem Mädchen (Titel) auf sich? Findet jetzt der engere Kontakt mit William Blake statt? Was wird Maggie (oder Maisie) hierdurch "entdecken" und lernen? Antworten auf diese Fragen bekam ich leider nicht.
Auf der Homepage der Autorin Tracy Chevalier fand ich zu diesem Buch folgende Inhaltsangabe:
"Burning Bright follows the Kellaway family as they leave behind tragedy in rural Dorset and come to late 18th-century London. As they move in next door to the radical painter/poet William Blake, and take up work for a near-by circus impresario, the youngest family member gets to know a girl his age. Embodying opposite characteristics – Maggie Butterfield is a dark-haired, streetwise extrovert, Jem Kellaway a quiet blond introvert – the children form a strong bond while getting to know their unusual neighbor and his wife."
Ein solcher deutscher Klappentext zusammen mit dem deutschen Titel der gebundenen Ausgabe hätten meine Erwartungen möglicherweise in die "zutreffende" Richtung gelenkt, aber das kann ich ich im Nachhinein nicht definitiv sagen. .
Ich fand die Geschichte durchaus unterhaltsam. Sie hält meinem Vergleich mit "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" derselben Autorin allerdings nicht stand. Während sich T. Chevalier dort auf Griets Kosmos (und Vermeer) konzentriert, finde ich vorliegenden Roman zwar mehr Hauptcharaktere vor, jedoch nicht so intensiv gezeichnete.
Schade. 3,0 Sterne
Was mir noch auffiel:
Ich habe keinen Zusammenhang zwischen dem Taschenbuch-Titel und dem Roman gefunden. Die gebundene Ausgabe trägt den Titel "Die Lieder des Mr. Blake" trägt - der deutlich besser paßt. Die Originalausgabe heißt "Burning Bright" und bezieht sich auf das Blakesche Gedicht "tyger tyger burning bright". Möglicherweise sollte mit der Taschenbuch-Titelwahl an "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" erinnert werden...