(Rezension von Feder)
Sonea hasst wie alle Bewohner der Hüttensiedlung die Magier der Gilde, da diese ihre Fähigkeiten nur im Sinne der wohlhabenden Einwohner der Stadt Imardin einsetzen. Der Unterschicht droht nur Unheil von ihnen, was die alljährlichen Säuberungen durch die Magier beweist.
Umso überraschter ist Sonea, als es ihr gelingt, bei einer dieser Säuberungen einen Magier mit einem Stein zu verletzen. Ein unmögliches Unterfangen für einen gewöhnlichen Menschen, schützen sich die Magier doch stets mit einem Schutzschild vor derartigen Attacken. Da es Sonea aber dennoch gelungen ist, lässt das nur einen Schluss zu: Sie, ein einfaches Mädchen aus den Hütten, trägt Magie in sich.
Aus Angst, die Gilde könnte einen Magier aus der Unterschicht nicht in Imardin dulden, flüchtet sie, doch die Magier sind ihr dicht auf den Fersen. Der Dieb Faren gewährt ihr schließlich seinen Schutz. Im Gegenzug muss sie ihm als Magierin zu Diensten sein.
Sonea willigt ein, obwohl sie ihre Kräfte noch immer nicht wirklich kontrollieren kann. Und je länger ihr Versteckspiel mit den Magiern dauert, umso mehr scheinen ihr ebenjene Fähigkeiten zu entgleiten, bis sie sich schließlich ganz selbstständig zu machen drohen.
Doch genau davor haben sich die Magier der Gilde gefürchtet: Ein Magier ohne Kontrolle über seine Kräfte wird im wahrsten Sinne des Wortes zu einer gefährlichen Zeitbombe.
Als dies auch den Dieben klar wird, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihre Abmachung mit Sonea zu brechen und sie an die Gilde auszuliefern. Rothen findet sie schließlich im allerletzten Moment und hilft ihr dabei, ihre Magie zu zügeln, ehe sie vollends die Kontrolle verliert und das halbe Hüttenviertel mit sich in die Luft sprengt.
Doch Soneas erste Erleichterung verwandelt sich rasch in Panik, als sie in der Gilde wieder zu sich kommt und man ihr sogar einen Platz in den Reihen der Magier anbietet. Nun steht Sonea vor der wohl wichtigsten Entscheidung ihres Lebens …
„Die Rebellin“ ist Trudi Canavans Debüt-Roman und ein gleichsam der Auftakt zur Trilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“.
Der Komplex der Flucht und des Versteckens vor den Magiern, während Sonea ihre Kräfte entdeckt und gleichzeitig immer mehr die Kontrolle darüber verliert, nimmt den größten Teil der Geschichte für sich ein.
Zwar sind die Bemühungen der Magier genauso spannend geschildert wie die Fluchtversuche der Protagonistin und ihrer Freunde, gegen Ende zieht sich die ganze Jagd für meinen Geschmack jedoch etwas zu sehr in die Länge. Ich war ehrlich gesagt, trotz des fließenden und wunderbar bildreichen Schreibstils der Autorin, froh, als die Magier Sonea endlich in die Enge getrieben und gestellt haben.
Denn nun beginnt der meiner Meinung nach wirklich interessante Teil des Buches.
Eindrucksvoll und für den Leser nachvollziehbar wird auf den folgenden Seiten beschrieben, wie Lord Rothen versucht, ihr Vertrauen zu gewinnen. Dies geschieht natürlich nicht ohne Komplikationen, da Sonea den Magiern nach wie vor mit konsequentem Misstrauen begegnet.
Das finde ich persönlich sehr gut umgesetzt. Nachdem die Jagd vorbei ist, behält Sonea ihre Haltung bei und lässt sich nur nach und nach von den guten Absichten von Rothen überzeugen. Dadurch gewinnt ihr Charakter an Tiefe und Liebenswürdigkeit, die ihr zumindest aus meiner Sicht in der ersten Hälfte des Buches etwas gefehlt haben. Sie wirkt authentisch und herrlich frisch im Kontext der starren, gehobenen Magiergesellschaft.
Auch Rothen und sein Freund Dannyl sind zwei wahrhaft gelungene Charaktere. Rothen, der ältere liebenswürdige Magier, verkörpert schon von seinem ersten Auftritt an die Mentorenrolle, die er später auch einnehmen wird. Der Leser nimmt ihm ohne große Zweifel seine ehrliche Sorge um Sonea ab, die ihn von den meisten seiner Magierkollegen, die in den Hüttenleuten eher eine Plage sehen, unterscheidet.
Dagegen ist Dannyl ein kleiner Rebell, der sich auf Kosten seiner Karriere über die Anweisungen der älteren Magier hinwegsetzt, um das zu tun, von dem er überzeugt ist, dass es das Richtige ist.
Und obwohl Dannyl und Rothen vom Wesen so gänzlich unterschiedlich sind, harmonieren sie doch gerade deshalb so herrlich miteinander.
Es ist meiner Meinung nach auch diesen beiden Charakteren zu verdanken, dass die erste Hälfte des Buches sich nicht als noch langwieriger zu lesen herausgestellt hat.
Die anfänglichen Mängel, was Abwechslung in der Handlung betrifft, werden dann zum großen Teil von einer kleinen Intrige im hinteren Drittel und vor allem mit der Offenbarung von Akkarins – der Hohe Lord der Gilde – Geheimnis wieder wett gemacht.
Schlag auf Schlag wechseln sich Soneas Bemühungen, Rothen vertrauen zu können, mit den heimlichen Intrigen Ferguns, eines Magiers, der das minderwertige Hüttenmädchen nur zu gerne wieder aus der Gilde haben möchte, ab.
Dem Leser offenbart sich beinahe auf jeder Seite etwas Neues und so war ich am Ende fast ein wenig enttäuscht, als ich die letzte Seite hinter mir gelassen habe. Doch dafür gibt es ja den zweiten Band.
Trotz der etwas langatmigen Flucht Soneas vor den Magiern ist „Die Rebellin“ ein durchaus gelungener Start der Trilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“, da vor allem das Ende eine sehr vielversprechende Aussicht auf die weiteren Teile bietet.
Wer auf der Suche nach einem fantastisch angehauchten Roman ist und sich nicht daran stört, dass die Glanzmomente des ersten Bandes etwas auf sich warten lassen, der wird von „Die Rebellin“ nicht enttäuscht werden.