(Rezension von DonnaGiovanni)
„Magie“ ist die Vorgeschichte zur Trilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“. Es geht um Tessia, ein sogenanntes Naturtalent, bei der sich Magie selber gebildet hat. Während sie ihre Ausbildung bei Lord Dakon antritt, durchstreifen Sachakaner das Land und hinterlassen Verwüstung. Es kommt zu einem Krieg und sämtliche kyralischen Magier sind dazu aufgerufen, sich der Bedrohung zu stellen. Die Invasion verlangt vieles, doch wird den Magiern klar, dass es vom Vorteil sein kann, Wissen zu teilen und gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten ...?
Es gibt einfach nicht viel zu dem Buch zu sagen, denn die Handlung dümpelt einfach vor sich hin und als Leser wird einem nicht wirklich klar, wohin es gehen soll. Hier und da wird kurz in einem Satz die Idee einer Magiergilde angesprochen, aber der große Krieg würgt das Thema wieder ab. Ich hätte gerne mehr darüber erfahren, wie die Gilde gebaut wurde und das System entstanden ist. Schließlich geschieht das nicht von jetzt auf gleich. Es wäre sicherlich interessant gewesen zu erfahren, wie die Heilergilde das aufgenommen hat und auch die drei Disziplinen entstanden sind. Welche Rolle haben wohl Jayan und Tessia dabei gespielt? Dies wird alles nur angeschnitten. Im Vordergrund steht einfach nur der große Krieg, der sicherlich wichtig für die Geschichte Kyralias ist, doch es gibt noch viel Interessanteres, was Kyralia zu bieten hat.
Trudi Canavan hat mit Kyralia und Sachaka zwei unterschiedliche Länder samt Kulturen erschaffen, die eine interessante Geschichte mit sich bringen. Endlich kann man die Kriege, die in der Trilogie immer nur angeschnitten wurden, miterleben, auch wenn die Inhaltsangabe etwas anderes verspricht. Sachaka ist ein sehr traditionelles Land, die Frauen werden unterdrückt und geben sich einfach ihrem Schicksal hin. Sklaven gehören zum Alltag und ohne sie ist ein Leben undenkbar. Ebenso mit der Homosexualität sind die Sachakaner sehr streng, man denkt darüber erst gar nicht nach. Dagegen ist es für die Ashaki (sachakanische Magier) das normalste auf der Welt, die Ehefrau des Sohnes zu ermorden, wenn sie keine Kinder gebären kann.
Hier ist noch einiges anders und die Gilde, wie wir sie kennen, gibt es nicht. Es wird höhere, also schwarze Magie (dabei wird Magie von anderen Menschen genommen) praktiziert und einige Magier besitzen ein Lehen und sind somit Lords. Ein Lord kann Meisterschüler aufnehmen und lehrt sie die Magie und im Gegenzug schwören sie dem Lord ihre Treue, der daher im Falle eines Krieges oder ähnlichem die Befugnis hat, ihnen Kraft zu nehmen.
Das Buch versprach eine Geschichte von einem Mädchen namens Tessia und nach den ersten paar Kapiteln war mein erster Gedanke: Nein, nicht noch einmal eine Sonea! Das macht einfach alles kaputt. Es ist schade, denn Frau Canavan besitzt die „Gabe“, wundervolle Welten und Charaktere zu erschaffen, hier aber kopiert sie sich einfach selber.
Wenn man sich die anderen Charaktere genauer ansieht, ähneln auch sie einigen Figuren aus der Trilogie. Das ist schade, allerdings es fällt auch nicht so sehr auf wie bei Tessia: Lord Dakon, Tessias Lehrer, ist schon älter, aber sehr herzlich. Er ist geduldig und scheint sehr vernünftig zu sein und mag auch etwas an Rothen erinnern, aber davon ist er eher weit entfernt. Leider hat er schon einen Meisterschüler, Jayan; er scheint am Anfang ein Verwandter von Regin zu sein.
Jayan jedoch ist vernünftiger und als Lord Dakon den stillen Konflikt – Tessia bekommt mehr Aufmerksamkeit als Jayan – zwischen seinen Meisterschülern bemerkt, redet er mit ihm und Jayan versucht sich zu ändern. Sein Charakter macht wohl die größte Wandlung durch und es ist einfach richtig süß. Leider wird auch die Handlung bei ihm teilweise voraussehbar, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch. Nicht im Geringsten, es ist eher das kleinere Übel.
Ein weiterer mehr oder weniger wichtiger Charakter ist Stara. Sie hat mich wohl am meisten überrascht. Sie kommt aus Elyne und ihr Vater ist Sachakaner, wo sie nun leben soll. Ihre Parts wirkten auf mich zu Anfang sehr langweilig. Das ändert sich aber mit der Zeit, denn sie bietet dem Leser erste Einblicke in die sachakanische Kultur, die bisher als sehr rau dargestellt wurde und auch da kannte man hauptsächlich nur die Ichani (vom Kaiser ausgestoßene Sachakaner bzw. Ashaki). Ich war genauso schockiert wie Stara, als man auf die wirklich andere Kultur trifft. Das bewundere ich einfach an Trudi Canavan, weil sie kulturelle Probleme, die recht aktuell sind, in ihren Bücher mit einbringt. Am Ende trifft Staras Handlung auch auf die von Tessia, doch dauert die Begegnung nur wenige Absätze lang. Ihr Ende ist sehr offen und verspricht viel.
Etwas ungewöhnlich sind die Parts aus Hanaras Sicht. Hanara ist der Sklave von Takado, dem Sachakaner, der die Invasion auf Kyralia antreibt. Hanara wird die Freiheit angeboten, doch kommt dieser aus Angst zu seinem Herrn zurück und man hat erste Einblicke in das Leben eines Sklaven und eines Sachakaners. Bei ihm ist die raue Lebensart total normal und etwas anderes kann er sich nicht vorstellen, wogegen Stara es völlig schockierend findet. Es ist interessant, die Kultur aus zweierlei Blickwinkeln zu betrachten. Leider waren diese Parts eher unspektakulär und nicht förderlich für die Handlung, weshalb ich häufig die Absätze nur überflogen habe.
In diesem Buch dreht es sich nicht hauptsächlich um Magie, wie der Titel versprechen mag, es ist mehr der jahrhundertalte Konflikt zwischen den beiden Ländern, den man auch in der Trilogie zu spüren bekommt, der im Vordergrund steht. Ich denke, mit einigem Vorwissen durch die anderen Bücher macht es etwas mehr Spaß, denn es ist interessant, etwas über die sonst so verbotene Magie zu erfahren, wobei es hier doch alltäglich ist.
Aber im Großen und Ganzen dümpelt das Buch vor sich hin und wenn man mit einigen Charakteren nicht klarkommt, so macht es erst recht keinen Spaß. Die Handlung ist vorhersehbar, überraschende Wendungen fehlen und teilweise ist es einfach nur traurig, dass es nichts gibt, worauf man sich freuen und niemanden, mit dem man mitfiebern kann.
Man hat hiermit eine Vorgeschichte geschaffen, die auf den ersten Blick sehr an die Trilogie erinnert. Das eigentliche Thema oder worauf man aufmerksam machen will, wird nur kurz angeschnitten. Wer weiß, worauf er sich einlässt und nicht etwas völlig anderes erwartet, dem wird es sicherlich zum Teil gefallen können. Man muss es selber wissen, ich würde es niemandem empfehlen, denn hier fehlen einfach die Spannung und Charaktere, die man vollkommen ins Herz schließt. Dieses Buch zieht sich
ungemein in die Länge und man wartet vergebens auf spannende Passagen. Jedoch gibt es einen kleinen Pluspunkt, denn die sachakanische Kultur wurde wunderbar dargestellt und auch die Unterdrückung der Frauen und das Frauenhaus waren eine tolle Idee. Bitte mehr davon!