Leser-Rezension zu „Aufbruch” von Ulla Hahn

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gina_mayer gina_mayer
Verfasst von gina_mayer
am 4.07.2010
 

Den ersten Teil der Geschichte habe ich vor zwei Jahren verschlungen: „Das verborgene Wort“ erzählt wortgewaltig von Hildegard Palm, dem „Kenk vun nem Proleten“, die ihrer strengkatholischen Familie und der engen Nachkriegs-Arbeiterwelt entkommen will und es letztendlich auch schafft. Am Ende des Buchs wird Hildegard, genannt Hilla, auf dem Aufbaugymnasium angenommen. „Aufbruch“ setzt da ein, wo „Das verborgene Wort“ endet: Anfang der Sechziger Jahre. Hilla macht jetzt Abitur und geht einem die ersten zweihundert Seiten fürchterlich auf die Nerven mit ihrer Belesenheit und ihrer Strebsamkeit und ihrer Besserwisserei. Gut, dass sie wenigstens in Mathe versagt und in Liebesdingen erst recht. Den reichen Godehard will sie nicht, den verschrobenen Pe-ter kriegt sie nicht (wie schon im ersten Teil), wer lernen und studieren will, darf sich eben nicht binden. Das klingt ziemlich platt, und die Handlung ist mit-unter auch platt. Wenn Godehard die proletarische Hilla nur liebt, weil sie ihn an seine verstorbene Geliebte erinnert oder wenn Frau Direktor Wagenstein Hilla als Nachhilfelehrerin ausbeutet und hinterher auch noch um den spärlichen Lohn betrügt.
Aber die Sprache macht alles wieder wett. Ulla Hahn schreibt so verschroben poetisch, so verschlungen und seltsam und gleichzeitig doch wieder so glasklar, dass man ihr verfällt. Also, ich jedenfalls. Teil drei kommt bestimmt und ich werde ihn auch wieder lesen.
Wahrscheinlich quält Hilla sich dann mit Ehemann, Ehrgeiz und Selbstverwirklichungsdrang durch die Siebziger.

 

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Aufbruch Aufbruch
Ulla Hahn

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Aufbruch
von Ulla Hahn

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