Leser-Rezension zu „Unscharfe Bilder” von Ulla Hahn
am 10.03.2011
Katja und ihr Vater stehen sich sehr nahe. Ihr ganzes Leben war sie für ihn ein Vorbild, das der distinguierte Oberstudienrat Musbach ihr auch im Alter bleibt. Die Wehrmachtsausstellung ist für Katja jedoch ein Schock. Sie beginnt den Vater nach der eigenen Vergangenheit als Wehrmachtsoldat zu befragen. Anfangs widerwillig wird Musbach immer tiefer in seine traumatischen Erinnerungen hineigezogen. Doch Musbach erzählt eine andere Geschichte als die von seiner Tochter erhoffte oder erwartete. Es geht ihm um die eigenen Leidenserfahrungen, die eigene Position als Opfer des Krieges, für die die Tochter wenig Verständnis hat. Und so wird das Gespräch der beiden zunehmend zur Anklage. Katja erwartet ein Schuldeingeständnis, dass der Vater ihr jedoch beharrlich verweigert.
Hahns Roman greift die ganz großen Themen aus, Erinnerung, Schuld, Vergebung. Die Grenzen von Opferschaft und Tätersein verwischt sie, was ihr immer wieder auch zum Vorwurf gemacht wurde. Der Schluss des Romans driftet leider ins Sentimentale ab und bittet allzu einfache Lösung für schwerwiegende Konflikte an.
Ulla Hahns Roman [B]Unscharfe Bilder[/B] hat die Konzentration eines Kammerspiels, ein Großteil des Buches wird von den Gesprächen zwischen Tochter und Vater gefüllt. Nebenfiguren bleiben hingegen ziemlich blass. Dabei kontrastiert die relative Idylle, in der beide leben, permanent mit der Brutalität de Kriegsszenen, die sie anschaulich beschreibt.
Sprachlich hält sich die Lyrikerin Hahn sehr zurück. Ganz gezielt wählt sie eine Sprache des Alltäglichen, die dennoch nicht banal ist.
[B]Unscharfe Bilder[/B] ist sicherlich nicht das beste Buch von Ulla Hahn. Lesenswert fand ich es allemal.

