"Hendrikje, vorübergehend erschossen" nennt sich Ulrike Purschkes Debutroman.
Der Klappentext verspricht eine amüsante und interessante Geschichte:
"Von einer, die sich immer selbst die Schuld gab. Hendrikje wird vom Pech verfolgt und vom Schicksal gebeutelt. Der Vater ist unbekannt und die Mutter nach Amerika gegangen, als Hendrikje fünf Jahre alt war. Und jetzt sitzt sie auch noch im Gefängnis. Wie es dazu kommen konnte, erzählt sie der spröden Frau Doktor Palmenberg, die vielleicht dafür sorgen kann, dass Hendrikje vorzeitig rauskommt. So erfahren auch wir, was passiert ist: Eigentlich hatte Hendrikje ihr Leben ganz gut im Griff. Tagsüber schuftet sie als Bedienung in einem Café, nachts malt sie Bilder in einem billigen Atelier. Die Aussichten auf eine Ausstellung stehen gut, da kommt es - natürlich an Weihnachten - ganz knüppeldick. Der Freund läuft weg, die Oma stirbt, das Atelier brennt ab, und weil es angeblich Brandstiftung war, zahlt die Versicherung nicht. Von einem Tag auf den anderen ist Hendrikje bis über beide Ohren verschuldet, allein und todunglücklich.
Und weil ihr der erste Selbstmord ganz kläglich misslingt, versprechen ihre Freunde, ihr beim zweiten Mal selbstlos zu helfen.
Bloß, dass am Ende nicht Hendrikje, sondern zwei ihrer Freunde tot sind."
Weiterhin wird der Roman als "ungewöhnlich warmherzig und witzig" bezeichnet, man könne mit Hendrikje "lachen und weinen".
Für mich war dieser Roman leider eine herbe Enttäuschung. Die Zusammenfassung klingt vielversprechend, ein witzige und zugleich tiefgründige Erzählung hätte man hier niederschreiben können.
Die Art, wie Ulrike Purschke erzählt, ist im Gesamtpaket recht annehmbar, an manchen Stellen auch einigermaßen amüsant. Zumindet die Protagonistin Hendrikje wirkt in ihrer Ausdrucksweise verwirrt und sehr naiv, was der zu vermittelnden Botschaft auch zu Gute kommt.
Allerdings wirken für mich alle Charaktere, außer vielleicht ein, zwei Nebendarsteller, so unrealistisch, dass das Buch am Ende wirklich kaum Spaß gemacht hat. Spaß bedeutet hierbei nicht Action, sondern auch, dass es an Emotionalität und Tiefe mangelt.
Allein Hendrikjes Freunde, die ihr beim Selbstmord helfen wollen - an sich natürlich eine skurril-komische Tatsache - werden sehr unangenehm dargestellt. Soll heißen: Ich kann mich mit keinem der Personen anfreunden, keine Handlung nachvollziehen, nichtmal, wenn ich die "Humorbrille" aufsetze; Den Schwarzen Humor beherrschen andere Autoren besser.
Selbst wenn man akzeptiert, dass einige Verhaltensweisen der Personen auch im realen Leben vorhanden sind - sind sie bei manchen Menschen sicherlich -, so bleiben trotzdem nur leere Hüllen übrig.
Die Wortwahl entspricht zwar dem Geisteszustand der jeweiligen Charaktere und deren Verhaltensweisen, trifft meinen Geschmack jedoch überhaupt nicht.
Dennoch glaube ich, dass der Roman dem einen oder anderen Leser sehr gut gefällt und kann somit nur den Rat geben, sich an dem Buch zu versuchen, wenn man das Risiko eingehen kann, ein sehr gutes oder sehr schlechtes Buch lesen zu werden.