Leser-Rezension zu „Der verschlossene Garten” von Undine Gruenter

Rezension als hilfreich gekennzeichnet: (5)

Rock-n-Roll Rock-n-Roll
Verfasst von Rock-n-Roll
am 8.02.2012
 

Zwar zeugt dieser letzte Roman der verstorbenen Autorin Undine Grueenter von einer brilianten Intelligenz und einem gestochen Schaftsinn, denn man nur selten liest, aber er ist auch sehr handlungsarm, was das Lesen erschwert.
Der 60-jährige Soudain ("plötzlich") heiratet Equilibre ("Gleichgewicht"), Tochter aus gutem Hause, sie ist gerade erst 20 und hat keinen Beruf erlernt, beschäftigt sich mit den schönen Künsten, Klavier spielen, Lesen, Gäste unterhalten. Soudain ermöglicht beiden ein Leben ohne Sorgen, in einem Haus am Stadtrand von Paris mit wunderschönem Garten, der von beiden gestaltet wird. Im Laufe dieser Ehe wird es immer langweiliger. Ein Hund wird angeschafft, die junge Equilibre hat Phasen die man in der Literatur als hysterisch bezeichnen kann. Eines Tages kommt Besuch ins Haus in Form eines 40-jährigen Anwalts, Saint-Polar, der schlussendlich bei den beiden einzieht, sich in Equilibre verliebt und sie für sich haben will. Diese ist hin- und hergerissen, verbringt Zeit mit beiden Männern, es wird so getan als wäre würde alles so weitergehen wie bisher. Unverständlich das nicht-reagieren von Soudain, der den Dingen seinen Lauf lässt und doch verletzt zu sein schein. Er begreif seine Liebe zu Equilibre als "Entwurf", während die Liebe von Saint-Polar eher als "Passion" zu betrachten ist. Equilibre verschwindet eines Tages, verlässt beide Männer und möchte fortan ein selbstbestimmtes Leben führen und selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Die große Freiheit, die ihr in der Ehe ermöglicht wurde den Tag so zu gestalten, wie sie es wünschte, entpuppte sich als Gefängnis für die junge Frau, aus dem sie selbst aber auch keine Anstrengungen unternimmt zu entfliehen. Soudain ist es durchaus bewusst, dass viele Freunde das Paares Berufe haben, selbstbestimmt leben und es für seine junge Frau auch das beste wäre, aber er begreif die Ehe als Experiment und es scheint ihm zu genügen, dass die beiden eine erfüllte Sexualität haben. Er wirkt wie ein Mann aus dem 19. Jahrhundert.
Trotz der aufkommenden Langeweile im Laufe der Lektüre, verdient dieses Buch die volle Punktzahl weil ein solch schöner Lesefluss eines philosophischen Textes eine Meisterleistung ist.

 

Dein Kommentar zu dieser Rezension

Der verschlossene Garten Der verschlossene Garten
Undine Gruenter

(7)  

12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

liebe, verlassensein, paris, frankreich, trennung

Kaufen bei amazon.de
Der verschlossene Garten
von Undine Gruenter

Teilen