Leser-Rezension zu „Meeresrand” von Véronique Olmi
am 7.10.2007
Eine alleinerziehende Mutter, die dem Sozialamt nicht unbekannt ist, will mit ihren beiden Kindern Stan (9) und Kevin (5) verreisen. Um ihnen das Meer zu zeigen, denn sie ist fest überzeugt, dass sie das Meer sehen müssten auf dieser ersten und letzten gemeinsamen Reise. Sie stellt es sich so schön vor. Das blaue Meer und wie ihre Kinder staunend und begeistert Muscheln sammeln.
Doch die Busfahrt dauert lang und sie hat Kevins „Lulli“ vergessen, das Hotel ist hässlich, hat keinen Lift, viel zu kleine Zimmer und die Bettwäsche ist alles andere als neu. Zu allem Übel regnet es die ganze Zeit, das Meer ist grau und wütend und nichts ist schön.
Véronique Olmi las wohl eines Tages einen Artikel über eine Kindsmörderin in der Zeitung und schrieb daraufhin ihren ersten Roman „Meeresrand“.
Ein Roman der die Geschichte einer Mutter erzählt die schwer depressiv ist. Die Geschichte zweier Kinder die ihre Mutter lieben, aber wissen, dass sie krank ist. Es ist eine Geschichte die so bedrückend, so aufrüttelnd, so tragisch sein könnte, wenn die Autorin sich konsequent dafür entschieden hätte sie aus der Sicht der Mutter zu erzählen, mit allen Höhen und Tiefen, mit allen depressiven Schüben, dem Abdriften, dem dunklen Sog. Doch stattdessen verstrickt sie sich in Erklärungen, sobald sich ein solcher Abgrund andeutet.
Später meinte Véronique Olmi wohl, dass sie nach drei Monaten Arbeit an diesem Buch froh sei, es beendet zu haben, weil sie die psychische Nähe zu jener Mutter nicht länger hätte ertragen können.
So wie die Protagonistin immer ganz nah an ihr Ziel herankommt, ohne es zu erreichen, gelingt es auch der Autorin nicht dieses Buch zu einem wirklich guten Buch zu machen, obwohl sie über die sprachlichen Fähigkeiten verfügt, einen sehr guten Stoff hat, Personen und Plot wirklich gut durchdacht sind.
Das ist sehr schade und die Tatsache, dass sie sich nicht entscheiden wollte die Geschichte entweder komplett mit den Augen der Mutter und all ihren Gedankengängen oder sachlich und nüchtern zu erzählen nervt. Dabei sollte er bedrücken, aufwühlen, den Leser Ekel empfinden lassen und Fragen aufwerfen, die es heute mehr denn je zu beantworten gilt.

