Nachdem ich gerade die Vorgeschichte „Gärten der Nacht“ gelesen hatte, war ich froh, dass ich auch den ersten eigentlichen Band dieser Tetralogie in meinem Regal hatte. Auch wenn ich die Umsetzung in der Vorgeschichte sehr vorhersehbar fand, war meine Neugierde geweckt.
Corinna und Chris haben inzwischen vier gesunde Kinder, zwei Mädchen und zwei Jungen bekommen. Als Chris an seinem 36 Geburtstag bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, muss Corinna ihre Eltern, Malcolm und Olivia um Hilfe bitten. Diese hatten sie verstoßen, da Corinna die Stiefnichte von Chris war und ihre Liebe somit auf Inzest beruhte. Olivia erlaubt Corinna wieder nach Hause zu kommen, aber nur unter der Bedingung, dass Malcolm nichts von den Bastarden erfährt. Die vier Kinder, der älteste ist 14, werden in einem verdunkelten Zimmer eingesperrt und müssen dafür sorgen, dass niemand etwas von ihrer Anwesenheit erfährt. Wie Tiere bekommen sie einmal täglich ihr Essen gebracht, müssen sich selbst beschäftigen und kommen niemals nach draußen. So verleben die Kinder Jahre, immer in der Hoffnung, dass ihr Großvater endlich stirbt, und sie wieder frei sind. Doch alles kommt anders.
Der Einstieg in dieses Buch war für mich eine kleine Auffrischung der Vorgeschichte. Die Vorgeschichte endet mit dem Einschluss der Kinder. Hier durfte ich zwar noch einmal ausführlich erleben, wie es für die Kinder war, wie sie den Tod des Vaters erlebt haben, aber im Grunde waren die ersten 50 Seiten einfach nur eine kleine Erinnerung, die der Autorin alles andere als gut gelungen ist. Von einer so bekannten Autorin, wie V. C. Andrews, erwarte ich, dass ihre Werke, besonders eine Saga oder auch nur die Vorgeschichte, zueinander passen und abgestimmt sind. Dies ist hier nicht der Fall und nachdem ich zwei Fehler entdeckt hatte, war ich ehrlich gesagt am Überlegen, ob ich mir den Rest wirklich antun wollte. In der Vorgeschichte stirbt Chris, als ihn ein Betrunkener überfährt, kurz vor seinem 36. Geburtstag. Im ersten Band der Saga ist er in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt, an dem zwar ein Betrunkener beteiligt ist, er diesem aber ausweichen konnte und im Grunde nur auf Grund eines Gegenstandes auf der Fahrbahn sich überschlug und in seinem Wagen verbrannte. Dies geschah an seinem 35. Geburtstag. Dies sind nur zwei der Fehler, die mir beim Lesen aufgefallen sind. Tut mir leid, aber von einer guten Autorin erwarte ich, dass sie das zuerst geschriebene Werk mit ihrem nächsten Teil abgleicht.
Nachdem ich mich zum Weiterlesen animiert hatte, wurde ich in den neuen Abschnitt geführt, der mir noch gänzlich unbekannt war. Beschrieben wird die Situation aus der Ich-Perspektive von Cathy, die Jahre später alles aufschreibt. Sie berichtet ausführlich, wie es war über Jahre in einem kleinen Zimmer eingesperrt zu sein. Ab diesem Zeitpunkt ließ sich die Geschichte zügig lesen, denn der Stil ist genauso leicht, verständlich und packend, wie im vorherigen Band. Aus diesem Grund hab ich das angefangene Buch auch in einem Zug durchgelesen.
Als Mutter und Leserin stellt sich am Ende des Werkes jedoch die Frage, wie authentisch die Geschichte verfasst wurde. Das Eltern gegen eine Ehe sind, zwar aus anderen Gründen, und somit auch bedenken wegen der Kinder haben, ist mir gar nicht so fremd. Trotzdem war es für mich unverständlich, wie man als liebende Mutter so handeln kann, und geliebt muss Corinna ihre Kinder am Anfang sehr. An diesem Punkt sage ich mir noch, dass es weltweit genug Rabenmütter gibt,denen ihr Wohl wichtiger ist. Unrealistisch ist jedoch, dass sich Kinder solange einsperren lassen. Chris ist am Anfang 14 Jahre alt und am Ende des Buches 17. Kein Heranwachsender würde sich über drei Jahre einsperren lassen. Spätestens bei der einen oder anderen Aktion, die die Großmutter durchführt, hätte sich ein so großer Junge gewehrt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in den 50er Jahren,wo die Geschichte spielt, es groß anders gewesen wäre.
Auch das Ausmaß der vorhandenen Inzest, welche sich immer wieder andeutet, habe ich mir im Verlauf der über 400 Seiten schlimmer vorgestellt. Zumindest habe ich persönlich mit früheren und mehrfachen Übergriffen gerechnet, was definitiv nicht der Fall. Für mich klang dies sogar extra eingefügt, damit es überhaupt vorkommt. Es wirkte für mich deplatziert. Augenscheinlich braucht die Autorin diese Fantasien in jedem Buch.
Wäre nicht dieser leicht unrealistische Ansatz, die Wiederholungen am Anfang und die gravierenden Fehler, würde mir das Buch wesentlich mehr zusagen. Nichtsdestotrotz kann ich es jedem empfehlen, den eine solche Thematik nicht abschreckt.