Leser-Rezension zu „Ein kalter Strom” von Val McDermid

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schuker schuker
Verfasst von schuker
am 22.10.2010
 

Der dritte Fall von Carol Jordan und Tony Hill führt die beiden diesmal nach Deutschland, jedoch in unterschiedlicher Mission. Während Carol in Berlin under cover versucht, einen internationalen Menschen-, Drogen- und Waffenhändler zu überführen, will Tony inoffiziell einen Serienmörder zur Strecke bringen. Dieser wurde als Kind von seinem Großvater schwer misshandelt und gedemütigt und rächt sich nun für das erlittene Unrecht an den Opfern, alles Psychologen, die seiner Ansicht nach für sein Leiden verantwortlich waren.
Am Ende schweben beide Ermittler in Lebensgefahr...

Leider hat mich dieser Krimi sehr enttäuscht. Meines Erachtens bisher der schwächste Teil der Reihe. Knapp 600 Seiten langweiliges Blabla. Die beiden unterschiedlichen Handlungsstränge waren beide sehr ermüdend und kamen nicht wirklich voran. Nach einem vielversprechenden Anfang dümpelt die Handlung nur so dahin, um zum Schluss nochmals ein paar Zuckungen als Lebenszeichen von sich zu geben. Eine kleine Versöhnung für die Qual des Lesens und der verschwendeten Lebenszeit.
Val McDermid schreibt in ihrer Danksagung, dass es viele Risiken birgt, wenn man sich außerhalb des vertrauten heimischen Bereichs bewegt. In Bezug auf die Schauplätze verschiedener europäischer Orte und bei den einzelnen Polizeistrukturen hat sie sich einige "teuflische Freiheiten" geleistet. Aber da es sich ja um Fiktion handelt, würde der Leser ihr ihre lockere Hand im Umgang mit der Realität nachsehen. Doch genau hier sehe ich den Fehler. Vor allem einem deutschen Leser fällt dieser lockere Umgang mit der Realität auf. Hier wird deutlich, dass die Autorin keine Ahnung von deutscher Polizeiarbeit hat und dass diese haarsträubende Undercover-Mission wirklich peinlich ist. Die Figur der Carol Jordan wird immer als besonders intelligent beschrieben, doch bei diesem Fall verhält sie sich äußerst dämlich. Das hat mich schon sehr aufgeregt. Ein weiterer Aufreger waren die ausgewählten deutschen Namen. Zugegeben, ein eher nebensächlicher Aspekt, aber im Jahr 2002 heißt ein 8-jähriger Junge nicht Hartmut und ein 6-jähriges Mädchen nicht Tanja. Und Personen, die Mitte/Ende der 70er geboren wurden, heißen auch nicht Wilhelm, Hans oder Margarete . Deutsche Vornamen unterscheiden sich auch nicht großartig von den englischen. Wäre es so schwer gewesen, den Figuren Namen wie Thomas, Daniel, Andreas, Stefan, Sebastian, Andrea, Melanie, Kathrin, Kerstin, Silke, Sabine oder Simone zu geben? Und bei den Kindern hätte man da noch einen Ticken moderner werden können.

An dieser Stelle möchte ich nochmals auf die britische TV-Serie "Wire in the Blood" (Hautnah-Die Methode Hill, ZDF) verweisen. Diese Serie basiert auf den Romanen von Val McDermid, ist aber qualitativ um Welten besser. In Staffel 6 Episode 2 "Falls the Shadow" wird der Handlungsstrang des psychologenmordenden Serienkillers aufgegriffen. Diese Episode ist eine der spannendsten und besten Folgen der Serie und stellt die Buchvorlage deutlich in den Schatten.

 

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Ein kalter Strom Ein kalter Strom
Val McDermid

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Ein kalter Strom
von Val McDermid

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