Rezension verfasst vor 1 Jahr
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"Ich wollt es wäre Schlafenszeit und alles wäre vorbei." (10.August, Mittwoch 1938)
Mit der Machtergreifung Hitlers beginnt das Zeugni des Victor Klemperer, welches abzulegen er seiner Nachwelt über 12 Jahre lang als Pflicht und Selbstgeißelung aufrecht erhält. Victor Klemperer ist Germanistikprofessor in Dresden, was aber vor dem Hintergrund des Naziregimes zu einem unwesentlichen Detail abgeschwächt wird. Von nun an bleibt vordergründig, dass er Jude ist. Mit der Rektorwahl, die er bereits 1933 als "schmutzige Sache" bezeichnet, beginnen seine Aufsätze, mit der Befreiung aus dem Arbeitslager und der wiedererlangten Freiheit enden sie - vorläufig. Seine arische Frau Eva ermöglicht ihm ein Überleben zwischen Verdunkelung und Kartoffelkeller.
Victor Klemperer, von Berufs wegen ein begnadeter Schreiber, führt durch unmittelbare Nähe dem Leser die Gepflogenheiten der Deutschen gegenüber den Juden vor Augen. Wir erfahren ungefiltert, was es heißt, Pogrome, Unterjochung und Enttäuschungen zu erleben. Seine sachliche, auf Berichtscharakter abzielende Darstellungsweise nötigt Klemperer eine erstaunliche Objektivität ab, die ihm nicht immer leicht fällt. "Als ich mir noch in harmloser Verfassung die Sprache des dritten Reichs notierte, vermerkte ich in den letzten Wochen vor der Katastrophe: 1) das plötzlich ganz offene Prahlen in Wort und Bild [...] (6. Dezember, Dienstag, 1938) Parallel zum Tagebuch sammelt Victor Klemperer Sprachversatzstücke, Wortfetzen, Neologismen sowie Entlehnungen, die er als "Lingua Tertii Imperii" herausbringen will, dass es ihm nach dem Krieg gelingt, scheint während der Zeit der Nationalsozialisten unmöglich. Nicht nur seine Manuskripte gehen einen abenteuerlichen Weg.
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