ch bin ja ein Fan skandinavischer Krimis und auch Unterhaltungsliteratur, denn die Skandinavier sind für mich ein Inbegriff für elegante und vollendete Schreibkultur, egal welchen Genres - ja, ok es gibt da so ein paar Ausnahmen...aber der überwiegende Teil ist ein wahrer Lesegenuss.
Was war diesmal mein Objekt des Lese-Begehrens? Eine mir bis dato unbekannte schwedische Autorin: Viveca Sten mit ihrem 2. Krimi Tod im Schärengarten
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*°*°Daten°*°*
I den innersta kretsen 2009 im Original erschienen | 2011 in Deutsch im Kiwi-Verlag | 362 Seiten | Genre: Krimi | ISBN: 978-3-462-04302-0 | 14,95€ (TB)
Viveca Sten ist Chefjuristin bei der dänischen und schwedischen Post. Sie wohnt mit Mann und drei Kindern vor den Toren Stockholms. Seit sie ein kleines Kind war, hat sie die Sommer auf Sandhamn verbracht, wo ihre Familie seit mehreren Generationen ein Haus besitzt. [Quelle: Klappentext]
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*°*°* mit dem Regatta-Startschuss kommt der Tod*°*°*
Schäreninseln
Es ist wieder Regattazeit, die Regatta um die Schären ist die bekannteste und auch die anspruchsvollste , da will jeder mitmachen und auch gewinnen. Unter den Teilnehmern ist auch der angesehene Insolvenzverwalter Oscar Juliander, welcher auch neben seiner Insolvenzverwaltung auch noch als Vorsitzender im örtlichen königlichen Segelclub fungiert.
Zum Start dieser Regatta hat er sich eine besondere neue Jacht zugelegt, die dunkelgrüne Esmeralda Gin mit modernster Technik ausgestattet und sauteuer.
Er ist ganz aufgeregt, denn diese Regatta bedeutet ihm besonders viel. So buhlt er mit den Konkurrenten um den besten Startplatz jenseits der Luv- und Lee-Bojen. Der Vorstartschuss fällt, so dass die Teilnehmer sich entsprechend positionieren können.
Die Zuschauer auf den Booten zu Wasser und zu Lande genießen das perfekte Wetter mit Sonnenschein und lassen es sich richtig gut gehen.
Da fällt der Startschuss und die Segler schießen los... auch die Esmeralda Gin prescht hervor, fällt aber im Teilnehmerfeld schnell zurück ... die Zuschaue sind erstaunt, ist ihnen doch um Julianders Kampfgeist bewusst. Auch Kommissar Thomas Andreasson auf dem Polizeiboot wundert sich und lässt sich ängsseits der dunkelgrünen Jacht bringen ...die Besatzung der Esmeralda Gin hat mittlerweile entdeckt, was für die langsame Fahrt ihrer Jacht verantwortlich ist: Ihr Kapitän und Besitzer Oscar Juliander liegt quer über dem Steuerrad, aus seiner Brust strömt eine dunkelrote Flüssigkeit... Juliander ist erschossen worden!
Ein neuer Fall für Kommissar Andreasson und seine Kollegin Magrit (???)...trotz dessen, das die Regatta zu Ende geführt wird, sind nicht nur die Teilnehmer entsetzt sondern auch Julianders Frau sowie seine Kollegen aus dem königlichen Segelclub ...sollten die bald im Segelclub stattfindenden Vorstandswahlen ein Motiv sein? Oder vielleicht doch eher Julianders Arbeit als Insolvenzverwalter ??... Hat er sich da auf merkwürdige Dinge eingelassen oder ist da einfach nur ein Disput aus einer Betriebsauslösung ... Oder ist der Täter unter den zahlreichen Liebschaften zu suchen, die Juliander unterhielt? Eine gefrustete Geliebte? Welche Frage die Ermittler ja auch noch beschäftigt ist die, wo hat Juliander mal eben 14.Mio. Kronen her, um eine neue Jacht zu kaufen? Klar verdient er in der angesehenen Kanzlei eine Menge Geld, doch der Jachtpreis übersteigt bei weitem auch diese Finanzbasis ....sollte Juliander in irgendwelche dubiosen Machenschaften verstrickt sein? Drogen Patentrechte? Bestechung?
Die Ermittler machen sich an die Arbeit, das Puzzelspiel auseinander zu dröseln, denn wo viele Menschen sind, kann es auch viele Verdächtige geben. So von den ersten Ergebnissen her ist man der Meinung, das der tödliche Schuss unter Umständen von einem Boot abgegeben worden sein kann… aber irgendwie spricht auch etwas gegen diese Theorie ...egal welches Indiz sich so im ersten Moment als haltbar erweist, löst sich aber bald wieder in Wohlgefallen auf... irgendwie drehen sich die Ermittler im Kreise.... und dann wird noch jemand erschossen.... Thomas Andreasson ist entsetzt und kommt langsam in die Bredouille ...
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*°*°* Meinung / Kritik *°*°*
Ich liebe skandinavische Krimis, sind sie für mich ein Inbegriff der spannenden Schreibkunst ... also perfekte Unterhaltung mit Mit-Ratefieber... bei Viveca Stens Werk Tod im Schärengarten gehen die Meinungen ein wenig auseinander, was ich durchaus verstehen kann, denn skandinavische Werke muss man mögen, ebenso den zumeist direkten und trocken-nüchternen Schreibstil sowie die indirekt angebrachte Soziale Kritik an Mensch und Land.
Hier war ich gespannt, wie ich das Werk finden würde, denn die bisherigen Kritiken ließen kein gutes Haar an dem Werk...
Kaum angelesen, war ich auch schon gefangen in einer gut konstruierten Handlung, welche sich aus insgesamt 6 Handlungssträngen zusammensetzt, als da wären:
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- das Ermittler-Team Thomas und Margit plus die Kollegen;
- Nora und Hendrik, das sich um ein geerbtes Haus streitende Ehepaar, wobei Nora mit Thomas befreundet ist;
- Martin Nyrén, welcher ebenfalls passionierter Segler ist, und zu dem einen Geliebten hat.
- Diana Söder, die Geliebte von Oscar Juliander
- ferner noch sonstige Beteiligte die irgendwie einen Zusammenhang bzw. Bezug zur Handlung haben …. und
- die Rückblenden zu Kindheitserlebnissen, die sich aber nicht wirklich einer Person zuordnen lassen
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Wobei ich anfänglich doch ein wenig zu tun hatte, diese alle auf der einen Seite auseinanderzuklamüstern, sowie dann auch den Zusammenhang zwischen den einzelnen Handlungssträngen zu sehen, aber meiner Meinung nach ist es genau das, was die Handlung untermalt und somit für ein gewisses Spannungspotential sorgt.
Aber der Reihe nach: so von der Handlung her ist Tod Im Schärengarten kaum anders, als andere Krimis aus Skandinavien. Eine gut konstruierte Story die auch Hand und Fuß hat, sowie eine Handvoll Protagonisten mitbringt. Der einzige Unterschied zu den anderen Krimis anderer Herren Länder besteht darin, das man sagen kann: hier liegt kein stereotyper Handlungsablauf vor, sondern eben aufgrund der vielen Handlungsstränge reichlich Abwechslung, welche eingearbeitet wurde. Man muss noch nicht mal den ersten Krimi der Autorin gelesen haben, es gibt zwar den einen oder anderen Rückblick zu dem Vorgänger, aber einen direkten Bezug findet man nicht, sprich man empfindet keinerlei Lücken, wenn denn Rückblenden zum Vorgänger auftauchen und man diesen nicht kennt bzw. gelesen hat.
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Eine Handlung alleine reicht aber nicht aus, um dem Leser Unterhaltung zu bieten, dazu gehören schon noch ein paar Protagonisten – so auf den ersten Blick mag es manch einem vorkommen, das einige vielleicht überflüssig sein, aber jeder einzelne Protagonist hat so seinen kleines Indiz zu tragen. Von der Gestaltung der Charaktere her ist hier sorgfältig gearbeitet worden , so findet man hier Gut und Böse, normale Menschen aber auch die absolute Oberschichtzicken. Also sympathische Figuren wie aus dem Leben gegriffen, und wer schon einmal die skandinavischen Länder besucht hat, der wird sich in die Protagonisten auch hinein versetzen können. Ja, selbst wer noch keinen Fuß dorthin gesetzt hat, wird aufgrund ihrer Darstellung sich mit den Protagonisten identifizieren können und dann ins Raten kommen, warum hat der so oder so reagiert. Aus meiner Sichtweise wirkt keiner der einzelnen Protagonisten über konstruiert oder irgendwie oberflächlich, sondern eben lebhaft und … ja, wie ich schon sagte aus dem Leben gegriffen.
Ich für meinen Teil kann sagen, das ich mich in der Tat dreimal auf die falsche Fährte habe locken lassen, zum Ende hin war ich sehr erstaunt, wer denn der Täter war, denn das hatte ich absolut nicht vermutet.
Von daher ist hier auch ein großes Spannungspotential vorhanden, denn die insgesamt 92 Kapitel teilen sich wie schon erwähnt in die sechs Handlungsstränge auf, und sorgen durch ihre lockere Abwechslung im Verlauf für eine stetig ansteigende Spannung , ok, manchmal kommt es vor, das die Spannung auf einem Level bzw. Niveau verharrt um dann ein paar Kapitel weiter erneut und weiter anzusteigen. So muss dann ein auch ein Krimi sein, um dann im Finale eine überraschende Wendung zu haben und zu enden.
Selbst jetzt bin ich noch ganz verdattert, das ich mich habe mehrfach auf die falsche Fährt locken zu lassen… klasse.
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Abgerundet wird der ganze Krimi durch einen angenehmen bündigen und prägnanten Schreibstil, welcher weder oberflächlich noch ausufernd ist. Ok, man könnte nun meinen, manches Detail bei der Szenerie-Beschreibung täte nun nicht so wirklich Not, aber dadurch bekommt der Leser beim schmökern ein gewisses Bild vor Augen, die es noch erleichtern, dem Krimi zu folgen, denn manch ein Indiz aus der Beschreibung ist durchaus wichtig. Um es einfach zu sagen, es entwickelt sich ein Kopfkino . Nach dem Auslesen des Krimis träumt man von den tollen Schäreninseln, man hat raue und knorrige Felsen vor Augen, die aus der blauen Ostsee vorstehen, das Wasser plätschert, die Seeluft riecht würzig… und ach, ja einfach herrlich und von der geschaffenen Atmosphäre absolut passend.
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Ich sprach weiter oben schon an, dass hier auch Sozialkritik geübt wird, so auch hier geschehen, zwar nur andeutungsweise aber der Kritikpunkt trifft wohl heutzutage auf jedes Land zu: Die Polizei bemängelt Fachkräftemangel und die Bevölkerung meint – obwohl das Vorurteile sind – das die Ermittlungen nicht schnell genug voran gehen. Also ist das keine allzu aktuelle soziale Kritik, aber sie ist eben da, und das ist auch genau der Punkt, der mir an den skandinavischen Werken immer so gefällt: Es wird auf kleinere Problematiken aufmerksam gemacht, statt nach ein und demselben Schema nur rein die Unterhaltung zu präsentieren. Und das ist ja auch immer – zumindest bei mir – ein Punkt, der einen guten und durchaus als anspruchsvoll anzusehenden sowie unterhaltsamen Krimi ausmacht. Man findet hier eben nichts stetig wiederkehrendes aus anderen schon lange erschienenen Werken – wo lediglich nur die Personennamen und Handlungsorte ausgetauscht wurden, sondern schon einen eigenständigen Krimi, der auch andere Facetten anspricht, und sich nicht dem typischen "Einheitsbrei" zuordnen lässt.
Danke@ Jansdarling2002