Rezension vom 01.01.2010
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Ein leider unvollendeter Roman. Nabokov erzählt die Geschichte der jungen Flora, die den alternden Arzt Wild heiratet – ein ungleiches Paar, nicht nur wegen des enormen Altersunterschieds. Wild ist klein, fett und hässlich, während Flora fast schon zierlich und als mager-schlank dargestellt wird. Es dauert nicht lange, nur kurze Zeit nach ihrer Hochzeit legt sich Flora (mehrere?) Liebhaber zu, während sich der Arzt darauf besinnt, mehrere Selbstmordtheorien zu erheben.
Wir erfahren von der Kindheit und Jugend Floras, sie ist die Tochter einer Ballerina, ebenso zierlich und verletzlich, wie Flora selbst. Nach dem frühen Tod des Vaters lässt sich die Mutter mit einem englischen „Gentleman“ ein, der in Frankreich vor dem heimischen Gesetz flüchtet und wiederholt versucht, die damals zwölfjährige Flora zu verführen, die einerseits von seinem ekelhaften Geruch angeekelt ist, ihn aber auch (wie wir andeutungsweise erfahren) anziehend findet.
Wild hingegen ist ein sonderbarer Mensch, der sich selbst nicht ausstehen kann. Vor allem seine zu kleinen Füße, die er sich noch kleiner wünscht, da er schmale und zierliche Schuhe bevorzugt, und seine Zehen, die er sich entfernen will, sind Teil seiner Abscheu.
Laura ist wohl der Romanname für Flora, den ein abgeblitzter Verehrer schreibt und den Wild, trotz seiner Entrüstung, als ein Meisterwerk zum Verrücktwerden, beschreibt.
Diese Karteikarten lassen vermuten, dass Nabokov einen Roman von äußerster, sprachlicher Gewalt und psychologischer Einfühlsamkeit geplant hatte. Dies wird an Sätzen wie „Der Drang, das von der Mode erlaubte Maximum nackten Fleisches unbekleidet zu lassen, verband sich in ihrem seltsamen kleinen Hirn mit der Furcht, dass auch nur der leiseste Hauch von Sonnenbräune ihre Elfenbeinhaut besudeln könnte.“ Deutlich, die nichts von unendlicher Fantasie vermissen lassen. Es ist daher sehr schade, dass der Autor Das Modell für Laura nicht beenden konnte, monatelange Krankheit hinderte ihn daran, das im Geiste schon fertige Buch zu Papier zu bringen. Dank seines Sohnes können wir uns wenigstens an den Schemen der Karteikarten erfreuen und uns ausmalen, was zwischen dem langen Anfang und dem kurzen Schluss geschehen sollte (Hypothesen werden aufgestellt). Und eigentlich wollte Nabokov, dass, wenn das Manuskript nicht bis zu seinem Tod fertig gestellt sein sollte, alles verbrannt wird. Wie schon sein Erfolgsroman Lolita, der auch den Flammentod sterben sollte, hätte ihn seine Frau nicht in letzter Sekunde davor gerettet.
Ein Buch, das auch als Fragment veröffentlicht werden musste!