Leser-Rezension zu „Das Modell für Laura” von Vladimir Nabokov
am 17.11.2009
Irgendwie fühlt es sich nicht richtig an "Das Modell für Laura" bewerten zu wollen, denn was dem Leser hier vorliegt, ist kein Roman, sondern lediglich eine Sammlung von Karteikarten, die Nabokov zu einem Roman hatte zusammensetzen wollen. Leider kam ihm sein Tod zuvor und das Werk wurde nie vollendet.
Sein Sohn Dmitri hat sich nun entschlossen diese letzten literarischen Aufzeichnungen zu veröffentlichen, obwohl Nabokov ausdrücklich verlangt hatte das Manuskript zu verbrennen, falls er nicht dazu kommen würde es zu vollenden. Sicher, es wäre schade darum gewesen diese Zeilen des berühmten Schriftstellers zu verlieren, sind doch auch hier einige Szenen enthalten, die ansatzweise erahnen lassen, welch Potential in ihnen stecken könnte. Andererseits ist die Lektüre unbefriedigend, da man nie vollständig ins Geschehen einsteigen kann; teilweise ist die erzählte Handlung von Stichwortsammlungen und skizzenhaften Fragmenten unterbrochen. Das Können Nabokovs kann nur in Ansätzen durchschimmern.
Nur er hat gewußt, wie der Plot sich am Ende zusammensetzen hätte sollen. Wir werden jedoch auf immer im Dunkeln tappen und nie in vollem Umfang dieses Werk erschließen können.
Ein Roman, den der Autor so nie hätte veröffentlicht sehen wollen. Eine Karteikartensammlung, die man so besser dem Leser vorenthalten hätte? Möge sich jeder seine eigene Meinung bilden und im Anschluß einen vollendeten Nabokov zur Hand nehmen und genießen.

