Leser-Rezension zu „Das Modell für Laura” von Vladimir Nabokov
am 4.01.2010
Als (in aller Demut) Nabokovianer hab ich mich auf dieses Buch gefreut. Nur so ist auch meine Bewertung zu verstehen. Für Jemanden, der sich bislang nicht zumindest ein wenig mit Nabokov beschäftigt hat, ist es völlig ungeeignet, weil unverständlich. Als Einstieg in Nabokov wäre es geradezu sträflich. Es ist eindeutig ein Romanfragmet, aber genau hierin liegt der Reiz für alle Nabokov-Fans. Man kann wunderbar spekulieren, wie denn das ganze Werk hätte aussehen können. Ein Kleinod stellen die im Faksimile-Stil abgedruckten Karteikarten des Meisters dar. Immer wieder begegnen einem als Einsprengsel oder als Hauptentwurfsbestandteil Nabokov-Spezifikas (die Hingezogenheit des alternden Zausel zum jungen Mädchen, die tiefe Abneigung gegen Herrn Freud, subtiler Humor zu den Widrigkeiten des Alterns, Lepidepterologie). Genau hierin liegt auch das must have des Buches. Es bildet einen würdigen Abschluss des Werkes eines grossen Meisters. Was im übrigen auch die Diskussion beenden sollte ob es richtig war entgegen dem Willen Nabokovs das Fragment zu veröffentlichen: Ja, Ja, Ja

