Leser-Rezension zu „Lolita” von Vladimir Nabokov
am 28.10.2009
Mit gemischten Gefühlen habe ich die Seiten des Buches umgeblättert.
Der fiktive Ich-Erzähler (ein 40 Jähriger) der von seiner Liebe und seiner Beziehung zu einem 13 Jährigen Mädchen erzählt wendet sich immer wieder direkt an den Leser. Er nimmt dabei von selbst die Position des Verteidigers ein und ob man will oder nicht man denkt über seine Worte nach. Ja man ertappt sich selbst bei dem Gedanken, dass er doch eigentlich gar nicht der wirkliche Täter ist und das man darüber nachsinnt was er doch eigentlich alles erlitten hat.
Das Mädchen, ein vielleicht nicht ganz unschuldiges und doch eine der Situation hilflos ausgelieferte Person, gerät völlig in den Hintergrund der Gedankenwelt des Lesers. Und das obwohl sie das Objekt, das einzige Thema des gesamten Buches ist.
Immer wieder wechselt der Erzähler zwischen Detailgetreuen beschreibungen weniger Minuten, kurzen Zusammenfassungen von Tagen, Monaten oder Jahren, zwischen ausdrucksstarken, fast schon überladen kitschigen Gefühlsbeschreibungen (die aber absolut zur Person des Ich-Erzählers gehören und somit nicht unpassend daher kommen) und kühlen Gegenstands- oder Tatbeschreibungen. Auch der Wechsel zwischen dem Beobachten der eigenen Person und einer detailreichen Wiedegabe des eigenen Gefühlslebens sind fließend. Dadurch entsteht der Eindruck dass sich hier eine Person vollständig öffnet, sich dem Leser hingibt ohne überlegte Worte zu benutzen. Man hat den Eindruck hier vertraut einem jemand was ganz privates an und das macht das "komische" Gefühl beim Lesen (angesichts des Themas) noch prikärer. Hier lernt man jemanden kennen, mit dem man doch eigentlich nichts zu tun haben will und doch kann man seinen Worten nicht "entkommen", doch bewegen seine Gedanken einen.
Vladimir Nabokov hat hier ein durch und durch intelligentes Werk geschaffen, dass es meiner Meinung nach verdient hat auf den Bestsellerlisten aufzutauchen.

