Leser-Rezension zu „Lolita” von Vladimir Nabokov
am 6.09.2008
Fatale Begierde
Es gab nur wenige Bücher, die so viel Aufsehen erregt haben wie Lolita. Die bekannten Kritiker waren und sind entsetzt von der hemmungslosen Darstellung einzelner Sexualakte, die für die meisten Menschen der Zeit niemals ein Gesprächsthema gewesen wären. Aber Lolita hat es trotzdem geschafft, eines der bekanntesten Werke zu werden.
Er ist Mitte 40 und sich seiner sexuellen Gelüste, junge Mädchen betreffend, durchaus bewusst. Er würde seine Neigung nicht so oft zu verstecken versuchen, wenn dem nicht so wäre. Seiner Intelligenz und Geistesgegenwart hat er es zu verdanken, dass er nicht auffliegt.
Humpert Humpert - der Protagonist - ist ein sehr belesener und intelligenter Mann, der aus seiner Vergangenheit und seiner Familie ein Geheimnis macht. Seine Liebe zu Lolita treibt ihn diverse Male nahe an den Rand des Wahnsinns. Er leidet unter Paranoia und Verfolgungswahn.
Dieses Buch erzeugt Spannung, Entsetzen und auch Neugierde. Nabokov benutzt eine unglaublich intensive, hingebende Sprache. Seine Sätze haben etwas ganz besonderes an sich, sie wirken verzaubernd. Es entsteht eine vom Autor geschaffene Faszination, die den Leser im selben Augenblick abstößt, aber gleichzeitig in den Bann zieht.
Ein Buch voll Spannung, das ich jedermann empfehlen würde, der bereit ist, auch den Kern des Romans, die Pädophilie, zu akzeptieren.
Ein ergreifendes Buch mit einem - leider - immer wieder aktuellen Thema.

