Inhaltsangabe
Sie sind ein ungleiches Paar und doch von einer ungewohnten Vertrautheit. Hinze ist der Fahrer einer schwarzen Limousine, der nie protestiert und seine Faust nur manchmal am Hintern ballt. Kunze ist der Gewaltige, der Chef. Gemeinsam durchstreifen sie die Preußische Prärie, reiten durch Fabriken, Ämter und Hinterhöfe. In grotesken Szenen und Dialogen liefern sich Herr und Knecht einen anspielungsreichen Disput, in dem politische Tabus laufend angetastet werden. Volker Brauns Roman verursachte bei seinem Erscheinen 1985 heftige Kontroversen, bis hin zum Vorwurf des Anarchismus. Der Text, der satirisch das Herr-und-Knecht-Motiv frei nach Diderots Jaques der Fatalist in die Zeit der DDR versetzt, erweist sich einmal mehr als ein von Braun raffiniert und amüsant gestaltetes Lesevergnügen. Volker Braun, geb. 1939, ist Lyriker, Dramatiker und Erzähler. Seine Publikationen, die reich an gesellschaftspolitischer Brisanz sind, lösten oftmals öffentliche Debatten aus und erlebten nicht selten schwere Restriktionen seitens der staatlichen Literaturbürokratie. Braun gehört zu den deutschen Schriftstellern, die seit jeher in Ost und West ein großes Publikum fanden. Bekannt geworden ist der diesjährige Georg-Büchner-Preisträger mit Texten wie Provokation für mich (1965), Die Kipper (1966/81), Training des aufrechten Ganges (1979). Weitere Werke: Der Wendehals (1994), Das Nichtgelebte (1995), Lustgarten Preußen (1996), Tumulus (1999).