Leser-Rezension zu „Nächtliche Vorkommnisse” von William Gay
am 28.01.2010
Ein zutiefst verstörendes Buch. Denn es breitet mit einem großen poetischen Glanz und sprachlicher Virtualität eine Story aus, die an Brutalität und Morbidität kaum zu überbieten ist. Schon der dreiseitige Prolog macht klar, dass sich der Leser auf den folgenden Seiten auf Tabubrüche und auf das Einreißen der Grundfesten menschlicher Existenz einstellen muss.
1951 in Tennessee: Die Geschwister Tyler haben einen schrecklichen Verdacht und öffnen nachts voller Angst ein bestimmtes Grab. Sie entdecken Entsetzliches und öffnen wie besessen weitere Gräber. Anschließend erpressen sie den allseits geachteten Bestattungsunternehmer, denn sie wollen raus aus der Armut und dem Dreck.
Doch dieser heuert einen mehrfachen und stets freigesprochenen Mörder an; einen Fachmann in Sachen Gewalt, vor dem Polizei und Justiz längst in die Knie gegangen sind. Es beginnt eine Hetzjagd quer durch eine verkommene Bergbauregion ...
Mit diesem Buch kann man sich zurückziehen. Es taugt nicht zum laut vorlesen, nicht zum Gerede. Man kann Hochprozentiges beim Lesen trinken, das hilft über die Seiten hinweg. Über sehr gute Seiten.

