Leser-Rezension zu „Mona Lisa Overdrive” von William Gibson
am 4.09.2010
Mit dem letzten und aus meiner Sicht stärksten Band seiner dystopischen „Neuromancer“-Trilogie, der episch angelegten und in einem Ausschnitt von zwei Jahrzehnten vermittelten Vision einer Welt der nahen Zukunft, in der Computerfreaks, Wissenschaftler, Junkies und sonstige schillernde Figuren jeglicher Couleur gleichermaßen und im Wettstreit mit global herrschenden Großkonzernen um Geld, Macht und unbedingten Zugang zur grenzenlosen Welt des Cyberspace, ebenso reich von mehr oder weniger gefährlichen virtuellen Existenzen bevölkert, buhlen, schafft Gibson einen krönenden Abschluss seines reich prämierten, wegweisenden Gesamtwerks. Eng anknüpfend an die Geschehnisse der ersten beiden Teile und unter Einbindung der dortigen vertrauten Protagonisten (sofern noch unter den Lebenden) werden im Rahmen einer spannenden und sich zum Ende hin zuspitzenden story intelligent und teils überraschend alle Handlungsstränge und offenen Fragen zu den teils recht komplizierten Zusammenhängen innerhalb der „Matrix“ aufgelöst, so dass beim Leser der Eindruck eines gelungenen und stimmigen Gesamtwerks verbleibt. Und das Erstaunliche: Gibson schafft dies in seinem bereits in den 80er Jahren geschriebenen Hauptwerk trotz durchgängig bewusst eingesetzter, rauer, dem erzählerischen Umfeld jedoch adäquater umgangssprachlicher Ausdrucksweise mit einem Mindestmaß an Gewaltdarstellungen. Ein Klassiker und für Genrefans eine echte Leseempfehlung.

