Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Hollis Henry, ehemalige Rockröhre der angesagten Indie-Band "The Curfew", wird von einem mysteriösen Geldgeber beauftragt für das nicht-offiziell-existente In-Magazin Node über eine hippe neue GPS-basierende, realitätsüberlagernde Kunstform zu berichten - eine Steigerung der üblichen Ablenkung im Jahr Neun, nach dem 3T - dem Twin-Tower-Trauma.
Andere, so wie der Streuner Milgrim, der von einem möglichen DEA-FBI-CIA-Mann (jedenfalls von einem richtig knallharten Patrioten, angestellt bei einer bedrohlichen Staatsbehörde) zum Übersetzen einer russischen Geheimsprache festgehalten wird, hetzen von einem Psychopharmaka-Kick zum Nächsten, um ihre psychischen und physischen Traumata zu überwinden.
Und wiederum Andere rennen im Fahrwasser alt chinesisch-kubanischer Göttern als Free Runner durch die Straßen der Großstädte um mystische Ablenkungsmanöver für den Überwachungsstaat zu legen und ihre mögliche kommunistische Vergangenheit hinter sich zu lassen. Oder wenigstens zu verstehen.
Im Hintergrund: Ein auch hochmysteriöser Frachtcontainer, der ziellos über die Weltmeere schippert, diverse Paranoiker und anderes hochmysteriöses Gesindel...
William Gibson, Wegbereiter des Cyberpunk, ist laut Information namhafter Magazine in der Gegenwart angekommen und fängt mit seinem Roman das Bewusstsein einer ganzen Generation ein. Der Generation 9/11. Der Generation Medienverseucht.
Die kurzen Kapitelchen sind abgehackt, zahlreich und der Leser stolpert quasi von einem hippen Vergleich diverser Lifestyle-Details zum Nächsten, über die Leiche von River Phoenix und dem spärlichen Gerippe der Spannung, hinein in die recht unbedeutenden Leben der zwar ausgearbeiteten, aber vollkommen distanzierten Protagonisten.
Man könnte den Aufhänger Locative Art, die vermeintlichen Einwanderer Milgrim und Tito, oder natürlich die ehemals angesagte Berühmtheit Hollis Henry sowie die "Graue Eminenz" Hubertus Bigend oder "den Alten" einzeln betrachten und würde ein großes Nichts entdecken. Dies war jedoch garnicht Gibsons Intention. Ihm geht es um das große Ganze - die Summe der Teile, das Gefühl einer Nation, die seiner Meinung nach in der Shockstarre der Medien von fremder Hand geleitet in den Tag hinein lebt und versucht diesen zu bewältigen. Eindrucksvolle Ziele, die Gibson in einem Brei aus Religion, Idealen, Medien, multikulturellen Hintergrund, Überwachungsstaat, mysteriösen Fremden und einer vollkommen belanglosen Handlung untergehen lässt.
Die Charakere könnten Stereotypen zum sich selbst darin Entdecken sein. DIe Handlung könnte spannend sein. Jedoch berührt einen nichts an "Quellcode". Alles wirkt zu hip, zu überzogen und aufgesetzt, zu einbetoniert in eine Handlung um Spionage und Intrigen, um ernstgenommen werden zu können. Um Reflektierbar und halbwegs Real zu sein, selbst wenn der Autor genau dies implizieren wollte. Die vermeindliche Paranoia, die allzu gern erzeugte Angst vor der Überwachung, die Angst vor den Medien und der Fremdbestimmung. Alles geht unter in einem Gefühl der Gleichgültigkeit, der Distanziertheit, das nur von dem Willen herauszufinden was der Container beinhaltet, durchbrochen werden kann.
Die Auflösung ist banal und nichtssagend und hinterlässt "Quellcode" als inhaltsleeres Sittengemälde, das seinen Willen zur Portraitierung und Reflektion nicht auf den Leser übertragen kann. Es hinterlässt "Quellcode" als weder Fisch noch Fleisch, weder anspruchslose Unterhaltung, noch ernstzunehmendes Reflektionsmaterial, das der Diskussion bedarf. Sprich: Als vollkommen überflüssiges Buch.
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