Mack begegnet Gott in der Hütte, in der seine kleine Tochter vor Jahren umgebracht wurde und lernt Liebe und Vergebung.
Eine Geschichte, auf die man sich einlassen muss - erst recht, wenn man nicht gläubig ist bzw. nicht an den "typischen" christlichen Gott glaubt. Da ich mir nicht sicher war, ob ich das Lesen durchhalten würde, habe ich mir lieber das Hörbuch gegönnt.
Eins vorneweg: der Sprecher Johannes Steck ist grossartig. Seine Stimme passt zu dem Buch und er gibt jeder Figur ihren ganz eigenen Charakter.
Das Buch selbst hat mich nicht wirklich überzeugen können. Es geht um Liebe, Vergebung, Macht, Trauer, Wut, die Schöpfung, Freiheit etc. - mir fehlt jedoch die grosse Antwort auf Macks wichtigste Frage: "Warum?"
Gott hat auf fast alles eine Antwort. Oder sollte ich Gott, Jesus und Sarayu (der heilige Geist) sagen? Aber die Antwort auf die Frage, warum er es zugelassen hat, dass das kleine Mädchen ermordet wird - eigentlich DIE zentrale Frage - bleibt er schuldig. "Ich verstehe immer noch nicht, warum Missy sterben musste." "Das musste sie auch nicht, Mackenzie. Papas Plan sah das nicht vor. Papa hat niemals das Böse benötigt, um seine guten Ziele zu erreichen. Ihr Menschen habt das Böse in eure Welt gebracht."
Gott erscheint in diesem Buch in der Gestalt einer dicken Afroamerikanerin, Jesus als langnasiger Hebräer und der Heilige Geist als kleine asiatische Frau. Auch wenn Gott - in dem Buch Papa genannt - darauf hinweist, dass sie die Gestalt der dicken Mama gewählt hat, um Klischees zu vermeiden, gibt sie das perfekte Klischee einer Afroamerikanerin wider, die gut kocht, laut lacht und Geschichten erzählt - Aunt Jemima lässt grüssen. Mit Jesus geht Mack übers Wasser und angeln, mit Sarayu bestellt er den Garten in seinem Herzen und in den Gesprächen mit ihnen lernt er die Liebe Gottes kennen und merkt, dass alles nur gut sein kann, wenn man mit und in Gott lebt. Er ist zum Schluss sogar fähig, seinem Vater zu verzeihen, der ihn misshandelt hat und auch dem Mörder seiner kleinen Missy, denn er hat erfahren, was Liebe wirklich ist.
Klingt nach ein bisschen zu viel des Guten? Das ist es auch. Mehrmals musste ich mir sogar ein Lachen verkneifen. Es ist der absolute "Gott ist ja so gut, auch wenn er all die schrecklichen Dinge auf der Welt zulässt" Overkill. Dass das Buch in den USA reissenden Absatz gefunden hat, wundert mich nicht. Wer fast schon naiv gläubig ist, wird damit seine helle Freude haben. Wer allerdings mehr will als nur klischeehafte Antworten wie "Es gibt Millionen Gründe dafür, Schmerz und Verletzungen zu erlauben, statt sie auszumerzen, aber die meisten dieser Gründe lassen sich nur im Rahmen der individuellen Geschichte eines Menschen verstehen. Ich bin nicht böse. Ihr selbst sorgt dafür, dass eure zwischenmenschlichen Beziehungen mit Angst, Schmerz, Machtgier, Rechten und Pflichten belastet sind. Aber eure Entscheidungen sind niemals stärker als meine Absichten, und ich werde jede Entscheidung, die ihr trefft, dazu nutzen, dem höchsten Guten Geltung zu verschaffen und die liebevollsten Resultate herbeizuführen.", der wird in diesem Buch nicht fündig.
Die Phrasen, die die Dreifaltigkeit so von sich gibt, sind abgedroschen, nichts, was man nicht überall schon gehört hat, keinerlei neue Ideen oder Inspirationen. Die Befreiung von dieser Welt und dem eigentlich schrecklichen Leben, das man so lebt, liegt einzig bei Gott und nur durch ihn wird man glücklich. Aber auch wenn man nichts mit Gott anfangen kann, macht das nichts, denn Gott hat alle Menschen ganz besonders lieb, auch die Kindermörder. Na dann....
Der Autor schreibt im Vorwort, wem dieses Buch nicht gefalle, für den sei es halt nicht gemacht. Für mich war es das wohl nicht. Schade, aus dem Stoff hätte man eine Menge mehr machen können, als blühende Gärten, übers Wasser laufen und "piep piep piep, wir haben uns alle lieb".
Zwei Sterne für die an sich gute Idee und den wirklich guten Sprecher!