Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Wenn ein Autor seiner Serie überdrüssig ist, lässt er nicht selten seinen Helden sterben, um damit einen Schlussstrich zu setzen. So erging es wohl auch Wolf Haas. Aber interessant, denn er ließ im Vorgängerband Das ewige Leben nicht seine Hauptfigur Brenner sterben, sondern den namenlosen Erzähler, der die Geschehnisse recht eigenwillig aus dem Off kommentierte. Nun sind sie beide wieder da. Jetzt wie macht der das? Pass auf. Der Haas rechtfertigt alles lapidar durch den ersten Satz des Romans: Meine Großmutter hat immer zu mir gesagt, wenn du einmal stirbst, muss man das Maul extra erschlagen.
Der Brenner hat jetzt einen Job als Chauffeur für die zweijährige Tochter eines Baulöwen und einer Abtreibungsärztin. Bei einem vermeidbaren Zwischenhalt an einer Tankstelle verschwindet das Kind spurlos.
Hauptverdächtige sind die Abtreibungsgegner, die vor der Klinik der Mutter demonstrieren. Doch deren Anführer Knoll beauftragt Brenner seinerseits mit der Suche nach einem zwölfjährigen Mädchen. Und schon bald stolpert er über die ersten Leichen.
Die Brenner-Romane von Wolf Haas sind ein eigenwilliges Erlebnis, garantiert nicht jedermanns Geschmack und auf ihre Art einzigartig. Die Handlung wird gnadenlos dem Stil untergeordnet, so auch im vorliegenden Band: Der Brenner und der liebe Gott strotzt vor hanebüchenen Wendungen und absurden Verwicklungen, wer einen klassischen Krimi erwartet, ist hier falsch. Das Geschehen widerspricht allen Gesetzen der Logik und wird häufig vom Zufall diktiert, doch es schert einen keine Sekunde, zu köstlich ist doch die Weltsicht des Erzählers und die stoische Geduld des Brenners. Wenn Letzterer auf dem Boden einer Senkgrube den lieben Gott trifft, wird die Krimihandlung vollends zur Nebensächlichkeit. Trotzdem klagt der Erzähler persönlich, wenn er das Gefühl hat, dass der Brenner von den offiziellen Stellen zu wenig Anerkennung für seine Arbeit erhalten hat: Ich muss sagen, großartig, wie der Brenner die Suche nach dem Jugomädchen eingeleitet hat. Nach der Sunny. Da ist er zu einer detektivischen Hochform aufgelaufen, wo man nur sagen kann, Hut ab.
Drei Brenner-Romane wurden bereits erfolgreich mit dem herausragenden Josef Hader verfilmt: Komm, süßer Tod, Silentium und Der Knochenmann. An dieser Stelle sei auch die CD Brenner live gleich mit empfohlen.
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