Zurück zu den Wurzeln
Zum Inhalt: Die Unsterblichen Andrej und Abu Dun hat es nach den Ereignissen in Venedig nach Konstantinopel verschlagen. Ehe sie sich versehen geraten sie in einen Machtkampf zwischen Sultan Süleyman und einem selbsternannten Propheten, von seinen fanatischen Anhängern der Machdi genannt. Der Sultan droht dieser neuen Gefahr nach seiner Niederlage vor den Toren Wiens zu unterliegen.
Nachdem Abu Duns Leben, durch den Verzehr von Kat, in Gefahr gerät, bleibt den beiden Unsterblichen nichts anderes übrig, als sich dem Sultan anzuschließen, denn die Blätter der Kat-Pflanze verleihen den Aufständischen zwar schier übermenschliche Kräfte, aber sie macht sie auch abhängig und vermag scheinbar auch Unsterbliche unweigerlich in den Tod zu ziehen. So beginnt die Suche nach dem Machdi, denn nur er kann Abu Dun noch retten, bevor er qualvoll sterben - oder zu einem Dämon wird…
Meine Meinung: Nachdem der letzte Band doch rückwirkend betrachtet ziemlich enttäuschend war, war ich mir nicht sicher, was ich mir vom Machdi erwarten konnte. Also stellte ich keine großen Erwartungen an Hohlbeins neuesten Streich und siehe da, prompt wurde ich überaus positiv überrascht.
Das Buch beginnt, als starte Hohlbein eine Art Neuanfang und das ist blendend gelungen. Endlich kehrt die Chronik zu alten Stärken zurück. Andrej war in den letzten Teilen der Reihe immer recht wehleidig, was mit der Zeit doch etwas nervig wurde. Hier ist zum Glück davon keine Spur mehr. Auch wirkt dieser Band nicht so überfüllt, mit sich immer wiederholenden Floskeln wie schon so oft davor.
Wirklich sehr schön finde ich, dass der alte Sprachwitz wieder da ist. Die zurückliegenden Episoden waren doch sehr düster und da kam das Zusammenspiel der beiden Protagonisten manchmal einfach zu kurz. Da merkte ich beim Lesen, dass mir das richtig gefehlt hat. Andrej und Abu Dun gehören zu den interessantesten Figurenkonstellationen, die ich bisher kennen gelernt habe und nach der Lektüre dieses Buches wurde mir wieder einmal klar warum. Andrej, bemüht seine Stärken möglichst geheim zu halten und teilweise etwas ernst, steht Abu Dun gegenüber, ein nubischer Riese, der auf jedermann ungeheuer einschüchternd wirkt und dennoch immer wieder wie ein zu groß geratenes Kind agiert. Daraus ergeben sich einfach herrliche Dialoge.
Im Verlauf der Chronik sind Hohlbein etliche Logikfehler unterlaufen. Auch dieser Band ist davon nicht ausgenommen, aber ich empfand es nicht als Stolperstein, da hier kaum Bezug auf vorige Ereignisse genommen wird, was diesen Teil sogar für Quereinsteiger interessant machen könnte.
Sehr positiv empfand ich, dass nun auch Abu Dun Schwäche zeigt. Das Kat könnte also tatsächlich tödlich für den Unsterblichen sein und nicht nur das, es ist zu befürchten, dass Abu Dun durch die Pflanze in einer Form verändert wird, die ihn zu einer Art Dämon machen könnte. Man fiebert mit ihnen und Spannung baut sich auf, während die Protagonisten dem Machdi immer näher zu kommen scheinen.
Hohlbeins Schreibstil ist indes unverkennbar und er schafft es einfach immer wieder stimmungsvolle Bilder zu erzeugen. Auch ist der Text nicht mehr mit den ständig selben Phrasen angefüllt. In anderen Teilen der Reihe konnte so was schon mal zu einem regelrechten Ärgernis werden, wenn man gewisse Gedankengänge immer und immer wieder vorgesetzt bekommt.
Viele Fragen werden auch diesmal aufgeworfen und Verstrickungen gesponnen. Leider bleiben jedoch abermals viele dieser Fragen ungeklärt. Aber damit muss man als Leser der Chronik leben können, denn dies ist eine der wenigen Konstanten, welche sich durch die gesamte Reihe zieht.
Auch wenn ich die Suche nach dem Machdi als sehr spannend empfunden habe, so ist doch der Mittelteil des Buches fast etwas zu lang geraten. Bestimmt hätte man das auch kürzer darstellen können, aber weil ich einfach gern gelesen habe, empfand ich es nicht als störend. Abu Duns Kat-Problem wird aber leider etwas zu intensiv ausgebreitet. Da hat man schon das Gefühl auf der Stelle zu treten und in der Handlung nicht sonderlich voranzukommen. Auch ärgerlich war die Tatsache, dass die Verwirrungen immer mehr zunahmen und man nach Aufklärung förmlich lechzte, aber wie so oft im Laufe der Chronik wird man hier enttäuscht.
Das Ende ist wieder einmal sehr offen gehalten, in diesem Fall vielleicht sogar so offen, wie selten zuvor. Damit fühlt man sich wie im Regen stehengelassen. Wird es im nächsten Teil nahtlos weitergehen oder lässt Hohlbein, wie auch früher schon, einige Jahre verstreichen?
Dies Gefühl, mit leeren Händen dazustehen, ist eigentlich auch schon mein größter Kritikpunkt, jedoch einer, mit dem man in der Chronik immer rechnen muss.
Fazit: Endlich ist die Chronik wieder zu ihren alten Stärken zurückgekehrt und neue Aspekte der Unsterblichkeit kommen ins Spiel. Abu Dun zeigt Schwäche und Andrej hat seine ständige Wehleidigkeit abgelegt. Ein neuer Weg ist eingeschlagen, jedoch mit ungewisser Richtung. Die Reihe zu kennen ist von Vorteil, aber da hier wenig Bezug auf vergangene Ereignisse genommen wird, können sogar Quereinsteiger mit diesem Buch angesprochen werden.
Ich habe lange überlegt, ob eine hohe Wertung gerechtfertigt ist und bin zu dem Entschluss gekommen: Ja, denn ich habe das Buch einfach sehr gern gelesen. Für mich nicht der beste Band der Reihe, nicht der schlechteste, aber überdurchschnittlich gut. Für mich ein ganz starker Teil der Chronik. In jedem Fall, auch wenn man das Buch eher schwächer sehen sollte, die eingeschlagene Richtung stimmt.
4,5 Sterne