Kürzlich fand ich auf der Seite meines Bücherregals mit den noch nicht gelesenen Büchern ein Buch wieder, welches ich mir irgendwann einmal als Mängelexemplar für 1,95 € aus der Wühlkiste gezogen hatte. Saint Nick heißt es und wurde von Wolfgang Hohlbein geschrieben. Und weil ja nun mittlerweile in den Geschäften auch schon wieder die Adventskalender, Stollen und Pfefferkuchen rum stehen, hatte ich auch überhaupt kein schlechtes Gewissen, bei schönstem Herbstwetter eine etwas andere Weihnachtsgeschichte zu lesen.
Wolfgang Hohlbein, Jahrgang 1953, stammt ursprünglich aus Weimar, wuchs aber in Krehfeld (Nordrhein-Westfalen) auf. Heute lebt er mit Frau Heike, 6 Kindern und diversen Haustieren in Neuss. Mit einer 1980 veröffentlichten Kurzgeschichte begann seine Schriftstellerkarriere. Zu dieser Zeit arbeitete er aber hauptberuflich noch als Nachtwächter. Märchenmond (1980), welches er zusammen mit seiner Frau Heike verfasste, war dann der Durchbruch, der es ihm ermöglichte, von seiner Schreiberei zu leben. Seit dem hat er, oft in Zusammenarbeit mit seiner Frau, schon mehr als 200 Bücher veröffentlicht und gilt als der meistgelesene deutschsprachige Fantasy- und Science-Fiction-Autor. Wenn ihr jetzt mehr über ihn wissen wollt, dann findet ihr im Netz auf den verschiedensten Seite Infos oder auch seine offizielle Präsentation hohlbein.net.
---Oh, du Fröhliche---
Im Weihnachtsland geht alles drunter und drüber. Die Tiere sind unzufrieden mit dem Weihnachtsmann und die Elfen stehen Kopf, weil sie es nicht mehr schaffen, die vielen, von Kindern gewünschten, ganz fürchterlichen Monsterkiller Spielzeuge zu produzieren. Alles ist mittlerweile technisch hochmodern, doch die Magie ist auf der Strecke geblieben. Nick, der Weihnachtsmann, managt das Weihnachtsland mittlerweile wie jeder irdische Großunternehmer sein Imperium.
Drei Tage vor Weihnachten reicht es! Die Elfen und alle Tiere sind sich einig, dass Nick, der Weihnachtsmann, sich bewähren muss, bevor er seinen Job wieder ausüben darf. Ansonsten fällt Weihnachten eben aus. Doch die Aufgabe ist schwierig und die Zeit wird knapp. Gibt es unter all den egoistischen Menschen überhaupt das Kind, was noch ganz fest an die Magie des Weihnachtsfestes glaubt?
Im Kostüm eines Monsterkillers trifft er dann auf Virginia, ein kleines Mädchen, deren Mutter ihren Job verloren hat und die daher jetzt mit ihr und ihrem Bruder Stan bei einem furchtbaren Onkel, einem reichen Spielzeugfabrikanten lebt…
---Kurzweil und ein Spiegel der Gesellschaft---
Weihnachten sollte ja eigentlich das Fest der Liebe sein. Aber mal ehrlich, wie sieht denn die Realität aus? Konsum! Kommerz! Kaufen! Mit etwas Selbstgebasteltem oder Sachen, die die Kinder wirklich brauchen, wie eine neue Winterjacke, ein Pullover oder eine Jeans - wenn nicht gerade eine Megahippe Marke drauf steht - bist du doch als Schenker heutzutage der letzte Uhu. Bei vielen Kindern und Jugendlichen dreht sich doch alles nur noch darum, wer die meisten und vor allem teuersten Geschenke bekommt.
Und wie sieht es in den Kaufhäusern und Supermärkten an den Tagen vor Weihnachten aus? Prall gefüllte Einkaufswägen, als würde die Menschheit in den nächsten 3 Tagen verhungern. Wenn man dazu noch in die Gesichter der Einkaufenden schaut, denkt man eher, es steht ein Begräbnis bevor und nicht das Weihnachtsfest. Und schaut man in die Spielzeugabteilungen, da sind doch auch die hässlichsten und monströsesten Spielzeuge am besten präsentiert. Da wird nicht geschaut, ob sie was taugen, Langzeitspielspaß garantieren oder gar pädagogisch wertvoll sind, sie werden gekauft. Und das Schlimmste ist, viele Menschen merken gar nicht, wie sie sich in diesen Strudel mit hineinziehen lassen.
Genau dieses Verhalten nimmt Hohlbein mit seinem Buch Saint Nick aufs Korn. Mit Hilfe von Elfen, Tieren und dem Weihnachtsmann hält er unserer dem Kommerz verfallenen Gesellschaft einen Spiegel vor und zeigt aber auch, dass es anders geht. Mit einer kurzweiligen Geschichte, in der er die Realität treffend beschreibt und versucht mit viel Gefühl, einfach und prägnant, das verlorene Fest wieder zu beleben. Das ist ihm meiner Meinung nach bestens gelungen.
Innerhalb kürzester Zeit hatte ich die phantastische Weihnachtsgeschichte durchgelesen und blieb mit einem Gefühl der Befriedigung zurück. Dieses resultierte daraus, dass ich in der Geschichte doch irgendwie die Bestätigung fand, dass die Werte, nach denen meine Familie und ich streben, nicht die falschen sind. Ich würde mich freuen, wenn diese Geschichte noch sehr oft gelesen wird und spreche daher eine klare Empfehlung mit Höchstwertung aus.