Leser-Rezension zu „Stadt der Steine” von Xiaolu Guo
am 14.07.2010
"Stadt der Steine" ist mein erstes und sicher nicht letztes Buch einer chinesischen Autorin. Intensiv, schnörkellos und nachdenklich.
Es geht um Coral, eine junge Chinesin, die mit ihrem Freund, einem arbeitslosen angehenenden Frisbee-Profi in einem dristen 25-stöckigen Hochhaus in Peking lebt. Sie arbeitet in einem Videoladen (Stereotype: Alle Filme sind Raubkopien gg) und freut sich, wenn sie es schafft, morgens die 45 Minuten Sonne auf ihrem Balkon zu genießen. Als sie eines Tages ein Paket aus ihrer Heimatstadt bekommt, verändert dass ihr Leben radikal. Sie weiß weder von wem das Paket ist, noch was für einen Zweck der Sender damit erreichen will (Der Leser übrigens auch nie!) aber es genügt, um Coral uns ihr Leben zu erzählen. Mit eindringlichen Worten wird das Leben eines südchinesischen Hafenstädtchens geschildert, das harte und raue Leben auf See, die Tragödien von Zwangsheiraten, der verzweifelte Versuch einer Familie nach 7 Töchtern endlich einen Sohn zu bekommen, einer Geiselnahme mit Vergewaltigung und und und. Damit dies alles auf nicht mal 300 Seiten Platz hat, bedient sich die Autorin kurzer, aber vielleicht gerade deshalb intensiver Sätze, wo vieles der Phantasie des Lesers überlassen ist. Auch fehlen großen Teilen der Erzählung die Emotionen, was vor allem Gewalt & antisoziales Verhalten umso dramatischer erscheinen lassen.

