Leser-Rezension zu „Schiffbruch mit Tiger” von Yann Martel
am 19.01.2010
Liebenswertes, stellenweise witzig und bildhaft geschriebenes Buch:
"Es muss die Hitze gewesen sein. Als der Tag voranschritt, weitete sich die Erdkundestunde, die am Morgen kompakt wie eine Oase begonnen hatte, zur Wüste Thar; die Geschichtsstunde, so lebendig, als der Tag noch jung war, trocknete ein; die Mathematikstunde, die so präzise ihren Anfang nahm, verlief im Sande..."
Im ersten Teil geht es um die Kindheit Pi Patels, der als Sohn eines indischen Zoodirektors aufwächst und sich auf teilweise sehr philosophische Art mit Tieren und Religionen beschäftigt.
Im 2.Teil dann um den Schiffbruch, den die Familie bei der Auswanderung nach Kanada erleidet, und Pi Patels 227 Tage dauernde Fahrt im Rettungsboot. Dieser Teil ist mir stellenweise zu langatmig, und das anfangs so spannende Thema der "richtigen" Religion erschien nur noch am Rande. Das hat mich enttäuscht, denn wo kann man sich besser mit dieser Frage beschäftigen als allein im pazifischen Ozean?
Trotzdem: Ein Lesegenuss für kalte Winternachmittage!

