Leser-Rezension zu „Die Schuld des Tages an die Nacht” von Yasmina Khadra
am 6.08.2010
Leben zwischen zwei Welten
Yasmina Khadras Roman "Die Schuld des Tages an die nacht" ist die Geschichte des jungen Algeriers Younes, der, in Armut geboren, bei seinem wohlhabenden Onkel aufwächst. Fortan befindet sich Younes, nun Jonas genannt, zwischen zwei Welten: derjenigen, aus der er stammt und in der er seine Eltern und seine Schwester zurückgelassen hat und der neuen, in der er mit europäischen Freunden umherzieht und die Apotheke seines Onkels übernimmt.
Das Leben von Younes wird geprägt von seinen Gefühlen für Émilie, und von der Frage, ob es für die beiden eine gemeinsame Zukunft geben kann. Es geht um Freundschaft, um Loyalität, um Ehre. Diese persönliche Geschichte des jungen Mannes wird erzählt vor dem Hintergrund der algerischen Geschichte, von Gewalt und Krieg und den Auswirkungen auf das Leben von jemandem, der weder in der einen, noch in der anderen Welt ganz zu Hause zu sein scheint. Dabei werden die politischen Verhältnisse allerdings oft nur angerissen und nicht näher erläutert, sondern nur so weit erwähnt, wie es für die persönliche Geschichte von Younes wichtig ist.
Die Geschehnisse werden aus der Perspektive von Younes erzählt, so dass der Leser an seinen Gedanken immer teilhat. Manchmal möchte man ihn schütteln und wachrütteln, meistens fiebert und leidet man mit ihm mit. Die Sprache ist ausführlich und voller Bilder.
Alles in allem war der Roman ein Lesevergnügen, wenn auch einige Fragen offen geblieben sind und es schön gewesen wäre, mehr über die Politik und die Geschichte Algeriens zu erfahren.


