Leser-Rezension zu „Nach dem Bankett” von Yukio Mishima

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dzaushang dzaushang
Verfasst von dzaushang
am 8.07.2010
 

Mishimas Hauptprotagonisten in „Nach dem Bankett“ können nicht unterschiedlicher sein.
Da ist zum einen die lebensfrohe, willensstarke, den Menschen im allgemeinen und ihren Gästen insbesondere zugewandte Mitfünfzigerin Fukuzawa Kazu, Besitzerin des Setsugoan, eines berühmten großen Gasthauses in Tokio, die voller Entschlossenheit und mit Leidenschaft immer schon mehr erreicht hat als so mancher Mann.
Zum anderen ist da Noguchi Yuken, ein alter Mann, ehemals Diplomat, jetzt aber eher ein in Vergessenheit geratener Politiker, der, in seinen althergebrachten Prinzipien gefangen, lebt, als würde das quirlige, sich unablässig wandelnde Leben selbst die größte Gefahr für seine Existenz darstellen. Menschen sind für ihn eine stete Quelle von Enttäuschung oder gar Verrat, Gefühle zu haben oder gar zu äußern ist ihm fast unmöglich.
Und doch denkt er noch nicht daran sich zur Ruhe zu setzen, will es noch einmal wissen. Deshalb kandidiert er für die anstehenden Wahlen zum Gouverneur von Tokyo.
Kazu imponiert wie Yuken herauszustehen scheint in der Riege anderer alter Männer, die sich nur ihrer glorreichen Vergangenheit rühmen. Wie er an diese Männer appelliert nicht nur von vergangenen Tagen zu reden, schließlich sei man doch noch jung.
Seine ruhige, zielorientierte und dennoch so schweigsame Art ist es, die ihn auch Kazu gegenüber überlegen erscheinen lässt.
Es kommt wie es dann vielleicht ja auch kommen muss, diese so grundverschiedenen Menschen finden Gefallen aneinander, verlieben sich, heiraten und bleiben sich von Anfang an doch so fremd, wie sich nur zwei Fremde fremd sein können. Kazu unterstützt, nur widerwillig von ihrem Mann geduldet, dessen Wahlkampagne, setzt selbst ihr ganzes Vermögen und das Gasthaus aufs Spiel, und erhält dennoch nicht die Anerkennung nach der sie sucht. Ihre ganze Aufopferung gilt ihm nur als unehrenhaft. Wie kann eine Frau durch ihr selbstständiges Tun ihren Mann immer wieder nur so demütigen. Aber seine „Erziehungsversuche“ scheinen einfach nicht zu fruchten.
Damit und mit der Tatsache, dass auch auf emotionaler Ebene die Ansichten weit auseinandergehen ist das Scheitern dieser Ehe schon vorprogrammiert.
Als dann auch der Wahlkampf nicht das erhoffte Resultat erbringt, stellt Noguchi Kazu ultimativ vor eine Entscheidung.

„Nach dem Bankett“ 1960 im Original erschienen hat, meiner Meinung nach, bis heute in seinen Grundaussagen nichts an Aktualität eingebüßt. Beziehungen zwischen Menschen müssen früher oder später scheitern, will einer der Partner dem anderen seinen Willen aufdrücken. Menschen entwickeln sich weiter, auch in der Ehe. Erziehungsversuche sind in der Regel zum Scheitern verurteilt, solange nicht das Objekt dieser Versuche Veranlagungen zur Unterwürfigkeit mitbringt. Selbstständige, erfolgreiche Frauen werden auch in der heutigen Zeit noch misstrauisch beäugt und sind, gerade auch in der Politik, eher selten geblieben. Sie haben es in dieser Gesellschaft immer noch sehr, sehr schwer nach „Oben“ zu kommen. Die Schalthebel der Macht halten noch weitestgehend die Männer in den Händen. Und bis heute heißt es doch immer wieder, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine kluge und vernünftige Frau steht, die ihm den Rücken für seine glorreichen Taten freizuhalten scheint.

Nach dem Bankett ist aber, Gott sei Dank, manchmal, in der Literatur wie auch im realen Leben, vor dem Bankett. Und so gibt es immer wieder auch die Hoffnung darauf, dass Frauen sich durchzusetzen verstehen, Herz und Verstand in die eigenen Hände nehmen und ihren Weg gehen, willensstark und des Lebens froh.
Jedenfalls ist es dafür, glaubt man Mishima, niemals zu spät.

 

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Nach dem Bankett Nach dem Bankett
Yukio Mishima

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Nach dem Bankett
von Yukio Mishima

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