Was soll man von einem Buch halten, dass mit einer signalroten Banderole umwickelt ist, auf der vorne steht:
... aber sagen Sie später bitte nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.
Und auf der Rückseite:
Ein Thriller wie ein böser Alptraum. ?
1. Der Autor
2. Daten zu dem Buch
3. Klappentext bzw. Innenseite Schutzumschlag
4. Inhaltsangabe / Die Hauptfiguren
5. Was der Autor über sein Buch sagt
6. Mein Fazit
7. Sorry
1. Der Autor
Ich muss gestehen, bis zu dem Moment in dem ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt, hatte ich noch nie etwas Zoran Drvenkar gehört. Also fing ich an zu recherchieren und war erstaunt, wie viele Bücher es von ihm bereits gibt und auch wie viele Preis er schon gewonnen hat.
Zoran Drvenkar wurde am 19. Juli 1967 in Krizevci_(Kroatien) geboren und kam mit seinen Eltern im Alter von drei Jahren nach Berlin. Er wuchs im multikulturell geprägten Umfeld von Charlottenburg auf.
Seit seinem 15. Lebensjahr beschäftigte er sich neben seiner Clique und dem Fußballspiel zunehmend auch mit dem Schreiben. Die Schule fand er langweilig und schmiss das Abitur. Vorübergehend nahm er Jobs im Kindergarten oder Ökoladen an, ein paar Monate war er als freier Mitarbeiter beim Berliner Tagesspiegel, wo er seinem späteren Berufskollegen und Förderer Paul Maar begegnete. Nach dem Fall der Berliner Mauer wollte er für eine Weile weg von Berlin, ging zuerst nach Bayern und lebte danach von 1991 bis 1994 in einem Caravan in den Niederlanden. 1995 kehrte er wieder zurück nach Berlin und lebt heute in der Nähe von Berlin in einer ehemaligen Kornmühle.
Quelle: wikipedia.de
2. Daten zu dem Buch
396 Seiten, 16.00 Euro (D) wieso amazon dafür 19,90 nimmt, weiß ich nicht!!!
ISBN: 978-3-550-08772-1
Ullstein Verlag
3. Klappentext bzw. Innenseite Schutzumschlag
Klappentext:
Vier Freunde folgen einem scheinbar harmlosen Auftrag und stehen plötzlich einer grauenvoll zugerichteten Leiche gegenüber. Er zwingt sie, sich in seinem Namen bei dem Opfer zu entschuldigen. Als sie darauf eingehen, nimmt ein unvorstellbar perfides und grausames Spiel seinen Lauf.
Zoran Drvenkar ist mit diesem Buch ein zutiefst verstörender Thriller gelungen, in dem es auf die Frage nach Gut und Böse keine Antwort mehr gibt.
Schutzumschlag Innenseite:
Ihr Angebot rüttelt die Geschäftswelt auf, denn sie entschuldigen sich für die Vergehen von Unternehmen. Sie bieten den Schuldigen Unterstützung an und helfen den Opfern. Sie selbst verdienen viel Geld damit, die vier jungen Berliner, die diese clevere Geschäftsidee hatten, irgendwann, bevor alles anfing. Immer mehr Menschen erleichtern über sie ihr Gewissen - bis ihnen eines Tages jemand den Auftrag erteilt, eine Tote um Verzeihung zu bitten für die unvorstellbaren Qualen, an denen sie starb. Hier schnappt die Falle zu. Die Lektion, die der Auftraggeber ihnen ab jetzt erteilt, ist voller Dunkelheit: Wie Schachfiguren werden sie auf eine Spur der Grausamkeit gesetzt, auf der es keine Vergebung gibt, kein Schwarzweiß mehr zwischen Opfer und Täter.
4. Inhaltsangabe / Die Hauptfiguren
Das Buch beginnt mit einem Du-Kapitel (was das ist lest ihr weiter unten) und auf den ersten sechs Seiten wird der sehr grausame Mord an einer Frau beschrieben, nicht warum, nicht von wem, nur der Mord an sich.
Leseprobe:
Es überrascht dich, wie einfach es ist, sie ausfindig zu machen. Du hast in solch einem tiefen Lochgesteckt, dass dir nichts mehr möglich erschien. Du hast dich mehr und mehr verloren, und als du dachtest, niemals wieder Licht zu sehen, fiel dir sein anderes Adressbuch in die Hände. Er besaß zwei, auch das wusstest du nicht, wie du so vieles nicht über ihn wusstest.
Das eine Adressbuch ist in Leder gebunden, das andere ein Oktavheft, wie ihr es in der Schule hattet. Du hast das Oktavheft durch Zufall zwischen Zeitschriften in seinem Nachttisch gefunden. Es ist voller Namen. Du hast sie gezählt. 46. Immer noch bricht Sehnsucht in dir aus, sobald du seine Handschrift siehst. Schief nach rechts geneigt, mit der Verzweiflung eines Linkshänders. Deine Finger sind über die Namen, Adressen und Telefonnummern gewandert, als könntest Du erspüren, was er gefühlt hat, während er sie schrieb. Zwei der Namen sind unterstrichen; es sind die einzigen Namen die du kennst.
An dem Tag, an dem du das Oktavheftentdeckt hast, ist Licht in deine Dunkelheit gekommen. Die Namen sind das ersehnte Zeichen gewesen, auf das du gewartet hast. Ein halbes Jahr des Wartens, und dann diese Licht. Woher hättest du auch wissen sollen, dass manche Zeichen gesucht werden müssen?
Niemand hat dir das gesagt.
Im ersten Teil lernen wird dann die Hauptfiguren und ihre Geschichte kennen, d. h. mehr oder weniger. Während der Leser über Frauke, Tamara und Wolf doch so einiges erfährt, bleibt Kris doch eher ein Geheimnis was, wie man etwas später lesen kann, auch Absicht ist.
Die Hauptfiguren:
Kris ist Journalist und gleich im ersten Kapitel ist der Leser Zeuge, wie sein Redakteur in feuert.
Tamara ist eine arbeitslose Buchhändlerin, die derzeit bei ihrer Schwester wohnt und teilweise doch eher verantwortungslos handelt.
Frauke ist arbeitet als freie Mediengestalterin und lebt von den Unterhaltsschecks ihres Vaters, wenn er denn gerade eine Freundin hat, die ihm die Zahlungen an seine Tochter erlaubt.
Wolf ist der kleine Bruder von Kris und ein sehr unruhiger Geist der eigentlich gerne Autor wäre, aber bisher noch nichts in der Richtung auf die Beine gestellt hat.
Die vier kennen sich seit ihrer Schulzeit und eigentlich weiß jeder alles über anderen. Ein Tag an dem sich für jeden die schlechten Nachrichten häuften sorgte dafür, dass sie abends alle in Kris Wohnung saßen und auf die Idee mit der Agentur kamen. Eigentlich war es nur als Scherz gedacht, aber dann entwickeln die Dinge eine Art Eigendynamik und was als Gag begann entwickelt sich zu einer äußerst erfolgreichen Agentur.
Kris und Wolf sind für die Entschuldigungen zuständig, während sich Tamara und Frauke um den Papierkram und die Auftragsannahme kümmern. Eigentlich werden die Aufträge auch vorselektiert, denn nicht jeder Auftrag wird angenommen.
Dann, eines Tages wird Wolf zu einem Auftrag geschickt. Er soll sich für ein Unternehmen bei der Witwe eines Mitarbeiters entschuldigen, deren Mann auf einer Geschäftsreise ums Leben kam. Als Wolf an der Wohnung der Frau ankommt, steht die Tür offen und er hört Musik aus der Wohnung. Er ruft nach der Frau, aber er bekommt keine Antwort. Er betritt die Wohnung macht im Wohnzimmer eine grausige Entdeckung. Fluchtartig verlässt er das Wohnzimmer und überlegt was er tun soll. Er entscheidet sich dafür bei Kris anzurufen, der auch kurze Zeit später mit Tamara und Frauke in der Wohnung erscheint. In der Nähe der Leiche finden sie eine Mülltüte in der drei Fotos, ein MD-Player und eine Notiz sind:
Ich weiß, wo ihr lebt, ich weiß wer ihr seid.
Ich bin euch sehr dankbar.
Ihr habt das alles hier möglich gemacht.
Ihr werdet nicht in Panik ausbrechen.
Ihr werdet weiterleben wie zuvor.
Denn sonst besuche ich Eure Familien.
Eure Freunde.
Euch.
Die Fotos zeigen den Vater von Kris und Wolf, die Tochter von Tamara und die Mutter von Frauke.
Es gibt einen weiteren Zettel in der Hosentasche der Toten auf dem steht, was Wolf ihr als Entschuldigung zu sagen hat. Das Ganze soll er mit dem MD-Player aufzeichnen....
Als letzte Nachricht steht auf dem Zettel:
Natürlich gehe ich davon aus,
dass ihr euch um die Leiche kümmert.
Wer jetzt meint ich hätte zu viel verraten, dem sei gesagt wir sind jetzt gerade auf Seite 99! Wer wissen will, warum gerade diese Frau sterben musste und was den vier Protagonisten der Sorry-Agentur passiert, oder ob es mehr als nur diesen einen Auftrag gibt, bzw. wer der Auftraggeber ist, der muss das Buch lesen!
5. Was der Autor über sein Buch sagt
Dieser Roman hat mich gute zwei Jahre gekostet. Am Anfang sah alles ganz harmlos aus. Ich kam ins Schreiben rein, ich näherte mich der Mitte der Geschichte und dann war plötzlich Feierabend. Ich bekam Angst vor meinem eigenen Buch. Ich scheute davor zurück, mich auf meine Charaktere weiter einzulassen. Kurz gesagt - die Geschichte ging mir zu nahe.
Also habe ich ein Kinderbuch angefangen und beendet, dann noch eins. Um von der Dunkelheit fortzukommen, um etwas Licht in meinen Kopf reinzulassen.
Aber der Roman saß mir im Nacken. Dabei begann es wirklich so harmlos. Und zwar mit einem Traum. Ich war in dem Traum einer von vier Freunden. Ich hatte einen Plan und ich schlug vor, wir sollten eine Agentur gründen, die sich bei Leuten entschuldigt. Als ich aus dem Traum erwachte, war ich zu müde, um das alles im Detail aufzuschreiben, also habe ich mir nur den Namen der Agentur auf die Hand gekritzelt habe. Sorry. So harmlos fing es an.
Nach knapp zwei Jahren Schreiben und Zögern beschloß ich im September 2007 mich zusammenzureissen und das Buch voll und ganz und ohne ausreden in Angriff zu nehmen. Um nicht schwach zu werden, stellte ich ein paar Regeln auf. Kein anderes Buch hatte vorrang. Und um mich für meine Furcht zu bestrafen, wollte ich mich solange nicht rasieren, bis unter dem Buch ENDE stand.
Wer schauen möchte, wie ich nach einem Monat aussah, kann es sich unter folgendem Link ansehen. http://www.3sat.de/mediathek/?obj=6834.
Der Albtraum Bart und Buch hielt bis zum Januar an. Ich ackerte und ackerte, ich war so kaputt, daß ich - wenn ich mal Besuch bekam - den Leuten nicht in die Augen schauen konnte. Der Fokus funktionierte nicht. Wenn ich im Morgengrauen ins Bett fiel, blieb die Geschichte an meiner Seite, suchte nach Lösungen und wollte beachtet werden. Ende Januar war es dann so weit. Ich fand Ruhe, ich fand schlaf, ich hatte mich von dem Roman verabschiedet und meinen Tribut geleistet. Mensch, war ich fertig.
Die Schuldfrage war schon immer ein Thema für mich. Schuld in Verbindung mit Freundschaft und dem menschlichen Versagen, das jeden Tag um einem herum stattfindet. Das eigene Versagen stand dabei ganz oben. Die Ratlosigkeit, der Versuch Lösungen zu finden, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Themen, die schon immer da waren und jetzt zu einem Roman wurden.
Quelle: http://www.drvenkar.de/buecher/belletristik/
Hier findet ihr auch noch einige Interviews zu dem Buch die recht interessant sind!
6. Mein Fazit
Für manch einen kann das Buch durchaus verwirrend sein, denn insgesamt ist der Roman in 8 Teile (wenn man so will auch Kapitel) unterteilt. Innerhalb der Teile gibt es einzelne Kapitel die jeweils immer einen der Namen der Hauptfiguren tragen (Kris, Frauke, Tamara, Wolf, DU), manche Kapitel haben dann auch noch den Zusatz: Davor, dazwischen oder danach. Das heißt man springt auch ein bisschen in der Zeit hin und her. Das hört sich jetzt wohl einigermaßen verwirrend an, aber ich habe das nicht als schlimm empfunden.
Ein bisschen gruselig und düster fand ich die Kapitel, die in der Du-Form geschrieben waren. Wahlweise hatte ich das Gefühl das Buch spricht wirklich mit mir, bzw. der dunkle Teil meiner Seele nimmt Kontakt auf (was davon jetzt besser ist, weiß ich auch nicht).
Der Schreibstil ist sehr flüssig und auch anschaulich, was mich am Anfang etwas irritiert hat war, das der Autor bei der wörtlichen Rede mit Bindestrichen und nicht mit Anführungszeichen gearbeitet hat.
Die Charaktere, Kris, Frauke, Tamara und Wolf, waren sehr gut beschrieben und auch durchaus glaubhaft. Menschen aus dem normalen Leben eben. Nicht überzogen dargestellt und auch nicht mit derartigen Schicksalen behaftet, dass der Leser dies als übertrieben empfindet. Arbeitslosigkeit, kranke Mutter, Kind verloren. Alles Dinge, die jedem, jeden Tag passieren können, bzw. leider auch passieren.
Eine Frage musste ich mir allerdings direkt nach den ersten sechs Seiten (auf denen der Mord beschrieben wird) doch mehrfach stellen: Kann man sich so etwas wirklich aus denken? Oder muss man so etwas getan haben um so darüber berichten zu können? Die Beschreibung der Tat ist derartige genau und detailiert, dass es einem wirklich mulmig wird!
Auch die perversen Spielchen die der Mörder mit den vier anderen treibt, lassen einen mehr als einmal vermuten, dass man krank sein muss um sich sowas aus zu denken. Also ich möchte dem Autor nicht zu nahe treten, aber der Leser macht sich halt so seine Gedanken!
In diesem Roman tun sich Abgründe auf, wie sie tiefer gar nicht sein könnten und wie im Klappentext geschrieben wurde, fällt es immer schwerer zwischen Opfer und Täter zu unterscheiden. Ich war am Anfang zutiefst schockiert über den Mord an der Frau und doch bekam ich im weiteren Verlauf des Buches Mitleid mit dem Täter und es gab durchaus Momente, in denen ich das Buch lieber hätte weglegen wollen. Das Schlimme ist eigentlich, dass es für nichts in diesem Buch eine Entschuldigung gibt und doch kann man nachvollziehen, warum die Dinge passieren müssen.
Es ist nur ein schmaler Grad vom Opfer zum Täter und dieser Roman macht einmal mehr deutlich, dass jeder Täter, jemandes Kind, Bruder, Schwester, Frau oder Mann ist und es wird immer jemanden geben von dem er geliebt wird.
Wie stark Liebe sein kann und was man bereit ist zu tun, nur um einen geliebten Menschen zu schützen, geht weit über die normale Vorstellungskraft hinaus. Um ehrlich zu sein: Bei den Personen in diesem Roman, möchte ich nicht diejenige sein, die über Schuld oder Unschuld entscheiden müßte.
Für Leute die Psychothriller der härteren Gangart mögen ist dieser Roman eine Pflichtlektüre, allen anderen würde ich den Vorschlag machen:
Lest die ersten sechs Seiten, wenn ihr damit klar kommt, dann lest das ganze Buch!
Fehler:
Ja, trotz all der Spannung hab ich auch auf Fehler geachtet!
Seite 87
Da steht:
Einmal hat er mit einem Kumpel versucht, einen Münzautomaten in einem Waschsalon am Kaiserdamm zu knacken. Schraubenzieher und Brecheisen. Sie nach einer Viertelstunde auf...
Ich spendiere dem Verlag mal ein "gaben"!
Seite 234
Nachdem Frauke und Wolf sich heute morgen auf den Weg....
Das muss Tamara heißen!
7. Sorry
Sorry, aber das war´s!