Leser-Rezension zu „Der Schwimmer” von Zsuzsa Bánk
am 19.10.2011
Ein wunderbares Buch und eine besondere Geschichte, die einen sanft und gleichzeitig unerbittlich in ihren Bann zieht, als würde einem jemand langsam unter die Wasseroberfläche drücken.
Auf den See schauen, im Fluss baden, sich hinausgleiten lassen, verzweifelt kraulen... wie sich die drei Hauptfiguren des Buches, die Erzählerin, ihr kleiner Bruder und der Vater zum kühlen Element verhalten, beleuchtet ihre Konstellation zueinander und charakterisiert zugleich die einzelnen Figuren.
Der Vater und die Geschwister, die von der Mutter verlassen wurden, die sich Ende der 50er Jahre von Ungarn in den Westen aufmacht, stehen im Vordergrund der Handlung. Dahinter scheint gleich dem Bühnenbild die zeitgeschichtliche Dimension auf, die scheiternde Hoffnung auf Veränderung im Sozialismus, die Zementierung der Grenzen.
Das ist meiner Meinung nach das Besondere des Buches: Der historische Zusammenhang verschluckt nicht das individuelle Schicksal oder macht die Figuren zum Exempel. Zsusza Bánk versteht es Ahnungen zu wecken, Sehnsüchte anklingen zu lassen und Geschichte als das darzustellen, was sie ist: Das Leben jedes einzelnen und vieler zugleich.
Eine melancholischer Grundton bestimmt das Buch, man denkt an das letzte goldene Sonnenlicht, an den Blick auf den See am Abend. Die Autorin mit ungarischen Wurzeln, die auf Deutsch schreibt, schafft es den Leser sprachlich prägnant und doch unaufdringlich wie mit Wellen zu umfangen, die gegen Ende zum unerbittlichen Rauschen werden.

