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Rückkehr nach St. Elwine
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(35)

51 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

liebe, patchwork, st. elwine, freundschaft, intrigen

Rückkehr nach St. Elwine

Britta Orlowski
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei bookshouse, 15.04.2013
ISBN B007M0SJAO
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Rückkehr nach St. Elwine" ist der Start einer wunderbaren Serie, die sich durch einen leichten, lockeren und humorvollen Schreibstil der Autorin Britta Orlowski, mal eben so ins Herz der Leser schleicht.
Der Zusatz "Liebesroman" trifft es für mich nicht ganz, es ist eigentlich mehr, wesentlich mehr, denn es geht um menschliche Schicksale, Familien, Freundschaften und Lebensglück.
Elisabeth Crane kommt als ausgebildete Chirurgin in ihre Heimatstadt zurück und nimmt eine Stelle als Ärztin an der dortigen Klinik an. Erinnerungen an eine sehr schlechte Kindheit, an ein schwieriges Erwachsenwerden und Freikämpfen von Vorurteilen Minderbemittelten werden wieder wach als sie alte Schulkameraden und Bekannte trifft.
Aber sie hat auch ihre beste Freundin dort, die inzwischen glücklich verheiratet ihr Mutterglück geniesst, sie hat die neue Aufgabe in der Klinik und den Anschluss an eine Patchwork-Gruppe, die ihr das Ankommen erleichtern.
Und sie muss erkennen, dass manche Menschen anders sind als sie in ihrem Tunneldenken des armen, bemitleideten Mädchens gedacht hat. Und sie muss lernen, dass auch vom Schicksal bevorzugte Kinder ihren eigenen Weg gehen müssen, der nicht nur leicht und unbeschwert ist.
"Liz", wie sie von allen genannt wird, muss den nächsten Schritt als Erwachsene tun: Ihr rauhe Schale, hinter der sie ihre Unsicherheit verbergen wollte, ablegen, um manchem Glück eine Chance zu geben  und um eine wirklich gute Ärztin zu werden, die nicht nur die medizinische Technik beherrscht, sondern das Vertrauen der Patienten erobert.

"Rückkehr nach St. Elwine" hat einen Sog-Effekt! Einmal begonnen, legt man das Buch nur ungerne aus der Hand. Man verschwindet als Leser in dieser scheinbar heilen Welt in St. Elwine, die doch so viel Drama und Schicksalschläge einstecken musste.
Ich selbst hatte nie Familie, noch Freunde und habe mich in diesem Buch uneingeschränkt Zuhause gefühlt.
Dabei hat die Autorin Glück: Hätte ich die Möglichkeit, wäre ich inzwischen längst auf die Suche gegangen nach diesem St. Elwine, in dem alle Protagonisten so menschlich, reif, verständig und unkompliziert scheinen. Selbst die Bösewichte waren mir sympathisch!
Dieses Buch ist Balsam für angekratzte Seelen, spannend nicht nur durch eine hintergründige Kriminalgeschichte, humorvoll durch chaotische Zugewanderte aus Rathenow bei Berlin, diese Geschichte legt sich liebevoll um die Schultern des Lesers und führt zu einer selten erreichten Tiefenentspannung.
Nach Beenden und Zuklappen des Buches empfand ich einen furchtbaren Verlust, ich hatte das Gefühl, ich muss Abschied nehmen von Menschen, die mir innerhalb weniger Seiten ans Herz gewachsen waren!
Da hilft nur das Hilfsangebot der Autorin, die Allerweltsmedizin des Viellesers: Kauf des zweiten Bandes, Aufklappen und Weiterlesen! Viel Vergnügen!
Band 1: Rückkehr nach St. Elwine
Band 2: Pampelmusenduft
Band 3: Zitronentagetes
an weiteren Bänden wird -gottlob- schon gearbeitet!

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Tags: beziehun, eundschaft, liebesroman, f, zufal   (4)

  

 

Zwitschernde Fische
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(47)

72 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 24 Rezensionen

athen, literatur, bücher, liebe, mythologie

Zwitschernde Fische

Andreas Séché
Fester Einband: 167 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 31.01.2012
ISBN 9783869131061
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

"Yannis Gedanken schweiften in das kleine Café in der Nähe. Wie viele Teesorten hatte er kennengelernt, obwohl er viel lieber die Kellnerin kennengelernt hätte? Wie viele seiner Berührungen hatte sie nicht bemerkt, weil sie seine Träume nicht verlassen hatten? Wie viele Stunden hatte er hinter dem Tisch gesessen und sie wortlos angesprochen, wenn sie gerade nicht hingesehen hatte? Wie viele Schläge seines aufgeregten Herzens hatte er durch ihren Anblick hinzugewonnen? .... Und wie viele liebestrunkene Szenarien hatte er durchgespielt, die allesamt nicht den Weg in die Wirklichkeit des Cafés gefunden hatten? Beendete man nicht so eine Geschichte, noch bevor sie einen Anfang nehmen konnte?"

Wunderbar geschrieben, nicht ohne das kleine Fünkchen Humor auszulassen, das eine Geschichte so lesenswert macht!
Ich habe viel nachgedacht über Geschichte, über Klassiker über den Einfluss der Politik, Geschichte, Kultur auf Autoren und Buchtitel.
Ist es so, dass in unserer Zeit eigentlich nur noch der Kommerz bestimmt, welche Bücher veröffentlicht werden? Letztendlich also die effektivität der Werbung, die ein Buchtitel erhält?
Wie war es früher? Welche Autoren hatten warum und zu welcher Zeit Erfolg? Und ist der Anfang des Buches entscheidend, ob die Inspiration bleibt, der Leser Feuer fängt und das Buch ein Erfolg wird?
Mit "Zwitschernde Fische" fordert der Autor den Leser auf, über den Buchrand zu blicken Sozusagen hinter die Kulissen zu schauen, gewisse Buchtitel auch im Rahmen der Bedingungen des Autors zu sehen. Dabei verpackt der Autor Andreas Séché diese Botschaft nicht etwa in einem trockenen Sachbuch, sondern strickt ein humorvolles Märchen rund um Inspiration, Muse, Autoren namen und Buchanfänge.
Für mich eine neue Erfahrung, gerade in einer Zeit, in der scheinbar trivial geschriebene, realtiv inhaltslose Bücher den Leser am besten fesseln, nach der Art: Der seutsche Leser liest, um nicht nachdenken zu müssen.
Für mich eine gelungene Gelegenheit, die Bücherwunschliste um einige Titel zu ergänzen und ein re-read von vielen vielen gelesenen Klassikern ins Auge zu fassen!
Vielen Dank dafür!

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Tags: autoren, bücher, dichtung, klassiker, muse, plagiate, überlieferungen   (7)

  

 

Opfertod
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(70)

121 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 41 Rezensionen

berlin, profilerin, lena peters, mord, thriller

Opfertod

Hanna Winter
Flexibler Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.02.2012
ISBN 9783548283661
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

... ich sollte es lassen!
Deutsche Thriller sind einfach eine Enttäuschung!
Lahmmarschig, unglaubwürdig, fehlerhaft und einfach langweilig.
Ich habe es trotzdem wieder versucht, nicht nur, weil ich die Autorin Hanna Winter endlich kennen lernen wollte, sondern weil mir auch das Cover gut gefiel.
Leider hat es mit dem Inhalt des Buches mal wieder gar nichts zu tun, sondern wurde nur als eye-catcher verwendet.
Aber dabei blieb es leider nicht: Trivial, nicht wirklich ansprechender Schreibstil, wirklich, es scheint sich rumgesprochen zu haben, dass alle deutschen Thriller-Autoren eine Dusch-Szene einbauen, bevorzugt nach dem Joggen (man glaubt es kaum!), dabei wird dem dussligen deutschen Leser beigebracht, dass man sich DANACH abtrocknet und vor der Jeans den Schlüpfer anzieht.
Ich weiss nicht, wie oft ich das schon gelesen habe, kein amerikanischer, ernsthafter Psychothriller-Autor würde sich mit solch banalen Seiten füllendem Blabla aufhalten.
Hier hatte ich den Eindruck, dass die Autorin sich um den heissen Brei redet. Von Psychologie nicht viel Ahnung, geht man jeglichen Fachbegriffen und vernünftigen Ermittlungen aus dem Weg, sondern spinnt sich eine gänzlich unrealistische Geschichte zusammen.
Weniger unrealistisch vom Fall, mehr vom Drumherum!
Es passieren Serienmorde in Berlin, wobei Berlin mit wenigen Ausnahmen ausschliesslich aus Spandau und Friedrichshain bestehen, gut erwähnt werden auch Friedenau (sieh an, die wenigen Häuser werden erwähnt, allerdings liegt Friedenau nicht bei Friedrichshain, wie man hier annehmen könnte) und Schöneberg. Die Frauen werden zerstümmelt und ausgelegt zum Fund. Vom Täter keine Spur, auch keine Ermittlung, die beschrieben wird, der Kriminalkommissar geht mit der Angestellten ins Bett, die wiederum ihre Eifersucht an Bestechung und Unterschieben von gestohlenen Akten auslässt. Die Protagonistin wird nach 2 Tagen wieder entlassen, statt auf dem Jobcenter rumzustehen ermittelt sie auf eigene Faust, man hat ja sonst nichts zu tun.
Dabei hilft ihr ein ehemaliger Polizist, der -jetzt kommt der Knaller!- Angst um seine (fast) volljährige Tochter hat! Er möchte keinesfalls, dass auch sie Opfer wird (Hallo???? In Berlin passieren fast jeden Tag mehrere Morde/Hinrichtungen/Entführungen, das wenigste davon kommt in die Presse, wer sicher leben will, der hat in dieser Stadt nichts zu suchen!)
Also alles in allem -für mich als erfahrene Thriller-Leserin, Berlinerin und Ärztin leider nur zusammengeschriebener Stuss, oberflächlich, trivial, unspannend und enttäuschend.

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Tags: ermittlung, plastination, psychologie, täterprofil   (4)

  

 

Jenseits der Dunkelwelt
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(21)

25 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

entführung, philosophie, ehe, krimi, psychologie

Jenseits der Dunkelwelt

A. Christine Schyboll
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei fhl Verlag Leipzig, 01.10.2012
ISBN 9783942829250
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

"Entführte entführt Entführer - Wie dämlich kann Mann sein?"
Der Roman "Jenseits der Dunkelwelt" der Autorin A.C. Schyboll, aus dem Verlagshaus fhl, hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Ein Roman der aus der Menge der neuen deutschen Debüts herausragt, nicht nur durch den humorvollen Inhalt, dem tollen Schreibstil, sondern auch mit der listigen Art, der deutschen Gesellschaft mit einem Augenzwinkern den Spiegel vorzuhalten!
Karl Sandhauser ist Anfang 40, gutaussehend und charismatisch, Vater von drei Kindern, Ehemann einer sehr aktiven und attraktiven Frau, erfolgreich im Beruf und ohne grössere Sorgen.
Ohne grössere Sorgen? Weit gefehlt!
Denn Karl lebt in Deutschland und hatte mal einen Lebenstraum: Schriftsteller wollte er werden, berühmte Stücke wollte er schreiben und damit die Welt ein wenig verbessern.
Während des Literaturstudiums lernte er allerdings seine Ehefrau kennen, wurde Vater und musste sich -wie man es von Mann und Vater erwartet- um den Lebensunterhalt kümmern.
Auf ein Kind folgen zwei weitere und während seine Frau mit der Aufgabe ihres Studiums und der Rolle der Mutter und Ehefrau sehr gut klar kommt, ist für Karl der Lebenstraum, der in ihm schlummert, unendlich weit in die Ferne gerückt.
Aber eben nicht vergessen!
Und je älter er wird, desto mehr drückt ihn die Erkenntnis, dass er nicht das tut, was seine Bestimmung ist, sondern das, was die deutsche Gesellschaft, seine Frau, die Kinder und Arbeitskollegen von ihm erwarten.
Und er sucht nach Auswegen, denn es gibt Werke, die geschrieben werden müssen! Und sei es im Gefängnis!

Ich muss sagen, ich habe mich wunderbar amüsiert! Der Schreibstil erinnert an Tom Sharp, speziell im "Puppenmord", ist aber doch so eigen, dass ich fast sagen möchte, dieses Buch gefällt mir um Längen besser.
Kaum habe ich angefangen zu lesen, zauberte sich ein Lächeln auf mein Gesicht, ein Grinsen, ein Lachen, ich hatte von Minute an wunderbare Laune und grübel nach Beenden des Buches immer noch, wie die Autorin dies geschafft hat!
Sie schildert die Figuren so liebevoll, so intensiv, dass man als Leser der festen Meinung ist, Karl hat in seinen verqueren Gedanken absolut recht!
Er ist Opfer der Gesellschaft!
Und jetzt mal ganz ehrlich! Steckt nicht in jedem von uns ein bisschen Karl? Haben wir nicht alle schon Träume aufgegeben, weil es eben grade nicht passt, was sollen denn die anderen denken?
Wer sich auf die sympathische Familie Sandhauser einlässt, der wird verstehen, dass Karl nicht viel Wahl hat. Aber so ein Plätzchen im Gefängnis zu ergattern ist für einen ehrenwerten Mann gar nicht so einfach. Der erste Versuch ging "natürlich" schief, macht nichts, er versucht es nochmal!
Und da kommt dann die fantastische Genialität der Autorin!
Was kann ein Mann denn verbrechen, damit er für mindestens fünf Jahre ins Gefängnis kommt, wo er endlich Ruhe vor Ehefrau und Kindern hat, ohne dass er morden muss?
Richtig, er entführt!
Aber was passiert, wenn Entführte ins Grübeln kommt und feststellt, dass auch sie unfrei ist, ebenfalls verdonnert, ein Leben nach Erwartung von Gesellschaft zu führen und plötzlich gar nicht mehr gefunden werden möchte?
Also, ich wünsche mir für dieses Buch zahlreiche Leser, die ebenfalls einmal, wenigstens einmal, über ihre Freiheit innerlich und äusserlich nachdenken wollen, diesen subtilen Humor in wirklich jedem Satz wahrnehmen wollen und sich entführen lassen in die Gedankenwelt eines Karl, ich liebe ihn!, der doch so alles hat und wesentliches vermisst. Ich glaube, ich fange das Buch gleich nochmal von vorne an!
Vielen Dank auch für das wunderschöne Cover, ich entscheide mich für die sonnige Seite!

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Tags: druck, ehe, gesellschaft, humor, psychologie, regeln, stress   (7)

  

 

Wolfswechsel
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(18)

24 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

paris, historisch, liebe, flucht, krieg

Wolfswechsel

David Gray
E-Buch Text
Erschienen bei David Gray, 23.04.2011
ISBN B004Y1VBKE
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Wolfswechsel" von David Gray ist ein sehr berührender Roman eines überlebenden Juden im 2. Weltkrieg.
Nur 163 Seiten dick, lediglich als e book erhältlich, sollte es von möglichst vielen Menschen gelesen werden, denn es enthält ein Stück deutsche Geschichte aus einer für mich vollkommen neuen Sichtweise auf die Geschehen im zweiten Weltkrieg.
Oder, genauer gesagt: Auf das, was sich ereignete, als der Krieg offiziell beendet wurde.
Wadislaus Wadja ist ein Jude, der im Konzentrationslager überlebte, da er sein Wissen als Arzt zu nutzen wusste. Zum Ende des Krieges gelingt ihm die Flucht, aber wo soll er hin? Sind Menschen, die er trifft Feinde oder neue Freunde? Als was soll man sich zu erkennen geben?
Die Geschichte erzählt uns Wadja selbst, genauer: Er erzählt es nicht uns, sondern einer jungen Prostituierten, die er in Paris 1969 kennenlernte. Sie sitzen nach einer Razzia auf einer Pariser Polizeistation, und Wadja wartet auf das Ende, das da kommt, gilt er doch nach wie vor als Flüchtling, auch wenn er im Warschauer Regierungskrankenhaus einen guten Ruf als Arzt hat.
Immer wieder unterbrochen durch die Geschichte im der Gegenwart 1969, erfahren wir Leser so unglaublich erschütternde Tatsachen über das Grauen, das sich im Kriegsgebiet abspielte.
Der Autor David Gray recherchierte mehrere Jahre und strickte aus den Berichten einiger Zeitzeugen eine Geschichte, die sich so durchaus hätte abspielen können. Dabei führt es den Leser in die Tiefen der Schrecken und berichtet unverschönt die grausamen Vorgänge, die selbst Menschen, die vom eigentlichen Krieg verschont geblieben waren, in nichtwiedergutzumachende Traumen stürzten. Der Leser kann förmlich mitfühlen, wie die bislang einigermassen heilen Seelen zerbrechen, wie Kinder gezwungen erwachsen werden, wie Mitmenschen innerlich absterben und wie aus der Verzweiflung Liebe entsteht, wie es sie so intensiv zu Friedenszeiten nicht geben kann.
Ich habe den Hunger gelitten, die Kälte gefroren, die Verzweiflung gespürt, ich habe selten einen Roman so intensiv empfunden wie diese Schilderung des alten Mannes.
Es schockiert und lässt den Leser verstört zurück, denn die Absolution, die man sich erhofft, die lässt uns der Autor nicht zukommen.
Damit zählt dieser Roman für mich zur aufrüttelnden Kriegsliteratur, die nicht oft genug gelesen werden kann, auch als Erinnerung, was unsere Grosseltern oder Urgrosseltern ertragen mussten!

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Tags: ende des kriegs, flucht, juden, kampf, tod, verfolgung, veteran, zweiter weltkrieg   (8)

  

 

Chucks
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(86)

133 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 55 Rezensionen

aids, wien, tod, punk, chucks

Chucks

Cornelia Travnicek
Flexibler Einband: 186 Seiten
Erschienen bei DVA, 28.02.2012
ISBN 9783421045263
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Es tut mir wirklich leid!
Ich muss leider gestehen, dass mich das Buch "Chucks" von Cornelia Travnicek weder berührt noch mitgenommen hat.
Es gehört zu den Büchern, die man in wenigen Stunden runterlesen kann, die man innerhalb von 2 Tagen weglegt und fast noch schneller vergisst.
Es tut mir deswegen so leid, weil ich denke, dass die Autorin mit der Erzählung aus dem Leben der jungen Punkerin Mae sicherlich aufklären, schockieren oder wenigstens berühren wollte. Vielleicht auch einfach Verständnis wecken, für die Jugend von heute, die Schulbildung in unserer Gesellschaft ablehnt und -obwohl hochintelligent und interessiert-, sich lieber auf die Strasse setzt, sich prostituiert, Drogen konsumiert und Häuser besetzt.
Trotz des lockeren, leichten Erzählstils, des Springesn von Thema zu Thema, von Vergangenheit in Gegenwart und zurück, was sicher auch eine Darstellung der Zerissenheit von Maes Gedanken darstellen soll, gab es auf keiner Seite auch nur annährend eine Sympathie, Spannung oder Aufflackern des Mitgefühls.
Mae ist eine junge Frau, die früh den Tod des krebskranken Bruders miterleben musste, in einer zerstrittenen Familie aufwuchs, vernachlässigt wurde und aussteigt.
Mit jeder Seite wird klar, dass Mae einfach unfähig ist, sich ihren eigenen Problemen zu stellen, die richtigen Lebensfragen zu stellen, die ihr selbst weiterhelfen würden, sondern dass sie mit nahezu blinder Gewissheit sich mit Absicht in das nächste Trauma begibt. Hilfe wird abgelehnt, nicht gesucht, alles Positive schlecht gemacht, man schwimmt in der Welle der Aussteiger und merkt gar nicht, dass man sich in deren Gesellschaft genauso anpasst, wie man es ja so gar nicht möchte.
Teilweise fand ich das Buch unerträglich, beispielsweise, die Schilderung des Einkaufs. Die netten Nachfragen an der Kasse werden als Kampf aufgefasst, nicht als Freundlichkeit oder Benimm, Mae steht sich auf jeder Seite, bei allen Aktivitäten selbst im Weg und merkt gar nciht, dass sie selbst sich die Wunden zufügt und nicht die Gesellschaft.

Ich lebe seit 30 Jahren in Berlin in einem Stadtbezirk, der phasenweise von der Polizei aufgegeben wurde. Ich habe während meiner aktiven Zeit des Arbeitens oft mit Hausbesetzern, Ausstiegern, Obdachlosen zu tun gehabt. Zur Zeit bin ich selbst "obdachlos", lebe in einem grossen Zimmer einer Pension und nicht auf der Strasse, denn "Hinfallen" kann jeder Mensch, egal, wie alt oder intelligent oder lebenserfahren man ist.
Der Trick ist, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, selbst zu bestimmen, welchen Weg man gehen möchte, denn da, wo ein Wille und ein Ziel ist, da gibt es auch Wege und mehr oder weniger Hilfe.
Sich auf die Strasse zu setzen und von anderen Menschen zu erwarten, das sie Verständnis haben und mitleidig Barmherzigkeit zeigen, damit zieht man sich selbst nur weiter runter, da muss man sich nicht wundern, wenn das Selbstbewusstsein auf Null fällt.
Ohne Abitur und offizieller Einschreibung an Vorlesungen der Uni teilzunehmen, das zeugt von höchster Feigheit, man muss sich den Prüfungen nicht stellen, kann aber frech Einwände in den Hörsaal brüllen.
Ich finde den Inhalt des Buches entsetzlich und kann nur jedem sagen: Das Leben auf der Strasse, das Sterben eines Aids-kranken ist wesentlich härter als hier dargestellt.
Man muss nicht mit der Gesellschaft konform gehen, aber auf Kosten gerade dieser Gesellschaft zu leben, die man so verdammt, das ist einfach nur lächerlich.
Schade, wirklich schade. Das Buch brachte nichts Neues, keine Erkenntnisse oder Lebensfazits, es war für mich eher ein lahmer Aufrüttelversuch, der mir aber eigenltich nur ein junges Mädel zeigte, die so komplett unfähig ist, mal über sich selbst zu reflektieren und sich selbst zu kritisieren und in diesem Sinne auch nicht wirklich intelligent ist.
Man kann also gern auf das Lesen des Buches verzichten, es sei denn man möchte ohne grossen Zeitaufwand die "Gelesen"-Statistik um ein Buch erweitern.

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Tags: aids, erwachsen werden, haltlosigkeit, hiv, kampf, krebs, lebenssinn, punk, sterben, strassenleben, tod, trauma   (12)

  

 

Die letzten Kinder von Schewenborn
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(34)

47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

atomkrieg, jugendbuch, tod, leben, sterben

Die letzten Kinder von Schewenborn

Gudrun Pausewang
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 01.01.2008
ISBN 9783473543199
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

"Die letzen Kinder von Schewenborn" von Gudrun Pausewang ist ein etwas älteres Buch! Geschrieben 1984, es gibt noch dei DDR und die Mauer, es gibt noch die gespannte politische Situation, dieses Feindbild vom Osten und die Gefahr durch dei Entwicklung der Atombomben.
Das buch ist aus der Sicht des zwölfjährigen Rolands geschreiben, der mit seiner Familie von Frankfurt Richtung Schewnborn in der Nähe von Fulda unterwegs ist. Die Grosseltern leben dort und man verbringt gerne die Ferien in diesem Ort. Im Auto sitzen seine beiden Schwestern, eine älter, eine jünger, Mutter, Vater und er, als plötzlich ein greller Lichtblitz und ein orkanartiger Sturm alles versengt.
Nach anfänglicher unsicherheit ist man sich einig: Es ist etwas Schlimmes passiert, wir sind nciht mehr sicher, wir müssen so schnell wie möglich zu den Eltern und dann flüchten, wohin auch immer!
Aber: Die Wege sind versperrt, Bäume liegen kreuz und quer, vieles brennt, Häuser isnd eingestürzt oder iensturzgefährdet, vieles ist kaputt und zerstört. Und dei Grosseltern sind nicht daheim, sie woltlen eben schnell noch in Fulda ienkaufen und kehren von dort nie zurück.
Dafür kommen unendlich viele Schwerverletze, Verbrannte, Hilfesuchende, Hungernde.

Das Buch beschreibt in einfachen Worten aus der Sicht eines Jungen die ersten Tage und Wochen nach einem Angriff mit Abwurf einer Atombombe! Der Reaktion der Leute, anfangs verstört, dann hoffnungsvoll auf Hilfe wartend, bis so langsam die Gewissheit siegt, dass keine Hilfe kommen wird, da keiner Hilfe leisten kann. Dann die Selbsterhaltungstriebe, das Verrohen der Überlebenden, die nichts abgeben wollen, die mit dem Elend der anderen nichts zu tun haben wollen, die wiederum umschlägt in ein verzweifeltes Kämpfen um Lebensmittel und Wasser, in eine Sinnsuche und in einen eigenen Überlebenskampf gegen Erkrankungen und Infekte ----- und mehr als einmal fragt man sich als Leser: Woher nehmen die Leute die Kraft, den Mut und die Motivation mit ihrem Leben weiterzumachen?
Erst sind Habseligkeiten wertvoll und werden geschützt, wenige Monate später ist nur noch der kampf um Lebensmittel und Haus und schliesslich nimmt man den Tod als Erlösung wahr. Und nichtsdestotrotz gibt es wenige Überlebende, die einen Lebensinhalt finden und weitermachen.
Mich hat das Buch stark an ein Gespräcjh mit einer Psychotherapeutin vor etlichen Wochen erinnert: Sie behandelt Flüchtlinge aus dem Krieg und Folteropfer, die überlebt haben. Wir sprachen über ein Traums im eingeltichen Sinne, was es auslöst, wie es zustande kommt und welche Spätsymptome sich ienstellen ,wenn es nicht richtig behandelt, sondern verdrängt wird.
Ein Trauma ist eine Situation für einen Menschen, der nicht selbst verschuldet in eine vollkommen aussichtslose Situation gerät, die oft ungerecht, entwürdigend und schmerzhaft ist. Dass es zur Auslösung des Trauma-Belastungssyndroms kommt ist es notwendig, dass der betroffene Mensch dieser Situation hilflos ausgeliefert ist, da unsere Psyche tatsächlich so gestrickt ist, dass wir, solange wir "tätig sein können", unabhängig, ob das, was wir tun von Erfolg gekrönt ist oder sinnvoll ist, noch einen Ausweg sehen.
Erst dann, wenn keine Handlung auf diesen Druck erfolgen kann- beispielsweise, weil alle Wege versperrt sind, wir festgebunden oder blockiert sind (auch z.B. durch die Gesetzgebung), dann erst kommt es zur Ausbildung des sog. Traumas!
Und daran musste ich während des Lesens unentwegt denken!
Eigentlich sehen die Strahlenverseuchten dem Sterben zu, nachdem die erste Welle der akut Verbrannten vorbei ist, die zweite Welle der Strahlenverseuchten und Schwerverletzen vorbei ist, die dritte Welle der Thyphus und Ruhrerkrankten vorbeigeht, die vierte Welle der Spätverstrahlten folgt und nebenbei die Todeswelle der missgebildeten Neugeborenen vorbeigeht, sind die Überlebenden immer noch wie die Ameisen tätig, alles wieder aufzubauen und ein geregeltes Leben einzuführen. Und dabei ist alles eigentlich sinnlos.
Ich habe lange überlegt, ob das Buch auch Mut machen soll, egal, was passiert, es geht immer "irgendwie" weiter und vieles liegt nicht in unserer Hand, hauptsache wir tun etwas. Das Buch hat mich sehr an den Endzeit-Thriller The Road erinnert, allerdings erfährt in jenem Buch der Leser nicht, was eigentlich passiert ist, nur, dass alles zerstört ist und man täglich nur gegen den Tod kämpft, der so oder so kommt.
Unabhängig davon hat sich die Autorin intensiv mit Strahlenkrankheit, Symptome und Verlauf einer Epidemie auseinandergesetzt, auch wenn ein unmittelbarer Atomkrieg in dieser Form heute, grade jetzt, nicht droht, schadet es nicht, sich damit auch mal auseinanderzusetzen.
Lesenswert!

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Tags: atomkrieg, endzeit-thriller, hilflosigkeit, kampf, verstrahlung, überleben   (6)

  

 

Tschick
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(297)

462 Bibliotheken, 8 Leser, 8 Gruppen, 69 Rezensionen

freundschaft, berlin, jugend, auto, lada

Tschick

Wolfgang Herrndorf
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, Berlin, 01.09.2010
ISBN 9783871347108
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

"Tschick" von Wolfgang Herrndorf ist ein sehr schön zu lesender Roman.
Ich hatte die Hardcover-Ausgabe, die mit Lesebändchen und schönem Schriftbild regelrecht zum Lesen einlud.
Das Buch ist aus der Sicht eines 14 jährigen Jungen geschrieben, Maik, dessen Eltern mit sich selbst beschäftigt sind und der in der Schule nicht wirklich zur Clique gehört. Dabei ist er nicht der einzige Aussenseiter, auch ein Russland-stämmiger Junge, Spitzname Tschick, aus dem Berliner Sumpf wird in keinster Weise aufgenommen.
Nun sind Sommerferien, die Mitschüler treffen sich, die meisten fahren weg oder feiern Feten, Maik ist nirgends eingeladen, allein zu Hause und einsam.
Mehr oder weniger zufällig kommt Tschick vorbei.
Um es abzukürzen, Tschick knackt ein Auto (alter Trabbi) und Tschick und Maik beschliessen in die Walachei zu fahren, zum Opa von Tschick.
Da das Buch mit einem Unfall beginnt, ahnt der Leser, dass dieses Road-Movie nicht gut endet. Was passiert ist, das erfährt man nicht, das ist die Spannung des Buches - und ich muss es leider sagen: Es ist die einzige Spannung.
Der Rest der Geschichte ist weder spannend, noch mitreissend, noch zu Herzen gehend, noch lustig, es ist ein gleichförmiges Dahinplätschern der Erzählung.
Ich hab lange überlegt, woran es liegen mag, kein Tempo, keine Highlights, obwohl ja beide Jungen einiges erleben, aber es fehlte mir an Atmosphäre, an Tiefe, an Dichte.
Es plätschert wirklich so vor sich hin, ich hatte auch nicht wirklich das Gefühl, dass ich einen intelligenten oder unintelligenten 14 Jährigen vor mir habe, und denke, es liegt vielleicht daran, dass der Autor selbst nicht in seinen Figuren lebt.
Ein Autor, der in seine Protagonisten schlüpft, der deren Ängste spürt, der Schmerzen oder Gelächter selbst miterlebt, würde anders berichten. So ist es wie eine Schulaufsatz, eine Geschichte, die eben erzählt werden muss. Ich darf als Leser nicht teilhaben an den Gefühlen, an den Gedanken, an -und das wäre ja das Interessante gewesen- der Schwierigkeit in dem Alter von 14, an der Schwelle zum Erwachsenwerden, sich mit Liebe, mit Gefühlen, Sexualität, Launen, Freundschaft und Unsicherheiten auseinandersetzen zu müssen.
Das ist ja eben genau das, was ich erwarte, wenn ich lese, dass 2 Jungs im Teenageralter abhauen!
Oft habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich das Buch lese - gut, weil es ein Leihbuch war, das zurückgegeben werden musste- aber es enthält keine Botschaft, keine Information, kein Knalleffekt. Keine Erkenntnis des Weise- oder Erwachsen-werdens!
Als es dann letztendlich zum Unfall kommt, ist das wie ein logisches Satzende. Auch da wird man nicht mitgerissen, gefühlsmässig nicht einbezogen.
Passiert und Punkt.
Das finde ich sehr schade, aber offensichtlich ist da die Grenze zwischen "Autor, der sehr schön schreibt" und "Autor, der es kann". Natürlich ist dieses Buch Bestseller in Deutschland, was für mich aber schon lange kein Qualitätskriterium ist, denn ein deutscher Autor wird werbemässig ganz anders geputscht als ein Autor besserer Fähigkeiten aus dem Ausland, so dass "deutscher Bestseller" eher stehen sollte für "hat eben viel Werbung bekommen".
Für mich ist das Buch leider eine Enttäuschung! Man kann es lesen, muss es aber nicht.

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Tags: abhauen, auto, teenager, unfall   (4)

  

 

Wir zwei allein
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(29)

39 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

schwarzwald, liebe, beziehung, traum, gemüsefahrer

Wir zwei allein

Matthias Nawrat
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 27.02.2012
ISBN 9783312004973
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

"Wir zwei allein" von Matthias Nawrat ist ein sehr schön gestaltetes Hardcover-Büchlein aus dem Hause Nagel & Kimche.
Ich war sehr gespannt über den Inhalt, da der Roman in Freiburg/Breisgau spielt. Meiner Heimat, aus der ich mit 17 Jahren magersüchtig, schwer depressiv und angeschlagen flüchtete.
Und tatsächlich, ich hätte es nicht für möglich gehalten, dieses kleine, niedliche Buch hat mit einem Schlag sämtliche Wut auf die verschrobene Gesellschaft und ihre Trödeligkeit zurückgebracht.
Eine Liebesgeschichte in diese wunderschöne Landschaft zu packen mit den dort lebenden, verstockten, konservativen und extrem introvertierten Leuten, das ist schon ein besonderes Erlebnis per se.
Ich hatte ja ein klein wenig Hoffnung, dass nach den immerhin 30 Jahren, die seit meiner Flucht vergangen sind, sich vielleicht ein bischen was geändert haben könnte, aber Nein, dazu wird es wohl Jahrhunderte dauern.
Menschen, die existieren, die täglich der Arbeit nachgehen, die nur zum eigenen Gartenzaun schauen, dabei ständig von der grossen Welt träumen, aber den Weg nicht von hier nach da schaffen, die auch untereinander kein klares Gespräch zustandebringen, keine Entscheidungen treffen wollen, sondern sich nur alles "passend träumen", die reagieren, aber nicht agieren, die so ohne jegliches Rückgrat alles hinnehmen und nicht fähig sind, aus ihrer Lethargie mal aufzuwachen!
Dabei diverse pschische Krankheitsbilder aufbauen, angefangen von einer manisch-depressiven Erkrankung zu bunt-gemischten schizoiden Ausläufen, gerne nach Jahren betitelt als "Borderline", nichts anderes als komplette Unfähigkeit eine sozial-kompetente
Umgangsform untereinander zu erarbeiten, beispielsweise "wie zeige ich einer Person, dass ich sie liebe".
Ich vermute ja schon lange, dass diese belämmerten Soaps im nachmittäglichen deutschen Fernsehen, nur für die Schwarzwälder erfunden wurden!
Wie räume ich mein Zimmer auf? Wie zahle ich meine Rechnungen? Wie sieht eine Wohnung gewöhnlich von innen aus? Wie rede ich mit Freunden? Was ziehe ich an? Wie läuft eine Kommunikation zwischen verschieden-geschlechtlichen Leuten? Wo gehe ich hin? Was unternehme ich abends?
Seufz.
Gut, ich wurde auch mal von einem Mann in die Sauna eingeladen. er war seit etwa 5 Jahren verliebt, hat sich nicht getraut, mir das zu sagen/zeigen, war mit Mitte 60 noch Jungfrau und kam dann mit dieser Einladung.
Himmel, die Unfähigkeit den Mund zum Sprechen zu nutzen greift um sich!
Jedenfalls freuen sich Berline Psychologen ungemein! Was meinte mal einer, händereibend, zu mir? "Die verkorkstesten Leute kommen aus dem Schwarzwald! Da hat man ordentlich Jahre zu tun!"
Sehr schön!
Au Mann, ich wollte eigentlich eine Rezi schreiben, aber nach dem Lesen bin ich so voller Wut. Wenn die wenigstens endlich aussterben würden "da unten", aber es ziehen ja immer neue Leute zu, die in kürzester Zeit genauso verschroben werden!
So, also das Buch ist eine Vollbremsung im Bücherschrank! Keine grossen Aktionen, zumindest nicht ausserhalb der Gehirnwindungen.
Ein Mann, Studienabbrecher, was sonst wird man in Freibug?, jobbt einen Job als Fahrer von Gemüse. Ehrgeiz, dieses Wort existiert dort nicht, hat er nicht, auch keine Ziele, nur einen Wunsch: Zusammensein mit Theres, einer unsteten Künstlerin, die auch nicht weiss, was sie will und auch unfähig ist, sich mal um pragmatische Dinge zu kümmern. Er hält am Traumbild seiner Theres fest, obwohl dieses Mädel ihm genügend Gelegenheiten gibt, zu erkennen, dass sie ganz bestimmt nicht die passende Partnerin ist.
Das Buch nimmt dramatische Wendungen (im Hirn der Protagonisten), deren Deutungen einen Psychologen höchst erfreuen würden, da bin ich mir sicher.
Nach Lesen des Buches verbleibt eine grosse Ratlosigkeit.
Was soll man den Protagonisten wünschen? Soll man überhaupt etwas wünschen? Oder besser sofort abwenden, das Buch verbrennen, damit die Geisteshaltung nicht entfleuchen und um sich greifen kann?
Meine Güte. Dabei kann der Autor wirklich gut schreiben, die Bilder, die er erzeugt, die trostlose, hilflose Stimmung, dieses Gefühl eingesperrt zu sein zwischen den Bergen, diese düstere Atmosphäre, diese Ausweglosigkeit und Perspektivenlosigkeit, die bringt er ganz fabelhaft rüber, aber man (ich) mag es in der heutigen Zeit nicht lesen.
Kein Hoffnungsfunke, es sei den man verbrennt oder stürzt zu Tode, oh Himmel, ist es nicht endlich an der Zeit, auch im Schwarzwald zu lüften?

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Tags: frust, lebensweg, liebe, schwarzwald, selbstfindung, traum, verliebt sein   (7)

  

 

Schoßgebete
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358 Bibliotheken, 16 Leser, 3 Gruppen, 58 Rezensionen

sex, tod, therapie, ehe, unfall

Schoßgebete

Charlotte Roche
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2011
ISBN 9783492054201
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Ich war nach "Feuchtgebiete" der Autorin Charlotte Roche sehr auf das 2. Buch gespannt. Wusste auch erst nicht, ob es ein Fortsetzungsroman ist, den ich auch gerne gesehen hätte, aber nach wenigen Sätzen erkennt man, es ist ein eigenständiger, in sich abgeschlossener Roman.
Unverkennbar der Schreibstil der Autorin: Leicht, locker und flüssig, ohne Tabu, ohne Schamgrenze, offen und ehrlich lernen wir die Gedankenwelt der Protagonistin kennen. Kaum Konversation, wenig Aktion, mehr ein Ansammeln und Loslassen der durchaus chaotischen Kopfwelt.
Elisabeth ist verhairatet mit Georg. Seit immerhin 7 Jahren. Er ist Stiefvater ihrer 7 jährigen Tochter, sein gleichaltriger Sohn lebt bei dessen Mutter.
Ein Altersunterschied von 17 Jahren trennen die beiden Eheleute, kennengelernt haben sie sich auf der Arbeit. Zusammengekommen sind sie nach der Geburt seines Sohnes.
Zwischen Planung von gemeinsamen Puffbesuchen, Behandlung derTochter gegen die Fadenwürmer, fährt Elisabeth täglich zur Psychotherapeutin.
Ohne diese ist sie nicht fähig, sich mit Mann, Sexualität, Kinderziehung und Verarbeitung des Verlustes von 3 Brüdern klarzukommen.
Im Bemühen, alles richtig zu machen, Eifersucht, eigene Ängste und Bedürfnisse und Trauer unter einen Hut zu bekommen, dürfen wir Leser 3 Tage lang miterleben, wie chaotisch das Hirn von Elisabeth Überstunden macht und logische oder unlogische Schlüsse zieht.
Und dabei oft urkomische Erkenntnisse produziert: "Bei Kindern gibt es irgendwie keine grosse Aufgabe, die gelöst werden muss. Sondern jede grosse Aufgabe wird in viele kleine Aufgaben aufgeteilt, und nach jeder Kleinigkeit wird schlappgemacht."
Oder: "Auch dass so viel Scheiße bei einer Geburt rausgedrückt werden kann, verkraften viele Männer nicht. Die Kombination von Scheiße und Neugeborenem sagt doch sehr viel aus über den Menschen an sich. Dass die beiden Löcher so nah beieinander sind, das ist doch der Beweis, dass es keinen Gott gibt, der hätte die doch so weit wie möglich voneinander weg gemacht, eins am Fuß und eins am Kopf!"

Ich muss sagen, ich habe es wieder sehr genossen, das Buch zu lesen. Auf fast jeder Seite entlockte die Autorin mir ein breites Grinsen, so amüsant, so dramatisch allerdings auch die Schilderung des Unfalls, den Elisabeth nicht verarbeitet bekommt.
Diese sprachlichen Spielereien, so treffend und offen, es ist erfrischend, die Ehrlichkeit zu entdecken, mit der die Autorin Themen angeht.
Themen, die durchaus in unserer Gesellschaft Tabu sind, über die man nicht "öffentlich" spricht, die aber jeden betreffen oder jeden betreffen können.
Ob die "Kümmermaschine im Leerlauf läuft", wenn die Tochter beim leiblichen Vater ist, oder ob sexuelle Lust in der Ehe sich nicht auch auf andere Sexpartner ausdehnen darf, ich fand es sehr interessant, wie Elisabeth versucht, mit Hilfe ihrer Therapeutin zur besseren Ehefrau, Mutter und Frau zu werden.
Abnabeln von der Mutter, zur eigenen Sexualität stehen, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, auch wenn ein Vater - Ehemann vorhanden ist, Entscheidungen zu treffen, seine eigenen Ängste überwinden, das ist der eigentliche Inhalt dieser 3 tägigen Schilderung.

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Tags: ehe, erziehung, sex, sexualität   (4)

  

 

Das Vorzelt zur Hölle
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34 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

camping, urlaub, 70er jahre, abenteuer, campen

Das Vorzelt zur Hölle

Tommy Krappweis , Werner Krappweis
Flexibler Einband: 249 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 23.02.2012
ISBN 9783426784761
Genre: Biografie

Rezension:

Das Vorzelt zur Hölle, Untertitel: Wie ich die Familienurlaube meiner Kindheit überlebte, von Tommy Krappweis, dem Erfinder von Bernd, dem Brot.
Wirklich begeistert hat mich das Buch nicht. Ich war auf den ersten hundert Seiten auch mehrmals am Überlegen, ob sich die ins Lesen investierte Zeit nicht sinnvoller verbringen liesse, da ich aber grundsätzlich keine Bücher abbreche, denn jeder Autor soll eine faire Chance bekommen, zwang ich mich, mit dem Lesen fortzufahren.
Zum Inhalt: Tommy Krappweis, geboren 1972, berichtet von den Urlauben mit den Eltern bevorzugt in den 70 iger Jahren.
Seine Eltern, besonders sein lebenslustiger Vater, sind -wie es damals üblich war- Campingfans. Mit den damals fehlenden Sicherheitsbestimmungen und den einfachen, oft pimitiven Mitteln, nutzten Tommys Eltern jeden Urlaub um fremde Länder zu erkunden und oft lebensbedrohliche Erlebnisse zu meistern.
Wer in diesen Jahren aufgewachsen ist, der wird sicher über ähnliche Erlebnisse berichten können, da ich 7 Jahre älter bin als der Autor habe ich meist schulterzuckend die dramatisch dargestellten Erinnerungen gelesen und oft gedacht, "Was regt sich der Autor so auf, das ist doch harmlos!"
Das war Zahn der Zeit, das war so üblich, das war halt so, mit dem Unterschied, dass der Sohnemann, der ganz offensichtlich nicht so wirklich in die Familie passte, abgöttisch geliebt wurde.
Bei mir wurde zur gleichen Zeit gnadenlos zurechtgeprügelt und mir als Kleinkind unterstellt, dass ich als Kind (!!!) ja nur Spass daran hätte, den Familienplanungen mit Krankheit und Unwohlsein den Spass zu verderben.
Nichtsdestotrotz liest sich der Anfang des Buches wie ein einzig Anprangern des Vaters, ein Beschweren und Lamentieren, ich konnts kaum aushalten.
Interessant wurde das Buch erst, als auch der Vater zu Wort kam. Ein aufgeräumter, lebenslustiger Mann, der mit viel Humor an die damalige Zeit zurückdenkt und vermutlich heute alles wieder gleich machen würde, denn er hat uns heutigen Erwachsenen eines voraus: Er hat gemacht, was ihm Spass machte, ohne zu grübeln oder nach Unmöglichkeiten zu suchen.
Ich muss gestehen, ich habe in der zweiten Hälfte des Buches manchmal Tränen gelacht, über den Vater, über die Verrücktheiten dieses Mannes, aber eben nicht über Tommy Krappweis Abrechnung.
Schade eigentlich, dass Tommy Krappweis, Vater einer inzwischen 3 jährigen Tochter, nicht toleranter ist, nicht den Humor besitzt, herzhaft zu lachen, statt überall aus heutiger Sicht mit "Sicherheit" und anderen Vorkehrungen alles madig zu machen.
Die 70 iger waren eine verrückte Zeit, etwas mehr Lockerheit täte uns heutzutage nicht schlecht, denn dieses nur nach Paragraph und nur nach Bestimmungen zu leben, das beschränkt schon extrem die Freiheit. Und auch die Lebensfreude.
Dabei finde ich es eigentlich schade, denn Tommy Krappweis beweist mit dem Buch, dass er schreiben kann, drollige Ausdrucksweise, humoriger Schreibstil, wenn er nicht grade über den Vater lästert, dieses Buch hätte ich nicht aus eigener Sicht geschrieben, sondern aus der Sicht eines "frei erfundenen" Protagonisten, dann wäre diese dröge mies-macher-Stimmung nicht so durchgekommen, hätte vielleicht auch das Schreiben mehr Spass gemacht!
Ganz zum Schluss möchte ich eine bescheidene Bitte äussern:
Könnte das zweite Buch bitte vom Vater geschrieben werden?

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Tags: 70iger jahre, abenteuer, camping, familie, kindheit   (5)

  

 

Hummeldumm
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844 Bibliotheken, 11 Leser, 15 Gruppen, 148 Rezensionen

namibia, afrika, urlaub, humor, gruppenreise

Hummeldumm

Tommy Jaud
Flexibler Einband: 303 Seiten
Erschienen bei Scherz, 19.02.2010
ISBN 9783502110378
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Bei "Hummeldumm" von Tommy Jaud möchte ich vornewegschicken, dass ich nicht viel erwartet habe.
Vor Jahren versuchte ich mich an "Millionär" und habe entnervt aufgegeben.
Zur Zeit wacchsen mir ernste und inhaltsvolle Bücher mit zusätzlichem privatem Stress einfach über den Kopf, da das Buch bei mir lag, dachte ich, vielleicht genau das, was ich jetzt brauche: trivialer Schwachsinn!
Und das ist es auch!
Im ersten Drittel war ich bei jedem Satz in grosser Versuchung, es wieder abzubrechen und den Autor endgültig abzuhaken.
Es erinnerte im Stil schon sehr an die Bücher von Kerstin Gier und Wladimir Kaminer, für die ja irgendwie alle Mitmenschen nur dumm und dämlich sind, nur dazu gut, mit dem Finger auf die Menschen zu zeigen, um sich lauthals über Figur, Sprache und Charakter lustig zu machen. Ich hasse solche Bücher und finde es erstaunlich, dass sehr viele deutsche Autoren für ihre Werke keinen anderen Inhalt finden. Lustig finde ich das jedenfalls nicht.
Hier in diesem Buch geht ähnlich los. Matze möchte mit seiner Freundin vor dem Umzug in die Eigenheimwohnung noch eben einen Urlaub verbringen. Während er auf "Urlaub" hofft, hat seinen langjährige Freundin mal eben eine "Reise" in Namibia gebucht.
Tausende von Kilometer sollen in 14 Tagen abgenudelt werden (Rumpeltransfer), dabei auch stundenlange Märsche durch Wüsten und Übernachtungen im Freien gemeistert werden, sprich nix Urlaub, sondern Stress der besonderen Art!
Die Reise wurde als Gruppenreise ausgeschrieben, insgesamt 9 deutsche Kandidaten aus völlig verschiedenen Alters- und Interessenklassen treffen sich am Flughafen in Namibia!
Schon im Flugzeug wurden die Grundsteine für anfänglichen Missmut und für Antisympathien gelegt und gepflegt! ("hinterfotzige Knitterhexe")
Noch bevor der erste Kilometer zurückgelegt wurde, lästert Matze gegen jeden, gegen alles und möchte nur wieder in einen Flieger nach Hause, der Haussegen hängt schief und die Launen im Keller.
Und in dieser Art geht es dann weiter. Was hier das Salz in der Suppe ist: Matze hat vergessen, die Reservierungsgebühr für die schicke Eigentumswohnung zu bezahlen und statt es seiner Freundin einfach zu sagen, beginnt eine Odyssee an Verheimlichungen, Netzproblemen, Akkufüllungen, Internetzugängen, Telefonmissverständnissen, Zank und Streit.
Dabei beweist Matze -hoffentlich endgültig allen Männern und Frauen-, dass Männer weder stressresistent, noch einfallsreich, noch zu irgendeiner eigenständigen Handlung fähig sind, ohne jede Minute eine neue Katastrophe heraufzubeschwören.
Da ich ausspannen wollte und eben mal hirnfrei lachen wollte, kam mir das Buch grade recht!
Was ich damit sagen möchte: Diejenigen, die hier Informationen über Namibia suchen oder ein raffiniertes Tagebuch der lustigen Art vermuten, die werden sicher bitter enttäuscht, diejenigen, die über Schwachsinn lachen können, die einfach mal ein Buch zum eben mal Runterlesen möchten, die finden hier wenige vergnügliche Stunden, nachdem sie sich durch einen Läster- und Alles-Miefinden- Anfang durchgequält haben.

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Tags: idioten, lustig, männer, namibia, reise   (5)

  

 

Die Gewürzhändlerin
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75 Bibliotheken, 3 Leser, 4 Gruppen, 39 Rezensionen

koblenz, liebe, mittelalter, gewürze, handel

Die Gewürzhändlerin

Petra Schier
Flexibler Einband: 541 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.12.2011
ISBN 9783499256288
Genre: Historische Romane

Rezension:

ooops... schon durch ;-))
"Die Gewürzhändlerin" von Petra Schier ist eigentlich ein Folgeband nach "Die Eifelgräfin".
Im ersten Band, den ich leider noch nicht kenne, dreht sich die Geschichte um Elisabeth von Küneburg und den Ausbruch der Pest.
Der hier vorgestelte Folgeband berichtet vordergründig von Luzia, der Magd von Elisabeth. Luzia hat durch die Pest fast die gesamte Familie verloren und ist als Freundin und Magd mit Elisabeth nach Koblenz gezogen. Elisabeth ist inzwischen verheiratet, hat Luzia Schreiben und Lesen gelehrt und dies ist der Beginn des zweiten Buches.
Also beide Bände sind durchaus voneinander unabhängig zu lesen. Sollte man mit den vielen Figuren, viele davon im 14. Jahrhundert geschichtlich belegt, nicht zurecht kommen, so gibt eine ausführliche Personenauflistung am Ende des Buches Aufschluss.
Auch eine Stadtkarte des frühen Koblenz ist vorhanden, eine geschichtliche Einführung über die überlieferten Tatsachen ebenfalls, also durchaus Gelegenheit auch ein bischen Einblick in das frühere Geschäftstreiben zu bekommen.
Luzia muss bei dem Weinhändler Martin Wied aushelfen. Zu Beginn ist ihr sehr unwohl, doch bald überwiegt die Neugier: So viele Gewürze, deren Gebrauch und Preise, das Handeln an sich und der Kontakt zu den vielen Leuten macht ihr unglaublich Spass.
Wenn da nur nicht Martin Wied wäre, der durch Brandnarben entstellt und verkrüppelt, Luzia ein ungutes Gefühl vermittelt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Zwar hatte ich während des Lesens das Gefühl, eher einen trivialen Liebesroman zu lesen, der ins 14. Jahrhundert transportiert wurde, aber auch mystische Vorkommnisse und Krimianteile sind sehr wohl vorhanden.
Erst nach Beenden des Buches, als ich die zusätzlichen Beigaben las, wurde mir klar, wie viele der vorkommenden Figuren tatsächlich existierten, wie sehr das Thema "Frau als Geschäftsfrau" damals schon interessant war.
Man bekommt fast den Eindruck, als wäre die damalige Gesellschaft schon weiter entwickelt die Emanzipation betreffend.
Die Geschichte liest sich spannend, flüssig und leicht, viel nachdenken muss man nicht, anspruchsvoll ist der Verlauf auch nicht, sondern es ist eines dieser Bücher, die man wirklich zum Enspannen liest!
Ab und zu blitzt der Humor der Autorin durch, und ich muss gestehen, ich hatte grossen Spass!
Das eigentliche Geschehen dreht sich um die wachsende Liebe zwischen Luzia und Martin, die vor allem Luzia nicht erkennen möchte. Als Leser liest man amüsiert, wie alle Freunde schon lange ahnen, was unübersehbar ist, während die beiden Hauptdarsteller lieber streiten.
So fiebert man bis zur letzten Zeile: Kriegen sie sich oder nicht?
Dank der vielen Verwicklungen und Nebenschauplätze ein abwechslungsreicher, in sich runder und stimmiger Roman, ein Einblick in die Geschichte ohne lehrend zu erscheinen, gerne für kurzweilige, leseintensive Stunden zu empfehlen für alle Leser!

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Tags: bauer, frau, gewürzhandel, handel, humor, koblenz, liebe, magd   (8)

  

 

Blinder Instinkt
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287 Bibliotheken, 3 Leser, 7 Gruppen, 41 Rezensionen

entführung, thriller, blind, psychothriller, mädchen

Blinder Instinkt

Andreas Winkelmann
Flexibler Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 12.01.2011
ISBN 9783442473380
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

"Blinder Instinkt" von Andreas Winkelmann ist ein gut unterhaltender Psychothriller.
Ein bischen störte mich dieses übliche Strickmuster der deutschen Thriller, diese Liebesgeschichte, ohne die es im Deutschen nicht geht, diese Vorraussschaubarkeit des Happy Ends!
Allerdings nahm die Geschichte zum Ende hin Tempo auf und hatte doch einige nette Einfälle, dabei meine ich jetzt nicht die Giftspinnen, denn dieses Thema wiederholte sich ja auch ständig und wurde dadurch langweilig.
Mal abgesehen davon, dass man in Deutschland gewisseTiere nicht halten darf, und wenn, dann nur mit strengen Auflagen der Behörden, die diese auch regelmässig prüfen, eine kleine Ungereimtheit, die Herr Winkelmann mal einfach unter den Tisch fallen liess.
Schade eigentlich.
Ansonsten gleiches Strickmuster: Blindes Kind wird entführt, Polizistin ermittelt und trifft schwierigen Boxer, dessen Schwester 10 Jahre zuvor unter ähnlichen Bedingungen verschwand, verliebt sich natürlich sofort, Liebe fällt auf Gegenliebe, wie es eigentlich im wirklichen Leben niemals vorkommt und die Ermittlung nimmt seinen Lauf: Polizistin ermittelt alleine und kommt in lebensbedrohliche Lage, naja, den Rest kann man sich denken.
Verrate ich zu viel, wenn ich sage: Happy End auf allen Ebenen, keiner stirbt, alles lebt und liebt.
Langweilig.
Und schade.
Das hätte ich mir etwas anders gewünscht, aber irgendwie fehlt den deutschen Autoren oft der Mut mal einfach andere Wege zu gehen als die, die der Leser allgemein gerne liest. So ist es ein flüssig zu lesender Thriller mit Ausflug in die Biologie der Giftspinnen und -schlangen, viel lernen tut man nicht, ist vielleicht auch nicht wichtig, noch sind diese Tiere nicht in deutscher Fauna zu finden, das Tempo nimmt zu und so liest man etwa gemütliche 2 Tage einen Thriller, den man nach Beenden allerdings bald wieder vergisst, da zu gleichförmig und zu ereignislos.
Ich hab wirklich für mich bemerkt, dass diese gleichförmigen, "runden" Thriller mich nicht berühren und nicht so schocken, dass ich Jahre später noch mit leuchtenden Augen davon berichte, sondern dass nach wenigen Tagen bis Wochen ein "hab ich auch schon gelesen" das einzige ist, was sich im Kopf hält.
Und ich denke fast, Herr Winkelmann könnte auch anders! ;-))

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Tags: blindheit, entführung, exotische gifttiere   (3)

  

 

Das Lied vom Tun und Lassen
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40 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 18 Rezensionen

selbstmord, musik, schule, band, blog

Das Lied vom Tun und Lassen

Jan Böttcher
Fester Einband: 315 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 14.09.2011
ISBN 9783498006587
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Ich wusste nicht so wirklich, was mich bei diesem Buch erwartet. Eine Art Krimi? Ein Jugendbuch über das Erwachsen werden? Ein schön geschriebenes Literaturbuch über die Gesellschaft und deren Fehler?
Neugierig fing ich an in diesem etwas dickeren Schulheft zu lesen. Es ist dreigeteilt: der erste Teil geschrieben aus der Sicht eines Lehrers der Schule von deren Dach sich ein halbes Jehr zuvor eine Schülerin in den Freitod stürzte.
Der zweite Teil geschrieben aus der Sicht des Gutachters, der etwas begutachten sollte. Man frage mich nicht, was, denn dann werde ich etwas -hmmmm- komisch.
Und letztendlich der dritte Teil, ein Tagebuch-Ausschnitt einer Schülerin der Abi-Klasse, die offensichtlich auch die beste Freundin der Selbstmörderin war.
Generell eine schöne Idee, auch aussergewöhnlich schön geschrieben, seltsame Atmosphäre und rätselhafte Vorgänge. So weit, so gut.
Die 3 Teile stehen auch jeweils für sich, stimmen auch zeitlich nicht unbedingt überein, so dass ich das Gefühle hatte, am Ende angekommen von vorn wieder beginnen zu müssen, weil mir da vieles dann auffallen wird, wenn ich die beiden anderen Teile zuerst gelesen hätte. Ich hab es dann aber doch gelassen, weil mehr nun nicht drinsteckt. Keine wirklichen Erkenntnisse, keine Botschaft, keine Erleuchtung, keine Aufklärung.
Eigentlich ein Bericht ohne Anfang und Ende, ohne Spannungsbogen, ohne in sich geschlossene Handlung.
Eben Unterhaltung, mehr nicht.
Und das finde ich irgendwie aussergewöhnlich, aber doch auch frustrierend.
Man liest und liest und es gibt genügend Anhaltspunkte zur Anknüpfung einer sinnvollen Geschichte mit Ende, mit Lösung, mit Vorwärtskommen, aber der Autor nutzt sie nicht, ganz bewusst nicht, denn auch das Leben ist eben nicht Anfang und Ende -wenn man jetzt Geburt und Tod aussen vor lässt-, sondern es geht weiter, mit Höhen und Tiefen und nicht mit Lösungen und Erkenntnissen.
Aber will man sowas auch lesen?
Ich bemerkte, dass ich frustriert wurde. Dass ich eben durch andere Literatur und Romane, sei es Thriller, Krimis oder Fantasy, eben doch gewohnt bin, beim oder wenigstens nach dem Lesen einen Grund, eine Essenz mitnehmen zu können, eine Art Befriedigung, die mich -glücklich beendet- das Buch in den Schrank stellen liess.
Hier ist es jetzt nicht so, dass eine Geschichte "offen gelassen wurde", sie fing in meinen Augen noch gar nicht an zu existieren.
Es ist Geplänkel, andererseits so dramatisch und unreif, selbst von den Personnen, oder grade von den Personen, von denen wir eigentlich besondere Ausbildung und auch Reife erwarten, dass ich oft nur kopfschüttelnd und verärgert gelesen habe.
Es sind eben keine Helden, sondern Menschen. Und das Leben ist schwer. Auch für sich selbst einen Weg zu finden, alleine schon den Anfang einer Aktion, sei es das Abi, sei es eine Schulaufführung oder ein Ausflug, kann schwer und verschwommen sein.
Es ist erschreckend, wie kleingeistig wir Menschen sind, unser eigenes Verhalten so wenig klar strukturieren zu können, so wenig "durchzufinden" durch eigene Belange und oft auch, so hilflos, den richtigen Weg, die richtige Geste und ein nettes und angebrachtes Wort zu finden.
Vielleicht sollte ich es doch nochmal von vorn anfangen?

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Tags: erwachsen werden, schule, schüler, selbstmord   (4)

  

 

Fremde Schwestern
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76 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

schwestern, krankheit, liebe, lydia, merle

Fremde Schwestern

Renate Ahrens
Flexibler Einband: 297 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 28.03.2011
ISBN 9783426508060
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Ich war ja sehr gespannt auf das Buch "Fremde Schwestern" von Renate Ahrens. Und bin nach Beenden des Buches zwiespältig.
Es handelt von zwei Schwestern, die sich sooo fremd eigentlich gar nicht sind, sondern die eine recht schlechte Kindheit hatten, bei Elltern aufgewachsen, die mich wieder einmal grübeln liessen, ob man nicht doch erwachsene Menschen auf Reife und Fähigkeit Kinder grosszuziehen prüfen sollte, bevor man sie Kinder bekommen lässt.
Aber das geht ja nicht, daher stellt sich hier nicht die Diskussion.
Die ältere Schwester, die lange Zeit auch die Verantwortung für die jüngere übernahm, hat sich recht steif im Leben eingerichtet: sie schreibt Drehbücher für Fernsehkrimis, lebt alleine und nach festen Regeln und Abläufen. Die jüngere Schwester, mit der sie seit Ewigkeiten nicht mehr in Kontakt steht, führt ein recht unstetes Leben, alleinerziehend mit siebenjähriger Tochter ist sie meist in fernen Ländern verschollen.
Bis zu dem Tag, an welchem das Buch beginnt: Die jüngere Schwester steht unangemeldet vor der Tür ihrer einzigen Verwandten, schwer erkrankt, fast ausgehungert und geht davon aus, dass ihre Schwester sie mit Kind nicht abweisen wird, sondern natürlich für eine vorübergehende Weile bei sich aufnehmen wird.
Als Leser steht man aussen vor, man erfährt durch Flash-backs, was sich in der Kindheit abspielte, warum die Schwestern sich so schwer tun, warum die siebenjährige Tochter, wie so oft die einzig vernünftig reagierende Person, so verwahrlost ist.
Kurze Sätze, wenig Füllmaterial, oft seitenweise nur Dialog, und dieser meist nur mit unverarbeiteter Wut und längst vergangenen, nicht vergebenen Vorkommnissen gefüllt, auf der einen Seite eine interessante Psychologie-Studie, auf der anderen Seite nervenbelastende Eintönigkeit von zwei erwachsenen Frauen, die sich den eigenen Nöten nicht stellen wollen.
Es liest sich recht flüssig und nur 300 Seiten dick ist es ein kleines Buch für Zwischendurch, mal eine "etwas andere Lektüre".
Ich finde es nicht schlecht, daher die 3 Sterne, würde das Buch aber nicht jedem empfehlen. Phasenweise hatte es auch die Tendenz, mich unendlich zu nerven, was aber eventuell im Sinne der Autorin ist. Sympathisch waren mir die Protagonisten jedenfalls nicht, leid getan hat mir das Kind, aber Menschen, die nicht über den Schatten springen können, die mit jedem Handgriff im Heute nur in der Vergangenheit leben, diesen Menschen gehe ich gerne aus dem Weg.
Mitmenschen im heutigen Deutschland, die etwa Mitte 40 oder älter sind, hatten oft eine sehr schlechte Kindheit. Die Pille kam erst Ende der 60iger Jahre, bis zu diesem Zeitpunkt gab es viele unerwünschte Kinder, viele "Zwangsehen", auch meine Mutter hat mir Zeit meiner Kindheit eingeredet, dass ich ihr Leben zerstört hätte, nur weil sie schwanger wurde mit mir. Und nicht nur früher, sie tut es auch heute noch bei jeder sich bietenden Gelegenheit.
Das Thema ist mir persönlich also nicht ganz unbekannt, und auch ich weiss, dass man die Vergangenheit immer als Teil mit sich schleppt, aber man hat eben als "Erwachsene" die Wahl entweder ewig daran zu knabbern und sich die Vorwürfe an Land zu ziehen, oder sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen.
Sehr interessant, was bei diesen beiden Schwestern passieren muss, damit sie endlich einen Schritt im Leben weitergehen.

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Tags: familie, gefühle, hass, kind, krankheit, liebe, schwestern, tod   (8)

  

 

Beschützerin des Hauses
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30 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

kurpfalz, hexe, hockenheim, historischer roman, 1593

Beschützerin des Hauses

Marlene Klaus
Flexibler Einband: 600 Seiten
Erschienen bei Dryas Verlag, 04.03.2011
ISBN 9783940855121
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der historische Roman "Beschützerin des Hauses" von Marlene Klaus handelt von einer erwachsenen Frau, Barbara, die als Kräuterweib nach dem tragischen Tod von Mann und Kind mit der alten Mutter zusammenlebt und von der kleinen Dorfgemeinde nach einem Überfall auf den Lehrer und im Unwetter-Sommer als Hexe verschrieen wird.
Anfangs hatte ich etwas Mühe, all die zahlreichen Namen zuzuordnen und mit der "altertümlichenSprache", die aber zur Geschichte passt, zurechtzukommen.
Im weiteren Verlauf der Geschichte kristallisieren sich die einzelnen Charaktere besser heraus, so dass die Namen durchaus kein Hinderniss im Verständnis darstellten.
Neben einer anbahnenden Liebesgeschichte zeigt der Roman eine sehr unruhige Zeitepoche: Es wird einerseits auf die Ausbildung der Kinder und der Wissenschaft Wert gelegt, aber in dramatischen Situationen, wie beispielsweise einem schweren Gewitter mit Sturm, brodeln alter Aberglaube wieder hoch. Und wenn dann eine schutzlose, wehrlose Person gefunden ist, kommen auch die vernünftigsten Menschen ins Grübeln.
Marlene Klaus entführt uns in eine Zeit, in der die Rechtssprechung noch komplizierter erscheint als zur heutigen Zeit, in der die Leute oft nicht wissen, wem oder was sie glauben sollen, denn auch die religiöse Richtung wechselt, in der Vernunft wider Aberglaube steht, was oft zum Schmunzeln anregt, aber doch wieder zum Kopfschütteln führt.
Ich fand den Roman auf alle Fälle lesenswert, gut, ich hätte mich gefreut, ein wenig mehr über die Religionen zu erfahren, aber auch so bemerkt der Leser das unglaubliche Wissen der Autorin über diese Zeit. Sehr gute Recherche, wenn ich mir auch trotz Glossar mit Erläuterung der Begriffe und Rechtspersonsbezeichnungen nicht viel merken werde!
Ich fand es fast schon schade, dass zum Ende hin doch eine persönliche Liebesgeschichte mit -für mich- unpassendem, unglaubwürdigem Happy End im Vordergrund stand, was dieser unruhigen schweren Epoche doch das Bild einer alles-wird-gut- Zeit vermittelt.

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Tags: 1593, hexen, kurpfalz   (3)

  

 

Die Dienstagsfrauen
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273 Bibliotheken, 2 Leser, 6 Gruppen, 77 Rezensionen

freundschaft, jakobsweg, pilgern, frauen, lourdes

Die Dienstagsfrauen

Monika Peetz
Flexibler Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 24.09.2010
ISBN 9783462042559
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Der Roman "Die Dienstagsfrauen" der Autorin Monika Peetz habe ich mit grossem Vergnügen gelesen.
So recht hatte ich keine Vorstellung, was mich erwartet, gut, es gibt ja inzwischen einige Autoren, die sich mit dem Wandern, resp. Pilgern auf dem Jakobsweg in Spanien auseinandersetzten oder davon berichteten.
So wirklich hat mich noch kein Buch begeistern können, deswegen bin ich auch mal einfach mit reiner Neugier, aber ohne hohe Erwartungen, an diesen Roman herangetreten, und war nicht wenig erstaunt, einen humorvoll geschriebenen Frauenroman zu finden, der wieder sehr wenig mit dem eigentlichen Thema des Pilgerns zu tun hat.
5 Frauen, die sich 15 Jahre zuvor durch einen Französich-Kursus kennengelernt hatten und -aus welchen Gründen auch immer- seit dieser Zeit fest befreundet sind, beschliessen, gemeinsam einen Nebenweg des Jakobweges zu pilgern, nämlich den zu den Lourdes Heilquellen.
Grund: Der Ehemann einer der Frauen verstarb kürzlich an einer schweren Krebserkrankung und konnte diesen Weg selbst nicht zu Ende gehen, sondern musste abbrechen, um zum Sterben nach Hause zurück zu kehren.
Wie das so ist, das Abschied nehmen von einer geliebten Person geht ja oft die absonderlichsten Wege, hier versteift sich die Witwe darauf, dass es nun an ihr liegt, den Weg des Verstorbenen zu Ende zu gehen. Die 4 Freundinnen beschliessen mehr oder weniger spontan, die Freundin zu begleiten.
Alle Frauen stammen aus völlig unterschiedlichen Lebenssituationen: Von reich bis arm, von alt bis jung, von Familienmutter bis Single, alles nur erdenkliche an Lebensweg wird von den 5 Frauen abgedeckt. Was diese Frauen überhaupt freundschaftlich verbindet, ist mir bis zum Ende ein ehrliches Rätsel geblieben, aber gut.
Jedenfalls schafft die Autorin für jede Frau -mit wirklichem Wortwitz- eine eigene Welt, in der oberflächlich betrachtet alles seinen gewünschten Weg geht, aber eben nur oberflächlich betrachtet.
Jede Frau erfährt durch die Anstrengungen des monotonen Wanderns und durch vieles Grübeln durch die plötzlich gewonnene Zeit, dass das geführte Leben keinesfalls so ist, wie sie glauben wollen, bzw. dass das gelebte Leben nicht wirklich so erfüllend und gewünscht ist, wie sie sich seit Jahren einzureden versuchen.
Ob dies der Reiz des Pilgerns ist?
Reduziert auf stummes Vor-sich-hinwandern, den Kopf erstmals wirklich frei zum Denken, scheinen sich so manche unterdrückten Gefühle zu lösen, so manche festgefahrenen Denkstrukturen zu lösen und man hat plötzlich freien Blick. Und scheinbar oftmals auch neue Wege deutlich vor sich, was es ja im wirklichen Leben oft so schwierig ist: Man weiss, es ist nicht optimal, man sieht aber nicht die Möglichkeit die Situation grundlegend zu ändern.
Ich habe mich wirklich amüsiert mit diesem kurzweiligen Roman, der sicher keine wirkliche Tiefe mit sich bringt, nicht wirklich zum Denken anregt, aber eben nett unterhält.
Der Roman wurde offensichtlich für das Erste Deutsche Fernsehen verfilmt. Diesen Fernsehfilm habe ich nicht gesehen, verspüre auch kein Bedürfnis dies nachzuholen. Es fällt mir schwer zu glauben, dass man diesen Wortwitz gut verfilmen kann.

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Tags: entscheidungen, freundschaft, jakobsweg, lebensweg, wanderung   (5)

  

 

Damals War Es Friedrich
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(168)

249 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

nationalsozialismus, freundschaft, juden, deutschland, judenverfolgung

Damals War Es Friedrich

Hans Peter Richter
Flexibler Einband: 171 Seiten
Erschienen bei DTV, 01.10.1979
ISBN 9783423078009
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Das Buch "Damals war es Friedrich" wurde 1974 von dem 1993 verstorbenen Wissenschaftler Dr. Hans Peter Richter geschrieben.
Es wurde u.a. mit dem Preis des besten in Amerika veröffentlichten Jugendbuches eines Nicht-Amerikaners ausgezeichnet und in 13 Sprachen übersetzt.
Für mich war es nach etwa 30 Jahren der erste Kontakt ausserhalb der Schule mit einem Buch über Beginn und Ablauf der Hitler-Ära.
Dieses Mal aus der Sicht eines deutschen Jungen erzählt, der gleichaltrig neben einem jüdischen Jungen aufwächst.
Beide Familien wohnen untereinander in einem Miethaus, über die Einzelkinder freunden sich die Eltern an, unternehmen auch zu wichtigen Ereignissen ihrer Kinder gemeinsame Ausflüge.
Die Geschichte beginnt 1925, die jüdische Familie feiert ihre jüdischen Feste, sind recht wohlhabend und in ihrer jüdischen Gemeinde sehr angesehen.
Die deutsche Familie lebt in Armut nach der Geldentwertung, der Vater ist arbeitslos, die Mutter versucht dem Jungen die armselige Situation zu verschönern und ihn die Benachteiligung nicht spüren zu lassen.
Dank einer Zeittafel im Anhang, in dem auch die Gebräuche und Begriffe des Judentums erläutert werden, kann man Kapitel für Kapitel den Verlauf der Geschichte und die Veränderung der Familiensituationen in die historischen Ereignisse einfügen.
Der Vater der deutschen Familie findet über die Partei nach Hitlers Machtübernahme wieder gut bezahlte Arbeit, dafür wird der jüdische Vater arbeitslos, der Sohn der jüdischen Familie wird aufgenommen in die jüdische Gemeinde, während der Sohn der deutschen Familie Teil einer Jugendgruppe ("Deutsches Jungvolk") wird und da Anerkennung und neue Freunde findet.
Das Buch endet im Jahr 1942, die beiden Söhne sind 17, der eine lebt, der andere ist tot.
Dieses Buch ist nur 172 Seiten lang, aber einfach durchlesen kann man es nicht. Zu schokierend ist in dieser einfachen Sprache, die ohne Wertung einfach nur aus der Sicht eines Kindes berichtet, was passiert ist.
Die Begeisterung der Deutschen, als es aufwärts geht, dieses neue Gefühl des Zusammenhaltens, der Zugehörigkeit zu Parteien oder Gruppierungen, erstmals gar nicht so klar, dass es direkt gegen die Juden gerichtet ist.
Diese Demut der Juden, die "Vertreibungen" schon aus ihrer jahrhundertalten Geschichte kannten, die aber bis "zum Schluß" nicht glauben wollten, was da passiert, schliesslich ist man im 20. Jahrhundert, gebildet und kultiviert, schliesslich ist man ja befreundet und kennt sich schon so lange, selbst Warnungen der deutsch Bevölkerung werden nicht ernst genommen.
Bis zu dem Zeitpunkt, dem man ohnmächtig gegenübersteht, im Schock, im Unglauben, in einer Art Katatonie, in welcher man handlungsunfähig ist, bis zur bitteren Erkenntnis, was Menschen auch in einer kultivierten Gesellschaft fähig sind zu tun, und der Erkenntnis, dass es zu spät ist.
Das Buch ist vollkommen nüchtern, nicht sentimental, nicht wertend geschrieben, vielleicht deswegen umso erschütternder, man sieht beide Seiten, kann beide Seiten verstehen, schlimm ist diese Ohnmacht, wo kann man eingreifen, wo oder wann hätte man das alles verhindern, stoppen oder aufhalten können?
Tief durchatmen am Ende der Schilderung, mir ist manches auf einer anderen Ebene, nämlich der menschlichen nicht der politischen, klar geworden.
Ich finde es gut, dass dieses Buch offensichtlich heute auch zur Pflichtlektüre in Schulen gehört, zu meiner Schulzeit gab es nur Bücher über Hitler persönlich und trockene Jahreszahlen, aber nicht die Schicksale der Menschen, die diese Zeit durchlebten.

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Tags: hitler, judentum, judenverfolgung, nationalsozialisten   (4)

  

 

Sunrise
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tod, leben, liebe, lebensweg, alkoholiker

Sunrise

Michael Köhlmeier
Flexibler Einband: 120 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 18.08.2010
ISBN 9783852188188
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

"Sunrise", eine spannende und wunderschön zu lesende Novelle des Autors Michael Köhlmeier.
Der Autor, bekannt durch viele Preise und Auszeichnungen, hat hier sein erzählerisches Können wieder einmal bewiesen:
Zwei Tramper sitzen in der Nacht an einer Strasse und hoffen darauf, von einem vorbeifahrenden Auto mitgenommen zu werden.
Damit die Zeit nicht lang wird, erzählt einer der beiden Männer eine Geschichte: Sie spielt in Los Angeles und handelt von einem Missgeschick des Todes. Statt des Vagabunden Leo trifft die Todessichel auf die Striptease-Tänzerin Rita. Diese findet ungerecht, dass sie nun -völlig unerwartet und verfrüht- sterben soll, nur weil der Tod nicht richtig zielte.
Der Tod hat ein Einsehen und gibt beiden Personenn noch eine letzte Chance: In einem Wettbewerb soll sich entscheiden, wer denn nun sein Leben lassen muss...

Soweit der Klappentext. Auf nur 93 Seiten wird der Leser mit einer tragisch-komischen Lebenssituation konfrontiert. Vom ersten Satz an, ohne grosse Einleitung, ohne aufwendigem Umfeld, höchst spannend zu lesen.
Ich muss gestehen, es fiel mir schwer, eine Lesepause einzulegen, will man doch wissen, wie der Tod sich zum Ende hin entscheidet, denn auf den ersten Blick handelt es sich bei beiden Protagonisten um armselige Menschen, die eigentlich -ausser dem Leben- nicht viel zu verlieren haben!
Es regt aber doch auch zum Nachdenken an.
Was würde ich als Argument bringen, dafür, dass mein Leben noch nicht zu Ende gehen darf? Was ist für mich lebenswert? Oder liebenswert? Kann ich tatsächlich damit leben, mein Leben auf Kosten eines anderen Lebens weiter zu führen?
Ein überraschendes Ende ist garantiert!
Ich finde es auch erwähnenswert, dass in der Zeit der dicken Bücher, kleine, kurze Erzählungen so eine intensive Wirkung haben! Allemal ideal für Leser, die ungerne dicke Schmöker wälzen, aber auch für Vielleser eine gelungene Abwechslung, die doch berührt und nicht einfach weggestellt wird!
Lobenswert auch die wunderschöne Taschenbuch-Ausgabe des haymon Verlags, typisch die abgerundeten Ecken des Buches und farbenfrohes Cover!

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Tags: lebensweg, tod, zeitpunkt   (3)

  

 

Gottes leere Hand
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krankenhaus, glasknochen, krankheit, krankenschwester, tod

Gottes leere Hand

Marianne Efinger
Fester Einband: 377 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 13.07.2010
ISBN 9783937357409
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Als ich die Leseprobe zu dem Buch "Gottes leere Hand" geschrieben von der deutschen Krankenschwester Marianne Efinger las, war ich mir sehr unsicher, was ich von diesem Buch halten soll, ob ich es überhaupt wirklich lesen will.
Geschrieben im Präsens zeigt es uns ganz nüchtern den Alltag auf einer Inneren Station eines durchschnittlichen Krankenhauses in Deutschland.
Ganz ohne Sentimantalität berichtet die Autorin von verschiedenen Patienten und deren Hintergrund, die auf dieser Inneren Station landen, ob sie nun krankheitsbedingt dahin passen oder nicht. Im Notfalldienst wird aufgenommen, was auf die Station passt, Betten werden in Badezimmer, Flurnischen und in überfüllte Zimmer gepresst. Ob die unterbesetzte Pflegedienstabteilung damit zurecht kommt oder nicht, es ist auch der Ehrgeiz der Stationsärzte, interessante Fälle dem Professor bei der Chefvisite zu zeigen.
So landet der behinderte Manuel Jäger nach einem nächtlichen Atemstillstand auf der Inneren Station, die auf seine Behinderung weder vorbereitet ist noch damit Erfahrung hat.
Es zeigt uns aber auch die Arbeitsweise der Ärzte, die Hilflosigkeit und Ängste, der Mangel an Bestätigung, dauerhafte Überarbeitung, das Tragen der Verantwortung für alles, was auf den Stationen geschieht, die darin gipfelt, dass man Fehler nicht mehr eingesteht, sich hinter Statistiken vergräbt und mehr mit persönlichen Fortbildungen und Engagemants ausserhalb der Klinik beschäftigt ist, als mit den Patienten der eigenen Station.
Ganz schlimm die Unfähigkeit auf Fragen der Patienten einzugehen, Kritik anzunehmen und für persönliche Missgeschicke, sei es mangelndes Wissen, gerade zu stehen.
Manchmal möchte man mit der Faust ins Buch schlagen und schreien. Manchmal hat man den Eindruck, keine Minute darf dieser Zustand so weitergeführt werden.
Ich selbst habe jahrelang als Sonderwache in einem riesigen Universitätsklinikum Dienst getan auf allen erdenklichen Stationen.
Vieles habe ich hier wiedererkannt, erstaunlicherweise konnte ich über viele Dinge auch herzlich lachen, offensichtlich habe ich heute einen ausreichend grossen Abstand zum Krankenhausalltag, der hier exakt nachgezeichnet wird.
Frau Efinger hat in keinster Weise übertrieben, ich habe persönlich Stationen erlebt, in denen wesentlich schlimmere Zustände herrschten.
Spätestens ab Seite 135 hat mich dieses Buch dann gepackt: Es ist spannend wie ein Thriller, lehrreicher als manch Lehrbuch und mystischer als manch Fantasy-Roman.
Sehr gelungen diese Mischung!
Schade auch, dass viele der jungen Ärzte unfähig sind die Erkenntnis zuzulassen, dass sie eben doch nicht alles wissen, nicht Gott ersetzen können und noch vieles unerklärliches auf dieser Welt ist, was das Leben und das Sterben angeht.
Sehr schön nachempfunden, wie Ärzte darauf im allgemeinen reagieren.
Ich hoffe, es wird von vielen Ärzten und Professoren gelesen, vielleicht führt es dann endlich zur Einsicht, dass einiges geändert werden muss im Umgang mit Krankheit, Medizin, Pflege und Menschlichkeit.
Ich würde mir das wünschen!

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Tags: glasknochen, klinikalltag, lebensinhalt   (3)

  

 

Die Welt ist im Kopf
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venedig, schopenhauer, goethe, philosophie, liebe

Die Welt ist im Kopf

Christoph Poschenrieder
Fester Einband: 341 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.02.2010
ISBN 9783257067415
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Ein schönes Buch, macht Spass beim Lesen. Der Humor kommt auch nicht zu kurz. Es handelt von einer sehr kurzen Passage aus Schopenhauers Leben um 1818. Er hat gerade sein grosses Werk fertig gestellt, der Druck bei Brockhaus verzögert sich, und Schopenhauer fährt als unbekannter Autor nach Italien. Eigentlich ist eine Reise durch Italien vorgesehen, eigentlich ist ein Besuch bei Lord Byron geplant, aber es kommt -wie so oft im Leben- alles anders. Für mih sind viele Fragen offen gebliebe, ich hätte gerne mehr erfahren, schade, dass es schon zu Ende ist.

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Buddenbrooks
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deutsches reich, verfall, abstieg, zerrüttung, unglück

Buddenbrooks

Thomas Mann
Fester Einband: 638 Seiten
Erschienen bei Deutscher Bücherbund, 01.01.1966
ISBN 978B0000BSHP5
Genre: Literatur vor 1945

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Sommerhaus, später
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kurzgeschichten, melancholie, erzählungen, liebe, beziehungen

Sommerhaus, später

Judith Hermann
Fester Einband: 187 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 01.02.2003
ISBN 9783100331816
Genre: Gegenwartsliteratur

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Das Blütenstaubzimmer. Sonderausgabe.
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Das Blütenstaubzimmer. Sonderausgabe.

Zoë Jenny
Flexibler Einband
Erschienen bei Btb
ISBN 9783442728855
Genre: Sonstiges

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