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Simpel
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19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Simpel

Marie-Aude Murail , Tobias Scheffel
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 01.08.2012
ISBN 9783596512577
Genre: Kinder-/Jugendbuch

Rezension:

"Simpel" ist ein kurzweiliges, schnell gelesenes Buch mit wirklich humorvollem Inhalt.
Nach dem Lesen der Kurzbeschreibung hatte ich eher mit einer ernsthafteren Auseinandersetzung des Themas "Geistig behinderte Menschen in unserer hektischen und unmenschlichen Gesellschaft" gerechnet, aber nach diesem Buch wünscht man sich fast unweigerlich ebenfalls einen geistig behinderten Bruder oder zumindest Freund.
Die Behinderung wird nicht glorifiziert, aber die Autorin zeigt uns unverblümt, wie gut es uns tut, einen ehrlichen, einfachen ("Simpel") und unkomplizierten Menschen in der Nähe zu haben, der oft unwissentlich und unbeabsichtigt manche Dinge geraderückt.
Wie sehr verkomplizieren wir Alltag, Liebe, Freundschaft, Gefühle und Umgang miteinander, wo doch alles so simpel sein kann, wenn man sich auf der geistigen Ebene eines 3 jährigen Kindes bewegen, der eben doch kein Kind mehr ist, sondern erwachsen.
In Simpel`s Fall übernimmt der jüngere Bruder, der noch minderjährig ist, die Verantwortung des geistig behinderten, 22jährigen Bruders. Er holt ihn aus einer Anstalt für Behinderte, in welche Simpel nach dem Tod der Mutter leben sollte, da der Vater bereits neu liiert mit seiner jüngeren Frau ein gemeinsames Kind erwartet.
Colbert ist 17 und möchte in Paris studieren. Aber wie soll das gehen, mit einem geistig behinderten Bruder, den man beaufsichtigen muss?
Da bietet sich eine einmalige Chance: Eine WG sucht 2 Mitbewohner für 2 schäbige Zimmer, egal, hauptsache sie akzeptieren Simpel, was des Geldes wegen erst mal kein Hinderniss darstellt. Colbert und Simpel ziehen ein und die wunderbare Geschichte beginnt:
Simpel verändert jeden Menschen, der mit ihm in Kontakt kommt, erscheint manchmal als WG-Abrissbirne, im nächsten Moment Retter aller Seelen, ich habe selten so viel und so oft gelacht!
Dieses Buch ist eine wunderbare Geschichte, sie hat mich vollständig aus meiner Alltagshektik befreit, so zum Lachen gebracht, so amüsiert und daran erinnert, wie froh wir sein dürfen, gesund zu sein und doch auch daran, dass wir es selbst sind, die sich so oft im Weg stehen, dass wir öfter auf unser Herz hören und Zufälle als dankbare Helfer nutzen sollten.
Vielen Dank für dieses wunderbare Buch!

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Silver Linings
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84 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

therapie, silberstreif, football, pat peoples, verdrängung

Silver Linings

Matthew Quick , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kindler, 22.03.2013
ISBN 9783463400815
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

"Silver linings" ist das Debüt des Autors Matthew Quick, das als Verfilmung in Hollywood viele Gemüter bewegte. Als ich die Kurzdarstellung las, dachte ich, ach, ein leichtes buch für mal Zwischendurch, wird sicher sehr lustig als Tragikomik. Aber ich irrte mich gewaltig.
Es ist sicher locker und leicht geschrieben, keine schwere Kost, nichts, was mich dazu brachte, das buch wegzulegen um nachzusinnen, aber: Es saugte mich komplett auf.
Ich habe lange überlegt, ob ich 4 Sterne oder 5 Sterne vergeben. 5 Sterne sind die bücher, die mcih umkrempeln, die mich von links nach rechts kehren, von innen nach aussen und mich verändert zurücklassen. Zu diesem Buch zähle ich es nicht, aber 4 Sterne sind zu wenig und dies aus folgendem Grund:
Pat kommt aus der Psychiatrie nachdem seine Mutter mit Hilfe diverser Anwälte erzwungen hat, dass eine stationäre Behandlung der zukünftigen Genesung nicht weiterhilft, sondern eher ein Stillstand eingetreten ist, den man anders angehen muss. Eine weitere Therapie mittels ambulanter Betreuung und Aufsicht der liebenden Eltern sei dem Patienten zuzumuten und würde zu neuen Erfolgen führen.
So kommt Pat nach 4 Jahren Klinik, voller Medikamente zu seinen Eltern zurück. Der Vater ignoriert den psychisch kranken Sohn komplett, die Mutter behandelt ihn eher wie einen debilen kleinen Jungen, der jeden Freitag zum Psychiater muss, bei dem man sich den grossen Durchbruch erhofft.
Pat soll sich der Tatsache stellen, dass sein Leben vor der Therapie nicht mehr existiert, dass er ein neues Leben aufbauen und akzeptieren muss.
Aber Pat denkt nur an eins: An seine Ehefrau Nikki, die er lange nicht sah, da sie eine "Auszeit" vereinbart haben.
Sehr vorsichtig nähern sich frühere Freunde, Bruder, man versucht von allen Seiten ihn wieder miteinzubeziehen, versucht sogar sein Interesse an anderen Frauen zu wecken, nur eins passiert nicht: Keiner spricht offen aus, was passiert ist, welches Drama zu diesem katastrophalen Absturz führte und welche Folgen dies für immer haben wird.

Wenn man dieses Buch beginnt sollte man berücksichtigen, dass man es so schnell nicht aus den Händen legen kann und wird.
Das Buch saugte mich komplett mit Haut und Haaren ein. Alleine die Tatsache, dass der Autor das Buch so schreibt, wie die Situation grade ist, keine Erläuterung der Situation, keine Hinweise auf die Vergangenheit, manchmal war ich im Zweifel, ob der Autor überhaupt selbst weiss, was 4 Jahre zuvor passierte, erschaffte eine Spannung, wie ich es selten las.
Es fällt mir auch unglaublich schwer, da ich grundsätzlich ein offenes Buch für alle Menschen bin, hier den Mund zu halten, denn ich habe es bis zur Letzten Seite verschlungen und weiss nun, was die Katastrophe auslöste. Ich weiss nur nicht mehr, ob es wirklich eine Katastrophe ist!

Daher mein Wunsch an alle Leseverrückten: Nehmt das Buch zur Hand und lest es selbst, entscheidet selbst, ob es ein Happy End hat, ob Pat verrückt ist, ob Liebe im Leben manchmal nicht doch blind macht für Wesentliches.
In diesem Sinne hat es mich gekrempelt, es transportiert eine Botschaft auf ganz eigene Art und Weise. Sie wird einem nicht direkt ins Gesicht geschrieen, ist dadurch aber vielleicht sogar lauter und klarer.
Viel Spass bei dieser herzergreifenden Geschichte, ich freue mich auf weitere Bücher und kann nachvollziehen, dass des Autor`s 2. Buch vor Vollendung schon Filmrechte hat.
 

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Das Versprechen, das ich meiner Mutter gab (German Edition)
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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

Das Versprechen, das ich meiner Mutter gab (German Edition)

Arwyn Yale
E-Buch Text: 65 Seiten
Erschienen bei Modern Ink Books, 11.03.2013
ISBN B005AIOOSG
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das Buch "Das Versprechen, das ich meiner Mutter gab" von der Autorin Arwyn Yale ist ein nur 51 Seiten umfassender Roman, der zum Nachdenken anregt.
Ruma ist eine junge Frau, aufgewachsen in einer Pflegefamilie nach dem Tod der Mutter und etwas haltlos im Leben. Keine wirklich Bindung zu Mitmenschen, den eigenen Lebensweg noch so unklar vor sich, macht sie sich auf, ihren Seelenzwilling zu suchen. Auf dem Weg zum erhofften Ziel lernt sie die unterschiedlichsten Menschen kennen, alle gebeutelt vom eigenen Schicksal, mit Lebenszielen, die teils unerreichbar scheinen, die den Menschen aber Kraft geben das Leben mit Sinn zu versehen.
Die Autorin streift vermeintlich oberflächlich viele ernsthafte Schicksale und Probleme, geht auf keine noch so interessante Bekanntschft näher ein und überlässt so dem Leser die Fanatasie und die Möglichkeit über vieles nachzudenken und eigene Lösungen zu konstruieren.
Mich hat der Roman völlig in den Bann gezogen. Den Prolog las ich 5 Mal hintereinander, weil die Geschichtsidee und die Einführung eine so geniale Fügung zwischen Sprache und Tiefe der Seele darstellt, wie ich es bisher selten gelesen habe.
Die Geschichte ist in ihrer Kürze so spannend und aktionsreich gefüllt, dass ich das Buch tatsächlich nicht aus den Händen legen konnte. Nach dem Beenden blieb die Sehnsucht mehr zu erfahren. Länger verweilen zu können bei den einzelnen Figuren, die Protagonistin wiederzutreffen und alle Geschichtsstränge auszubauen.
Aber ich verstehe die Entscheidung der Autorin das Augenmerk auf genau einem Punkt fokussiert und alle möglichen Nebengeschichten im Dunst verblassen zu lassen, was einen zusätzlichen Reiz des Romans für mich ausmacht.
So bleibt mir am Ende nur zu sagen, dass mich noch niemals zuvor ein so kurzer Roman so tief berührt, so erschüttert und nachdenklich zurückliess. Das Thema des Seelenzwillings wird mich noch Monate weiter beschäftigen, eine sagenhafte Leistung der Autorin.


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Sternenreiter - Kleine Sterne leuchten ewig
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93 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 75 Rezensionen

träume, krankenhaus, jando, liebe, sterne

Sternenreiter - Kleine Sterne leuchten ewig

Jando
Fester Einband: 136 Seiten
Erschienen bei Koros Nord, 01.07.2012
ISBN 9783981486315
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Sternenreiter" von dem Autor mit dem Synonym Jando ist eine kleine Harcoverausgabe mit ungewöhnlichem Format. Schön und sichtbar teuer gestaltet, mit sehr vielen begleiteten Bildern nimmt man das nur etwa 130 umfassende Buch gerne zur Hand um auch einfach nur mal die Bilder anzusehen.
Es ist ein zauberhaftes Märchenbuch, zumindest, wenn man liest, was der Klappentext verspricht.
Es handelt von einem kleinen Jungen, der in einer teuren Privatklinik nach einem schweren Gewitter mit Kugelblitz erscheint, der ein besonderes Zimmer bekommt, laut Ärzte unheilbar krank ist und weise Sprüche von sich gibt.
So trifft er auf einen Familienvater, der in der Klinik nach schwerem Unfall zur Rehabilitation liegt und durch die Gespräche mit dem Jungen beginnt dieser den Sinn des Lebens anders zu verstehen. Bis zum Tag des Verkehrsunfalls war der Lebensmittelpunkt nicht die Familie und die Söhne, sondern die stressige Arbeit und die Aufträge, die es termingerecht zu erfüllen galt.
Der Junge hilft dem Vater, die Welt mit anderen Augen zu sehen, die inhaltsreichen Sprüche zur Lebens hilfe sind schraffiert hervorgehoben und aus dem Text abgesetzt.
Ich gebe tatsächlich nur einen Stern, da mich das Buch zwar äusserlich beeindruckte, ich aber mit dem Inhalt nichts, aber auch gar nichts anfangen konnte.
Man kann es flott runterlesen, die Sprüche sind weder neu, noch enthalten sie eine besonders herzliche und berührende Botschaft, für mich hatte es eher den Eindruck eines altklugen Jungen, der alles besser weiss, selbst aber nicht in einer Familie lebt, sondern von der Barmherzgkeit der Erwachsenen, denen der Junge irgendwie leid tut. Abgesehen davon, dass die gesamte Situatuion nicht märchenhaft unrealistisch, sondern einfach abgehoben surreal erschien, denn welcher Arzt spricht schon mit Patienten über die Situation anderer Patienten, mir war die ganze Geschichte zu platitüdenhaft.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Geld wichtig und lebensnotwendig ist, Arbeit oft nciht mehr körperlich, dafür umso stressiger und zeitaufwändiger ist. Wer Familie mit mehreren Kindern möchte und nicht obdachlos auf der strasse leben will, der muss notgedrungen arbeiten. Dass in einer Familie eine gewisse Arbeitsteilung sein muss, damit die Gesellschaft funktioniert, das kann man auch durch ein Märchen nicht ändern. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass der Vater die Arbeit hasste, eher im Gegenteil, ich hatte den Eindruck, dass der Leistungsdruck einen gewissen Ehrgeiz hervorrief.
Warum der Lebensinhalt so komplett auf den Kopf gestellt wird, nur weil ein unbekannter Junge, um den sich seltsamerweise weder Polizei noch Jugendamt kümmern, der teils völlig unpassende Sprüche von sich gibt, die an der Textstelle für mein Gefühl nicht wirklich passen, das bleibt mir ein Rätsel.
Ich hatte den Eindruck, der Autor wolle gesammelte Lebenssprüche krampfhaft in einer Geschichte unterbringen, viel zu viel, viel zu komplex, die Situation im Leuchtturm hätte echt nicht auch noch sein müssen, also mir war nicht märchenhaft zumute, ich wurde während des Lesens mehr und mehr genervt, bis ich dann teils wütend über so viel Geschwätz und  Blödsinn das Buch gelesen zuklappte.
Das ist schön, wenn der Autor selbst aus dem Leben aussteigen konnte, um mit Schreiben solcher unnötigen Bücher ein gemütliches Leben mit Familie verbringen kann, aber was würde passieren, wenn das jeder täte?
Nach meinem Unfall habe ich arbeitsunfähig in kürzester Zeit alles, wirklich ALLES verloren und wurde obdachlos, ich kann mich weder durch noch von Liebe ernähren, eher im Gegenteil, ich habe mein komplettes soziales umfeld ebenfalls verloren, was heutzutage die logische Konsequenz ist. Ich vermisse die Zeit, in der ich als Ärztin im Dauerstress Leben retten konnte, in der mein Leben einen Inhalt hatte, ich würde diesem kleinen Jungen permanent widersprechen.
Schade, aber mich konnte das Buch nicht überzeugen, nicht berühren, nicht hoffnungsvoller oder fröhlicher machen, ich hatte das Gefühl, ich werde zum Narren gehalten.

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No & ich
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123 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 16 Rezensionen

freundschaft, obdachlosigkeit, obdachlos, frankreich, paris

No & ich

Delphine de Vigan , Doris Heinemann , Delphine de Vigan
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 08.07.2010
ISBN 9783426501580
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

"No und ich" ist ien sehr schmales kleines Büchlein von nur 256 Seiten, und dennoch enthält es eine Geschichte, die in uns hunderte weitere Seiten füllt!
Lou ist vierzehn und hochbegabt. Sie wirkt in ihren Marotten leicht autistisch, was sicherlich gefördert wurde durch das Überspringen diverser Klassen.
So sitzt sie mit vierzehn unter siebzehnjährigen und es trennen sie Welten.
Am Bahnhof beobachtet Lou stundenlang andere Menschen, die ankommen oder abschied nehmen und hier lernt sie auch Nolwenn, kurz No, kennen.
Obdachlos, süchtig, einsam und ohne jegliche Hoffnung.
Lou´s Gerechtigkeitssinn und Helfersyndrom ist geweckt, No lässt sie nicht mehr los.

Ich muss ehrlich gestehen, dieses Buch krempelte mich um. Teils erkannte ich mich in Lou wieder, angefangen vom Aussenseitertum und der angeborenen Unfähigkeit sich in gesellschaftlichen Richtlinien zu fügen, teils im Drang nicht die Welt, aber die Situation eines einzelnen zu ändern.
Lou ist sehr sensitiv und sensibel, auch pfiffig und unerschrocken, aber dieses Projekt wächst ihr nicht alleine durch No´s Abhängigkeiten heillos über den Kopf.
Ich habe atemlos und ängstlich gelesen.
Ich bin mit meinen Projekten in meinem Leben gescheitert, lebe heute schlechter als manch Person oder Wesen, dem ich so unbedingt helfen musste, ich kenne auch diesen Sog nach unten, den viele Situationen mit sich bringen. Bereut habe ich trotzdem niemals etwas und werde es auch nie, auch wenn mich ab und zu Menschen versuchen aufzuklären, dass "solche Menschen wie ich" in unserer Gesellschaft als abartig und anormal empfunden werden. Von wem? Natürlich von der Allgemeinheit, vom gros der Gesellschaft.
(Ein ähnliches Gespräch hatte ich heute mirt einem meiner greichtsvollzieher, es ist also nicht so, dass das problem nicht erkannt oder unbekannt wäre!)

Ich hatte Angst, fürchterliche Angst um Lou. Ich hoffte für No.

Kann man gestrandeten Menschen menschenwürdige Hilfe so bieten, dass diese auch angenommen wird? Was ist dazu nötig? Wo sind Lücken? Wie kann man weiterleben als Lou nach einem solchen Ende?
Dieses Buch habe ich vor Wochen beendet, es beschäftigt mich bis heute und vermutlich auch die nächsten Jahre.
Aus leider eigener Erfahrung kann ich sagen: Die Hilfe in einem Sozialstaat wie Deutschland sieht folgendermassen aus: Alle Menschen werden über einen Kamm geschoren, es gibt keine Individualität, es gibt haufenweise hoffnungsnehmende, beleidigende Sprüche, wobei man als Hilfesuchender oft ein Gefühl entwickelt, dass man den Helfern persönlich etwas schulde und denen helfen muss! Und wahrgenommen wird man erst, wenn man dann endlich -nach oft monatelangem, erfolglosem Kampf- alles verloren hat und auf dem Bocden liegt.
Die "Hilfe" entspricht dann einer barmherzigen Herablassung, immer gespickt mit Sprüchen unterhalb der Gürtellinie, weil an den Gefallenen kann man ja die persönliche Wut über die Misstände im Staat auslassen. Die können sich ja auch nicht wehren!
Was diesen gut bezahlten, satten und im Warmen sitzenden Herrschaften so über die Leber läuft, habe ich bisher nicht eruiert, nur erkannt, dass man in diesem Sozialstaat kaum Chancen hat rehabilitiert zu werden.
Bitte bitte, viele Leser für dieses Buch!

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Tags: abhängigkeit, drogen, gesellschaft, hochbegabung, intelligenz, obdachlosigkeit   (6)

  

 

Weil ich dich liebe
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87 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

verlust, psychologie, liebe, nicole, chicago

Weil ich dich liebe

Guillaume Musso , Claudia Puls
Flexibler Einband: 281 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 30.06.2011
ISBN 9783746627120
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Oh Gott, was für ein Ramsch!
Der Titel hätte mich ja überhaupt nicht gestört, auch die Inhaltsbeschreibung, die für mich sehr interessant klang, hatte mich wirklich neugierig gemacht.
Was ich dann aber las, das war der grösste Mist seit langem!
Das kann doch nicht der Ernst des Autors sein? Eine so billige, konstruierte, auf die Tärnendrüsen drückende und ans Mitleid appelierende Geschichte, ein Tritt ins Gesicht für jeden, der in seinem Leben einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen musste.
Bitte nicht lesen!
Bitte keinesfalls ernst nehmen!
Langsam wundert es mich nicht mehr, dass Mitmenschen über Obdachlose, über Menschen mit schwerem Leid so oberflächlich urteilen und immer mit solch banalen Sprüchen :"Bald geht´s aufwärts", "Nach einem Tief kommt ein Hoch" oder auch "Oh, eine Krise hätte ich auch gerne, das ist ja immer DIE Chance für etwas Neues!" zur Hand sind, sich abwenden und der Meinung sind, dass sie nun aber wirklich genug geholfen haben!

Wie kann ein Autor ernsthaft so etwas von sich geben?
Wie wunderbar, nach Musso hat niemand lange an Schuld zu tragen, alle Obdachlosen finden doch innerhalb der nächsten 2 Jahre ein glückliches, erfülltes Leben, ach, was red ich, sie werden natürlich zukünftig viel glücklicher als sie es je vor dem Schicksalsschlag waren.
Ein Hoch auf den Tod eines Kindes!
Dieses Buch ist ja wirklich das letzte, das man lesen möchte, wenn man -aus welchen Gründen auch immer- mit dem Leben zu kämpfen hat. Eine Verhöhnung, eine Hommage an rücksichtslose Leute, die wie durch Wunderhand zu einem vernünftigen Leben finden.
Nein, also wirklich, da hört der Spass einfach auf.
Ich mag weder eine billige Interpretation des Lebens von Paris Hilton lesen, noch möchte ich mir eine solche Verharmlosung ernsthafter Problem und eine so glorifizierte Darstellung einer Gehirnwäsche gefallen lassen.
Keine Ahnung, was den Autor geritten hat, offensichtlich hat er weder in eigener Familie noch Freundeskreis jemanden, der durch Verlust/Unfall oder Krankheit aus dem glücklichen Leben gerissen wurde und das restliche Leben eingeschränkt, voller Sorgen und Leid weiterleben muss.
Nicht umsonst ist grade unter Menschen, die durch "glücklichen Zufall" einen schweren Schlag überlebten, die Suizidrate besonders hoch.
Es gibt Dinge, die einem Menschen so tiefe Risse in der Seele bescheren, so traumatisieren, dass man nie wieder einen wirklichen glücklichen Tag verbringen wird, auch wenn man nach aussen hin lächelt, tief drinnen sieht es anders aus. Man verschliesst sich oder bringt das Leben doch zu einem Ende, weil manches einfach zu schwer zu tragen ist.

Wer niemals ein Leid erlebt hat, welches ein tiefes Trauma auslöste (dazu gehört mit Sicherheit nicht das Auslaufen einer Waschmaschine im Keller), der soll sich gerne durch eine solch unrealistische, gewaltsam tränendrüsendrückende Schmalzstory unterhalten lassen.
Leute, die etwas mehr Verstand besitzen, sollen doch bitte zugeben, dass dieses Buch mal eben schnell lieblos zusammengeschrieben ist, flache Figuren, keinerlei Tiefe, keinerlei wirkliches Gefühl, Hauptsache Happy End, welches ja regelrecht unterstellt, dass nach ein bischen Hypnose das Leben aller Schwerverbrecher und Obdachlosen nur noch sonnig ist.
Dummer Stuss. Kompletter Blödsinn!

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Tags: krise, lebensweg, schicksal, schickslasschlag, unglück, verlust   (6)

  

 

Jenseits der Dunkelwelt
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24 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

entführung, philosophie, ehe, krimi, psychologie

Jenseits der Dunkelwelt

A. Christine Schyboll
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei fhl Verlag Leipzig, 01.10.2012
ISBN 9783942829250
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

"Entführte entführt Entführer - Wie dämlich kann Mann sein?"
Der Roman "Jenseits der Dunkelwelt" der Autorin A.C. Schyboll, aus dem Verlagshaus fhl, hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Ein Roman der aus der Menge der neuen deutschen Debüts herausragt, nicht nur durch den humorvollen Inhalt, dem tollen Schreibstil, sondern auch mit der listigen Art, der deutschen Gesellschaft mit einem Augenzwinkern den Spiegel vorzuhalten!
Karl Sandhauser ist Anfang 40, gutaussehend und charismatisch, Vater von drei Kindern, Ehemann einer sehr aktiven und attraktiven Frau, erfolgreich im Beruf und ohne grössere Sorgen.
Ohne grössere Sorgen? Weit gefehlt!
Denn Karl lebt in Deutschland und hatte mal einen Lebenstraum: Schriftsteller wollte er werden, berühmte Stücke wollte er schreiben und damit die Welt ein wenig verbessern.
Während des Literaturstudiums lernte er allerdings seine Ehefrau kennen, wurde Vater und musste sich -wie man es von Mann und Vater erwartet- um den Lebensunterhalt kümmern.
Auf ein Kind folgen zwei weitere und während seine Frau mit der Aufgabe ihres Studiums und der Rolle der Mutter und Ehefrau sehr gut klar kommt, ist für Karl der Lebenstraum, der in ihm schlummert, unendlich weit in die Ferne gerückt.
Aber eben nicht vergessen!
Und je älter er wird, desto mehr drückt ihn die Erkenntnis, dass er nicht das tut, was seine Bestimmung ist, sondern das, was die deutsche Gesellschaft, seine Frau, die Kinder und Arbeitskollegen von ihm erwarten.
Und er sucht nach Auswegen, denn es gibt Werke, die geschrieben werden müssen! Und sei es im Gefängnis!

Ich muss sagen, ich habe mich wunderbar amüsiert! Der Schreibstil erinnert an Tom Sharp, speziell im "Puppenmord", ist aber doch so eigen, dass ich fast sagen möchte, dieses Buch gefällt mir um Längen besser.
Kaum habe ich angefangen zu lesen, zauberte sich ein Lächeln auf mein Gesicht, ein Grinsen, ein Lachen, ich hatte von Minute an wunderbare Laune und grübel nach Beenden des Buches immer noch, wie die Autorin dies geschafft hat!
Sie schildert die Figuren so liebevoll, so intensiv, dass man als Leser der festen Meinung ist, Karl hat in seinen verqueren Gedanken absolut recht!
Er ist Opfer der Gesellschaft!
Und jetzt mal ganz ehrlich! Steckt nicht in jedem von uns ein bisschen Karl? Haben wir nicht alle schon Träume aufgegeben, weil es eben grade nicht passt, was sollen denn die anderen denken?
Wer sich auf die sympathische Familie Sandhauser einlässt, der wird verstehen, dass Karl nicht viel Wahl hat. Aber so ein Plätzchen im Gefängnis zu ergattern ist für einen ehrenwerten Mann gar nicht so einfach. Der erste Versuch ging "natürlich" schief, macht nichts, er versucht es nochmal!
Und da kommt dann die fantastische Genialität der Autorin!
Was kann ein Mann denn verbrechen, damit er für mindestens fünf Jahre ins Gefängnis kommt, wo er endlich Ruhe vor Ehefrau und Kindern hat, ohne dass er morden muss?
Richtig, er entführt!
Aber was passiert, wenn Entführte ins Grübeln kommt und feststellt, dass auch sie unfrei ist, ebenfalls verdonnert, ein Leben nach Erwartung von Gesellschaft zu führen und plötzlich gar nicht mehr gefunden werden möchte?
Also, ich wünsche mir für dieses Buch zahlreiche Leser, die ebenfalls einmal, wenigstens einmal, über ihre Freiheit innerlich und äusserlich nachdenken wollen, diesen subtilen Humor in wirklich jedem Satz wahrnehmen wollen und sich entführen lassen in die Gedankenwelt eines Karl, ich liebe ihn!, der doch so alles hat und wesentliches vermisst. Ich glaube, ich fange das Buch gleich nochmal von vorne an!
Vielen Dank auch für das wunderschöne Cover, ich entscheide mich für die sonnige Seite!

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Tags: druck, ehe, gesellschaft, humor, psychologie, regeln, stress   (7)

  

 

Shadow Falls Camp - Geboren um Mitternacht
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507 Bibliotheken, 9 Leser, 7 Gruppen, 112 Rezensionen

vampire, liebe, camp, hexen, werwölfe

Shadow Falls Camp - Geboren um Mitternacht

C.C. Hunter , Tanja Hamer
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Fischer FJB, 01.06.2012
ISBN 9783841421272
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Wow, was für ein toller Einstieg in eine tolle neue Serie!
Bekanntes Strickmuster, aber so liebevoll ausgearbeitet, so spannend und tiefgehend, wie man es in diesem Genre selten findet!
Hätte ich eine Teenager-Tochter, ich würde ihr diese Serie auf alle Fälle zu lesen geben!
Kylie ist 16 Jahre alt und erlebt eine sehr schwere Phase: Ihre Eltern lassen sich scheiden, sie vergöttert ihren Vater, soll aber zukünftig bei der sehr distanzierten und kühlen Mutter weiterleben, Kylies Oma ist kürzlich verstorben, ein wichtiger Halt für Kylie, ihre Freundin Sara interessiert sich mehr für Jungs als für ihre Freundin aus Kindertagen und schliesslich hat auch kurz zuvor Kylies Freund, den sie wirklich vermisst, mit Kylie Schluss gemacht, weil sie auf sein Drängen nicht nachgegeben hat und einfach noch nicht bereit war für die erste sexuelle Erfahrung.
Ein bischen viel in diesem Alter. Keine Schulter in Sicht, an die man sich anlehnen kann, niemand, mit dem man wirklich reden könnte.... und dann kommt die Mutter mit der super-tollen Idee, dass Kylie über die Sommerferien in ein Camp soll.
Kylie fühlt sich abgeschoben, sie ist der festen Mienung, es handele sich um ein Erziehungscamp für Schwererziehbare, denn sie wurde wenige Tage zuvor bei einer Razzia bei einer Party polizeilich festgenommen. Obwohl Kylie selbst weder Alkohol noch Drogen konsumierte, ist sie jetzt aktenkundig.
Und dann ist da noch dieser Stalker! Ein Soldat, der sie ständig belauert, den aber komischerweise kein anderer wahrnimmt!
Das Buch hat mich überzeugt, die Figuren liebevoll und realistisch ausgearbeitet, sehr spannend und voller Wendungen, kein Kapitel mit Längen, eher im Gegenteil: die Spannung steigt, die Gefühle kochen hoch, Rätsel werden rätselhafter und glaubwürdig gelöst! und last but not least: Eine Art Open End, das mich fluchen liess, als die letzte Seite gelesen war!
Eines der wenigen Bücher, die nicht irgendwann gezwungen zum Ende kommen oder unrealistisch werden, oder krampfhaft konstruiert nach Lösung suchen. Sicher könnte man hinterher einiges in Frage stellen, aber man muss es nicht, man kann es so hinnehmen, wie es geschrieben wurde.
Ich denke, die amerikanische Autorin hatte grossen Spass während des Schreibens, man fühlt es, wenn man das Buch liest, dass sie in und durch ihre Protagonisten lebt. Die Zerissenheit von Kylie, diese Verwirrung in diesem Alter, dieses einerseits einen Freund haben wollen, aber eben für Sex nicht bereit zu sein, diese Schamhaftigkeit und auch diese Unentschlossenheit sich zwischen verschiedenen Jungs zu entscheiden, das ist so klasse geschrieben, so natürlich, dass ich hoffe, dass Teenager dieses Buch in die Hände kriegen und lesen! Nach unzähligen Jugendromanen, in denen man den Jugendlichen glaubhaft macht, dass erste Liebe so einfach und schmerzlos ist, so oberflächlich und simpel, man suche sich den schönsten Jungen und der isses... ist diese Verwirrung und die ersten Annäherungen und Verunsicherungen und dieses "sich-selbst-nicht-mehr-kennen" und die Reaktionen des Körpers hier ganz toll beschrieben.
Ich kann es kaum erwarten Band zwei zu lesen!
Band 1: Shadow Falls Camp, Geboren um Mitternacht
Band 2: Shadow Falls Camp, Erwacht im Morgengrauen

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Tags: camp, eltern, feen, freundschaft, gestaltwandler, hexen, kampf, liebe, scheidung, serie, vampire, übernatürliches   (12)

  

 

Frettsack
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(80)

121 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

frettchen, humor, samenspende, liebe, schwangerschaft

Frettsack

Murmel Clausen
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 01.05.2012
ISBN 9783453436138
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

"Frettsack" von Murmel Clausen, ein Debüt-Roman aus deutscher Feder 2012.
Der Autor arbeitete auch schon mit bekannten Komikern wie Michael Bully Herbig, das Buch liegt überall derzeit auf den Verkaufstischen, dementsprechend gespannt war ich auf das Lesevergnügen!
Der Inhalt ist recht einfach und schnell erzählt: Ein Mann in den fortgeschrittenen Dreißigern, kinderlos und nicht in fester Beziehung, als Messefuzzi unregelmässig von Gelegenheitsjobs lebend, sprich: so der normale Durchschnittsdeutsche heutzutage, ist nach einem Frettchenbiss in den Hodensack zeugungsunfähig.
Das wäre jetzt nicht so dramatisch schlimm, da ja eh keine Famileinplanung anliegt, noch eine weibliche Person zum Haushalt gehört. Für Jens Fischer aber eben doch, denn er hatte sich gerade so gemütlich im Leben als Samenspender eingerichtet, offensichtlich ein lohnender Job, den er natürlich prompt verliert, als in den abgegebenen Spenden keinerlei Spermien mehr zu finden sind.
Warum dann allerdings plötzlich ein übermässiger Kinderwunsch und eine regelrechte Panik nach den vor dem Biss abgegebenen Spermatropfen ausbricht, das konnte ich jetzt so ganz persönlich nicht nachvollziehen.
Relativ schnell wird klar, es handelt sich hier um ein Buch mit relativ sehr geringem Anspruch, Klamauk und teils gezwungenem Witzigsein, ähnlich gelesen bei "Hummeldumm".
Es folgen Einbruch, Diebstahl, Stalking und tja, letztendlich ein Happy-End.
Ich habe mich überwunden, dem Buch doch 3 Stern zu geben, da es flüssig geschrieben, leicht lesbar und mal für Zwischendurch ein nettes, nicht anspruchsvolles Buch ist, was man aber nach der Inhaltsangabe nicht erwartet und nicht erwarten kann.
Es ist nicht schlechter als ähnliche Männerhumorbücher des Marktes, und nach dem "Auskotzen" über die deutsche Gesellschaft (Liebe Autoren, dieses immer mit dem Finger drauf zeigen und alles Schlechtreden, verbessert unsere Gesellschaft nicht einen Deut, sondern macht nur schlechte Stimmung!), diesem Sarkasmus der enttäuschten Mitbürger, die statt anpacken lieber einpacken, kamen dann doch einige wenige Textstellen, die mich wirklich amüsierten oder aber berührten.
So ein hoffnungsloser Looser scheint dieser Jens eigentlich gar nicht zu sein, schade nur, dass offensichtlich die Erziehung deutscher Jungs dazu führte, dass die derzeitigen Mittdreissiger lieber von der Traumfrau träumen, statt sich selbst mal objektiv zu berurteilen.
Mir wurde immer eingebleut: Willst Du einen Traummann, dann werde erst selbst zur Traumfrau, mit dem sicherlich feigen Resultat, dass ich beschloss, ewig Single zu bleiben.
Oh, ich schweife. Was ich ausdrücken wollte: Zu empfehlen allen Lesern von Autoren wie Tommy Jaud, oder solchen, die es mal werden wollen: Inhaltsloser Quatsch, den man runterliest, weglegt, bald vergisst, sofern man nicht beginnt über Rechtsgrundlagen in Deutschland nachzudenken, der einem aber mal ein Buch mehr auf der "Dieses-Jahr-gelesen- Liste" beschert und von dem man inbrünstig hofft, dass es niemals in andere Sprachen übersetzt wird, des Deutschen Leumund im Ausland ist schon schlecht genug!

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Tags: familie, fruchtbarkeit, kinderwunsch, samenbank   (4)

  

 

Zeitreisen für Anfänger
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(7)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

zeitreise, liebe, 50er, 50-er jahre, england

Zeitreisen für Anfänger

Sharon Griffiths , Karin König
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 10.05.2011
ISBN 9783596183937
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

"Zeitreisen für Anffänger" ist der Debüt- Roman der Schriftstellerin Sharon Griffiths. Er ist ein lockerer, nicht tiefgehender Roman um die Liebe in der heutigen Zeit: Schnelllebigkeit, Konsum und Unahängigkeit.
Die Protagonistin Rosie lebt mit ihrem Partner Will in ihrer winzigen Wohnung, beide haben einen Berufsalltag zu bewältigen und geben ihr Geld für Luxus aus. Immer wieder kommen sie an den Punkt, wo es nicht weitergeht. Wann beginnt man eine Familienplanung? Wie wäre es mit einer grösseren Wohnung mit mehr Platz? Wie wäre es mit einer engeren Bindung im Sinne einer Eheschliessnung?
Irgendwie haben beide Ziele und Träume, aber offensichtlich ist da jeweils für den anderen nicht Platz.
Eines morgens, nach einem üblichen Streit, der auch eine Trennung (auf Zeit?) nicht ausschliesst, geht Rosie zur Arbeit. Sie arbeitet für eine Zeitung und soll eine Reportage schreiben über eine Wohnsiedlung, eine Interviewpartnerin steht ebenfalls schon fest. Als Rosie dort ankommt fühlt sie sich nicht wirklich gut, ihr ist schlecht, schwindlig und sie trifft vor Ort eine völlig andere Frau an, ausserdem wirkt das Haus von innen so alt und unkomfortabel. Es ist, als ob Rosie in ein Haus der 50 iger Jahre gekommen wäre und tatsächlich, so ist es auch. Seltsamerweise hat man sie da erwartet, ein Koffer sei bereits geliefert und man hält sie für eine Amerikanerin, die nur als Ersatz bei der hiesigen Zeitung bei der Familie der Chefsekretärin untergekommen sei.
Rose vermutet ein Fersehgag, eine Realitiy-Show im Sinne Big Brother und sucht nach den Kameras, aber nach und nach kommen ihr Zweifel, der dann in Verzweiflung umschlägt, besonders als sie auf Will trifft, der sich hier zwar Billy nennt, der aber unumstösslich in dieser Welt mit Rosie´s bester Freundin Caz verheiratet ist, und unfassbar aber wahr, bereits 3 Kinder mit ihr hat!
Rose steht aussen vor, muss mitansehen, wie ihr langjähriger Freund als liebender Gatte und Vater agiert, und muss einsehen, dass es letzendlich an ihr selbst lag, den Schritt Richtung ernsthafter und ehrlicher Ehe zu tun.
Aber wie kommt man wieder in das Leben der Zukunft zurück?
Eigentlich ein sehr ernsthaftes Thema unserer Zeit, nicht umsonst werden Mütter immer älter und Ehen immer seltener, diese Bindungsunlust hinter der sich oft eine Bindungsangst verbirgt, dieses "mir fällt es schwer zu wissen, was ich eigentlich will, wie bitte soll ich das noch mit dem Leben eines anderen vereinbaren?", ist ja durchaus grade in Grossstädten nicht unbekannt.
Man hat heutzutage so viele Möglichkeiten und Chancen, nicht nur beruflich, wer möchte sich da festlegen?
Mir selbst ging es im Leben immer so, ich habe Freundschaften grundsätzlich nach wenigen Jahren abgebrochen, bin festen Beziehungen immer aus dem Weg gegangen, weil ich in kürzester Zeit keine Luft mehr bekam und mich eingeengt fühlte (weit bin ich nicht gekommen, aber trotzdem, alleine die Möglichkeit zu haben, jederzeit ausbrechen zu können, wenn ich wollte, gibt mir Sicherheit, allerdings hatte ich auch nie den Wunsch nach Kindern oder Partner, habe mich nie wirklich verliebt, sondern bin immer pragmatisch geblieben, was bei Rose anders ist.)
Gut, trotz der Unterschiede zu meinem Leben und des eigentlich ernsten Themas, der hier aber nie tiefer erörtert wird, lässt sich der Roman flott lesen, manches habe ich trotzdem nicht akzeptiert, als Beispiel: Rose hat immer wieder vom heutigen Leben mit Handy, Computer und Antibabypille erzählt, nachdem sie eigentlich verstanden hatte, dass sie definitiv in der Vergangenheit gelandet ist, so dass ich den Roman zwar gelesen, aber nun nicht wirklich umwerfend fand.
Man hätte vieles vertiefen und ausbauen können, da wäre so viel mehr drin gewesen, aber ganz offensichtlich war es nicht der Wunsch der Autorin einen herzlichen, berührenden Roman zu veröffentlichen, der uns über unser oberflächliches und schnellebiges Leben nachdenken lässt. Schade.

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Tags: 50iger jahre, familie, gefühle, liebe, presse, zeitreise   (6)

  

 

Evermore - Die Unsterblichen
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(192)

359 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 22 Rezensionen

liebe, unsterbliche, fantasy, tod, evermore

Evermore - Die Unsterblichen

Alyson Noël
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 01.09.2011
ISBN 9783442473793
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

Eine sechsteilige (?) Serie von der Autorin Alyson Noel. Ich las im Klappentext, dass die Autorin eine fünfteilige Serie plante, aber ich dachte, ich hätte bereits ein sechstes Buch entdeckt!
Wichtig ist nur, dass diese Bücher schon kurz nach dem Erscheinen die Bestsellerlisten der New York Times stürmten und sich wochenlang dort hielten.
Woran jetzt dieser Hype liegt, das hat sich mir jetzt nicht so ganz erschlossen, zu ähnlich fand ich die Geschichte zu den Biss Büchern, auch wenn in Evermore Vampire scheinbar keine Rolle spielen.
(Für mich ist es eher eine Wortklauberei: Vampir hin oder her, wenn man hunderte von Jahre lebt ohne augenscheinlich zu altern, sich schneller bewegt als man kucken kann, Gedanken gelesen und manipuliert werden können und man einen seltsam, medizinischen roten Saft trinken muss, dafür kaum was isst, also bitte, lohnt sich da die Streiterei, ob man "Vampir " ist oder nur ein "Unsterblicher"?)
Aber gut, für mich ist die Serie deswegen so interessant, weil ich Fan der zweiten Serie um Riley bin, allerdings wurde die Serie um Riley erst nach Evermore geschreiben.
Zur Erklärung: Riley ist die jüngere Schwester von Ever, der Protagonistin von Evermore. Riley, die Eltern von Ever und der Haushund Buttercup sind bei einem schweren Autounfall ums Leben gekommen. Ever hat schwer verletzt überlebt, lebt seitdem bei der unverheirateten Tante Sabine und kann Auren sehen, Gedanken lesen/sehen und bei Kontakt die Empfindungen und den zukünftigen Schicksalsweg derjenigen Person sehen.
Dies hat zur Folge dass Ever sich absondert, sich hinter Kapuzenpullis versteckt und Kontakt zu Mitschülern meidet.
Bis zu dem Tag als Damen in die Schule kommt. Seine Gedanken kann Ever nicht sehen, alles scheint bei ihm so "normal" und doch so seltsam, denn sein Verhalten, seine Äusserungen und seine Fähigkeit überall Blumen erscheinen zu lassen, lassen Ever zweifeln. Wer ist er, und was passiert mit ihren Freunden? Ihr einziger Halt ist Riley, die tote Schewester, die täglich zu Besuch kommt und Ever das Gefühl gibt, nicht gnaz allein zu sein.
Aber "Loslassen" lernen gehört zu einer grossen Lektion in unserer Gesellschaft, in unserem Leben, wie gerne halten wir auch an negativen Dingen fest, nur weil sie uns vertraut sind. Ever lernt, dass sie Riley freigeben muss für ien Leben nach dem Tod, sie muss lernen Vertrauen in das Schicksal und die Vefrnunft zu haben und -das betrifft uns alle- mutig neue Wege zu gehen, auch auf die Gefahr hin, dass es die falsche Entscheidung ist, die wir treffen.
Zur Seite steht ihr Damen, mit dem sie offensichtlich eine unerfüllte, ewig dauernde Liebe verbindet, die alles andere als einfach und unkompliziert ist.

Flüssig zu lesen, nicht anspruchsvoll, spannend und einfach anders. Gefühlsbetont, sehr sympathische Protagonisten, ich denke, dies ist das Geheimnis des Erfolges. Man liest diese Reihe mal nebenbei, man muss nicht nachdenken, wird nicht gefordert, gleiches Strickmuster wie die erfolgreichen Biss Bücher, aber eben doch durch die Auseinandersetzung mit Tod und Esoterik etwas inhaltsreicher als die Entscheidung zwischen Vampir und Werwolf.
Ich bin gespannt auf den zweiten Teil!

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Tags: aura, gedanken lesen, geister, liebe, tod, unfall, unsterbliche, überleben   (8)

  

 

Die letzten Kinder von Schewenborn
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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

atomkrieg, jugendbuch, tod, leben, sterben

Die letzten Kinder von Schewenborn

Gudrun Pausewang
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 01.01.2008
ISBN 9783473543199
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

"Die letzen Kinder von Schewenborn" von Gudrun Pausewang ist ein etwas älteres Buch! Geschrieben 1984, es gibt noch dei DDR und die Mauer, es gibt noch die gespannte politische Situation, dieses Feindbild vom Osten und die Gefahr durch dei Entwicklung der Atombomben.
Das buch ist aus der Sicht des zwölfjährigen Rolands geschreiben, der mit seiner Familie von Frankfurt Richtung Schewnborn in der Nähe von Fulda unterwegs ist. Die Grosseltern leben dort und man verbringt gerne die Ferien in diesem Ort. Im Auto sitzen seine beiden Schwestern, eine älter, eine jünger, Mutter, Vater und er, als plötzlich ein greller Lichtblitz und ein orkanartiger Sturm alles versengt.
Nach anfänglicher unsicherheit ist man sich einig: Es ist etwas Schlimmes passiert, wir sind nciht mehr sicher, wir müssen so schnell wie möglich zu den Eltern und dann flüchten, wohin auch immer!
Aber: Die Wege sind versperrt, Bäume liegen kreuz und quer, vieles brennt, Häuser isnd eingestürzt oder iensturzgefährdet, vieles ist kaputt und zerstört. Und dei Grosseltern sind nicht daheim, sie woltlen eben schnell noch in Fulda ienkaufen und kehren von dort nie zurück.
Dafür kommen unendlich viele Schwerverletze, Verbrannte, Hilfesuchende, Hungernde.

Das Buch beschreibt in einfachen Worten aus der Sicht eines Jungen die ersten Tage und Wochen nach einem Angriff mit Abwurf einer Atombombe! Der Reaktion der Leute, anfangs verstört, dann hoffnungsvoll auf Hilfe wartend, bis so langsam die Gewissheit siegt, dass keine Hilfe kommen wird, da keiner Hilfe leisten kann. Dann die Selbsterhaltungstriebe, das Verrohen der Überlebenden, die nichts abgeben wollen, die mit dem Elend der anderen nichts zu tun haben wollen, die wiederum umschlägt in ein verzweifeltes Kämpfen um Lebensmittel und Wasser, in eine Sinnsuche und in einen eigenen Überlebenskampf gegen Erkrankungen und Infekte ----- und mehr als einmal fragt man sich als Leser: Woher nehmen die Leute die Kraft, den Mut und die Motivation mit ihrem Leben weiterzumachen?
Erst sind Habseligkeiten wertvoll und werden geschützt, wenige Monate später ist nur noch der kampf um Lebensmittel und Haus und schliesslich nimmt man den Tod als Erlösung wahr. Und nichtsdestotrotz gibt es wenige Überlebende, die einen Lebensinhalt finden und weitermachen.
Mich hat das Buch stark an ein Gespräcjh mit einer Psychotherapeutin vor etlichen Wochen erinnert: Sie behandelt Flüchtlinge aus dem Krieg und Folteropfer, die überlebt haben. Wir sprachen über ein Traums im eingeltichen Sinne, was es auslöst, wie es zustande kommt und welche Spätsymptome sich ienstellen ,wenn es nicht richtig behandelt, sondern verdrängt wird.
Ein Trauma ist eine Situation für einen Menschen, der nicht selbst verschuldet in eine vollkommen aussichtslose Situation gerät, die oft ungerecht, entwürdigend und schmerzhaft ist. Dass es zur Auslösung des Trauma-Belastungssyndroms kommt ist es notwendig, dass der betroffene Mensch dieser Situation hilflos ausgeliefert ist, da unsere Psyche tatsächlich so gestrickt ist, dass wir, solange wir "tätig sein können", unabhängig, ob das, was wir tun von Erfolg gekrönt ist oder sinnvoll ist, noch einen Ausweg sehen.
Erst dann, wenn keine Handlung auf diesen Druck erfolgen kann- beispielsweise, weil alle Wege versperrt sind, wir festgebunden oder blockiert sind (auch z.B. durch die Gesetzgebung), dann erst kommt es zur Ausbildung des sog. Traumas!
Und daran musste ich während des Lesens unentwegt denken!
Eigentlich sehen die Strahlenverseuchten dem Sterben zu, nachdem die erste Welle der akut Verbrannten vorbei ist, die zweite Welle der Strahlenverseuchten und Schwerverletzen vorbei ist, die dritte Welle der Thyphus und Ruhrerkrankten vorbeigeht, die vierte Welle der Spätverstrahlten folgt und nebenbei die Todeswelle der missgebildeten Neugeborenen vorbeigeht, sind die Überlebenden immer noch wie die Ameisen tätig, alles wieder aufzubauen und ein geregeltes Leben einzuführen. Und dabei ist alles eigentlich sinnlos.
Ich habe lange überlegt, ob das Buch auch Mut machen soll, egal, was passiert, es geht immer "irgendwie" weiter und vieles liegt nicht in unserer Hand, hauptsache wir tun etwas. Das Buch hat mich sehr an den Endzeit-Thriller The Road erinnert, allerdings erfährt in jenem Buch der Leser nicht, was eigentlich passiert ist, nur, dass alles zerstört ist und man täglich nur gegen den Tod kämpft, der so oder so kommt.
Unabhängig davon hat sich die Autorin intensiv mit Strahlenkrankheit, Symptome und Verlauf einer Epidemie auseinandergesetzt, auch wenn ein unmittelbarer Atomkrieg in dieser Form heute, grade jetzt, nicht droht, schadet es nicht, sich damit auch mal auseinanderzusetzen.
Lesenswert!

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Tags: atomkrieg, endzeit-thriller, hilflosigkeit, kampf, verstrahlung, überleben   (6)

  

 

Wirst du da sein?
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(54)

95 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 15 Rezensionen

liebe, zeitreise, tod, schicksal, freundschaft

Wirst du da sein?

Guillaume Musso , Claudia Puls
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 09.03.2009
ISBN 9783746625133
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Hier meine "versuchte Rezension" zu meinem ersten Guillaume Musso- Roman. Es ist einige Wochen her, dass ich das Buch las, durch einen sehr anstrengenden Umzug konnte ich aber erst mal keine Zeit für Rezensionen erübrigen. Es gibt Bücher, die profitieren mit der Rezension, wenn diese nicht gleich im Anschluss gechrieben wird, andere leiden, weil man die Begeisterung Wochen später nicht mehr so ursprünglich zu vermitteln vermag.
Bei diesem Roman von Musso muss ich vorneweg sagen: Ich hatte komplett etwas anderes erwartet, war völlig von den Socken und konnte das Buch nicht mehr weglegen, sondern musste weiterlesen, bis es beendet war!
Sollte diese Begeisterung nicht vermittelt werden, dann liegt es wirklich an der Zeit zwischen Beenden des Buches und Verfassen der Rezension.
Mein erster Roman von Musso, das bedeutet, ich hatte keine Ahnung von der flüssigen, mitreissenden Art des Schreibens, der wunderbaren Atmosphäre, die dieser Autor zu vermitteln vermag, von der Thematik und Intelligenz des Autors.
Ich dachte, ich hätte einen zeitgenössischen Roman vor mir, nicht annähernd hätte ich eine Art Fantasy der besonderen Art erwartet!
Musso erzählt die Geschichte eines Arztes, alt, verbraucht, krank. Wie viele andere Ärzte, leistet auch dieser Arzt Dienst in Kriegsgebieten, in Ländern mit absoluter Armut, Ärztemangel, minimaler medizinischer Versorgung. Als er nach einer beendeten Schicht im Armutsland in den Helikopter steigen möchte, fällt ihm ein kleiner Junge mit Entstellung auf. Er weigert sich nach Hause zu fliegen, denn er weiss, dieses Kind hat keine Überlebenschance, wenn es nicht operiert wird.
Nach der Operation will das Oberhaupt des Dorfes sich erkenntlich zeigen und befragt den Arzt nach seinem innigsten Wunsch.
Anstelle von Gesundheit oder Weltfrieden äussert der Arzt den Wunsch, dass er gerne eine Person von früher wiedersehen möchte, allerdings ist diese Person seit 30 Jahren tot, also scheint der Wunsch unerfüllbar. Doch nicht für das Oberhaupt. Er drückt dem verblüfften Arzt ein Röhrchen mit 10 Tabletten in die Hand, die dieser "wohldosiert" einsetzen soll.
Neugierig und da sowieso tödlich erkrankt probiert der Arzt neugierig eine Tablette aus und der eigentliche Roman beginnt!
Ich habe schon viele Romane, Science Fiction, Jugendromane mit dem Thema der Zeitreise gelesen, aber niemals einen so raffinierten, logischen und zugleich romantischen wie humorvollen Roman.
Phasenweise dachte ich, jetzt kommt es zu Widersprüchen, zur Unlogik, zu Verkomplizierung, die dem Roman die Spannung und die Atmosphäre nehmen, aber NEIN! Der Autor bleibt sich treu, gleichförmig und ruhig erzählt er weiter, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, ohne den Faden zu verlieren oder sich in Paradoxen zu verlieren.
Ich sass teils fassungslos, teils aufgewühlt vor dem Buch, wollte ständig eingreifen und rufen: "Jetzt lass es doch endlich dabei! Akzeptiere das Leben, die Schicksalsschläge und mach es nicht noch komplizierter! Setz nicht noch mehr aufs Spiel!", aber ich bin ja gottlob kein Protagonist, sondern nur Leser! Daher geht das Buch weiter, die Geschichte entwickelt sich zu einem famosen Ende.
Leider viel zu kurz, durch die Spannung liest man mehr als man möchte und leidet anschliessend an dem berühmten "Buch Hangover": Man hat es beendet, muss es noch verarbeiten und kann auch nach Tagen das Ende nicht fassen, ist viel zu unruhig, um gleich ein nächstes Buch zu beginnen und ist sich sicher: Das ist und war sicherlich nicht das letzes Buch dieses recht unbekannten Autors, von dem es doch schon eine kleine Bibliothek in Deutschland gibt.
Der Franzose Guillaume Musso wurde 1974 geboren, arbeitet als Dozent und Gymnsiallehrer in Frankreich.

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Tags: arzt, liebe, tod, unfall, verlust, zeitreise   (6)

  

 

Der Junge, der sich in Luft auflöste
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(27)

41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

london, autismus, london eye, riesenrad, verschwinden

Der Junge, der sich in Luft auflöste

Siobhan Dowd , Salah Naoura
Fester Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 18.07.2008
ISBN 9783551581884
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Ein Kinderbuch!
Diese nur 288 Seiten starke Buch hat mich wunderbar unterhalten, dabei ist es so einfach geschrieben und trotzdem informativ und auch humorvoll, dass es zu Herzen geht.
Das Buch der Autorin Siobhan Dowd, die 2007 im Alter von 47 Jahren an Krebs verstarb, schreibt aus der sicht des Ich-Erzählers Ted.
Ted leidet an einem "Syndrom", er kann Körpersprache nicht deuten, hat keinerlei Orientierungssinn, kann nicht einfach denken, sondern braucht klare, fundierte, logische Eckdaten, um per Vergleich mit ähnlichen Symptomen (meist aus der Meteorologie, denn er möchte Wetterforscher werden) zu einem logischen Schluss zu kommen. Sobald Situationene neu oder unbekannt sind, beginnt siene Hand zu schlackern und er muss den Kopf schief legen. In der Schule hänselt man ihn als "Strinner", einer Mischnung aus Streber und Spinner, Freunde findet er sehr schwer.
Teds Tante mit Sohn Salim kommen zu Besuch, sie wollen vor der Ausreise nach den staaten noch eben wenige Tage in London verbringen. Natürlich möchte man den beiden möglichst vie London zeigen, was wäre da naheliegender als eine Fahrt mit dem Riesenrad!
Leider sind am Ausflugstag sehr viele Touristen unterwegs, die Schlange zum Eingang scheint endlos, da geschieht das Unerwartete: Ein Mann schenkt Salim eine Karte und schnell ist beschlossen, dass Salim alleine einsteigen soll.
Eine Faht dauert 30 Minuten, doch nachdem Salims Gondel wieder auf der Erde ankommt, ist von Salim selbst nichts mehr zu sehen!
Er ist verschwunden!
Nach dem ersten Schrecken und dem Klarwerden, dass es sich offensichtlich nicht um ein Versehen handelt, beginnen dei Ermittlungen. Polizei, Presse, Ermittlungen und natürlich hat auch Ted einige Theorien, wie ein Junge im Londoner Riesenrad spurlos verschwinden kann, aber welche dieser Theorien mag stimmen?
Neben Paralleluniversen, Zeitschleifen, spontane Selbstentzündung, kommen auch Entführung, Irrtum und Tod in Frage.
Das Buch ist ein sehr einfach geschriebener Kinder-Krimi. Humorvoll durch die Denkweise Teds, informativ, weil der Leser eine Reise in die Physik und Meteorologie geboten bekommt: Ob Coriolis-Kraft, Sturmtief oder Cumulonimbuswolken, alles wird kindgerecht und einfach erklärt.
Ich hatte grossen Spass mit dem Buch, auch wenn meine Kindheit schon einige Jahre vorbei ist.

  (19)
Tags: kinderbuch, krinderkrimi, london, reisenrad, syndrom   (5)

  

 

Ohne sie
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35 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

liebe, trauer, trauerbewältigung, australien, leben

Ohne sie

Kluun , Kristina Kreuzer
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 02.12.2008
ISBN 9783596175925
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

"Ohne Sie" des Autors Kluun, mit wirklichem Namen Raymond van de Klundert, ist die Fortsetzung des sehr bewegenden Romans "Mitten ins Gesicht".
Auch wenn zu Beginn eine kurze Zusammenfassung des 1. Buches zur Wiederauffrischung eingefügt wurde, ich glaube, es ist besser, wenn man doch chronologisch liest.
Dann wollte ich gleich zu Beginn klarstellen, dass van de Klundert kein gelernter Autor an sich ist, sondern dass beide Bücher von ihm geschrieben wurden, um das erlebte Drama zu verarbeiten, um sich selbst klar zu werden, warum er sich selbst wie verhält/verhalten hat, um auch generell eine Diskussion über die Schwierigkeiten des Lebens, speziell der Liebe anzuregen.
Der Protagonist Stjin hatte im Alter von 30 eine attraktive, selbstbewusste Frau geheiratet. Eine Frau, die den Weiberhelden Stjin so völlig von den Socken riss. Nichtsdestotrotz konnte er das Fremdgehen und die One-Night-Stands nicht lassen. Auch als sie sich entschliessen ein Kind zu bekommen, er wirklich sicher ist, das grösste Glück auf Erden zu haben, kann er die Finger von Frauen nicht lassen.
Dann wird seine Frau, Carmen, krank: Bösartiges Mammakarzinom. Unheilbar, bösartig, schnell.
Der Leidensweg und das Sterben seiner Frau, seine extremen Exzesse in die Drogenwelt, den Alkohol und des Sex, das ist Inhalt des Buches "Mitten ins Gesicht", fast nahtlos schliesst der 2. Band an.
Carmen ist tot. 2 Jahre hatte Stjin Zeit, sich auf die Beerdigung, den Abschied und die Einsamkeit vorzubereiten, trotzdem trifft es ihn und wirft ihn komplett um.
Ja, er ist Vater einer 3 jährigen Tochter, aber wie soll er das alles schaffen?
Hatte er während Carmens Krankheit eine feste Affaire, neben den zahlreichen anderen Sexgespielinnen, so kappt er diese Verbindungen, will sich nicht dazuerkennen und flüchtet.
Flüchtet vorerst in härtere Drogen, in einen Sexwahn, der ihn sogar seine Tochter in der Strassenbahn vergessen lässt.
Niemand kommt mit ihm mehr klar, alte Freunde kehren ihm den Rücken, umgekehrt sieht er sich plötzlich von Frauen umringt, die alle "helfen wollen", die alle dem attraktiven Witwer Ratschläge erteilen wollen, die sich alle zwischen ihn und seine Tochter drängen.
Stjin kennt nur einen Weg: Flucht!
Schonungslos und ohne Ausreden lässt uns der Autor wieder teilhaben. Ich hätte vermutlich einiges weggelassen oder beschönigt. Aber das möchte er nicht, er prangert sich auch nicht an, er stellt sich nur dem kompletten Wahnsinn, in den er verfiel, als seine Frau unwiderruflich endlich tot und beerdigt ist.
Und zeigt uns, dass manchmal nur ein kompletter Cut, ein erzwungenes Kopf-frei-bekommen dazu führen kann, dass man wieder auf der Erde aufkommt und naheliegendes mit klarem Verstand sehen kann.
In der Hoffnung, dass der Weg, den man findet, der oft gar nicht so weit entfernt ist, auch der Richtige ist.
Ich wünsche mir für den Autor, dass die hoffnungsfrohe Botschaft am Ende des Buches nicht ein weiteres "Verrennen" im Leben war, aber wenn ich seine Vita lese, seine Erfolge seit dem Ende des 2. Buches anschaue, scheint er tatsächlich angekommen zu sein.
Und das freut mich!
Was kann ich noch berichten? Der Schreibstil ist locker, flüssig, kurze und knappe Kapitel, weniger Wramples als im ersten Buch, ab und zu auch lustig, dann wieder zum Nachdenken anregend, trotz der Eskapaden scheint der Autor ein sympathischer Kerl zu sein, ich bin gespannt, ob noch ein drittes Buch erscheinen wird!

  (8)
Tags: carmen, krankheit, lebensweg, liebe, roos, stjin, tod   (7)

  

 

Das Mädchen mit den gläsernen Füßen
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(255)

661 Bibliotheken, 10 Leser, 5 Gruppen, 126 Rezensionen

glas, liebe, fantasy, ida, midas

Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

Ali Shaw , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 397 Seiten
Erschienen bei script5, 09.01.2012
ISBN 9783839001318
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Was für ein wunderschönes Buch!
Nicht nur von aussen: netter und doch schlichter Buchumschlag. Das Auge bleibt hängen, man möchte das Buch anfassen und reinblättern. Als nächstes fällt der raffinierte Schnitt in den Blick: Silberfarben rundherum, anfangs hatte ich Angst, es würde abfärben und bald silbrige Splitter überall hinterlassen, aber nein, alles ganz stabil.
Beim Reinblättern bemerkt man die schöne Schrift, vor allem aber die Kapitelanfänge: An der Seite Schatten von Gräsern in unterschiedlichen Blühstadien.
Man beginnt zu lesen und findet sich wieder auf einer kleinen abgeschiedenen Insel: St. Hauda´s Land.
Früher der Wohnort der Walfänger, seit der Walfang verboten wurde, ging es mit der Insel bergab. Wenige Leute wohnen dort, verschroben, eigenbrödlerisch und nahezu ängstlich vor dem Kontakt der wenigen Touristen, die die Einsamkeit suchen.
Und auch Ort seltsamer Wesen und Vorgänge: Fliegende Rindinsekten, ein Moor als Grabstätte von gläsernen Menschen, Pigmentverlust, und vieles mehr.
Ida, eine junge Frau verbrachte ihren Urlaub dort, alleine, nach der plötzlichen Trennung von ihrem Lebensgefährten. Die aufgeschlossene, unkomplizierte Frau kommt nach Jahren zurück auf die Insel, denn sie hat ein Problem: Ihre Füße wurden gläsern!
Voller Hoffnung, einen bestimmten Mann wiederzutreffen, von dem sie Hilfe und Aufklärung erwartet, kommt sie auf der Insel bei einem Bekannten unter: Ein Mann, der früher unsterblich in ihre Mutter verliebt war und jetzt den Kontakt zu Ida geniesst.
Aber Ida findet den gesuchten Helfer nicht, sie trifft auf Midas! Ein junger, vollkommen in sich verschlossener Mann, Fotograph, nicht fähig, den Körperkontakt zu fremden Menschen zu ertragen, nicht gewohnt zu fremden Menschen zu sprechen, und die Geschichte beginnt.
Viele wunderbare Orts- und Umweltbeschreibungen, viel Gefühl und Atmosphäre und Mystik, sehr ruhiger, bedächtiger Roman, die eigentliche Geschichte befindet sich zwischen den Zeilen. Ida kommt als Aussenstehende mit ernsthaftem Problem und bringt sämtliche eingefahrene Inselstrukturen durcheinander. Menschen, die sich seit Jahrzehnten kennen, müssen erstmals seit Jahren wieder miteinander sprechen, es werden Energien und Gefühle ausgetauscht und gestanden, die den Betreffenden seit Jahren nicht bewusst waren und nicht berührten.
Es ist unglaublich facettenreich und raffiniert gestrickt, dabei so leicht und flüssig, weil die vorhandene Schwere zwischen die Zeilen rutschte. Dabei wird es immer spannender, die letzten 3/4 des Buches habe ich fast atemlos durchgelesen, denn die Dramatik nimmt zu. Man mag nicht glauben, was man da lesen muss, man will eingreifen, wegsehen, umschreiben, schreien und muss doch der Geschichte der Autorin folgen, diesem unfassbaren Ende entgegen.
Tolles Buch!
Hier stimmt Aufmachung mit Klasse der Geschichte überein, besser hätte man diesen Roman nicht verpacken können, ein Wunschbuch, ein Favorit, ein Buch, das man jedem empfehlen möchte.
Nehmt die Botschaft wahr und nutzt die Zeit, die Euch bleibt!

  (10)
Tags: beziehung, insel, krankheit, liebe   (4)

  

 

Die fremde Frau
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(40)

58 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

liebe, england, mord, sarah, sizilien

Die fremde Frau

Lesley Turney , Monika Köpfer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Pendo, 01.09.2011
ISBN 9783866123038
Genre: Unterhaltungsliteratur

Rezension:

Ich habe mich unglaublich auf dieses Buch gefreut. Keine Ahnung, was ich unter dem Titel "Die fremde Frau" erwartet habe, aber ganz bestimmt nicht diese Geschichte, die ich dann gelesen habe.
Die Autorin Lesley Turney ist eine Journalistin, die in ihrer Freizeit Romane verfasst, die Ideen dazu fallen ihr auf ihren langen Hundespaziergängen ein.
Zum Inhalt nur so kurz: Eine Frau, die kürzlich ihr neugeborenes Kind verlor, ertappt den Ehemann, den der Leser nie zu Gesicht bekommt, beim Fremdgehen. Kein einmaliger Seitensprung, sondern eine ganz ernsthafte Affaire mit ihrer besten Freundin.
Überstürzt und unüberlegt begleitet sie ihre Schwester auf eine längere Reise. Lernt dort einen allein erziehenden Mann kennen, der dringend ein "Kindermädchen" für seinen kleinen Sohn sucht. Vom ersten Augenblick von diesem Mann fasziniert, dessen Frau offensichtlich die Familie verlassen hat, verliebt sich die Protagonistin und zieht zu diesem -eigentlich völlig unbekannten- Mann.
Kaum im Haus eingezogen, hört sie Stimmen, sieht Erscheinungen und leidet an fürchterlichen Phobien.
Was geschah wirklich mit der verschwundenen Ehefrau? Lebt sie mit einem Mörder unter einem Dach?
Trotz diverser Warnungen der Familie möchte sie nicht nach Hause zurück, sondern flüchtet sich mehr und mehr in eine heftige Depression mit Halluzinationen.
Ein sehr interessantes Thema. Liest sich so als Inhalt auch ganz spannend. Es hapert nur bei der Umsetzung.
Unabhängig davon ist ein ähnliches Thema schon so oft Inhalt eines Mystery-Romans gewesen, dass ich hunderte Seiten das Gefühl hatte, eine Nacherzählung mit leicht anderen Aspekten zu lesen.
Was mich aber ganz besonders entsetzte, das war der fürchterliche sprachliche Stil. Holpernd und polternd werden Sätze aneinandergereiht, die nicht zueinander passen. Es kommt so gar kein Lesefluss auf. Und mit dem Wissen, dass die Autorin durchaus eine entsprechende Ausbildung genoss und täglich mit dem Schreiben ihren Lebensunterhalt verdient, habe ich mich doch entschlossen, statt 3 Sterne nur 2 Sterne zu geben.
Mir hat die gesamte Ausführung nicht gefallen. Es wurde weder Spannung, noch Stimmung noch Grusel transportiert, kein Tempo, keine Raffinesse, das hat mich sehr enttäuscht.
Da hätte ich einfach mehr erwartet: Mehr Tiefe, mehr psychologische Aspekte, mehr Kribbel.
So habe ich mich durch die 480 Seiten gelesen, ständig nachblätternd, wie viele Seiten denn noch gelesen werden müssen, das sollte eigentlich nicht der Sinn der Sache sein.

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Tags: betrug, familie, liebe, mystik, verbrechen, verlassen   (6)

  

 

Mein fast perfektes Leben
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(224)

393 Bibliotheken, 9 Leser, 7 Gruppen, 56 Rezensionen

liebe, trauer, familie, tod, leben

Mein fast perfektes Leben

Jonathan Tropper , Birgit Mossmüller , Birgit Moosmüller
Fester Einband: 407 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 21.09.2007
ISBN 9783426662724
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Nein, was für ein unglaubliches Buch!
Doug ist 29 Jahre alt und Witwer. Seit 13 Monaten. Seine 11 Jahre ältere Frau Hailey kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, etwa 2 Jahre nach der Heirat.
Ihr Sohn Russ ist seit dem schrecklichen Unfall gezwungen bei seinem leiblichen Vater zu leben, der nach der Scheidung von Hailey eine neue Familie gegründet hat und Russ eher widerwillig bei sich aufnimmt.
Aber da Doug als Adoptivvater versagt hat, ist dies die einzig denkbare Möglichkeit.
Dougs Zwillingsschwester Claire ist schwanger und beschliesst ihren Ehemann zu verlassen... und schon ist man drin im Buch!
Dougs verzweifelter Versuch in Ruhe zu trauern, sein eigenes verlorenes Leben irgendwie ohne Hailey weiterzuleben ohne Schuldgefühle, aber auch ohne die grosse Liebe aufzugeben, gleichzeitig mit der Trauer des 16 jährigen Russ umgehen zu müssen und den verrückt-spielenden Hormonen seiner durchgeknallten Zwillingsschwester etwas entgegenzuhalten, das ist Inhalt des Buches.
So warmherzig, so gefühlvoll, so mitreissend.
Herr Jürgen von der Lippe meinte, er habe abwechslend geweint und gelacht.
Aber das stimmt so nicht! Man macht es gleichzeitig: Nie habe ich so geweint während eines Lachkrampfes, nie mich so amüsiert während ich weinte.
Dieses Buch krempelt den Leser völlig um.
Und räumt auf mit vielen Vorurteilen: Über Trauer, über das Miteinander in der Familie, um den Neubeginn und über Männer.
Ich wollte kapitelweise kaum glauben, dass dieses Buch aus Männerhand stammt und bin einfach nur dankbar: Es zeigt, wie verletzlich, wie verloren und wie empfindsam wenige Männer sein können, wie schwer ein Neubeginn, wenn man eigentlich dachte, das Richtige gefunden zu haben. Es gibt Einblick in Versagensängste, in Hilflosigkeiten, Hilferufen und in Verdrängungstaktiken, dabei so humorvoll und so schräg, dass man dieses Buch einfach nur lieben muss. Inclusive aller Protagonisten.
Entsetzt habe ich immer wieder bemerkt, wie neidisch ich auf die tote Hailey bin, die so geliebt, so geschätzt und so gebraucht wurde, von allen.
Ein sehr schönes Buch mit wenig ansprechendem Cover.

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Tags: liebe, neubeginn, trauer, verlust   (4)

  

 

Schoßgebete
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358 Bibliotheken, 16 Leser, 3 Gruppen, 58 Rezensionen

sex, tod, therapie, ehe, unfall

Schoßgebete

Charlotte Roche
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2011
ISBN 9783492054201
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Ich war nach "Feuchtgebiete" der Autorin Charlotte Roche sehr auf das 2. Buch gespannt. Wusste auch erst nicht, ob es ein Fortsetzungsroman ist, den ich auch gerne gesehen hätte, aber nach wenigen Sätzen erkennt man, es ist ein eigenständiger, in sich abgeschlossener Roman.
Unverkennbar der Schreibstil der Autorin: Leicht, locker und flüssig, ohne Tabu, ohne Schamgrenze, offen und ehrlich lernen wir die Gedankenwelt der Protagonistin kennen. Kaum Konversation, wenig Aktion, mehr ein Ansammeln und Loslassen der durchaus chaotischen Kopfwelt.
Elisabeth ist verhairatet mit Georg. Seit immerhin 7 Jahren. Er ist Stiefvater ihrer 7 jährigen Tochter, sein gleichaltriger Sohn lebt bei dessen Mutter.
Ein Altersunterschied von 17 Jahren trennen die beiden Eheleute, kennengelernt haben sie sich auf der Arbeit. Zusammengekommen sind sie nach der Geburt seines Sohnes.
Zwischen Planung von gemeinsamen Puffbesuchen, Behandlung derTochter gegen die Fadenwürmer, fährt Elisabeth täglich zur Psychotherapeutin.
Ohne diese ist sie nicht fähig, sich mit Mann, Sexualität, Kinderziehung und Verarbeitung des Verlustes von 3 Brüdern klarzukommen.
Im Bemühen, alles richtig zu machen, Eifersucht, eigene Ängste und Bedürfnisse und Trauer unter einen Hut zu bekommen, dürfen wir Leser 3 Tage lang miterleben, wie chaotisch das Hirn von Elisabeth Überstunden macht und logische oder unlogische Schlüsse zieht.
Und dabei oft urkomische Erkenntnisse produziert: "Bei Kindern gibt es irgendwie keine grosse Aufgabe, die gelöst werden muss. Sondern jede grosse Aufgabe wird in viele kleine Aufgaben aufgeteilt, und nach jeder Kleinigkeit wird schlappgemacht."
Oder: "Auch dass so viel Scheiße bei einer Geburt rausgedrückt werden kann, verkraften viele Männer nicht. Die Kombination von Scheiße und Neugeborenem sagt doch sehr viel aus über den Menschen an sich. Dass die beiden Löcher so nah beieinander sind, das ist doch der Beweis, dass es keinen Gott gibt, der hätte die doch so weit wie möglich voneinander weg gemacht, eins am Fuß und eins am Kopf!"

Ich muss sagen, ich habe es wieder sehr genossen, das Buch zu lesen. Auf fast jeder Seite entlockte die Autorin mir ein breites Grinsen, so amüsant, so dramatisch allerdings auch die Schilderung des Unfalls, den Elisabeth nicht verarbeitet bekommt.
Diese sprachlichen Spielereien, so treffend und offen, es ist erfrischend, die Ehrlichkeit zu entdecken, mit der die Autorin Themen angeht.
Themen, die durchaus in unserer Gesellschaft Tabu sind, über die man nicht "öffentlich" spricht, die aber jeden betreffen oder jeden betreffen können.
Ob die "Kümmermaschine im Leerlauf läuft", wenn die Tochter beim leiblichen Vater ist, oder ob sexuelle Lust in der Ehe sich nicht auch auf andere Sexpartner ausdehnen darf, ich fand es sehr interessant, wie Elisabeth versucht, mit Hilfe ihrer Therapeutin zur besseren Ehefrau, Mutter und Frau zu werden.
Abnabeln von der Mutter, zur eigenen Sexualität stehen, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, auch wenn ein Vater - Ehemann vorhanden ist, Entscheidungen zu treffen, seine eigenen Ängste überwinden, das ist der eigentliche Inhalt dieser 3 tägigen Schilderung.

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Tags: ehe, erziehung, sex, sexualität   (4)

  

 

Fische füttern
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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

angeln, italien, freundschaft, erwachsenwerden, toskana

Fische füttern

Fabio Genovesi , Rita Seuß , Walter Kögler
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 01.03.2012
ISBN 9783785724453
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Das Buch "Fische füttern" des italienischen Autors Fabio Genovesi des Verlages lübbe ist ein schöner, flüssig geschriebener Roman über die Schwierigkeiten im Leben seinen Platz, den Weg und Erfüllung zu finden.
Recht locker geschrieben, aber nichtsdestotrotz ans Herz gehend.
Wir dürfen als Leser 3 Personen begleiten: Fiorenzo, der mit 14 Jahren seine rechte Hand verlor und im Roman bereits 19 Jahre alt ist; Mirko, ein wenig jünger, wird von Fiorenzos Vater im Radrennen trainiert und hat eigentlich keine Wahl; und Tiziana, schon 32 Jahre alt, scheint nach Studium gestrandet und steht an einer Lebensweg-Kreuzung, bei der alles, oder eben nichts machbar ist.
Die Lebenswege der drei Protagonisten sind eng verknüpft, der Autor wechselt auch manchmal die Erzählperspektive, was ich immer ganz interessant finde, denn nur aus der Sicht einer Person erzählt, wären ja viele Gedanken und Gefühle reine Vermutung.
Es spielt in Italien, in der Toskana, in einem kleinen Dorf am Kanal, der durch Verunreinigung dementsprechende Gerüche von sich gibt.
Vorherrschend die ältere Generation, für die jüngeren Leute gibt es kaum Perspektiven, keine Möglichkeit Ideen zu entwickeln, oft fühlen sich die jungen Leute schon abgeschrieben, bevor sie die Schule beendet haben.
Und wozu soll man die Schule beenden, man landet ja doch im Betrieb des Vaters, weil dies erwartet wird, weil zu wenig Alternativen geboten werden.
Mich hat dieser Roman vollständig gepackt.
Nicht unbedingt trostlos, aber man erkennt sich selbst in all den drei Protagonisten zu unterschiedlichen Lebensphasen wieder.
Und bekommt ungeahnte Einblicke! Ob es die Schulaufsätze des rennradfahrenden Mirkos sind, die grundsätzlich am Thema vorbeigehen, sich nur um Erfolg und Sieg und Kampf drehen, der erst die Kehrseite kennenlernen muss, um zu erkennen, was er wirklich will, ob es Fiorenzo ist, dem durch die fehlende Hand viele Möglichkeiten von vorneherein verschlossen bleiben, dessen Ziele so unerreichbar scheinen und sind, oder ob es Tizianas recht frustrierende Rückkehr ins Dorf ist, die so gar und ganz unglücklich ist mit ihrer Lage und deren Bildungsweg so überflüssig scheint, der Leser wird zum Grübeln angeregt.
Wieviel Energie kostet es in unterschiedlichen Altersstufen, dem eigenen Leben eine Wende zu geben. Würden wir auch so entscheiden? Was würden wir tun?
Waren unsere eignene Entscheidungen für unser Lebensglück letzendlich richtig?
Oft nimmt man sich in jungen Jahren keine Zeit über Wege und Kreuzungen nachzudenken, man läuft ienfach der Nase nach, man macht DInge, die völlig unüberlegt sind und doch entscheidend sind für den gesamten restlichen Lebensverlauf und das Lebensglück.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, keinerlei Längen, jedes Kapitel spannend, nicht zu viel, nicht zu wenig, auch der Humor kommt nicht zu kurz, man fühlt sich so ganz und gar ind dieses kleine Kaff nach Italien versetzt.
Besonders schön finde ich, dass der Autor den Leser nicht im Regen stehen lässt, wir bekommen einen Zukunftsblick, so dass wir wissen, was aus den Figuren wurde, ob sie glücklich sind -30 Jahre später-, wie das Schicksal mit ihnen weiter umging, ob sich die Bemühungen lohnten.
Doch, das hat der männliche Autor mit viele Sensibilität und Sensitivität sehr schön hinbekommen!

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Tags: erwachsen werden, jugend, lebensweg, schicksal   (4)

  

 

Mitten ins Gesicht
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114 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 12 Rezensionen

krebs, tod, liebe, fremdgehen, sterbehilfe

Mitten ins Gesicht

Kluun
Flexibler Einband: 363 Seiten
Erschienen bei Scherz, 01.02.2006
ISBN 9783502100300
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

" Ich habe mit 3,5 Promille einen Autounfall gebaut, weil ich wie ein Idiot gefahren bin, nachdem meine Frau mich angerufen hat, während ich mit einer Praktikantin und einer Ex - die übrigens auch eine Freundin meiner Frau ist - im Bett war, und das alles nur, weil ich mich früher am Abend gestritten habe mit meiner ausserehelichen Freundin, die ich trotz Versprechen an meine Frau, bis zu ihrem Tod nicht mehr fremdzugehen (sie hat nämlich Krebs und wird in absehbarer Zeit sterben) immer noch vögle."
"Mitten ins Gesicht" vom Autor Raymond van de Klundewrt, kurz Kluun ist ein Bestseller aus den Niederlande.
Raymond, geboren 1964 war mal sehr erfolgreich als Marketingmensch, hatte eine eigene Firma und arbeitete auch für andere grosse Werbeagenturen. Bis er 2001 seine damals 36ig - jährige Frau verlor. Er änderte sein Leben radikal, ging nach Australien und begann an diesem Buch zu arbeiten.
Es handelt von einem jungen Ehepaar, Mitte 30, mit einjähriger Tochter. Die Frau Carmen bemerkt eine Veränderung in ihrer Brust, Ärzte wiegeln ab, es sei harmlos. Ein halbes Jahr später ist es nicht mehr harmlos, es ist infaust. Carmen leidet an einem extrem aggressiven, entzündlichen Mammatumor, der nur schwer behandelbar, eigentlich überhaupt nicht heilbar ist.
Der Ehemann Stijn schreibt aus seiner Sicht die Leidenszeit seiner Frau über 3 Jahre, das Auf- und- Ab, die Reaktionen der Freunde und der Familie, die nach dem ersten Überleben und der ersten Operation die Krebserkrankung nicht mehr ernst nehmen, die Schwierigkeiten mit Kleinkind eine solche Situation zu meistern, wissend, dass man Abschied nehmen muss, dass jedes "Anspringen" einer Chemo nur ein Aufschub ist, dass die Lebenszeit abgelaufen ist.
Stijn ist, wie seine Frau, ein hart arbeitender Mann, umgeben von vielen Geschäftsfreunden, immer auf Achse, immer auf allen Partys am Abfeiern. Nie treu, das Fremdgehen immer als zusätzlichen Reiz, denn er gehört zu den Männern der monophoben Art, wie er es bezeichnet.
Fremdgehen, nicht wegen des Sex, sondern aus Angst vor der Eintönigkeit der Ehe, der Angst, anderswo etwas zu verpassen.
Carmen hat ihn einmal erwischt und ihn gebeten, sich nie wieder erwischen zu lassen, aber sie ahnt, dass ihr Mann die Finger nicht von anderen Frauen lassen kann, ob von Praktikantinnen, ehemaligen Freundinnen oder One-night-stands nach dem Feiern.
Mit Beginn der Chemotherapien erstirbt bei Carmen der Sexualtrieb völlig.
Und Stijn dreht buchstäblich durch, war es früher ab und zu mal ein Seitensprung, so wird jetzt auf Biegen und Brechen alles berammelt, was geht, auch mehrere Frauen gleichzeitig, Alkohol und Drogen werden zusätzlich zum Freund.
Kompensation der Ängste eines Mannes seine Frau zu verlieren? Panik vor der Auseinandersetzung mit dem Tod? Unfähiglkeit des Angetrauten mit den Fakten klarzukommen?
Mich hat dieses Buch völlig in den Bann gezogen. Leicht zu lesen, sehr kurze Kapitel, aber oft mit reichlich Inhalt zum Nachdenken:
"Carmen kann ihrem Leben keine Tage hinzufügen, deshalb fügt sie ihren Tagen Leben hinzu."
Das Buch ist ein dramatischer Bericht, kein Anprangern in dem Sinne, kein Verzweifeln, keine Abbitte oder Entschuldigung, sondern -davon gehe ich aus- eine Verarbeitung eines Druckes über 3 Jahre und ein Zeugnis der Liebe, ein Appell an die Tochter, aber auch an uns alle:
"Danach (nach Carmens Zeit als Aupair Mädchen in London) bin ich auf Weltreise gegangen. Viele Leute sagen mir, sie hätten das auch gerne gemacht, aber es habe sich nicht ergeben. Luna (die Tochter), es gibt oft hundert Gründe, etwas nicht zu tun, aber genau dieser eine Grund, es doch zu tun, sollte schon genügen. Es wäre doch traurig, wenn man die Dinge, die man nicht verwirklicht hat, bedauern muss, denn nur aus dem, was man in die Tat umsetzt, kann man was lernen." (Auszug aus einem Brief von Carmen an ihre dreijährige Tochter, wenige Wochen vor ihrem Tod).
Es hat mich sehr berührt. So viel Humor und Komik, so viele schönen Episoden in einem solch endlosen, aussichtslosen Kampf!
Und zusätzlich eine Diskussionsgrundlage zum Thema Sterbehilfe, die in den Niederlanden ja vollkommen anders aufgefasst wird als hierzulande.

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Tags: ehe, familie, fremdgehen, krebs, leiden, schuldgefühle, sterbehilfe, sterben, treue   (9)

  

 

Vier minus drei
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80 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

tod, trauer, unfall, verlust, liebe

Vier minus drei

Barbara Pachl-Eberhart
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Integral, 05.07.2010
ISBN 9783778792179
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Frau Barbara Pachl-Eberhart erzählt in diesem flüssig zu lesenden Buch ihre dramatische Geschichte im Jahr 2008. An Karfreitag, kurz vor dem eigenen Geburtstag verunglückt an einem unbeschranktem Bahnübergang die gesamte Familie: Ehemann Heli, Sohn Thimo (7) und Tochter Fini (2).
Von jetzt auf sofort steht die junge Frau alleine da. Eben noch glükliche Familie, die grade in ein eignenes Haus umzog, die Pläne für die Zukunft hatte, nicht nur Vergrösserung der Familie, sondern auch generell zueinander gefunden hatte, und schon steht man vor den Trümmern: Der ehemann war sofort tot, der kleine sohn reanimiert, aber hirntot, die Tocher mit schwerem Kopf-Hirn-Schaden. Innerhalb der wneigen Tage um Ostern, in denen andere Familien mit kindern mit Osetereier verstecken und -suchen beschäftigt sind, nimmt barbara Abschied: Die Tochter verstirbt, den Sohn gibt sie zum Sterben frei.
Wie verarbeitet man diese Situation? Wie geht man damit um, welche stadien der trauer durchläuft man, wo findet man welche Hilfe? Und wie schafft man es, nach sage und schreibe 4 Monaten eine neue Beziehung Mann zusammen als Berufsclown.
Seltsamer und ungewöhnlicher Beruf, mir persönlich weltfremd, aber offensichtlich so gewinnbringend, dass man davon sehr gut und wohlhabend leben kann.
Und nicht nur das: In diversen Seminaren und Fortbildungskursen für Clowns lernt man eine Menge über Schicksal, Verarbeitung und Grundlagen des Lebens, eingestzt werden die Clowns gerne in Krankenhäusern auf den Todesstationen der Kinder.
Die ist auch die Grundlage für Barbara, den Weg durch die Trauer zu gestalten. Nicht nur, dass sie intensive Träume der Familie nutzt, sie besucht auch Kartenleger, Wahrsager und hört auf die esoterische Stimmen. Der unerschütterliche Glauben daran, dass das Leben und Überleben einen Sinn haben muss, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und ihre Familie nach wie vor mit ihr verbunden ist und letzendlich auch die Grundlage des existentiellen "Versorgtseins" und Vorhandensein unzähliger Freunde (nicht nur eigene, auch die von Ehemann und kindern) geben ihr die Kraft und den Leitweg.

Wie soll man ein solches Buch bewerten? Der Inhalt ist dramatisch, eine fürchterliche Tragödie, der Weg in die Zukunft ein sehr persönlicher, einzigartiger, oft kaum nachvollziehender.
Aber ihr hat es geholfen. Das ist doch die Hauptsache. Wie soll man also so einen Weg beurteilen?
Dass ihr Weg nicht mein Weg wäre, dass ich über vieles den Kopf schüttelte, oftmals unverstanden vor den fremden Gedankengängen stand, das ist ja nicht zu bewerten, dafür sind wir Menschen unterschiedlich. Was den einen tröstet, das kann für den anderen entsetzlich sein.
Jedenfalls führt das Buch durch interessante Aspekte des Trauerns, der Esoterik, der Problemlösungen, der Strategien, den eigenen Körper, oder die eigene Seele zu überlisten.
Und zeigt, dass es kein Neuanfang am Punkt X gibt, sondern dass die Übergänge fliessend sind, wann immer man glaubt, die Trauer und das Entsetzen überwunden und "verdaut" zu haben, wird in oft simplen Momenten von einer Art Tsunami-Welle der Trauer erfasst, auch Jahre später noch.
Und entscheidend ist, dass man Ziele erfasst und verfolgt. Barbaras wichtigstes Ziel wurde recht schnell deutlich: Noch bevor sie sich beruflich neu orietieren wollte, stand für sie fest, dass sie einen neuen Partner möchte, eine neue Familie gründen möchte.
Ich wünsche dieser Autorin nach dieser schlimmen Erfahrung alles Gute!
Das Buch ist kein Tröstebuch! Sondern eine biographische Schilderung, eine Art Verarbeitung und Klar-werden über Schritte in einen Neuanfang, und so sollte man es sehen!

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Tags: neuanfang, neues leben, tod, trauer, unfall, verarbeitung   (6)

  

 

Fremde Schwestern
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75 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

schwestern, krankheit, liebe, lydia, merle

Fremde Schwestern

Renate Ahrens
Flexibler Einband: 297 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 28.03.2011
ISBN 9783426508060
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Ich war ja sehr gespannt auf das Buch "Fremde Schwestern" von Renate Ahrens. Und bin nach Beenden des Buches zwiespältig.
Es handelt von zwei Schwestern, die sich sooo fremd eigentlich gar nicht sind, sondern die eine recht schlechte Kindheit hatten, bei Elltern aufgewachsen, die mich wieder einmal grübeln liessen, ob man nicht doch erwachsene Menschen auf Reife und Fähigkeit Kinder grosszuziehen prüfen sollte, bevor man sie Kinder bekommen lässt.
Aber das geht ja nicht, daher stellt sich hier nicht die Diskussion.
Die ältere Schwester, die lange Zeit auch die Verantwortung für die jüngere übernahm, hat sich recht steif im Leben eingerichtet: sie schreibt Drehbücher für Fernsehkrimis, lebt alleine und nach festen Regeln und Abläufen. Die jüngere Schwester, mit der sie seit Ewigkeiten nicht mehr in Kontakt steht, führt ein recht unstetes Leben, alleinerziehend mit siebenjähriger Tochter ist sie meist in fernen Ländern verschollen.
Bis zu dem Tag, an welchem das Buch beginnt: Die jüngere Schwester steht unangemeldet vor der Tür ihrer einzigen Verwandten, schwer erkrankt, fast ausgehungert und geht davon aus, dass ihre Schwester sie mit Kind nicht abweisen wird, sondern natürlich für eine vorübergehende Weile bei sich aufnehmen wird.
Als Leser steht man aussen vor, man erfährt durch Flash-backs, was sich in der Kindheit abspielte, warum die Schwestern sich so schwer tun, warum die siebenjährige Tochter, wie so oft die einzig vernünftig reagierende Person, so verwahrlost ist.
Kurze Sätze, wenig Füllmaterial, oft seitenweise nur Dialog, und dieser meist nur mit unverarbeiteter Wut und längst vergangenen, nicht vergebenen Vorkommnissen gefüllt, auf der einen Seite eine interessante Psychologie-Studie, auf der anderen Seite nervenbelastende Eintönigkeit von zwei erwachsenen Frauen, die sich den eigenen Nöten nicht stellen wollen.
Es liest sich recht flüssig und nur 300 Seiten dick ist es ein kleines Buch für Zwischendurch, mal eine "etwas andere Lektüre".
Ich finde es nicht schlecht, daher die 3 Sterne, würde das Buch aber nicht jedem empfehlen. Phasenweise hatte es auch die Tendenz, mich unendlich zu nerven, was aber eventuell im Sinne der Autorin ist. Sympathisch waren mir die Protagonisten jedenfalls nicht, leid getan hat mir das Kind, aber Menschen, die nicht über den Schatten springen können, die mit jedem Handgriff im Heute nur in der Vergangenheit leben, diesen Menschen gehe ich gerne aus dem Weg.
Mitmenschen im heutigen Deutschland, die etwa Mitte 40 oder älter sind, hatten oft eine sehr schlechte Kindheit. Die Pille kam erst Ende der 60iger Jahre, bis zu diesem Zeitpunkt gab es viele unerwünschte Kinder, viele "Zwangsehen", auch meine Mutter hat mir Zeit meiner Kindheit eingeredet, dass ich ihr Leben zerstört hätte, nur weil sie schwanger wurde mit mir. Und nicht nur früher, sie tut es auch heute noch bei jeder sich bietenden Gelegenheit.
Das Thema ist mir persönlich also nicht ganz unbekannt, und auch ich weiss, dass man die Vergangenheit immer als Teil mit sich schleppt, aber man hat eben als "Erwachsene" die Wahl entweder ewig daran zu knabbern und sich die Vorwürfe an Land zu ziehen, oder sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen.
Sehr interessant, was bei diesen beiden Schwestern passieren muss, damit sie endlich einen Schritt im Leben weitergehen.

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Tags: familie, gefühle, hass, kind, krankheit, liebe, schwestern, tod   (8)

  

 

Die Mutter
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93 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 21 Rezensionen

highway, thriller, mutter, australien, hume

Die Mutter

Brett McBean
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 01.04.2010
ISBN 9783865520937
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

So, gleich vorab: Vorsicht: Dieses Buch ist nicht für alle zu empfehlen!!!
Dieses Buch ist eine einzige Ansammlung von Gewalt, Abartigkeiten und Schock-Szenen!
Vor einem Jahr hätte ich dieses Buch sicher nicht lesen können, da hätte ich es weggelegt und hätte einfach nur gedacht: "Dieser Autor ist ja krank!"

So, aber das Thema ist eigentlich raffiniert und es ist tatsächlich so, dass man nicht aufhören kann zu lesen, es wird eine Spannung aufgebaut, wie ich es selten erlebt habe:
Das Buch besteht aus einzelnen Kurzgeschichten: Die gemeinsame Komponente ist eine Frau, Mitte 40, die mehrere Jahre den Hume auf- und abtrampt, um den Mörder ihrer Tochter zu finden. Der Hume ist der sehr einsame Highway zwischen Melbourne und Sydney in Australien.
Jahre zuvor ist die Tochter nach einem Streit abgehauen, um in Sydney ihren Vater aufzusuchen, den sie nie kennenlernte, da ihre Mutter schwanger vor dem sehr gewaltätigen Mann flüchtete. Da die Mutter ihrer Tochter all die Jahre verschwiegen hat, welchen Vater sie ihr vorenthält, kommt es zu dieser drastischen Szene und die Tochter packt heimlich ihre Sachen und verschwindet. Sie will über den Hume trampen, meldet sich noch einmal per Telefonanaruf und wird wenige Tage später nackt und tot von der Polizei aufgefunden.
Ihre Mutter hat nur ein Ziel: Den Täter finden!
Sie lässt sich mitnehmen, wo es nur geht und wird vergewaltigt, stranguliert, verstümmelt und mehr als einmal verbringt sie Monate im Krankenhaus, um sich ins Leben zurückholen zu lassen, nur um anschliessend wieder an der Strasse zu stehen.
Es ist grausam, ein Buch, das den Leser nicht loslässt, einen Einblick bietet in die abgrundtiefe Zerstörung einer Seele, die ohne Sinn und Verstand -selbst als unschuldige Helfer zu Tode kommen- nicht zur Besinnung kommt, wie wahnsinnig und unnütz diese Aktion eigentlich ist.
Mehrmals ertappte ich mich bei dem Gedanken: Bitte, lass sie doch endlich sterben! Gib dieser Seele Ruhe, die es als feige empfindet in den Suizid zu gehen.
Das Buch ist eklig, die Sex-Szenen, die Gewalt, die Folter, das Ausmalen der schrecklichsten Dinge, die man sich vorstellen kann, es rührt nicht zu Tränen, sondern ist abstossend. Mitgefühl für diese Mutter kann man nur bedingt empfinden, zu krank sind die Dinge, die sie mit Absicht mit sich machen lässt.
Aber es ist richtig: Man hört nicht auf zu lesen! Je abartiger die Geschichten werden, je mehr Personen auftauchen auf diesem Highway, man möchte es als Leser wissen: Wo verbirgt sich der Täter, wer war es? Findet sie ihn? Und vor allem: Was wird dann geschehen? Bringt sie ihn um? Lässt sie ihn foltern oder wie will sie den Tod der Tochter sühnen? Gibt es für diese kaputte Frau noch ein Leben danach? Wie kann es sein, dass ein Mensch über Jahre keine Ruhe findet? Warum hilft dieser Frau niemand?
Ein aussergewöhnliches Buch, eigentlich wollte ich aufgrund des Ekel-Faktors nur wenig Punkte geben, aber ohne diese scheusslichen Szenen wäre dieses Horrorbuch nicht das, was es ist: Ein Schocker!

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Tags: australien, ekel, gewalt, hume, mutter, vergewaltigung   (6)

  

 

Die Auswahl
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(1.341)

2.111 Bibliotheken, 30 Leser, 26 Gruppen, 346 Rezensionen

liebe, dystopie, ky, cassia, zukunft

Die Auswahl

Ally Condie , Stefanie Schäfer
Fester Einband: 452 Seiten
Erschienen bei Fischer FJB, 27.01.2011
ISBN 9783841421197
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

Na, bei diesem Buch hab ich mich ja ordentlich vertan: Ich wollte es lesen, weil irgendwie jeder es grade liest, weil nahezu jeder darüber spricht.
Als ich es dann in den Händen hielt war ich mal ganz ordentlich beeindruckt von der Aufmachung des Buches: Umschlag so gestaltet, dass er schmutzabweisend zu sein scheint, sehr angenehm in der Hand, auch bei schwitzigen Händen keinerlei Abdrücke. Sobald man den wunderschönen Umschlag entfernt wird man nicht etwa mit einem schlichten Hardcoverdeckel konfrontiert, sondern das Bild auf dem Cover ist auch nochmal glänzend und ebenso schmutzabweisend direkt auf dem Buchdeckel!
Also wirklich wunderschöne Gestaltung! Dabei vergisst man sogar das fehlende Lesebändchen!
So, zum Inhalt: Mehr Science fiction als Fantasy: Cassia lebt mit ihrer Familie in einer Zukunft, die von gesellschaftlicher Überwachung geprägt ist: Alles wird durch Wahrscheinlichkeiten errechnet, der Partner bestimmt, der Beruf, die Lebensdauer, das Sportpensum, die Nahrungszusammensetzung.
Es wird keine Individualität geduldet, keine Selbstbestimmung, alles geschieht zum Besten: Selten waren Menschen so gesund, zufrieden und glücklich!
Das System irrt nie!
Am 17. Geburtstag erhält Cassia offiziell die Information, wer ihr idealer Lebenspartner sein wird. Bei einer festähnlichen Zusammenkunft werden den Mädchen und Jungen, die sich generell paarungsbereit erklärten, über einen Bildschirm gezeigt, mit wem sie in wenigen Jahren vermählt (= gepaart) werden. Auf einem Microchip erhalten sie vorerst Daten und Bild des durch Sortieren errechneten Partners zur langsamen Annäherung.
Als Cassia vor dem Bildschirm steht bleibt dieser allerdings dunkel: Eine absolute Ausnahme ist die Ursache: Sie kennt ihren zukünftigen Mann bereits, es ist ihr langjähriger Nachbarjunge, ein Freund aus Kindertagen. Einerseits erfreut, andererseits enttäuscht freut sich Cassia auf die Daten auf dem Chip.
Aber: Das Portrait, das gezeigt wird, ist nicht das des angekündigten Jungen!
Ist dem System ein Fehler unterlaufen?

Als ich diese Kurzzusammenfassung las, war ich nicht sehr gespannt. Zu gut kenne ich noch diese "Brave New World" Geschichte von Aldous Huxley, in der den Menschen vorgegaukelt wird, dass Gleichheit und Kontrolle mit Sicherheit und Lebensglück gleichgesetzt werden kann.
Umso erstaunter war ich durch diese "Neuumsetzung" des Themas, der unglaublichen Spannung, der unterschwelligen Auflehnung gegen das System der einzelnen Mitbewohner, die so ganz langsam auch auf andere Menschen übergeht, die letzendlich irgendwann die erwachsen-werdende Cassia erreicht.
Noch eben eine vorbildliche Bürgerin, stellt Cassia mehr und mehr den Lebensraum, die nicht vorhandene Entscheidungsfähigkeit und die Umwelt in Frage.
Und je mehr sie hinterfragt, desto spannender wird die Geschichte, desto atemloser liest man sich von Kapitel zu Kapitel.
Selten hat mich ein Jugendbuch so gefesselt, so mitgenommen, so berührt und beschäftigt. Sehr schöner Schreibstil, weder zu viele Erklärungen um diese "Schöne neue Welt", noch blieben Fragen offen, es schien mir zu jeder Zeit die richtige Dosis von allem, geblieben ist der Wunsch, möglichst schnell weiterlesen zu können, denn offensichtlich handelt es sich um einen Start einer Serie, die bereits in mehr als 25 Sprachen übersetzt wurde und international auf den Bestsellerlisten steht.
Die Autorin Ally Condie lebt mit ihrer Familie in Salt Lake City, USA und war als Dozentin für Englische Literatur in New York tätig bevor sie sich dem Schreiben widmete.

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Tags: cassia, kontrolle, ky, partnerwahl   (4)

  

 
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