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Nathalie küsst
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16 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

frankreich, liebe, tod, trauerbewältigung, schmerz

Nathalie küsst

David Foenkinos
E-Buch Text: 239 Seiten
Erschienen bei C. H. Beck, 09.03.2012
ISBN B007JOW8K0
Genre: Sonstiges

Rezension:

Was mir an "Nathalie küsst" sofort absolut positiv aufgefallen ist, ist der unverwechselbare Schreibstil. Man möge mir den Vergleich verzeihen, doch bei Audrey Tautou auf dem Cover liegt er wirklich nah: Jeder, der mal den Film "Die fabelhafte Welt der Amélie" gesehen hat, hat bestimmt noch den Erzähler im Ohr, der uns in Amélies Welt hineinführt und auch später das Geschehen ab und an kommentiert - immer etwas distanziert, fast märchenhaft, mit Blick auf die besonderen Kleinigkeiten im Alltag. Und genau diesen Erzähler hatte ich im Ohr, sobald ich "Nathalie küsst" in die Hand genommen habe!

Mit einer kleinen Vorgeschichte beginnt das Buch recht gemächlich, David Foenkinos stellt uns zunächst das Paar Nathalie und François vor, berichtet in etwas überspitzt-ironischer Weise vom Alltag der beiden Protagonisten und bringt uns in ganz zauberhaften Episoden näher, was die beiden verbindet. Gespickt ist das Buch dabei mit vielen kleinen Kapiteln und Fußnoten, die dem Leser - eingeschoben in den Fluss der Geschichte - besondere Ereignisse oder Zusammenhänge näher bringen.

Als nach dieser gelungenen Einführung François plötzlich stirbt, bricht für Nathalie eine Welt zusammen und der Leser kann auf jeder Seite ihre bedrückende Trauer nachempfinden. Fortan konzentriert sie sich nur noch auf ihren Job, und bald geht es in der Welt dieser kleinen schwedischen Firma sehr turbulent und unterhaltsam zu: Der Chef will etwas von Nathalie, Nathalie küsst aus einer Laune heraus den wenig attraktiven Markus, die Kolleginnen reden hinter ihrem Rücken - kurz gesagt: die für französische Geschichten ebenso berühmten wie berüchtigten verworrenen Verhältnisse sowie das Pariser Flair lassen sich ab sofort auf jeder Seite spüren!

Doch ganz allmählich entwickeln sich auch die leisen Töne in diesem Buch - denn Nathalie beginnt sich ernsthaft aufs Neue zu verlieben, ganz vorsichtig, unkitschig und sehr authentisch. Und da die beiden Liebenden oft etwas unbeholfen einander gegenüberstehen und sich so wirklich absurde Situationen ergeben, kommt auch der Humor in diesem Buch nicht zu kurz. Das Ende lies mich aufseufzen und zufrieden über den Buchdeckel streicheln - und genau sowas wünsche ich mir von einem bewegenden Liebesroman!

Mein Fazit:
Eine zarte Liebesgeschichte mit unverwechselbarem Erzählstil, Humor, Trauer, tollen Charakteren und dem gewissen "Etwas". Von David Foenkinos werde ich sicher bald wieder ein Buch in die Hand nehmen!

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Nicht jetzt, niemals
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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Nicht jetzt, niemals

Ursula Dubosarsky , Silvia Schröer
Fester Einband: 143 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter, C, 19.01.2012
ISBN 9783800056767
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Zunächst einmal muss ich gestehen, dass ich mit etwas falschen Erwartungen an das Buch herangegangen bin, die wohl der Klappentext in mir ausgelöst hat: Es geht in "Nicht jetzt, niemals" keineswegs um eine Hinrichtung, generell Meinungen zur Todesstrafe oder wie damit umgegangen werden kann. Der Tag dieser Hinrichtung wird von der Lehrerin Miss Renshaw zu ganz eigenen Zwecken genutzt, die eine unabhängige Geschichte erzählen. Erst dadurch, dass sie ihren Schülerinnen das Versprechen abnimmt, für immer über diesen Tag zu schweigen, nimmt die Katastrophe schließlich ihren Lauf...

Lange Zeit wird man darüber im Unklaren gelassen, was nun wirklich auf diesem Schulausflug passiert ist, und man kommt als Leser nicht umhin, seine eigenen Vermutungen anzustellen. Wenn man die "kleinen Mädchen" auf den letzten Seiten des Buches schließlich acht Jahre später wiedertrifft, erhält das Buch nochmal eine neue Wendung, die aber auch nicht bei der Klärung des tatsächlichen Geschehens hilft. Einerseits finde ich es schade, dass so wenig im Buch erklärt wurde, andererseits macht aber auch gerade dies einen besonderen Reiz für den Leser aus - zwingt es doch dazu, noch lange über das Gelesene nachzudenken. Doch irgendwie nagt an mir auch die Frage, ob ich evtl. einen kleinen Hinweis, der zur besseren Auflösung beigetragen hätte, übersehen habe - und vielleicht werde ich es aus genau diesem Grund irgendwann nochmal lesen. Denn überzeugt hat mich die Geschichte und das bedrückende Schweigen der Schülerinnen auf jeden Fall!

Zu den Schülerinnen selbst bleibt immer ein gewisser Abstand bestehen, da sie oft mehr durch ihr Aussehen oder andere Auffälligkeiten als durch ihr Verhalten und ihre Empfindungen charakterisiert werden (die große und die kleine Elisabeth, die stille Deidre, die ständig weinende Bethany...). Dies passt aber meiner Meinung nach gut zum Stil des Buches, in dem über die Schülerinnen oft nur verallgemeinernd mit "die kleinen Mädchen" gesprochen wird, und die so wirklich wie eine in sich geschlossene Gemeinschaft daherkommen. Vielmehr geht es ja auch darum zu zeigen, wie sich die Klasse verändert, wie alle unter dem bedrückenden Schweigen leiden und wie die Erwachsenen nun mit der Situation umgehen. Und von dieser 'Verhaltensstudie' hat Ursula Dubosarsky eine ganze Menge auf den gerade mal 143 Seiten untergebracht!

Sehr interessant fand ich darüber hinaus, dass alle 20 Kapitelüberschriften die Namen von Bildern des australischen Künstlers Charles Bukowski tragen. In diesen Bildern aus der "school girls"-Serie, die allesamt sehr bedrückend auf mich wirken, kann man gut die triste Atmosphäre des Buches wiedererkennen und sieht, woher Frau Dubosarsky einen Teil ihrer Inspiration genommen hat. Toll wäre es natürlich gewesen, wenn man diese Bilder direkt in das Buch integriert hätte. (aber wofür gibt es Google?)

Mein Fazit: Ein interessantes Büchlein über die Frage, ob und wann man ein Versprechen auch brechen darf. Vor allem die bedrückende Grundstimmung des Buches hat mich überzeugt, aber ein paar mehr Hinweise zum Ausgang der Geschichte hätte es geben dürfen.

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