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Wölfe
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england, historie, historisch, cromwell, klerus

Wölfe

Hilary Mantel , Christiane Trabant
Flexibler Einband: 768 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 01.04.2012
ISBN 9783832161934
Genre: Historische Romane

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Wenn wir den Himmel sehen wollen, müssen wir donnern helfen - Saualm reflux
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Wenn wir den Himmel sehen wollen, müssen wir donnern helfen - Saualm reflux

Josef Winkler , Gerhard Maurer
Flexibler Einband: 64 Seiten
Erschienen bei Wieser, 01.03.2013
ISBN 9783990290521
Genre: Lyrik/Drama

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Weißer Teufel
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aufbau verlag, justin evans, internat, grusel, spuk

Weißer Teufel

Justin Evans , Ursula Walther
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 01.01.2013
ISBN 9783746628769
Genre: Krimi/Thiller/Horror

Rezension:

Andrew wird verbannt. Wegen seiner Drogenprobleme ist sein Zugang zu den angesehenen amerikanischen Universitäten gefährdet, und sein Vater setzt ihm die Pistole auf die Brust: Andrew bekommt eine letzte Chance, sich zu bewähren, und zwar in einem traditionsreichen englischen Internat. Schafft er es nicht, sich vernünftig zu benehmen, sagt seine Familie sich von ihm los.
Im Internat erleidet Andrew zunächst einen Kulturschock. Regeln über Regeln, altmodische Bezeichnungen, eine ebenso altmodische, äh, zeitlose Schuluniform und vor allem die Tatsache, dass es sich um eine reine Jungenschule handelt, setzen ihm zu.
Aber damit nicht genug. Gleich am ersten Tag beobachtet Andrew einen Mord. Offiziell hat er allerdings nur die Leiche des Jungen gefunden, denn er kann niemanden erzählen, wie der Mörder aussah, ohne sich lächerlich zu machen. Denn der Mord wurde von einem Geist begangen.
Andrew hat noch weitere unangenehme Begegnungen mit diesem Geist. Liegt es daran, dass Andrew eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Dichter Lord Byron hat, der ebenfalls Schüler dieses Internats war? Was ist zu dessen Zeit in der Schule vorgefallen?
Als ein zweiter Schüler stirbt und weitere schwer erkranken, spitzt sich die Situation zu. Andrew muss sich näher mit dem Leben von Lord Byron beschäftigen und ein tödliches Geheimnis lüften, um den wütenden Geist zu stoppen…
Das Buch fängt harmlos an, aber dann wird es immer spannender und wunderbar gruselig. Beim Lesen konnte ich die Präsenz des Geistes fast spüren, so atmosphärisch dicht ist die Geschichte geschrieben. Bis zum verstörenden Finale konnte ich diesen Roman nicht aus der Hand legen.
Und dieses Buch hat mir zusätzliche wundervolle Momente beschert, weil ich alle darin zitierten und genannten Gedichte von Lord Byron nachgelesen habe.
Ich empfehle, diese in bester viktorianischer Tradition geschriebene Gruselgeschichte, die einem das Leben und die Werke Byrons so schön nah bringt, nachts zu genießen…
(Und ja, ich weiß, dass Byron nicht in der viktorianischen Ära gelebt hat, aber viktorianische Autorinnen und Autoren waren stark von ihm beeinflusst.)

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Wunder
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277 Bibliotheken, 15 Leser, 3 Gruppen, 55 Rezensionen

schule, freundschaft, wunder, familie, mut

Wunder

R.J. Palacio , André Mumot
Fester Einband: 381 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.01.2013
ISBN 9783446241756
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

„Ich weiß, dass ich kein normales zehnjähriges Kind bin.“
Nein, das ist August wirklich nicht. Er sieht nämlich völlig anders aus als andere Kinder. August hat das Treacher-Collins-Syndrom, durch das sein Gesicht stark entstellt ist.
Bisher hat seine Mutter ihn zuhause unterrichtet, aber jetzt soll August auf eine Schule gehen. Er kann sich ja nicht immer vor den Menschen verstecken, irgendwann muss er lernen, mit den Reaktionen auf sein Gesicht umzugehen.
Nein, August ist wirklich kein normales Kind. Er ist witziger, intelligenter, mutiger und widerstandsfähiger als andere Kinder.
Aber werden seine Mitschüler das erkennen? Oder wird August auf das Aussehen seines Gesichts reduziert werden?
Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt; neben August kommen auch seine Schwester Via, seine Schulkameradin Summer, sein Freund Jack, Vias Freund Justin, und Vias Freundin Miranda zu Wort. Dadurch kommt man den lebendig und authentisch ausgearbeiteten Charakteren sehr nahe, versteht ihr Verhalten und die Veränderungen, die sie durchlaufen.
Das Buch liest sich sehr leicht und unterhaltsam, und der Spannungsbogen wird konstant gehalten. August muss man einfach ins Herz schließen mit seinem Humor und seiner außerordentlichen Kraft.
Mein einziger Kritikpunkt am Buch ist, dass der Teil von Justin in Kleinschreibung gedruckt ist. Ich hasse das, und normalerweise lese ich Texte in Kleinschreibung überhaupt nicht. Hier habe ich eine Ausnahme gemacht und es nicht bereut.
Dass August überhaupt all die Operationen an seinem Gesicht überstanden hat, ist ein Wunder. Dass er trotz allem ein ziemlich normales Leben führen kann, ist ein Wunder. Und auch, wie es ihm gelingt, akzeptiert zu werden, ist ein Wunder. Und dieses Buch ist genau so ein Wunder wie seine Hauptperson.

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Wir müssen über Kevin reden
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bewusstsein

Wir müssen über Kevin reden

Lionel Shriver , Christine Frick-Gerke , Gesine Strempel
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.06.2012
ISBN 9783548284767
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Einmal mehr wird die Lektüre von der Wirklichkeit eingeholt. Kaum, dass ich dieses Buch beendet hatte, gab es in der Realität erneut einen Amoklauf in einer Schule, diesmal in Newtown, Connecticut. 20 Kinder und 6 Erwachsene wurden dort am 14.12.2012 erschossen.
Immer wieder stellt sich bei einem solch schrecklichen Ereignis die gleiche Frage: WARUM? Warum kommt ein junger Mann auf die Idee, Kinder zu erschießen? Trägt er allein die Schuld daran, oder gibt es noch andere Verantwortliche? Welche äußeren Umstände begünstigen solch eine Tat?
Das sind auch die Kernfragen in diesem äußerst lesenswerten Buch.
Ein Amoklauf an einer amerikanischen Schule. Kevin, der Täter, wird festgenommen. Eva, die Mutter, wird ebenfalls angeklagt.
Wer hat Schuld? Die Mutter, die sich mit ihrer Mutterrolle nicht abfinden konnte? Der Sohn, der von Geburt an irgendwie anders war? Oder, wie meistens unbeachtet, der Vater, der seine Augen vor den Problemen verschloss?
Dieser Roman wird in Briefen erzählt, Briefe, die Eva an ihren Mann, von dem sie nun getrennt ist, schreibt, und in denen sie die ganze Geschichte aufrollt, bis zum traumatischen Ende. Es ist einfach, beim Lesen ihre Position nachzuvollziehen und, wenn auch nicht Sympathie, so wenigstens ein wenig Verständnis für sie aufzubringen. Allerdings erfährt man auch nur Evas Sichtweise. Niemand Anderes kommt zu Wort, um ihre Wahrnehmung zu bestätigen oder zu korrigieren.
Mich hat dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, was vor allem am eindringlichen Schreibstil liegt. Das Buch verfällt nicht in Schwarz-Weiß-Denken, bis zuletzt ist die Schuldfrage offen. Denn alles, was vor, während und nach einem Amoklauf passiert, ist viel zu komplex, um einfache Lösungen und Schuldzuweisungen zu ermöglichen.
Wie in der Realität.

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Wald aus Glas
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hansjörg schertenleib, deutsche literatur, altenheim, wald aus glas, roman

Wald aus Glas

Hansjörg Schertenleib
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 01.09.2012
ISBN 9783351035037
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

„Wage nicht zu viel, sonst verwirkst du dir das Recht auf das sichere Leben, das die meisten führen!“
Es nimmt kein gutes Ende, das weiß man schon am Beginn des Buches. Denn dieser Roman beginnt mit dem Schluss. Eine Frau und ihr Hund werden tot im Wald aufgefunden, ein Mädchen schwer verletzt in einem Industriegebiet.
Sie sind sich nie begegnet, die 72jährige Roberta und die 16jährige Ayfer, aber trotzdem haben sie eine Gemeinsamkeit. Beide finden sich nicht damit ab, dass Andere sich anmaßen, ihr Leben bestimmen zu wollen.
Roberta wurde zwangsweise in ein Altersheim eingewiesen, weil ein Immobilienhai sie aus dem Weg haben wollte. Ayfer wurde von ihren Eltern bei ihrem Onkel in der Türkei abgeliefert, bei dem sie wie eine Gefangene leben muss, getrennt von ihrem Freund.
Unabhängig voneinander beschließen beide, abzuhauen. Roberta will zurück in das österreichische Dorf, in dem sie aufgewachsen ist, Ayfer versucht, zurück in die Schweiz zu kommen, um so frei leben zu können wie ihre Freunde.
„Ich bin nichts, also kann ich alles sein. Ich bin niemand, also kann ich jede sein.“
Ayfer ist jung, sie ist auf der Schwelle zum Erwachsenwerden und die Welt steht ihr offen. So fühlt sie sich jedenfalls, als sie sich auf den Weg zu ihrem Freund macht.
Roberta dagegen ist am Ende ihres Lebens angekommen. Während ihrer Reise hat sie viel Zeit, an Vergangenes zu denken, daran, was aus ihr hätte werden können.
„Ich habe meine Träume dem Leben angepasst, das ich führe.“
So ernüchternd fällt ihre Bilanz aus, aber davon lässt sie sich nicht unterkriegen.
„Verändern kann man die Vergangenheit nicht, aber man kann sie überwinden.“
Als sie ihr Heimatdorf erreicht, hat Roberta eine Erkenntnis gewonnen:
„Nicht die Zeit macht uns alt, sondern die Erinnerung an unsere Jugend!“
Und auch Ayfer lernt auf ihrem Weg, worauf es im Leben ankommt. Leider erfahren wir nicht, ob sie überlebt.
Dieser einfühlsame Roman hat mich mit seiner außergewöhnlichen Geschichte, seinen tiefen Charakteren und seiner poetischen Sprache begeistert. Ein berührendes Buch, das zum Nachdenken anregt und lange nachwirkt.

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Wunderwaffe
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paris, résistance, frankreich, düsseldorf, chemieindustrie

Wunderwaffe

Sebastian Thiel
Flexibler Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Gmeiner, A, 10.02.2012
ISBN 9783839212516
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Frühjahr 1944. Der in Paris stationierte deutsche Kommissar Nikolas Brandenburg erfährt, dass sein bester Freund Erik Stuckmann umgekommen ist. Angeblich soll der bei der IG Farben beschäftigte Chemiker Selbstmord begangen haben.
Nikolas glaubt nicht an diese Version. Sein Freund war strenggläubig, außerdem hatte er seine kleine Tochter mit sich im Auto.
Nikolas beginnt zu ermitteln und fährt zunächst zurück nach Paris, wo seine Verlobte ihn ausgerechnet mit seinem unsympathischen Chef, Hauptsturmführer Luger, betrügt. Dort kommt Nikolas einer Zelle französischer Widerstandskämpfer auf die Spur und erfährt von unglaublichen Vorgängen bei der IG Farben. Das hat weitreichende persönliche Konsequenzen für ihn.
Dieser historische Krimi ist sehr gut recherchiert und macht die damalige Zeit lebendig. Besonders die Beschreibung eines Bombenangriffs, den Nikolas im Luftschutzkeller erlebt, ist sehr realistisch.
Nikolas macht eine glaubhafte Entwicklung durch und wird dadurch zu einem authentischen Charakter.
Sehr gut beschrieben sind auch die fanatischen Hitleranhänger, die sich nicht nur in den Offiziersrängen, sondern auch in der ganz normalen Bevölkerung finden, wie an der Zerstörung der Düssseldorfer Synagoge deutlich wird.
Am Ende wird es ziemlich brutal. Nicht aus billiger Effekthascherei, sondern weil ein Krieg nun einmal so ist – brutal.
Das einzige Manko dieses Buches sind für mich die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler. Das Buch ist offensichtlich überhaupt nicht Korrektur gelesen worden. Oder wurde aus Versehen eine ältere Fassung gedruckt?
Davon abgesehen ist dieser spannende Krimi mit seinem furiosen Finale sehr lesenswert.

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Wollmann widersetzt sich
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Wollmann widersetzt sich

Paul Beldt
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 01.07.2012
ISBN 9783453409774
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Bernd zeltet im Vorgarten, liegt in der Hängematte und beobachtet sein Kaninchen. Das ist erst einmal nicht ungewöhnlich, aber hier handelt es sich nicht um ein Kind, das seine Ferien gestaltet, sondern um einen ausgewachsenen, verheirateten Mann, der von seiner Frau wissen möchte, was genau sie eigentlich von ihm erwartet. Damit hat er offensichtlich einen männlichen Nerv getroffen, denn Bernd hat inzwischen einen ansehnlichen Fanclub. Aber wie ist er eigentlich auf diese Schnapsidee gekommen?
Der 46jährige Bernd war bisher ein Ehemann, dem es überhaupt nichts ausmachte, seinen ihm zu stressig gewordenen Job aufzugeben und seiner Ehefrau Jutta, die Karriere im Bundesjustizministerium macht, den Haushalt zu führen. Er kocht, backt, putzt, wäscht, bügelt, sorgt für frische Blumen und ein schönes Ambiente, kümmert sich um den Garten und bekocht Besucher mit aufwändigen Menüs.
Bernd ist zufrieden mit seinem Leben, bis er anfängt, sich mit Juttas Kollegen Gunnar zu vergleichen, einem smarten Karrieretypen, der offensichtlich ein Auge auf Jutta geworfen hat. Nun versucht Bernd, die Erwartungen seiner Frau zu erfüllen, aber leider ist ihm überhaupt nicht klar, worin die bestehen. So nimmt er also auf eigene Faust die Aufgabe, männlicher zu werden, in Angriff. Als ersten Schritt macht er bei der Nachbarstochter Zoe den Piratentest.
Dieses witzige und skurrile Buch hat mir sehr angenehme Lesestunden bereitet. Es ist aus Bernds Perspektive geschrieben und der Einblick in sein Innenleben machte wirklich Spaß.
Gekonnt wird hier mit den Erwartungen von Männern und Frauen aneinander und mit den Auswirkungen der veränderten Geschlechterbeziehungen gespielt, ohne dabei verbissen oder allzu ernst zu werden. Zum Nachdenken regt dieses Buch trotzdem an.
Das wäre eine ideale Sommerlektüre, beim diesjährigen Sommer ist sie aber auch an den zahlreichen Regentagen genau das Richtige.

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Was Männer über Frauen wissen
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Was Männer über Frauen wissen

H. Umor , Prof. Dr. H. Umor
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Lappan, 01.02.2012
ISBN 9783830362258
Genre: Sonstiges

Rezension:

Jahrzehntelange Forschung und die repräsentative Befragung tausender Männer haben dieses enzyklopädische Grundlagenwerk hervorgebracht, in dem das gesamte Wissen, das Männer über Frauen angehäuft haben, verzeichnet ist.
Ja, Mädels, richtig vermutet: Das Buch hat völlig leere Seiten.
Ein netter Gag und schönes leeres Papier, das für die klugen Gedanken von Frauen zweckentfremdet werden kann.

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Weitlings Sommerfrische
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zeitreise, chiemsee, vergangenheit, reflektion, chieming

Weitlings Sommerfrische

Sten Nadolny
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.05.2012
ISBN 9783492054508
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Wer von uns hat sich nicht schon einmal gewünscht, mit den Erfahrungen von heute in die eigene Jugend zurückgehen und alles viel besser und richtiger machen zu können?
Der Richter a.D. Wilhelm Weitling bekommt diesen Wunsch unfreiwillig erfüllt, als er bei einem Segeltörn auf dem Chiemsee verunglückt. Statt im Krankenhaus wacht er an den Körper seines 16jährigen Ichs gekettet wieder auf, als Geist, der sich nur vom jugendlichen Willy lösen kann, wenn dieser schläft.
Monatelang begleitet Weitling sich selbst als Halbwüchsigen und bemerkt dabei, dass sich gegenüber seinen Erinnerungen kleine Änderungen einstellen. Er bekommt es mit der Angst zu tun, ist es doch nicht sicher, dass er in seine Zeit zurückkehren kann und seine geliebte Astrid wiedersieht.
Als Weitling entdeckt, dass sein dementer Großvater ihn hören und mit ihm reden kann, erfährt er, dass eine Zeitreise, wie er sie gerade erlebt, vom Großvater Sommerfrische genannt, sehr häufig vorkommt, und was man tun kann, um in sein erwachsenes Ich zurückzukehren.
Das gelingt Weitling, aber er muss feststellen, dass die vermeintlich kleinen Abweichungen in der Vergangenheit weit größere Abweichungen in der Gegenwart verursacht haben.
Dieser Roman ist ein wunderbares Buch, das man nicht so schnell vergisst und das man sicherlich auch noch mindestens ein weiteres Mal lesen wird, denn es steckt voller kluger Gedanken, philosophischer Betrachtungen und literarischer Bezüge.
Das Buch ist hervorragend geschrieben und spielt gekonnt mit der Idee eines Paralleluniversums und der Möglichkeit, Zeitreisen durchzuführen. Dadurch eröffnet sich eine ganz andere Betrachtung der durchlebten Lebensabschnitte und der getroffenen Entscheidungen, die den weiteren Lebensweg bestimmen.

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Wachsen Ananas auf Bäumen?
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Wachsen Ananas auf Bäumen?

Harald Martenstein
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Bertelsmann, C, 01.05.2012
ISBN 9783570101124
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

In über 50 Glossen verarbeitet Harald Martenstein die Probleme eines Vaters, der seinen Sohn von der Geburt bis zur Volljährigkeit erziehungsversuchend begleitet.
Ja, wir wollen unsere Kinder zu mündigen Bürgern heranziehen. Aber wenn sie es dann wirklich werden, macht das unseren Alltag noch komplizierter. Plötzlich fangen sie an, zu diskutieren und gewinnen auch noch!
Für den Dauerkonflikt Fernsehkonsum hat Martenstein einen ganz neuen Blickwinkel gefunden. Denn „der höchste Fernsehkonsum ist in den vergangenen Jahrzehnten bei den willensstärksten, hartnäckigsten, durchsetzungsfähigsten und psychologisch –taktisch klügsten Kindern zu verzeichnen. Mit anderen Worten: bei Kindern, deren Persönlichkeitsstruktur auf eine spätere Führungsposition hindeutet.“ Persönlichkeitsbildend ist dabei der möglichst harte Widerstand der Eltern, gegen den die fernsehwütigen Kleinen sich behaupten müssen. Das ist die bestmögliche Vorbereitung auf eine glänzende Karriere.
Martenstein beobachtet Kinder in Restaurants, Eltern beim Fußballspiel ihrer Kinder und Kindergeburtstage im Zoo, sinniert unter anderem über Gott, die Gene, Toleranz und die Zukunft, berichtet von gemeinsamen Unternehmungen mit seinem Sohn, und ist dabei immer scharfsinnig und humorvoll.
Besonders Martensteins Ansichten über Bildung und Schule kann ich zustimmen.
Auch meine Kinder lernen Latein, und ich musste mich mit den Fragen anderer Menschen, wozu das gut sein solle, herumschlagen. Martenstein hat auch hier ein hervorragendes Argument: „Wer Latein lernt, sagt einerseits Nein zum kurzfristigen Zweckdenken, andererseits Ja zum geheimen Gestaltungsprinzip des modernen Lebens, dem Rumspielen und Spaßhaben.“
Sehr gut gefallen mir auch die Ansichten Martensteins über die Probleme schüchterner Schülerinnen und Schüler. Während früher die schriftlichen Leistungen, also die Zensuren der Klassenarbeiten, höher bewertet wurden, und die mündliche Zensur nur eine Rolle spielte, wenn man zwischen zwei Noten stand, fließt heute die mündliche Mitarbeit zu 50% in die Endnote ein.
„Die von unserem System diskriminierten schüchternen, zurückhaltenden oder zur Selbstdarstellung unbegabten Menschen können durchaus etwas leisten, sie sind oft recht intelligent. Sie sind halt nachdenklich. Bevor sie sprechen, denken sie nach. Und wenn sie mit dem Nachdenken fertig sind, ist es häufig zu spät. Das ist ihr Problem.
Ich halte die mündliche Mitarbeit für einen Mythos, ihren Stellenwert für ein Zeitsymptom.“
Dieses System benachteiligt Kinder, die gründlich überlegen, um einen sinnvollen Beitrag zu leisten, und begünstigt Mogeleien und Schwätzer. Quantität statt Qualität, das hat mit Bildung nicht viel zu tun.
„Man erzieht die Leute zu Dauerlaberern, zu Nervensägen und Ichdarstellern. Die sollen alle ins Dschungelcamp.“
Ich lege dieses Buch, in dem Martenstein intelligent, unterhaltsam und mit scharfer Zunge den Familienalltag auf den Punkt bringt, allen Eltern ans Herz.

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Wilsbergs Welt
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Wilsbergs Welt

Jürgen Kehrer
Flexibler Einband: 184 Seiten
Erschienen bei Grafit, 09.07.2012
ISBN 9783894254049
Genre: Krimi/Thiller/Horror

Rezension:

Wilsberg ist sauer. Dabei fand er die Idee, Filmfigur zu werden, eigentlich gar nicht so schlecht. Dass aus seinem Briefmarkenladen ein Antiquariat gemacht wurde, gefiel ihm besonders. Aber jetzt halten alle sein Filmdouble für den echten Wilsberg und ihn selbst für unecht. Er traut sich nicht einmal mehr, seinen Namen zu nennen. Als Wilsberg jedoch die Profilerin Wencke Tydmers kennen lernt, und der Schauspieler, der ihn verkörpert, verschwindet, macht ihm die Sache doch wieder Spaß.
Dabei ist sein Beruf nicht immer ein Zuckerschlecken. Wilsberg bekommt es in diesen Geschichten mit wandernden Kröten zu tun, muss trotz Höhenangst Riesenrad fahren, nimmt den Kampf gegen militante Nichtraucher auf, wundert sich über einen Löffel in einer Leiche, muss einen angekündigten Mord verhindern, macht eine Fackelwanderung und bekommt es selbst in Weihnachtsmannverkleidung noch mit einem Toten zu tun.
Aber auch die Nicht-Wilsberg-Geschichten sind lesenswert. Gefährliche Orte wie Second Life, die Berge und Leer, Menschen wie ein Kaplan genannter Hauptkommissar, ein Zugschaffner im Samba-Express, ein türkischer Junge und ein Bootsbesitzer, sie alle bekommen es mit Verbrechern zu tun.
Während mir bei anderen Kurzkrimi-Sammlungen meistens einige der Geschichten weniger gut gefallen, ist das bei diesem Buch anders. Ich finde jeden einzelnen Kurzkrimi richtig gut gelungen.

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Wellensittich entflogen - Farbe egal
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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Wellensittich entflogen - Farbe egal

Joab Nist
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.05.2012
ISBN 9783548374338
Genre: Comic & Humor

Rezension:

Überall in Berlin findet man Zettel – an Bäumen, an Laternenpfählen, im Hausflur, an Haltestellen. Joab Nist geht mit offenen Augen durch die Stadt und sammelt diese Urform des Twitterns.
In diesem Buch sind nun die Höhepunkte seines Blogs versammelt. Ergänzt werden die Zettel durch einige Hintergrundgeschichten.
Viele Zettel befassen sich mit der Suche nach verlorenen Dingen, neuen Partnern, gestohlenen Fahrrädern, entlaufenen Tieren und, ganz dramatisch, vermissten Kuscheltieren.
Daneben gibt es genervte Hinweise an die nicht immer lieben Nachbarn, witzige Verfremdungen von Straßenschildern, Tauschangebote wie Hochzeitskleid gegen Kitaplatz, und in typisch Berliner Schnauze verfasste Beschimpfungen.
Aber auch Schönes gibt es, wie Liebe als Abrisszettel und den Termin zum spontanen Kuscheln.
Dieses Buch ist wirklich witzig und ein realistisches Abbild Berlins: Hass und Liebe dicht an dicht. Ich finde es auch als Geschenkbuch sehr geeignet.

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Was wär ein Apfel ohne -sine
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Was wär ein Apfel ohne -sine

Heinz Erhardt , Jutta Bauer
Fester Einband: 75 Seiten
Erschienen bei Lappan, 13.03.2012
ISBN 9783830332947
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Man macht gewöhnlich viele Worte, wenn man nichts zu sagen hat.“
Dieser Ausspruch von Heinz Erhardt trifft auf viele Menschen zu, aber ganz bestimmt nicht auf ihn selbst. Denn Heinz Erhardt schaffte es, mit wenigen Worten viel zu sagen.
„Pessimisten sind Leute, die mit der Sonnenbrille in die Zukunft sehen.“
Dieses hübsch illustrierte Büchlein vereint ernste kurz gefasste Wahrheiten mit lustigen Versen.
„In nur vier Zeilen was zu sagen
erscheint zwar leicht; doch es ist schwer!
Man braucht ja nur mal nachzuschlagen:
Die meisten Dichter brauchen mehr…“
Heinz Erhardt, einer der größten deutschen Komiker, hat diese kleinen Sprachperlen meisterhaft beherrscht.
Dies ist ein ideales Geschenkbuch, am besten jedoch für sich selbst.

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Wir beide, irgendwann
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688 Bibliotheken, 10 Leser, 4 Gruppen, 192 Rezensionen

facebook, zukunft, liebe, freundschaft, josh

Wir beide, irgendwann

Jay Asher , Carolyn Mackler , Knut Krüger
Fester Einband: 395 Seiten
Erschienen bei cbt, 01.08.2012
ISBN 9783570161517
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Wir schreiben das Jahr 1996 und die 16jährige Emma freut sich, weil sie von ihrem Vater einen Computer geschenkt bekommen hat, sogar mit Farbmonitor. Jetzt muss sie lediglich noch die CD-ROM von AOL installieren, was nur etwas mehr als 90 Minuten dauert, dann kann sie das Internet nutzen, jedenfalls so lange, bis ihre Eltern telefonieren wollen.
Nach der Installation sieht Emma unter ihren Favoriten eine Seite namens Facebook. Als sie sich mit ihrer brandneuen Mailadresse und ihrem Kennwort einloggt, öffnet sich eine Seite, die Emma für einen Scherz hält. Denn da ist ein Foto von ihr, auf dem sie erwachsen ist.
Überhaupt, was soll dieses Facebook eigentlich sein? Warum schreiben die Leute so unwichtigen Alltagskram und sogar peinliche Dinge da rein?
„Warum sollte denn irgendwer im Internet solche Dinge über sich selbst schreiben? Das ist doch total verrückt!“
Und wie kann man 400 Freunde haben? Wer kennt denn so viele Leute und ist auch noch mit ihnen befreundet? Nein, es kann sich nur um einen Spaß handeln.
Zusammen mit ihrem Freund Josh entdeckt Emma immer mehr auf diesem seltsamen Facebook. Die Emma in 15 Jahren ist arbeitslos und unglücklich, Josh dagegen ist mit dem tollsten Mädchen der Schule verheiratet und beruflich erfolgreich. Das gefällt Emma gar nicht. Aber das muss sich doch ändern lassen! Schnell merkt sie, dass selbst kleinste Änderungen in der Gegenwart Auswirkungen auf die Zukunft haben. Kann das gutgehen, wenn man die Gegenwart nur noch dazu benutzt, die Zukunft zu ändern?
Die Ausgangsidee dieses Buches ist wirklich genial, und es hat mir viel Spaß gemacht, mich an den technischen Stand des Jahres 1996 zu erinnern. So lange ist das eigentlich noch gar nicht her, aber im Bereich Computer und Internet liegen Äonen zwischen dieser Zeit und unserer. Langsam vor sich hin schleichende Bearbeitungsbalken, endlose Ladezeiten und hohe Gebühren gehören zum Glück der Vergangenheit an.
Das Buch ist in einer lockeren, witzigen Sprache geschrieben und liest sich sehr schnell, besonders, weil abwechselnd aus der Perspektive von Emma und von Josh erzählt wird. Die Charaktere wirken sehr authentisch, und sie sind mir ans Herz gewachsen.
Dies ist die ideale Lektüre, um in den Ferien für einige Stunden offline zu gehen!

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Weißer Tod
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afrika, entführung, schweden, kenia, lösegeld

Weißer Tod

Liza Marklund , Anne Bubenzer , Dagmar Lendt
Fester Einband: 378 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 08.03.2012
ISBN 9783550087523
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

„Die Erde hier ist so trocken, dass sie sich anfühlt wie Gestein, aber sie ist nicht aus Stein, sie lebt, denn sie schluckt alles, was man ihr gibt, Blut und Urin und Erbrochenes. Sie schluckt alles und versteckt es in ihrem Inneren. Nichts bleibt zurück. Die Erde sammelt alles in ihren Eingeweiden und macht es zu Gift und Galle.“
Auf dieser Erde liegt Thomas, der Ehemann der Reporterin Annika Bengtzon, der als Mitglied einer EU-Kommission in Ostafrika entführt wurde. Nicht nur, dass es keine Toilette und Waschmöglichkeit gibt und das Essen unzureichend ist, nach und nach werden die anderen entführten Delegationsmitglieder getötet. Im Angesicht des drohenden Todes tut es Thomas leid, dass er Annika bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit anderen Frauen betrügt.
Annika, die eigentlich gerade die spannende Frage untersucht, ob mehrere ermordet aufgefundene Frauen auf das Konto eines Serienkillers gehen oder doch eher von ihren jeweiligen Ehemännern umgebracht wurden, wird von der Entführung völlig aus ihren Alltag gerissen und ist sich ihrer Gefühle für Thomas nicht mehr sicher.
Annikas Schlafzimmer wird als Zentrale benutzt; von hier aus führt Jimmy Halenius die Verhandlungen mit den Entführern, die neben unmöglich zu erfüllenden politischen Forderungen auch Lösegeld wollen. Viel Lösegeld. Und Annika soll es persönlich überbringen, was bedeutet, dass ihr nichts anderes übrig bleibt, als die Kinder bei der Geliebten ihres Mannes unterzubringen.
Vielleicht liegt es daran, dass ich gerade einen Freund verloren habe und mich nicht besonders gut konzentrieren kann, aber irgendwie hat dieses Buch mich, im Gegensatz zu den anderen Bänden dieser Serie, nicht so richtig fesseln können.
Der Kriminalfall spielt eine völlig untergeordnete Rolle, dafür Annikas Privatleben und ihre Befindlichkeit eine umso größere. Ich lese zwar gern über den Alltag und die Gefühle dieser sympathischen Protagonistin, aber eine echte Spannung kommt so nicht auf, zumal die Geschichte auch von Unwahrscheinlichkeiten nur so strotzt.
Spannend war für mich nur der letzte Teil, der in Ostafrika spielt, und bei dem deutlich wird, dass die Autorin sich gründlich über die politische und soziale Situation in Somalia informiert hat. Dieser Teil hat für mich alles wieder herausgerissen, und hier wurde das Buch auch endlich richtig spannend. Dass die Autorin am Schluss wieder zu ihrer gewohnten Form aufläuft, lässt für das nächste Buch hoffen.

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Was macht dieser Zippert eigentlich den ganzen Tag?
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(2)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Was macht dieser Zippert eigentlich den ganzen Tag?

Hans Zippert , Bittermann Klaus
Flexibler Einband: 175 Seiten
Erschienen bei edition TIAMAT, 01.09.2009
ISBN 9783893201341
Genre: Sonstiges

Rezension:

Was dieser Zippert am Rest seines Tages macht, wird nicht verraten, aber eines ist klar: Irgendwann am Tag schreibt er seine Kolumne für die WELT.
Die in diesem Buch versammelten Kolumnen sind nach Tagen geordnet, weil Zippert jeden Tag unter ein Motto stellt. So schreibt er zum Beispiel dienstags über Verkehrsprobleme und mittwochs über Tiere und Familie.
Kurz, leicht lesbar und größtenteils witzig sind diese Kolumnen. Ob er nun über Telekomtarife oder Rentnerernährung, Heimwerkergorillas oder Fernsehpsychiater schreibt, Zippert nimmt die Auswüchse unseres Alltags aufs Korn. Eine nette Lektüre für zwischendurch.

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Wir sind Deutschland!
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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Wir sind Deutschland!

Bernhard Hoëcker , Volker Dornemann , Bernhard Hoecker
Fester Einband: 107 Seiten
Erschienen bei Lappan, 14.09.2011
ISBN 9783830332480
Genre: Comic & Humor

Rezension:

Geschichtsunterricht ist langweilig? Nicht in diesem Buch! Obwohl es auch hier um Jahreszahlen, Kriege und Auseinandersetzungen zwischen Herrschern geht, ist es so witzig geschrieben und so gekonnt in Szene gesetzt, dass nicht nur das Lesen, sondern auch das Thema Geschichte richtig Spaß machen.
Das Leben Martin Luthers als Wilhelm-Busch-Gedicht, Friedrich der Zweite schreibt Briefe an seine Mama, Deutschland sucht die Super-Staatsform, Bismarck auf Facebook, Risiken und Nebenwirkungen des Medikaments Nationalsozialismus – die Ideen von Bernhard Hoecker sind einfach genial und auch bildlich hervorragend umgesetzt. Zeittafeln sorgen für einen guten Überblick über die deutsche Geschichte, so dass auch die ernsthafte Information nicht zu kurz kommt.
Übrigens auch gut als Geschenk für Jugendliche geeignet.

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Wintzenried
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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

paris, bekenntnisse, egoismus, genf, aufklärung

Wintzenried

Karl-Heinz Ott
Fester Einband: 205 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 13.09.2011
ISBN 9783455403114
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Zugegeben, Jean-Jaques Rousseau hatte keine schöne Kindheit. Aber damit kann man auch nicht alles entschuldigen. Schon gar nicht, die eigenen fünf Kinder ins Waisenhaus abzuschieben und dann auch noch einen Erziehungsratgeber zu schreiben.
Jean-Jaques Rousseau kommt in diesem wunderbar geschriebenen Buch nicht besonders gut weg. Er wird als egoistisch, egomanisch, tyrannisch und hypochondrisch geschildert. Besonders seine langjährige Geliebte behandelt er ausgesprochen mies. Dass sie trotzdem bei ihm geblieben ist, ist mir ein Rätsel.
Ebenso rätselhaft ist es, wie ein Mensch, der allen, die ihm Gutes wollen, vor den Kopf stößt, und alles tut, um sich unbeliebt zu machen, trotzdem überleben und sogar berühmt werden konnte.
Rousseau war mir noch nie sympathisch. Jetzt weiß ich auch, warum. Und der Autor selbst scheint seinen Protagonisten auch nicht besonders zu mögen, sonst hätte er das Buch nach ihm benannt und nicht ausgerechnet nach seinem Konkurrenten Wintzenried.
Aber auch ohne Sympathie für den Protagonisten ist dieses oft sarkastische Buch ein wahres Lesevergnügen.

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Wer schön sein will, muss sterben
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thriller, freundschaft, jugendthriller, liebe, jugendbuch

Wer schön sein will, muss sterben

Michele Jaffe , Astrid Gravert
Fester Einband: 442 Seiten
Erschienen bei Fischer FJB, 12.07.2011
ISBN 9783841421203
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Die 16jährige Jane wird fast umgebracht, kann sich aber nicht mehr an die Tat erinnern. Der Mörder muss jedoch jemand aus ihrem Freundeskreis sein. Als Jane im Krankenhaus liegt, erhält sie mysteriöse Anrufe ihres Mörders, aber niemand außer ihr hat das Telefon klingeln gehört.
Nach einiger Zeit hat Jane das Gefühl, ausspioniert zu werden, und hat den Verdacht, dass in einem der Geschenke ihrer Freunde ein Mikrofon versteckt ist. Auf dem Badezimmerspiegel liest sie eine Nachricht, aber die Krankenschwester hat nichts gesehen.
Ist Jane paranoid, wie ihre Umgebung befürchtet? Langsam kommt ihre Erinnerung zurück…
Das Buch ist leicht und schnell zu lesen, es ist gut geschrieben. Jane ist sympathisch, aber ihre Freunde eher nicht, die Mädchen sind die Oberzicken der Schule und zu eingebildete Tussen.
Das Buch ist sehr spannend und hat eine unerwartete Auflösung.

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Wilde Bilder
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Wilde Bilder

Wolfgang Kleinert , Dieter Schwalm , Wolfgang Kleinert
Flexibler Einband: 167 Seiten
Erschienen bei Lappan, 15.06.2011
ISBN 9783830332800
Genre: Comic & Humor

Rezension:

Menschen haben ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Tieren. Sie lieben sie, leben mit ihnen, kuscheln mit ihnen. Aber sie quälen sie auch, sie essen sie, sie rotten sie aus.
Cartoonisten dagegen haben ein ganz eindeutiges Verhältnis zu Tieren. Sie sind die Tierversteher. Und deshalb können sie die Tiere auch zum Reden bringen.
Was uns die Tiere zu sagen haben, wird von einer ganzen Reihe angesehener Cartoonisten bildlich dargestellt und in diesem Buch gesammelt. Bei dieser unterhaltsamen Lektüre lernen wir, dass Tiere auch nur Menschen sind. Und Menschen irgendwie immer noch Tiere.
Ein Beitrag zum Zusammenleben der Species ist das also, und dabei auch noch zum Schmunzeln und Lachen.

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Wozu hat man Freunde?
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Wozu hat man Freunde?

André Sedlaczek
Fester Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Lappan, 15.09.2011
ISBN 9783830362104
Genre: Sonstiges

Rezension:

Gregor ist unzufrieden und das zeigt er auch seiner Umgebung. Nichts kann ihn aufheitern, er bleibt mürrisch und schlecht gelaunt. Dabei weiß er nicht einmal, warum er so mies drauf ist. Aber zum Glück hat er Freunde…
Der Elefant Gregor wird von seinen tierischen Freunden aufgeheitert. Das ist so hübsch gezeichnet und geschrieben, dass es kleinen Kindern sicherlich Freude machen wird.
Leider sind meine Kinder aus dem Bilderbuchalter raus. Aber dieses schöne kleine Buch ist ebenso gut für Erwachsene geeignet, finde ich. Denn Freunde braucht man in jedem Alter. Und das sollte man sich ab und an wieder in Erinnerung rufen.

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Walpurgistag
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lebensläufe, schicksale, tag, berlin

Walpurgistag

Annett Gröschner
Fester Einband: 443 Seiten
Erschienen bei DVA, 31.08.2011
ISBN 9783421045058
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Berlin ist die spannendste Stadt der Welt. Wer das nicht glaubt, lese dieses Buch.
Berlin ist ein Schmelztiegel skurriler, abgedrehter und verrückter Typen. Und die tummeln sich auch in diesem Roman, dessen Handlung an einem 30. April in Berlin spielt. Von 00:00 – 24:00 werden die Handelnden, deren Wege sich immer wieder kreuzen, begleitet und ihre Geschichten werden erzählt.
Zuerst lernen wir den sehr belesenen Obdachlosen Alex kennen, der versucht, am Alexanderplatz zu schlafen, dabei aber von der Polizei aufgescheucht wird. Alex soll Annja Kobe helfen, die Tiefkühltruhe mit ihrem Vater, der sich vor zehn Jahren selbst eingefroren hat, in eine neue Behausung zu bringen.
Ferner begegnen wir drei alten Damen, die sich likörtrinkend die Krawalle anschauen, einem Gasableser, der beim Sperren von Anschlüssen ganz neue Erfahrungen macht, drei Schulschwänzerinnen, einem Jungen mit alkoholkranker Mutter, der Teilnehmerin eines Theaterexperiments, die Bekanntschaft mit einer typischen Nordneuköllner Familie macht, einer Unbekannten, die unter Gedächtnisverlust leidet und vielen anderen Existenzen abseits des Mainstreams. Auch eine Kaffeemaschine mit orangenem Wasserbehälter taucht immer wieder auf.
Durch den ständigen Wechsel von einer Person zur anderen und durch die kurzen Kapitel ist die Handlung sehr lebendig. Immer mehr Fäden werden zwischen den Protagonisten gespannt, bis zum Showdown inmitten der Walpurgisnacht-Krawalle und dem sehr überraschenden Ende. Das ist anspruchsvolle Lektüre, die sich aber sehr gut und unterhaltsam liest, und ich habe das Buch in einem Rutsch verschlungen.
Dieser Roman ist ein ganz großer Wurf und für mich eines der besten Bücher dieses Jahres.

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Warum die Deutschen? Warum die Juden?
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nationalsozialismus, neid, gesellschaft, deutschland, 19. jahrhundert

Warum die Deutschen? Warum die Juden?

Götz Aly
Fester Einband: 351 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 10.08.2011
ISBN 9783100004260
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Neid ist eine Todsünde. Und Neid kann den Tod bringen. So, wie der erste Mord in der Bibel aus Neid begangen wurde, ist Neid auch einer der Hauptgründe der Judenverfolgung gewesen.
Aber woher kam dieser Neid, und wie konnte er dermaßen eskalieren? Dieser Frage geht Götz Aly nach und beleuchtet die Vorgeschichte des nationalsozialistischen Staates.
Neid hat seinen Ursprung in Schwäche, mangelndem Selbstvertrauen, Kleinmut und einem Unterlegenheitsgefühl. Neidische Menschen versuchen, ihr geringes Selbstwertgefühl zu erhöhen, indem sie andere erniedrigen. Dabei werden sie immer gehässiger und richten ihre Energie auf die Zerstörung anderer, sehen sich selbst jedoch als anständige Menschen. Neidische Menschen haben Angst vor der Freiheit und der damit verbundenen Unsicherheit. Deshalb fühlen sie sich auch in der Gruppe wohler.
Aly beginnt seine Untersuchung mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit bekamen die Juden langsam mehr Rechte. Besonders die Gewerbefreiheit sorgte dafür, dass die Juden wirtschaftlich richtig durchstarten konnten.
Hier liegt die Grundlage für den Antisemitismus, denn während die Juden die neugewonnene Freiheiten als Gewinn sahen, hatten die christlichen Deutschen Angst vor der Freiheit. Das betraf auch Menschen, die sich eigentlich für die Demokratie stark machten. Diese Ambivalenz zwischen demokratischen Ansichten und gleichzeitigem Antisemitismus zu verstehen, ist wichtig, um die Judenverfolgung im Nationalsozialismus analysieren zu können.
Ganz deutlich wird am Beispiel der Juden die zentrale Funktion der Bildung für den sozialen Aufstieg. Anders als die christlichen Kinder wurden die jüdischen Knaben alphabetisiert. Während die christlichen Geistlichen, und leider auch die Eltern, Bildung für nachteilig hielten, wurden bei den Juden Neugier und Wissbegier gefördert. Jüdische Eltern erbrachten alle denkbaren Opfer, um die Kinder zur Schule schicken zu können, notfalls hungerten sie. So hatten die jüdischen Jugendlichen mit ihrem geschulten Verstand die besten Voraussetzungen, um sich an gesellschaftliche Umbrüche anzupassen und diese für einen sozialen Aufstieg zu nutzen.
Das jüdische Bildungsstreben fand seinen Niederschlag auch an den Universitäten. Natürlich führte das auch dazu, dass Juden höherwertige und besser bezahlte Stellen fanden als die schwerfälligen Christen, die immer noch die Denkweisen einer Agrarbevölkerung hatten, die sich nicht mit den sozialen Umwälzungen der Industrialisierung vertrugen. Die Juden waren geistig beweglicher und fixer. Die Christen merkten, dass sie ins Hintertreffen gerieten; Neid war die Folge.
Das allein erklärt aber noch nicht den Erfolg des Nationalsozialismus. Götz Aly beschreibt weitere Faktoren, die zusammenwirkten.
Die Deutschen hatten, anders als ihre Nachbarländer, Probleme, zur Nation zu werden. Geologisch in der Mitte gelegen, waren sie überproportional von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. Der Dreißigjährige Krieg mit seinen verheerenden Folgen hat die Deutschen wirtschaftlich weit zurückgeworfen. Dazu kamen die Leiden unter Napoleon. Erneut wurden die materiellen Grundlagen zerstört, diesmal im Namen der Freiheit, ein Begriff, der so für die Deutschen einen negativen Beigeschmack bekam. Es konnte kein nationalstaatliches Selbstbewusstsein aufgebaut werden.
Ende des 19. Jahrhunderts, mitten im wirtschaftlichen Aufschwung, klaffte eine Lücke zwischen dem technischen Fortschritt auf der einen Seite und den politischen Fähigkeiten der Deutschen auf der anderen Seite. Der nun entstehende organisierte Antisemitismus richtete sich gegen die liberale Wirtschaftspolitik. Dass die immobilen Werte wie Grundbesitz gegen die neuen, von der Arbeit losgelösten, Geldwerte ins Hintertreffen gerieten, sorgte für Unsicherheit, mit der die christlichen Deutschen nicht umgehen konnten. Sie hatten nicht die Flinkheit des Geistes, um die neue Situation auszunutzen. Gleichzeitig verlor der Katholizismus an Bedeutung. Statt nun eine bessere Bildung für ihre Kinder anzustreben, verlegten sich die christlichen Deutschen aufs Meckern und suhlten sich in ihrem Gefühl der Benachteiligung und Unterlegenheit, im Neidgefühl.
In der Weimarer Republik kamen die immensen Reparationszahlungen, die Deutschland zu leisten hatte, erschwerend dazu. Der Wiederaufschwung wurde damit verhindert. Gerade in einer Phase, in der die christlichen Deutschen aufholten, in der sie, ermutigt durch die neue Bildungspolitik, auch endlich den Aufstieg durch Bildung wagten, wurde der Aufstiegswillen durch die Weltwirtschaftskrise im Keim erstickt. Die Erwartungen auf einen sozialen Aufstieg, die die Weimarer Republik geweckt hatte, wurden nicht erfüllt. Wieder bauten sich Ressentiments auf, wieder sorgte die politische Hilflosigkeit für Wut und Aggression, für Neid.
Die NSDAP hat den Aufstiegswillen für sich nutzen können. Sie rekrutierte ihre Funktionäre überwiegend unter den Neuaufgestiegenen. Wer als Erster in seiner Familie studiert, hat einen so großen sozialen Sprung gemacht, dass der Rückhalt in der Familie fehlt. Auch das Vorbild der Eltern, die Selbstverständlichkeit des Status und die Fähigkeit, sich in anderen Kreisen sicher zu bewegen, fehlen. Das führt zu Unsicherheit, zur Angst, wieder abzurutschen. Und zum Neid auf Diejenigen, die schon fest im Sattel sitzen.
Da sich die Mitglieder der NSDAP zu einem großen Teil aus sozialen Aufsteigern rekrutierten, kannten sie aus eigener Anschauung die Probleme der unteren Gesellschaftsschichten. So bekam die NSDAP Zulauf unter den einfachen Leuten, die sich ernst genommen fühlten. Die NSDAP war keine Klassenpartei, sondern eine klassenübergreifende politische Bewegung, die den sozialen Aufstieg und das Zugehörigkeitsgefühl zu einem großen Ganzen gezielt förderte.
Ein weiterer Faktor war die Entstehung der Rassenkunde, die in Deutschland von Anfang an gegen andere Völker und gegen Minderheiten gerichtet war, und mit einer ideologischen Erhöhung des eigenen Volkes einherging. Die Rassenkunde ermöglichte es, sich „wissenschaftlich“ untermauert von den Juden abzugrenzen. Und sie erlaubte, die persönlichen Misserfolge hinter der Zugehörigkeit zur „besseren Rasse“ zu verstecken. Die aus der Rassenkunde abgeleitete „Erbgesundheit“, die zu Massensterilisationen und –morden an „unwerten“ Leben führte, war ein Einüben der späteren Brutalität gegen Juden beim eigenen Volk. Wer Mitglieder der eigenen Familie umbringen lässt, hat auch keine Skrupel, wenn vermeintlich Außenstehende ermordet werden.
Aly zeigt die Parallelen zu Mord der Türken an den Armeniern und zum italienischen Faschismus auf. Aber auch zu den Völkermorden der Neuzeit, die zeigen, dass die Geschichte nicht zu Ende ist.
„Die Schwachen sind die Gefährlichen“, das gilt auch für unsere Zeit. Neid, Versagensangst, Missgunst und Habgier sind auch heute zu finden. Das Böse bleibt in der Welt. Ich teile in dieser Hinsicht den Pessimismus von Götz Aly, der sagt: „Es gibt keinen Ort des Bösen, der sich ein für alle Mal vermauern ließe, um derartige Schrecken zu bannen. Ein Ereignis, das dem Holocaust der Struktur nach ähnlich ist, kann sich wiederholen.“
Anzeichen dafür sind meines Erachtens auch im heutigen Deutschland vorhanden, sei es nun die Argumentation eines Sarrazin, die in seiner rassistischen Abgrenzung durchaus Parallelen zu Hitlers „Mein Kampf“ hat, oder die Verteufelung des Islams.
Aly stellt fest, dass der aggressive Neid zwischen materiell ähnlich gestellten Gruppen größer ist, als zwischen sozial stärker unterschiedenen Gruppen, weil die Nähe einen ständigen Vergleich ermöglicht. Das finde ich plausibel, denn man kann diesen Effekt auch heute sehr gut beobachten: Der Neid der Benachteiligten richtet sich nicht etwa gegen die Manager und Banker, die sich an der Krise, die sie selbst herbeigeführt haben, massiv bereichern, sondern gegen Hartz IV-Empfänger, die unter bestimmten Umständen (geringfügig) mehr Geld erhalten, als ein Niedriglohnarbeiter.
Dieses wichtige Buch von Götz Aly bringt neue und bisher nicht berücksichtigte Aspekte in die Diskussion ein. Das ist, wie immer bei Aly, detailreich ausgeführt und genauestens untermauert. Und wie immer ist bei Aly ist das Buch hervorragend geschrieben und liest sich gut. Für alle, die sich mit dem Nationalsozialismus beschäftigen, ist dieses Buch ein Muss.

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Wo die alten Damen wohnen
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Wo die alten Damen wohnen

Pascale Gautier , Claudia Steinitz , Nadine Steinitz
Flexibler Einband: 222 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 11.03.2011
ISBN 9783550088452
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

„Mehrere Dutzend hinfälliger Kreaturen steckten die Köpfe zusammen. Wie Fliegen in einem Stall um Kannen voller Milch summen, sprachen sie alle über ihren Blutdruck, ihr Herz, ihren grauen Star, über Pflegedienste, die niemals gut genug waren, über Ärzte, die niemals aufmerksam genug waren, über alles, was es früher nicht gegeben hatte, weil früher, natürlich, früher das wunderbare Alter ihrer goldenen Jugend lag.“
In dem südfranzösischen Dorf Sonnental scheint an 365 Tagen im Jahr die Sonne. Kein Wunder, dass scharenweise Rentner dort ihren Lebensabend verbringen. Genauer gesagt, Rentnerinnen, denn in dieser Altersstufe sind kaum noch Männer am Leben.
Die Ausnahme ist Pierre Martin, ein Neunzigjähriger, der für den Marathon in London trainiert. Als einziger Mann in der Siedlung ist er der Hahn im Korb und nutzt das weidlich aus.
Der Rest der Seniorenresidenz ist von alten Damen bewohnt, eine skurriler als die andere. Rüstig und munter sind sie alle, trotz Schwerhörigkeit, schlechten Augen und morschen Knochen. Die auf voller Lautstärke laufenden Fernsehnachrichten werden ebenso lautstark kommentiert und mit nicht gerade wenig Alkohol erträglich gemacht.
Nebenbei treiben sie mit ihrer Sturheit ihre Söhne in den Wahnsinn, erinnern sich mehr oder weniger zärtlich an ihre längst verstorbenen Ehemänner, trauern verlorenen Lebensgelegenheiten nach und versuchen, irgendwie die Zeit herum zu bekommen.
Und natürlich wird gelästert, was das Zeug hält.
„Die Arme … Hat sie denn keinen Fernseher zu Hause?“
„Doch, aber sie guckt nie. (…)“
„Ist ja komisch…“
„Ich glaube, sie liest Bücher.“
„Ist ja komisch…“
Komisch ist dieses Buch, witzig, skurril, aber auch nachdenklich und melancholisch. Die haben es ganz schön in sich, diese Alten!
Lediglich das Ende fand ich nicht so gelungen. Davon abgesehen ist dies ein sehr lesenswerter Einblick in die seelischen Abgründe der Alten.

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