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Escape
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302 Bibliotheken, 6 Leser, 3 Gruppen, 43 Rezensionen

flucht, sektion, sam, jennifer rush, anna

Escape

Jennifer Rush , Ulrike Brauns
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Loewe Verlag, 16.01.2013
ISBN 9783785575161
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Jede Nacht um Mitternacht schleicht Anna sich in den Keller. Das ist ein ungewöhnliches Verhalten für eine Jugendliche. Aber es ist auch ein ungewöhnlicher Keller.
Vier Jungen werden dort gefangen gehalten, jeder in seiner eigenen verglasten Zelle. Sie sind Teil eines hochgeheimen Projektes, an dem Annas Vater mitarbeitet. Er führt täglich umfangreiche Tests mit den Jungen durch.
Seit kurzem wird Anna in die Arbeit einbezogen und darf auch offiziell mit den Jungen Kontakt haben, aber trotzdem behält sie ihre heimlichen nächtlichen Besuche bei. Sie hat sich mit Trev und Cas angefreundet, und irgendwie auch mit Nick, auch wenn sie mit ihm öfter Probleme hat. Vor allem aber hat Anna sich in Sam verliebt.
Aber in wen ist sie da eigentlich verliebt? Die Erinnerung der Jungen reicht nur fünf Jahre zurück; was davor war, wie sie Teil des Projekts geworden sind, und was das Ganze eigentlich soll, wissen weder sie noch Anna.
Fünf Jahre lang ist das Leben mit vier Gefangenen im Keller Alltag für Anna, aber dann passiert etwas Einschneidendes. Als die Jungen plötzlich von den Leitern des Projekts abgeholt werden sollen, flieht Anna mit ihnen. Ihr Vater hilft ihr bei der Flucht, schärft ihr aber ein, sich auf keinen Fall bei ihm zu melden. Nie mehr. Warum?
Und schon ist das gesamte Leben von Anna nicht nur komplett auf den Kopf gestellt, sondern auch gefährlich. Denn die Verfolger sind ihnen immer dicht auf den Fersen und schrecken vor nichts zurück.
Zusammen mit den Jungs versucht Anna, mehr über deren Vergangenheit und über das Projekt herauszufinden. Dabei erfährt sie mehr, als sie gedacht hätte, auch über sich selbst. Ihre ganze Sichtweise auf die Welt wird erschüttert, denn offensichtlich ist auch in ihrem Leben nicht alles so, wie es scheint…
Dieses Buch habe ich in einem Rutsch verschlungen. Es ist vom ersten bis zum letzten Wort spannend und wartet mit einer wirklich ungewöhnlichen Geschichte und vielschichtigen Charakteren auf.
Rasant geht es von einer überraschenden Wendung zur nächsten, wechseln sich ruhige Stellen mit Actionszenen ab. Vor allem aber bleibt die ganze Zeit über die Spannung erhalten, worum es bei den Tests eigentlich geht. Besonders gut hat mir gefallen, wie geschickt immer wieder kleine Puzzleteilchen eingestreut sind, die vermeintlich zur Lösung führen, in Wirklichkeit aber eine neue Überraschung bergen. Dieses Buch ist wie eine gedruckte Schnitzeljagd und dadurch zusätzlich spannend.
Am Ende wird klar, dass dies der Auftakt zu einer Serie ist, aber zum Glück ohne fiesen Cliffhanger. Trotzdem: Ich möchte den nächsten Band lesen. Jetzt. Sofort!

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Elsa ungeheuer
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42 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

kunst, elsa, den haag, freundschaft, texas

Elsa ungeheuer

Astrid Rosenfeld
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.02.2013
ISBN 9783257068504
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Karl und Lorenz Brauer haben gerade erst ihre Mutter verloren, die schon lange psychisch gestört war und nun vom Balkon gesprungen ist. Ihr Vater Randolph Brauer weiß vor lauter Trauer kaum noch, dass er für zwei Söhne und eine Ferienpension verantwortlich ist.
Nur die Haushälterin Frau Kratzler und der Dauergast Herr Murmelstein, genannt das Murmeltier, kümmern sich um die acht und zehn Jahre alten Jungen. Während Frau Kratzler sich um das Seelenheil der Jungen sorgt, erzählt ihnen das Murmeltier seine erotischen Erinnerungen als Gute-Nacht-Geschichten.
Und dann tritt Elsa in das Leben der Brüder. Die Elfjährige wird von ihren Eltern nicht auf eine Weltreise mitgenommen, sondern zu ihren Verwandten in die Oberpfalz geschickt. Keinen erstaunt das, denn dieses Kind mit seinen Streichholzarmen ist frech, benimmt sich seltsam, trägt unmögliche Kleidung und will sich nicht einfügen.
Der achtjährige Karl ist von der ersten Minute an von Elsa fasziniert, und auch Lorenz freundet sich mit ihr an. Zusammen verbringen sie einen ganz besonderen Sommer voller Verrücktheiten. Aber dann bricht der Ernst des Lebens über sie herein.
Lorenz verarbeitet später die Kindheitserlebnisse als Maler in seinen Bildern. Aber er muss feststellen, dass die Kunstszene einem Haifischbecken gleicht und die Rachegefühle zweier Frauen eher über den Fortgang einer Karriere entscheiden, als das Talent des Malers.
Karl hat es weitaus schwerer, Elsa zu vergessen, denn beim Abschied haben sich ihre Wangen berührt. Erst, als er mehr über die Hintergründe der damaligen Ereignisse erfährt, kann er die Vergangenheit loslassen.
Zwei Jungen, ein Mädchen – diese Konstellation findet sich in zahllosen Geschichten und Romanen. Zwei Männer buhlen um die gleiche Frau, eine Frau kann sich nicht zwischen zwei Männern entscheiden, das haben wir schon in sämtlichen Variationen lesen können.
Aber Astrid Rosenfeld schafft es, dem Altbekannten einen neuen Blickwinkel zu geben. Mit ihrer unvergleichlichen Erzählkunst lässt sie eine uralte Geschichte neu und frisch erscheinen und nimmt die Leser mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Die ungewöhnlich erzählte Geschichte mit ihren ganz besonderen Charakteren bringt einen zum Lachen, zum Nachdenken und zum Weinen.

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Es hätte mir genauso
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10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Es hätte mir genauso

Ali Smith , Silvia Morawetz
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 01.10.2012
ISBN 9783630873121
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Dinnerparties sind immer anstrengend für die Gastgeberin. Die ganzen Vorbereitungen hängen an ihr, sie kocht ein aufwändiges Essen, sie versucht, bei Tisch eine angeregte, aber geordnete Unterhaltung aufrecht zu erhalten und hinterher muss sie auch noch aufräumen. Kein Wunder, dass sie erst einmal aufatmet, wenn sich die Tür hinter dem letzten Gast geschlossen hat und sie ihr Heim wieder für sich hat.
Bei dieser Dinnerparty allerdings schließt der letzte Gast nicht die Eingangstür hinter sich, sondern die zum Gästezimmer. Dort schließt er sich ein, bittet freundlich um Nahrung, die unter der Tür durchgeschoben werden kann und bleibt einfach da. Monatelang.
Dabei war Miles nicht einmal selbst zum Dinner eingeladen, sondern kam als Begleiter von Mark. Und Probleme bereitete er der Gastgeberin von Anfang an. Erst beim Essen zu erwähnen, dass man Vegetarier ist, nervt auch die geduldigste Gastgeberin.
Dass Miles sich monatelang im Gästezimmer einschließt, hat weitreichende Folgen für die Familie und die gesamte Nachbarschaft. Wie heute üblich, verbreitet sich die Nachricht über den ungewöhnlichen Gast in Windeseile und schnell bildet sich eine Fangemeinde, die hinter dem Haus campiert.
Herrlich skurril ist diese Geschichte, nicht nur wegen der bizarren Ausgangssituation, sondern auch wegen der Charaktere aus dem Umfeld von Miles, die samt und sonders Originale sind, auch wenn sie nach außen hin normal wirken.
Anna, die vor langer Zeit einmal Kontakt zu Miles hatte und immer noch so unsicher ist, wie auf dem damaligen Europatrip, Mark, der Miles gerade erst kennengelernt hatte, aber so fasziniert von ihm war, dass er ihn zur Party mitnahm, und die demente May, die auf ganz besondere und traurige Art mit Miles verbunden ist, sie alle haben eine besondere Geschichte, die in diesem Buch erzählt wird.
Mein Lieblingscharakter ist die neunjährige Brook, die für mich die geheime Hauptfigur des Buches ist. Sie ist hochbegabt und mischt mit ihrer Lernbegierde und ihrer Lust an Wortspielen das langweilige und konventionelle Dinnergespräch kräftig auf. Ihre ganz eigene Art, mit Menschen in Kontakt zu treten, ist zentral für den Fortgang der Handlung.
Über Miles selbst erfahren wir nicht viel, er wird nur in den Erinnerungen der anderen lebendig. Seine eigene Perspektive bleibt im Dunkeln. Deutlich wird nur, dass er auch vor seiner unerwarteten Handlung schon als ein besonderer Mensch wahrgenommen wurde, der einen bleibenden Eindruck bei Jedem, der mit ihm in Berührung kam, hinterließ.
Mir hat diese unterhaltsam geschriebene und ungewöhnliche Geschichte gut gefallen.

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Endlich sind sie tot!
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hass, sebastian stammsen, nachbarn, mord, krefeld

Endlich sind sie tot!

Sebastian Stammsen
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Grafit, 01.10.2012
ISBN 9783894254124
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Blut. Blut, wohin man sieht. Blut an den Wänden, Blut an der Tür, Blut auf der Couch, Blut auf dem Boden. Der Vater, die Mutter und der Sohn Sven Brose sind äußerst brutal gefoltert und ermordet worden. Der zweite Sohn, der sechzehnjährige Marvin, sitzt still auf einem Stuhl mitten im fließenden Blut.

Die Spuren sind eindeutig: Marvin ist der Täter.

Dies ist der schlimmste Tatort, den Kommissar Oliver Busch je gesehen hat. Und ausgerechnet bei diesem Fall muss er gemeinsam mit der „Psychotante“ Daniela Ellinger ermitteln.

Bei den Befragungen offenbart sich, dass die gesamte Nachbarschaft unter der Familie Brose gelitten hat, die ihre Umgebung mit extremen Lärm und unsozialem Verhalten terrorisiert hat. Sehr viele Menschen hätten ein Motiv für den Mord gehabt.

Aber die Spuren sind eindeutig: Marvin ist der Täter.

Die Nachforschungen in der Schule ergeben, dass Marvin sich nicht gerade beliebt gemacht hat; ein Mädchen hat er sogar gestalkt. Freunde hatte er nicht, und sein Verhalten gegenüber den Lehrern war genauso schlimm wie gegenüber seinen Mitschülern.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Marvin ist der Täter.

Und allmählich wird deutlich, dass ihm eine solche Tat zuzutrauen ist. Aber kann er wirklich allein stundenlang seine Familie gefoltert haben? Selbst extreme Wut hält nicht die ganze Nacht über an. Hatte er einen Komplizen? Oder steckt dieser Komplize sogar in ihm selbst? Hat Marvin eine gespaltene Persönlichkeit?

Die Anhaltspunkte sind eindeutig: Marvin ist der Täter.

Aber ist er auch für seine Taten verantwortlich? Sehr zu Olivers Leidwesen wird dies ein Fall für die Psychologen und Psychiater.

Das erste Buch dieses Autors hatte mir sehr gut gefallen, das zweite dagegen fand ich etwas schwächer. Ich war also gespannt, ob Sebastian Stammsen mich mit seinem dritten Buch wieder so überzeugen kann, wie mit dem ersten. Die Antwort ist ein definitives Ja.

Dieser Krimi hat ein rasantes Tempo, und ich konnte ihn nicht eher aus der Hand legen, bis ich die letzte Seite gelesen hatte. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, und die Spannung wird kontinuierlich gehalten. Nach und nach wurde deutlich, wie schlimm ein Leben in der Umgebung dieser Familie gewesen sein muss.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Oliver und Daniela erzählt, was einen zusätzlichen Reiz dieses Buches ausmacht.

Die Charaktere wirken lebendig und authentisch, selbst die Nebenfiguren. Das Geplänkel zwischen dem Macho-Cop Oliver und der Psychologin Daniela erinnerte mich an die Fernsehserie Der letzte Bulle und machte genauso viel Spaß. Ich würde gern weitere Bücher mit diesem ungleichen Ermittlerpaar lesen.

Dieses Buch bietet einen nervenzerfetzenden Einblick in ein sehr krankes Hirn und garantiert eine schlaflose, weil durchlesene, Nacht.

© Petra Samani, Januar 2013

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England, glorious England
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5 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

england

England, glorious England

Holger Ehling
Flexibler Einband: 223 Seiten
Erschienen bei Links, Ch, 16.09.2009
ISBN 9783861535478
Genre: Sonstiges

Rezension:

„German with a sense of humour“, vermerkte die BBC über Holger Ehling, ein seltenes Kompliment, gelten wir Deutsche in England doch gemeinhin als völlig humorlos. Zur Belohnung durfte Ehling sich als Korrespondent der besonders skurrilen Fälle annehmen. Zum Glück. Denn die Erfahrungen, die er in dieser Zeit gemacht hat, finden im Buch ihren Niederschlag.

Die Engländer haben eben so ihre seltsamen Vorlieben und Freuden. Zum Beispiel, wenn sie Ostern auf so spezielle Art feiern, dass sie meistens im Krankenhaus landen. Sumpfschnorcheln ist dagegen fast schon harmlos.

Holger Ehling räumt rigoros mit einigen Vorurteilen auf, die gegenüber den Engländern gehegt werden, zum Beispiel beim Thema Essen. Dass englisches Essen wesentlich besser ist als sein Ruf, weist der Autor anhand einer Reihe im Buch abgedruckter leckerer Rezepte nach (ich empfehle als leichten Einstieg meine geliebten Scones). Und wie sieht es mit der berühmten Höflichkeit und der stets korrekten Kleidung der Engländer aus? Nun, auch dazu erfahren die Leser Unerwartetes.

In einem furiosen und unterhaltsamen Ritt führt der Autor durch die Geschichte Englands, immer wieder angereichert durch nette Anekdoten und skurrile Einzelheiten, wie dem Trick, durch den die Herrschaft über Wales erreicht wurde.

Vieles, was heute für uns selbstverständlich ist, wurde in England erfunden, zum Beispiel die Sitte, in einem weißen Kleid mit Schleier zu heiraten (von Queen Victoria eingeführt), der Welttag des Buches (Geburts- und Todestag Shakespeares) und das Urheberrecht (eingeführt von Königin Anne im 18. Jahrhundert). Das Buch ist voller solcher überraschenden Fakten, die auch anglophilen Lesern noch etwas Neues bieten, wenn es um englische Helden und englische Wunder geht.

Ich habe diese Lektüre sehr genossen und mir hat besonders gut gefallen, dass es ein so persönliches Buch geworden ist, in dem wir viel über die Vorlieben des Autors erfahren. Dabei habe ich gemerkt, dass Holger Ehling und ich Einiges gemeinsam haben. Beispielsweise, dass wir jeweils durch eine Schüleraustauschfahrt anglophil geworden sind; diese Fahrten scheinen also wirklich ihren Zweck zu erfüllen. Und auch die Vorliebe für traditionelle Pubs und Monty Python teile ich.

Einen einzigen Kritikpunkt habe ich aber doch: Im ganzen Buch findet sich kein einziges Wort über Jane Austen! Die meiner Meinung nach beste Autorin Englands wird nicht einmal erwähnt! Lieber Holger Ehling, für die nächste Auflage bitte ich hier um Nachbesserung!

Was den Schreibstil in diesem absolut empfehlenswerten Buch angeht, kann ich mich der BBC nur anschließen: Holger Ehling ist ein „German with a sense of humour“. Und genau das macht dieses Buch so lesenswert.


 

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Engelsflammen
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214 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

daniel, luce, liebe, engel, vergangenheit

Engelsflammen

Lauren Kate , Michaela Link
Fester Einband: 410 Seiten
Erschienen bei cbt, 23.07.2012
ISBN 9783570160794
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Luce reist in ihre vergangenen Leben, um endlich herauszufinden, was die Liebe zwischen ihr und Daniel zu bedeuten hat. Außerdem möchte sie herausfinden, wie sie den Fluch, der sie immer wieder sterben lässt, brechen kann. Ihre Freunde reisen ihr hinterher, treffen aber immer zu spät ein und treffen sie nie.
Auch dieser dritte Band der Reihe ist spannend und gut geschrieben. Die Charaktere verändern sich je nach Epoche und dem Land, in dem sie sich gerade befinden. Die unterschiedlichen Epochen sind so plastisch beschrieben, dass man sich beim Lesen gut in die Zeit hineinversetzen kann, das hat mir gut gefallen. Auch die Beschreibungen der Mode und der politischen Ereignisse sind interessant.
Man sollte die ersten beiden Bände der Reihe gelesen haben, um diesen zu verstehen. Und es muss auf jeden Fall noch ein Band folgen, denn die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Darauf freue ich mich schon.
(Gastrezension meiner Tochter)

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Erotic Food & Pictures
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Erotic Food & Pictures

Stephen Cirillo , Felix Busse , Stephen Cirillo
Fester Einband: 136 Seiten
Erschienen bei Vielflieger Verlag e.K., 01.12.2012
ISBN 9783943223996
Genre: Ratgeber

Rezension:

Dass Essen aphrodisierend wirken kann, ist lange bekannt. Überall auf der Welt gibt es Rezepte, die auf eine bestimmte Art anregend wirken sollen. In diesem Buch dürfte sich der gewünschte Effekt durch die erotischen Fotos noch verstärken.
Fotos nackter Frauen in einem Kochbuch, das wirft Fragen auf. Ist ein Mann, der diese Bilder betrachtet, noch in der Lage, zu kochen? Brennt das Essen nicht an, weil sich der Blick in den Fotos versenkt? Oder sollen die Bilder nicht das Kochen, sondern das erst das Essen begleiten? Und warum sollen die Gerichte auf vier Tellern verteilt werden, nicht auf zwei?
Wie auch immer, die Fotos sind nicht pornographisch, sondern wirklich erotisch und ästhetisch. Und netterweise werden nicht nur verführerische Frauen gezeigt, sondern es sind auch einige knackige Männer abgebildet. (Mein persönlicher Favorit findet sich auf Seite 60.)
Die Rezepte bieten eine kulinarische Weltreise über alle Kontinente. Viele der Rezepte sind hierzulande völlig unbekannt, und es dürfte abseits der Großstädte schwierig werden, Zutaten wie Longans für die Krokodilsuppe der Aborigines oder Kombu-Seetang zu besorgen. Aber schon das pure Durchlesen der Rezepte ist ein Genuss.
Daneben finden sich auch genügend Rezepte, deren Zutaten leicht zu beschaffen sind, die aber trotzdem durch ihre Zusammenstellung oder Zubereitung ungewöhnlich und interessant sind, wie zum Beispiel die Tagliatelle mit Zitrone, bei denen der Pancetta vorher eingelegt wird.
Und, wirken die Rezepte denn nun? Das möge jeder selbst herausfinden. Die Genießerin schweigt.

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Einfach Freunde
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paris, philippe pozzo di borgo, abdel sellou, freundschaft, biografie

Einfach Freunde

Abdel Sellou , Caroline Andrieu , Patricia Klobusiczky , Lis Künzli
Flexibler Einband: 254 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.03.2012
ISBN 9783548285184
Genre: Biografie

Rezension:

Respektlos. Ungebildet. Kriminell. Er saß sogar schon im Gefängnis. Der algerische Jugendliche Abdel Sellou ist der ungeeignetste Kandidat für den Posten eines Vollzeitpflegers des wohlhabenden Tetraplegikers Philippe Pozzo di Borgo, den man sich vorstellen kann.
Aber er wird trotzdem eingestellt, und das verändert sein Leben von Grund auf. Während er für den vom Hals abwärts gelähmten Philippe zum „Schutzteufel“ wird (http://buchblinzler.blogspot.de/2012/12/philippe-pozzo-di-borgo-ziemlich-beste.html) , entpuppt sich Philippe als sein Schutzengel.
Abdel wurde als Kleinkind von seinen leiblichen Eltern abgeschoben und wuchs bei seiner Tante und seinem Onkel in Paris auf. Das ist eine übliche Praxis in afrikanischen Ländern und wird daher nicht als das gesehen, was es ist: Ein starkes Trauma für die betroffenen Kinder.
Die fehlende Konsequenz in der Erziehung, die Pariser Vorstadtumgebung und die unzureichenden Bemühungen der Schule machten es Abdel leicht, sein Leben so zu führen, wie er es möchte. Ohne Schule, ohne Arbeit, als Kleinkrimineller, der nicht an die Zukunft denkt und sich einfach von Anderen nimmt, was er haben will.
Aber ab und an braucht er Unterschriften, die bestätigen, dass er sich beworben hat, sonst wird ihm die finanzielle Unterstützung gestrichen. Und so marschiert er bei Philippe durch die Tür, zum „Tapar…zum Tera…zum Tartapegiker“. Schnell wird er lernen, was ein Tetraplegiker ist und was er bei dessen Pflege beachten muss.
Zum Glück hält er sich nicht daran. Das Buch ist schreiend komisch, wenn Abdel beschreibt, wie er an die Sache herangeht: pragmatisch. Die Transfermaschine ist kaputt? Eh unpraktisch, das Teil, einfaches Tragen reicht auch.
Dass Philippe überhaupt nichts spürt, glaubt Abdel erst, nachdem er ihm kochend heißen Tee auf sein Bein geschüttet hat. In Sachen Bildung hat er noch einiges nachzuholen, aber auch das bekommt er mit Philippes Hilfe hin. Die wichtigste Bildung allerdings besitzt Abdel: Die Herzensbildung, die es ihm ermöglicht hat, Philippe aus seiner Depression herauszuhelfen.
Es hat mir wirklich Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Es ist in einem lockeren Tonfall geschrieben, witzig, aber auch von einer tiefen Zuneigung zu Philippe durchdrungen.
Inzwischen ist Abdel zur Ruhe gekommen, ist verheiratet und hat drei Kinder. Mit Philippe ist er immer noch befreundet. Abdel, der eigentlich für die Gesellschaft verloren war, hat sich durch den Kontakt zu einem Behinderten positiv verändert.
Solche Kontakte sind immer noch zu selten.

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Endlich wieder leben
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Endlich wieder leben

Helga Hirsch
Fester Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Siedler, W J, 01.10.2012
ISBN 9783886809899
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:  
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Eisnattern
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hamburg, faller, calabretta, inceman, serienkrimi

Eisnattern

Simone Buchholz
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 01.10.2012
ISBN 9783426226230
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Weihnachten im Hamburger Karolinenviertel. Eine hektische Zeit, vor allem, wenn man Familie hat. Da hat man keine Zeit, sich um einen erschlagenen Obdachlosen zu kümmern, auch wenn noch mehrere andere Obdachlose zusammengeschlagen wurden.
Chastity Riley hat Zeit, denn der Hamburger Staatsanwältin wurde ein Zwangsurlaub verordnet. Allerdings kann sie weder mit Urlaub, noch mit Weihnachten, noch mit sich selbst etwas anfangen. Und erst recht nicht mit ihrer Mutter, die nach Jahrzehnten unangemeldet auftaucht, mit Chas Weihnachten feiern will und sich in ihrer Wohnung breitmacht. Chas flüchtet sich zu ihrem Freund Klatsche, aber auch das ist nicht einfach, denn immer wieder bringt der attraktive Kommissar Inceman sie durcheinander.
Als dann noch ein Teenagerpärchen verschwindet, kann Chas endlich den Urlaub abbrechen und die Ermittlungen aufnehmen, die sie in die tiefsten Keller Hamburgs hinabführen wird.
Chas hat viele schlechte Angewohnheiten und Eigenschaften, und eigentlich mag ich diese kaputten Protagonisten nicht. Aber bei Chas mache ich eine Ausnahme, denn sie habe ich ins Herz geschlossen. Sie kümmert sich um diejenigen, die normalerweise nicht beachtet werden und zeigt Empathie. Auch ihre schnodderige große Klappe gefällt mir.
Das Buch ist, wie auch die Vorgängerbände, in einer lockeren und lakonischen Sprache geschrieben und liest sich sehr schnell. Die Charaktere wirken lebendig und sind ungewöhnlich.
Ich habe das Buch an einem Wochenende in Hamburg gelesen und konnte somit das kräftige Lokalkolorit gleich in Echt erleben.
Diese Reihe gefällt mir immer besser und ich freue mich schon auf den nächsten Band.

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Eifler Zorn
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eifel, krimi, elke pistor, deutscher autor, spannend

Eifler Zorn

Elke Pistor
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Emons, 08.10.2012
ISBN 9783954510139
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Bianca hat es nicht leicht, sich als Baggerführerin in einer Männerdomäne durchzusetzen. Ausgerechnet sie findet bei Abrissarbeiten eine Leiche. Seit wann der tote Junge dort in der Kiste gelegen hat, ist nicht so einfach herauszufinden, aber auf jeden Fall ist sein Tod schon eine Weile her. Die Fettwachsleiche ist übel zugerichtet; unter anderem sind beide Hände abgeschnitten worden.
Schon am nächsten Tag wird erneut eine Leiche mit abgeschnittenen Händen gefunden. Diesmal ist der Tote aber identifizierbar, und er ist gerade erst vor kurzem ermordet worden. Kann es sein, dass die Toten etwas miteinander zu tun haben? Das ist doch angesichts des zeitlichen Abstands eher unwahrscheinlich, oder?
Die Ermittlungen gestalten sich recht schwierig für Ina Weintz, die ganz nebenbei auch noch Probleme mit ihrer Ziehtochter Henrike hat. Alleinerziehend mit einem pubertierenden Mädchen fertig zu werden, ist schon bei einem leiblichen Kind nicht einfach.
Ihre Kollegin Judith muss sich dafür mit einem erfahrenen, aber chauvinistischen Kollegen herumschlagen.
Der zweite Handlungsstrang führt uns in die Vergangenheit. 1903 versucht der junge Paul Weber, seinen Vater als Ernährer der Familie zu ersetzen. Als seine kleine Schwester an Diphterie stirbt, wird Paul in eine Erziehungsanstalt gesteckt. Von nun an ist sein Leben von Misshandlungen und Angst geprägt. Nur die Freundschaft zu Ludwig lässt ihn durchhalten. Aber dann passiert etwas Verhängnisvolles…
Die Autorin schafft es, die beiden Handlungsstränge schlüssig und überraschend zusammenzuführen. Zusammen mit dem flüssigen Schreibstil sorgen die Wechsel zwischen den Handlungssträngen für ein hohes Lesetempo.
Elke Pistor kann offensichtlich jedes Genre meistern. Ihr Mystery-Roman hat mir ebenso gut gefallen wie ihre Krimis, und auch historische Romane könnte sie schreiben. Denn der Handlungsstrang um Paul Weber ist gut recherchiert und bezieht sich auf reale Begebenheiten. Die sozialen Verhältnisse der damaligen Zeit, die Wohnsituation, die Armut, die Arbeitsbedingungen in den Fabriken und die Schwierigkeiten eines sozialen Aufstiegs sind kompetent geschildert.
Wie schon bei ihren anderen Büchern gefällt mir, wie sorgfältig die Autorin mit ihren Charakteren umgeht. Selbst die Nebenfiguren wirken lebendig. Auch diesmal konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen und war begeistert von der spannenden Handlung. Weiter so!

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Eselsmilch
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reisegruppe, marokko, niederbayern, regionalkrimi

Eselsmilch

Jutta Mehler
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Emons, 01.09.2012
ISBN 9783954510061
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Fanni und Sprudel freuen sich auf viele neue Eindrücke auf ihrer Fahrt durch Marokko mit einer Reisegruppe. Aber wie immer ist Fanni ein Leichenmagnet, und es ist mit der Erholung vorbei, bevor der Urlaub überhaupt richtig begonnen hat.
Ausgerechnet ihre Freundin Martha ist durch einen Unfall ums Leben gekommen. Und auch Fanni passieren andauernd mysteriöse Unfälle. Hat es jemand auf sie abgesehen? Wem in der Reisegruppe kann sie noch trauen?
Die Reihe um Fanni Rot ist eine meiner Lieblingsserien, und ich habe mich sehr auf diese neue Folge gefreut. Leider wurde ich enttäuscht.
Dass die Handlung diesmal an einem anderen Ort spielt, fand ich interessant, und es hat mir auch gefallen, dass Fanni und Sprudel endlich zusammengekommen sind. Allerdings ist dadurch auch eine Menge Konfliktpotential und somit Spannung verloren gegangen.
Dieses Buch hat mich daher nicht ganz so gefesselt wie die Vorgänger dieser Reihe, besonders, weil mir die vielen Zufälle in der Handlung einfach zu dick aufgetragen waren. Trotzdem liest sich das Buch recht unterhaltsam.
Das Ende allerdings geht nun gar nicht! Ich dachte zunächst an einen Druckfehler, an fehlende Seiten, aber das Ende scheint wirklich so gewollt zu sein. Das hat Fanni nicht verdient! Und wir Leserinnen und Leser auch nicht.

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Ein Gefreiter gegen Hitler
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Ein Gefreiter gegen Hitler

Bernd Ziesemer
Fester Einband: 285 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 17.02.2012
ISBN 9783455502541
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

In den Familien der Nachkriegszeit wurde wenig über die Kriegserlebnisse geredet. Über die Zeit von 1933 bis 1945 wurde der Mantel des Schweigens gelegt. So auch in der Familie des Autors, und dieses Schweigen wurde leider nicht in Frage gestellt. "Aber die Chance, etwas aus erster Hand von meinem Vater über sein eigenes Schicksal in der nationalsozialistischen Diktatur zu erfahren, wurde von mir verspielt. Ich fragte auch damals nicht nach."
Nach dessen Tod findet der Autor aber heraus, dass sein Vater immerhin einige Erlebnisse auf einer Vielzahl von Zetteln aufgeschrieben hatte. Diese paar Seiten Material nimmt Bernd Ziesemer zum Ausgangspunkt, um die Geschichte seines Vaters zu rekonstruieren, ergänzt um Dokumente aus Archiven, Forschungsergebnisse und Recherchen auf eigenen Reisen.
Karlheinz Ziesemer wurde 1939 als Gefreiter eingezogen und hat gleich zu Beginn in Polen miterlebt, dass der so genannte Blitzkrieg in Wirklichkeit keiner war, sondern erhebliche Verluste forderte und zwei Wochen länger dauerte, als angegeben. Auch die ersten Gräuel wurden schon hier verübt.
In Stalingrad musste Ziesemer erleben, wie um ihn herum ständig Kameraden starben, die von neuen Rekruten ersetzt wurden, die kurz darauf ebenfalls tot waren. Fatal war, dass die Generation Hitlerjugend in das Offizierskorps drängte, Fanatiker ohne Lebens- und Fronterfahrung. Aus Stalingrad ist Ziesemer 1943 gerade eben noch entkommen.
Seine Einstellung zum Krieg macht Karlheinz Ziesemer in einem seiner Gedichte deutlich:
„Das ist der Krieg, vergesst es nie,
wer Unrecht sät, ruft nur den Tod,
kein Wort ist wahr vom Heldenmut –
der Frieden ist das höchste Gut.“
Ziesemers Entscheidung, der Bitte seines Majors zu entsprechen und sich am Widerstand zu beteiligen, war eine einsame, wie bei allen. Denn politischer Widerstand, Befehlsverweigerung und Desertation waren Einzelentscheidungen, ein gemeinschaftlicher Widerstand kam nicht auf. „Die äußere Uniformität führte stets zur inneren Uniformität.“
Karlheinz Ziesemer transportierte Papiere, aber es ist unklar, welcher Art und für wen diese Papiere waren. Die zeitliche Nähe zum 20. Juli 1944 lassen jedoch vermuten, dass sie mit dem Attentat auf Hitler in Zusammenhang standen.
Wie auch immer, Ziesemer wird in Nordfrankreich verhaftet und nach Breslau gebracht, höchstwahrscheinlich gefoltert, zunächst zum Tode verurteilt und schließlich zu einer Zuchthausstrafe begnadigt. In den letzten Kriegswochen gelingt ihm die Flucht und es beginnt eine abenteuerliche Odyssee, die ein bisschen an die Geschichte von Schwejk erinnert, denn auch der Gefreite Ziesemer kann sich aus fast jeder gefährlichen Situation herausreden. Mit viel Glück und mit Hilfe einiger Zufälle schafft er es nach Hause. Anerkennung erfährt er, wie die Mehrheit der Widerständler, jedoch nie, allzu schnell sind die Altnazis wieder in Amt und Würden.
Dieses sehr persönliche, aber dennoch gründlich recherchierte Buch liest sich flüssig und spannend. Aufzuzeigen, dass es neben der Gruppe des Grafen von Stauffenberg auch noch ganz normale, namentlich nie genannte, Menschen gab, die Widerstand geleistet haben, ist ein großer Verdienst dieses empfehlenswerten Buches.

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Entwicklungen
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(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Entwicklungen

Lukas Peuckmann
Flexibler Einband: 260 Seiten
Erschienen bei assoverlag, 01.08.2011
ISBN 9783938834572
Genre: Sonstiges

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Erzähl es niemandem!
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(2)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Erzähl es niemandem!

Lillian Crott Berthung , Randi Crott
Fester Einband
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 01.02.2012
ISBN 9783832196400
Genre: Biografie

Rezension:

Es gibt viel Literatur über den Nationalsozialismus, aber sehr wenig über die deutsche Besatzung Norwegens. Dieses Buch füllt diese Lücke.
Die Autorin hat die Liebesgeschichte ihrer Eltern rekonstruiert, die unter allerschwersten Bedingungen um ihre Liebe kämpfen mussten.
Die 19jährige Norwegerin Lillian verliebt sich 1942 in den deutschen Soldaten Helmut. Dabei macht sie sich bei ihrer Familien und bei ihren Landsleuten unbeliebt, denn Norwegen leidet unter der deutschen Besatzungsmacht.
Fast hätte sich Lillian von Helmut getrennt, als die deutschen Soldaten eine jüdische Nachbarsfamilie verschleppen. Um sie nicht zu verlieren, vertraut Helmut Lillian ein großes Geheimnis an, das niemand außer ihr erfahren darf: Helmut ist Jude. Mit Müh´ und Not konnte er bisher verhindern, dass die deutsche Wehrmacht das entdeckt und ihn deportiert.
Weil Lillian nicht einmal ihrer Familie sagen darf, dass Helmut kein Nazi ist, muss sie in Kauf nehmen, dass ihre Beziehung zu ihm nicht akzeptiert wird. Ihr Vater spricht nicht mehr mit ihr.
Und dann sorgt der Krieg dafür, dass die Liebenden getrennt werden. Erst nach Jahren werden sie nach aufregenden Erlebnissen wieder vereint.
Diese Geschichte wurde der Tochter Randi verschwiegen. Der Vater wollte nie über die jüdische Vergangenheit der Familie reden. Erst nach seinem Tod konnte Randi Crott gemeinsam mit ihrer Mutter Lillian die Liebesgeschichte rekonstruieren.
Das Buch liest sich sehr gut, auch weil die Zeit- und Perspektivwechsel ein hohes Tempo in die Erzählung bringen. Durch die Verknüpfung mit der persönlichen Familiengeschichte kommen einem die Ereignisse sehr nahe; die geschichtlichen Ereignisse werden lebendig.
Ich wünsche diesem Buch, das den Wahnsinn des Krieges einmal von einer ganz anderen Seite zeigt, viele Leser.

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Eine Prise Angst
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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

krimi deutschland, nygaard, nordseekrimi, kurzgeschichten, nordsee

Eine Prise Angst

Hannes Nygaard
Flexibler Einband: 231 Seiten
Erschienen bei Emons, H J, 20.02.2012
ISBN 9783897059214
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Hannes Nygaard ist einer meiner Lieblings-Regionalkrimiautoren, und ich war gespannt, ob seine Kurzgeschichten so gut sind wie seine Romane.
Nicht alle dieser Geschichten spielen wie gewohnt an der Nordsee, nicht alle Geschichten hatten die gleiche Qualität, und einige Geschichten kannte ich schon aus anderen Sammlungen, aber trotzdem hatte ich das gewohnte Lesevergnügen.
Da ich nun einmal Nordsee-Fan bin, haben es mir besonders die Geschichten „Der Wein der Pharisäer“ und „Eine Nacht auf der Hallig“ angetan.
Sehr schön fand ich die Bandbreite der Geschichten. Witzig, fies, skurril, gruselig – für jeden Geschmack ist etwas dabei.

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Engelsmorgen
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(203)

451 Bibliotheken, 10 Leser, 7 Gruppen, 58 Rezensionen

engel, liebe, daniel, luce, dämonen

Engelsmorgen

Lauren Kate , Doreen Bär
Fester Einband: 445 Seiten
Erschienen bei cbt, 07.09.2011
ISBN 9783570160787
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Daniel bringt Luce zu ihrem Schutz in die Shoreline Academy, in der die Nephilim unterrichtet werden, und lässt sie allein zurück. Luce findet dort schnell Freunde. Im Unterricht, an dem sie teilnehmen darf, erfährt sie mehr über die Schatten, die sie seit ihrer Kindheit verfolgen. Durch die Schatten kann sie in die Vergangenheit sehen und ihr früheres Ich und Daniel beobachten.
Mir hat gefallen, dass Luces Charakter sich positiv weiterentwickelt hat. Insgesamt fand ich diesen Band allerdings nicht so spannend wie den ersten, weil immer wieder das Gleiche geschieht: Wenn Daniel auftaucht, fragt Luce nach der Vergangenheit, er sagt ihr nichts, sie streiten oder küssen sich, er fliegt wieder weg. Luce kann zwar in die Vergangenheit sehen, aber man erfährt nichts wirklich Neues über ihre eigene Vergangenheit.
Ich hoffe, dass der dritte Teil der Reihe wieder spannender und interessanter sein wird.
(Gastrezension meiner Tochter)

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Es geht voran
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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

russland, moskau, medwedjew, wachstum, kurios

Es geht voran

Oleg Kaschin , Franziska Zwerg
Fester Einband: 152 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 23.01.2012
ISBN 9783351033835
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Kein Wunder, dass dem Wissenschaftler Karpow seine Frau Maria davonläuft. Erst schleppt er sie von Moskau in seinen öden Geburtsort, um dann in seiner zum Labor umgebauten Garage zu verschwinden.
Karpow entwickelt ein Mittel, mit dem das Wachstum von Lebewesen beschleunigt werden kann. Gedacht ist das eigentlich für Tiere, die so mehr Fleisch liefern, aber nebenbei kann man damit auch Liliputaner wachsen lassen. Was übrigens nicht nur positiv ist, denn für einen normalgroßen Liliputaner hat ein Zirkus keine Verwendung mehr.
Dass das Fleisch billiger wird, ist dann auch gewissen Kreisen ein Dorn im Auge, schmälert es doch die eigenen Gewinne. Daneben gibt es noch etablierte Wissenschaftler, die sich die Forschungsergebnisse Karpows aneignen wollen, um Gelder abzugreifen.
Und so gerät eine Spirale von Korruption und Repression in Gang.
Ich habe beim Lesen immer wieder gemerkt, dass mir der Hintergrund fehlt. Osteuropa ist nicht meine Schwerpunktregion, daher bin ich nicht tief genug in die aktuelle Situation eingearbeitet. Deshalb bin ich mit diesem Buch nicht ganz warm geworden.
Universell sind die Beschreibungen von Korruption und Repression. Da scheinen Russland und die afrikanischen Länder nicht sehr weit auseinander zu sein.
Als Satire über Korruption ist dieses Buch interessant für alle, richtig zu genießen ist es allerdings nur für diejenigen, die etwas Hintergrundwissen über die moderne russische Gesellschaft besitzen.

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Eine von so vielen
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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

marion samuel, 2. weltkrieg, judenverfolgung, 11 jahre, juden

Eine von so vielen

Götz Aly
Flexibler Einband: 173 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 06.10.2011
ISBN 9783596192571
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Große Zahlen sind abstrakt und schwer fassbar. Deshalb ist es auch fast unmöglich, sich die Anzahl getöteter Juden wirklich vorzustellen. Sie ist einfach zu groß. Eine quantitative Angabe sagt zudem nichts über das qualitative Leiden aus.
Einfacher wird es, wenn es um konkrete Personen geht, wenn man nicht über eine Zahl, sondern über ein individuelles Leben redet, wenn aus einer abstrakten Zahl ein konkreter Mensch wird.
Genau das macht Götz Aly in diesem Buch. Ausgelöst durch den Erhalt des Marion-Samuel-Preises hat er nachgeforscht, wer Marion Samuel eigentlich war; er hat dem Namen ein Gesicht gegeben und uns das deportierte und ermordete Mädchen nahe gebracht.
Ein Kind wurde getötet, ein niedliches kleines Mädchen. Ein Kind, das mit Politik noch gar nichts zu tun hatte, außer als Opfer. Ein Kind, das qualvoll sterben musste, nur weil es Jüdin war.
Gerade einmal 11 Jahre war Marion Samuel, als sie von ihrer Familie getrennt und in Ausschwitz ermordet wurde. Es gibt noch einige wenige Fotos von ihr, auf denen ihre riesige Haarschleife sofort ins Auge fällt. Ihre schöne und behütete Kindheit endet schnell und viel zu früh. Zunächst durch die tiefgreifenden Veränderungen im Alltag, wie zum Beispiel das Verbot, die gewohnte Schule zu besuchen, später durch die Erfahrung von Gewalt und Tod. Fast die gesamte Familie Samuel kam in Auschwitz um.
Aly hat mit der ihm eigenen Gründlichkeit die Archive gestöbert und anhand der gefundenen Volkszählungsblätter, Vermögenserklärungen, ärztlichen Gutachten, Personalbüchern, Transportlisten und Fotos die Geschichte der Familie Samuel rekonstruiert.
All das ergibt eine beklemmende Lektüre, die das Ausmaß der Verfolgung emotional nachvollziehbar macht und lange nachhallt.

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Ehrlich & Söhne
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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Ehrlich & Söhne

Ewald Arenz
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei dtv, 18.10.2011
ISBN 9783423140515
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Dass Bestattungsunternehmer Leichen unter die Erde bringen, ist normal. Nicht ganz so normal ist, was die Mitglieder dieser skurrilen Bestatterfamilie veranstalten.
Für den Verkehrspolizisten, der einen der Bestatter anhält, ist es denn auch ziemlich irritierend, dass die tote Großmutter in ihrem Bett in den Leichenwagen geschoben wurde. Mitsamt noch lebender Katze. Und das wird nicht die letzte beunruhigende Begegnung zwischen dem hartnäckigen Verkehrspolizisten und der Familie des Bestatters bleiben.
Denn die Familie Ehrlich & Söhne hat noch eine Leiche im Keller. Genau gesagt, eine Leiche zu viel, und dann auch noch die einer RAF-Terroristin. Samuel Ehrlich muss also nicht nur seine Großmutter, sondern auch die Vergangenheit seines Vaters begraben. Dabei wird für Samuel selbst die Vergangenheit höchst lebendig, als seine Jugendliebe auftaucht. Das tut seiner Ehe gar nicht gut.
Dieses geniale Buch um eine verschrobene Familie, die einem lange in Erinnerung bleibt, ist herrlich skurril und machte mir viel Spaß. Es ist rasant, witzig, absurd und dabei warmherzig. Ich war erstaunt, dass der Autor Deutscher ist, ich hätte das Buch unter typisch britischen Humor abgelegt.

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Eine Frau bei 1000°
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80 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 29 Rezensionen

island, vergewaltigung, deutschland, krieg, dänemark

Eine Frau bei 1000°

Hallgrimur Helgason , Karl-Ludwig Wetzig
Fester Einband: 530 Seiten
Erschienen bei Tropen-Verlag Label von Klett-Cotta, 01.09.2011
ISBN 9783608501124
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Was braucht man zum Leben? Der 80jährigen Herbjörg Maria Björnsson, die in einer Garage lebt, genügen ihr Bett, ihr Laptop und ihre Handgranate.
Munter chattet und facebookt sie mit jungen Männern auf der ganzen Welt, wobei sie sich als Schönheitskönigin ausgibt. Lügen ist eine echte Spezialität von ihr.
So ganz nebenbei erzählt sie in diesem Buch ihr wechselhaftes und interessantes Leben. Sie ist viel herumgekommen, hat in vielen verschiedenen Ländern gelebt und berühmte Persönlichkeiten kennengelernt.
Hauptthema sind jedoch ihre Männergeschichten – und die Männer kommen dabei nicht besonders gut weg. Scharfzüngig, bissig, und dabei immer auf dem Punkt rechnet sie mit ihrem Leben ab.
Mir hat der schwarze Humor des Autors sehr gefallen. Das Buch ist flüssig geschrieben, liest sich sehr gut und die ungewöhnliche Geschichte macht einfach Spaß.
Helgason hat eine widerspenstige, kratzbürstige und sehr scharfsinnige Hauptfigur geschaffen, die einem lange in Erinnerung bleibt.

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Erebos
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553 Bibliotheken, 16 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

computerspiel, sucht, london, erebos, thriller

Erebos

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 485 Seiten
Erschienen bei Loewe, 09.06.2011
ISBN 9783785573617
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Wir Eltern haben ein gestörtes Verhältnis zu Computerspielen. Die Spielerei raubt unseren Kids Zeit, die sich sinnvoller verbringen ließe (nein, nicht nur mit Lernen!), sie sorgt für Streit und Suchtverhalten. Der Albtraum aller Eltern ist die Vorstellung, das Computerspiel könne für ihr Kind die Realität ersetzen.
Bei dem Spiel Erebos ist diese Angst berechtigt. Denn dieses Spiel, das in einer Londoner Schule nur unter strenger Geheimhaltung einzeln unter Freunden verteilt wird, sprengt die Grenzen zwischen Spiel und Realität. Die Regeln des Spiels sorgen dafür, dass die Spielenden sich immer mehr von ihrem Alltag entfernen, denn sie dürfen nicht mit Nichtspielern darüber reden und müssen es immer allein spielen. Dabei haben sie nur eine Chance. Wer die Regeln bricht, fliegt unwiderruflich aus dem Spiel. Das sorgt dafür, dass alle Mitspieler bis zum Äußersten gehen, um die Regeln einzuhalten und dieses ganz besonders attraktive Spiel weiterzuspielen, selbst wenn da bedeutet, mehr oder weniger irritierende Aufgaben in der Realität auszuführen. Selbst vor Mordaufträgen macht Erebos nicht halt.
Nick ist einer der Spielsüchtigen. Sein Avatar ist auf dem besten Wege, den höchsten Level zu erreichen und in den inneren Kreis der Spieler aufzusteigen. Aber dann macht Nick einen Fehler, und das ändert alles…
Selbst beim Lesen kann man sich der ausführlich beschriebenen Erebos-Welt nicht entziehen. Im Gegenteil, es reizte sogar eine Nichtspielerin wie mich, es vielleicht doch einmal mit einem Computerspiel zu versuchen. Allerdings auf keinen Fall mit Erebos, denn was hinter diesem Spiel steckt, ist wirklich gruselig.
Dieses Buch sollte man anfangen, wenn man ein bisschen Zeit hat, denn es ist äußerst schwer aus der Hand zu legen. Die Autorin schreibt spannend, rasant und mit viel Gefühl für ihre Charaktere. Besonders gefallen hat mir das stimmige Ende.
Auch mein ziemlich lesefauler 17jähriger Sohn war begeistert und hat das Buch förmlich verschlungen.

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Ein dunkler Moment
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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Ein dunkler Moment

Rabea Edel
Fester Einband: 189 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 03.03.2011
ISBN 9783630873381
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Ein Jugendlicher erschlägt in einer amerikanischen Kleinstadt seine Familie mit dem Baseballschläger. Nur eine Schwester überlebt, weil sie in seinen Plan eingeweiht war. Der Junge schreibt ihr an jedem Jahrestag eine Postkarte aus dem Gefängnis, die immer mit dem gleichen Satz endet: „Was machst Du, damit die Erinnerung an uns gut wird?“.
Auf den Tag genau 11 Jahre später wird in Rom eine junge Frau ermordet. Die Mörderin benutzt ihre Kleidung und fährt tagelang durch die Gegend. Dabei trifft sie auf den Pathologen Andrea Landolfi, der die Ermordete obduziert hat.
Das klingt nach einem Krimi, aber das ist nicht die richtige Bezeichnung für dieses ganz besondere Buch. Die Gewalttaten ereignen sich wie im luftleeren Raum; die Vorgeschichte und die Motive für die Morde werden nicht einmal erwähnt. Die Morde passieren und haben Auswirkungen. Aber welche eigentlich genau?
Auch die Menschen verhalten sich wie im luftleeren Raum, fern von Ethik und Empathie. Die Beziehungen zwischen ihnen sind bestenfalls distanziert, normal sind sie nicht.
Dieses verstörende Buch liest sich wie ein schlechter Traum, aus dem man nicht aufwachen kann. Aber es ist auch faszinierend und fesselnd, was besonders an der poetischen Sprache dieser ungewöhnlichen Autorin liegt. Ich konnte es jedenfalls nicht aus der Hand legen, und es hat mich noch in meine Träume verfolgt.

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Ein Engel an Güte
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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Ein Engel an Güte

Ippolito Nievo , Barbara Kleiner , Lothar Müller
Fester Einband: 556 Seiten
Erschienen bei Manesse Verlag, 22.09.2010
ISBN 9783717521747
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Engelsgüte und Unschuld, dafür war im Venedig des 18. Jahrhunderts kein Platz. Denn die Gesellschaft war äußerst dekadent. Es wurde intrigiert, gelogen, betrogen, gesoffen. Und die Sexualität war wesentlich freier, als man gedacht hätte.
Mit diesem Verfall der Sitten wird Morosina, die bisher in einem Kloster der Seraphininnen untergebracht war, wo sie nicht besonders viel Kontakt mit den anderen jungen Mädchen hatte, schlagartig konfrontiert, als sie das Kloster verlässt und bei ihrem Paten, den Inquisitor Formiani, in Venedig unterkommt. Jetzt bewegt sie sich in der höchsten Gesellschaftsschicht, wo ihre Unschuld für Koketterie gehalten wird, weil man unschuldiges und freundliches Benehmen schon gar nicht mehr erkennen kann. Die venezianische Gesellschaft spielt fortwährend Theater, die Menschen zeigen sich nicht als Persönlichkeiten, sondern in ihren Rollen, die an die Commedia della Arte erinnern.
Das gilt auch für Cavaliere Celio, der nicht merkt, dass Morosina tatsächlich in ihn verliebt ist. Ihre Freude ist groß, als ihr eröffnet wird, dass der Pate sie verheiraten will, geht sie doch davon aus, dass ihr Bräutigam wird. Weit gefehlt. Der über 70jährige Formiani selbst möchte sie ehelichen und sogar noch Vater werden. Morosina ist es gewöhnt zu gehorchen, sie geht also diese Ehe ein und wird zur Krankenpflegerin ihres Mannes, der eine maßgebliche Rolle in den politischen Intrigen Venedigs spielt.
Die Unschuld und die Güte Morosinas sind für ihre Umgebung so ungewohnt, dass Morosina als Engel gesehen wird, als Engel der Güte. Und damit schafft sie es auch, das verschüttete Gute in den Menschen ihrer Umgebung zum Vorschein zu bringen.
Ich habe diesen Roman, der mal Komödie, mal historischer Roman ist, sehr genossen. Besonders die komödiantischen Elemente, am besten verkörpert durch den Gerichtsschreiber Chirichillo, der sogar ein eigenes Romanende bekommt, haben es mir angetan. Ippolito Nievo hat eine so reiche Erzählkunst, dass er es spielend hinbekommt, das Komödiantenhafte mit dem Ernsten zu verbinden und daraus einen in sich stimmigen Roman zu gießen.
Die im Verfall begriffene venezianische Gesellschaft des 18. Jahrhunderts wurde mir hier auf wunderbare Art nahe gebracht. Dazu tragen auch die Anmerkungen und das Nachwort bei.
Im Nachwort wird dieses Buch als Vorspeise und „Bekenntnisse eines Italieners“ als Hauptgang bezeichnet. Das werde ich mir zu Herzen nehmen und meinen durch die Vorspeise angeregten Appetit möglichst bald durch den Hauptgang stillen lassen.

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Eine unbeliebte Frau
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(381)

626 Bibliotheken, 13 Leser, 6 Gruppen, 64 Rezensionen

krimi, taunus, mord, pia kirchhoff, pferde

Eine unbeliebte Frau

Nele Neuhaus
Flexibler Einband: 382 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.05.2009
ISBN 9783548608877
Genre: Krimi & Thriller

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