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Grappa und die Toten vom See
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Grappa und die Toten vom See

Gabriella Wollenhaupt
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Grafit, 16.05.2013
ISBN 9783894254186
Genre: Krimi/Thiller/Horror

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Glits
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37 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

leben, phantastik, e.t., alien, fantasy

Glits

Robert Wolfe , Thorsten Nötges
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Thienemann Verlag, 08.02.2013
ISBN 9783522201735
Genre: Kinder- & Jugendbuch

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Goldkehlchen
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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Goldkehlchen

Andreas Stammkötter
Flexibler Einband: 278 Seiten
Erschienen bei Gmeiner, 04.02.2013
ISBN 9783839213803
Genre: Krimi/Thiller/Horror

Rezension:

Was ist bloß los bei den Thomanern?
Kurz vor Ostern wird in der Leipziger Thomaskirche das Grab Johann Sebastian Bachs geschändet und die rechte Hand, die der Komponist zum Dirigieren benutzt hat, entwendet.
Aber damit nicht genug, einen Tag später erkranken einige der Mitglieder des Thomanerchores an einer Salmonellenvergiftung. Zum ersten Mal in 800 Jahren müssen die Osterkonzerte abgesagt werden!
Kein Wunder, dass helle Aufregung unter den Thomanern herrscht. Es ist ein schwieriger Fall für die Kommissare Kroll und Wiggins, aber sie erhalten tatkräftige Unterstützung von zwei jungen Thomanersängern. Die halten zwar nicht immer die strengen Internatsregeln ein, finden aber mit ihrer jungendlichen Begeisterung wichtige Hinweise.
Ich wollte mich, bevor ich anlässlich der Buchmesse zum ersten Mal Leipzig besuche, ein wenig auf die Stadt einstimmen. Neben dem gewünschten Lokalkolorit hat dieser Krimi aber noch viel mehr zu bieten.
Sympathische Charaktere, eine spannende Geschichte, die mit Humor erzählt wird, zwei sehr pfiffige Jugendliche, die entscheidende Spuren finden und ein Einblick in die Welt der Thomaner haben mir sehr angenehme Lesestunden bereitet.

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Gott bewahre
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3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Gott bewahre

John Niven , Stephan Glietsch , Jörn Ingwersen
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 01.11.2012
ISBN 9783453676336
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Da ist man nur mal kurz für 400 Jahre angeln, und schon hat der Sohn es geschafft, alles verkommen zu lassen! Gott ist entsetzt, was aus der Welt geworden ist. Intoleranz, Gewalt, Hass, Umweltzerstörung und vor allem eine Auffassung von Religion, die so gar nicht dem entspricht, was Gott möchte, haben seine Schöpfung kaputt gemacht. Sklavenhandel, Auschwitz, Burkas, Taliban, Kreationisten – die Erde ist bewohnt von brutalen Idioten. Gott ist drauf und dran, die Menschheit auszulöschen und von vorn anzufangen. Ein paar Erfindungen jedoch findet Gott gelungen, eigentlich wäre es ja doch schade um die einfallsreichen Menschen.
Bei einem Besuch in der Hölle hat Gott ein Streitgespräch mit Satan, der sich als endgültiger Gewinner im Kampf um die Seelen der Menschen sieht. Schließlich herrscht bei ihm Hochbetrieb; die Hölle quillt über von Investmentbankern, Hedgefonds-Managern, Rassisten und Schwulenhassern. Spontan entscheidet Gott, dass sein Sohn nun selbst wieder geraderücken muss, was er verbockt hat, und die Menschen zum Umdenken bewegen soll.
Jesus wird also erneut auf die Erde gesandt. Dort schlägt er sich in New York mehr schlecht als recht durch, setzt sich, wie auch nicht anders zu erwarten, für die Schwächsten der Gesellschaft ein und versucht, das eigentlich einzige Gebot seines Vaters (die anderen hat Moses erfunden), zu verbreiten: SEID LIEB!
Um ihre miese finanzielle Lage zu verbessern, überreden seine Schützlinge ihn, an der Talentshow American Pop Star teilzunehmen. In einem Roadtrip der etwas anderen Art macht Jesus sich mit seiner Gemeinschaft von Säufern, Drogenabhängigen und Obdachlosen auf den Weg nach L.A. Klar, dass JC sich dort mit dem arroganten Star Steven Stelfox anlegt und die Show kräftig aufwirbelt. Und dann kommt Jesus in eine Situation, die ihm bekannt vorkommt…
Dieses Buch ist wirklich gut gemacht. Die Geschichte ist witzig und voller skurriler Situationen, eine Anspielung jagt die nächste, die Seitenhiebe auf angeblich christliche Intolerante sind herrlich böse, und die eigenwilligen Charaktere, die JC um sich schart, sind mir ans Herz gewachsen.
Allerdings hat mich die aufdringliche Fäkalsprache gestört, besonders im ersten Teil, der im Himmel spielt. Schon klar, Gott und Jesus sollten locker und cool rüberkommen, aber das ist einfach übertrieben und unpassend. Ebenso ging es mir mit der Darstellung von Jesus als kiffenden Rockstar. Das ist mir eine zu eingeschränkte Charakterisierung.
Abgesehen davon macht dieses Buch richtig Spaß. Und ein einzelnes Gebot ist auch viel sinnvoller als eine ganze Gesetzessammlung. Also: SEID LIEB!

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Glöckchen, Gift und Gänsebraten
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weihnachten, kurzgeschichten, haushälterin, überfall, johannes engelke

Glöckchen, Gift und Gänsebraten

Johannes Engelke
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 01.10.2012
ISBN 9783426512777
Genre: Krimi/Thiller/Horror

Rezension:

Ob das wohl als Adventskalender gedacht ist? Schließlich gibt es 24 Kurzkrimis für 24 Tage.
Egal. Ich habe alle auf einmal gelesen, und fast alle haben mir sehr gut gefallen. Es ist ja auch ein illustrer Haufen von Krimi-Queens und Krimi-Kings, die zu diesem Buch beigetragen haben.
Sehr schön fand ich die Idee, jedem Tag einen Ort in Deutschland zuzuordnen. Ich mag Regionalkrimis, und das gilt auch für diese Regional-Weihnachts-Krimis.
Ob man nun die Adventszeit liebt und sie auch im Lesestoff wiederfinden will, oder ob man von Weihnachten genervt ist und etwas nicht so Besinnliches sucht, in diesem Buch findet jeder etwas Passendes.

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Grießnockerlaffäre
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bayern, mord, landshut, eberhofer, krimi

Grießnockerlaffäre

Rita Falk
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.10.2012
ISBN 9783423249423
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

„Die Beerdigung von der Oma ist an einem Donnerstag.“
Wie? Was? Die Oma ist tot? Das darf doch nicht wahr sein! Keine Sorge, ist es auch nicht. Jedenfalls nicht, was die Oma vom Franz Eberhofer angeht. Die ist munterer denn je. Gestorben ist die Oma von der Susi. Schlimm genug, aber keine Katastrophe.
Die Oma vom Franz erfreut sich bester Gesundheit, und es geht ihr richtig gut. Sie hat nämlich einen unerwarteten Besucher: Paul, ihre alte Liebe. Der natürlich auf dem Hof wohnt, was dem Papa von Franz überhaupt nicht gefällt. Seine Beatles-Musik stellt er entsprechend laut.
Noch schlechter geht es dem Franz. Der wird nämlich verdächtigt, seinen Vorgesetzten erstochen zu haben. Die beiden konnten sich nicht leiden, und der Barschl ist mit dem Hirschfänger von Franz ermordet worden. Gut, dass der Richter mit dem Papa vom Franz befreundet ist und seine schützende Hand über Franz hält, damit dieser in Ruhe in eigener Sache ermitteln kann. Verdächtige gibt es genügend; der Barschl hat sich nicht gerade beliebt gemacht.
Ich liebe diese Serie. Ja, es ist wieder das gleiche Personal wie in den vorherigen Büchern, mit den gleichen Macken. Aber langweilig wird es trotzdem nicht. Das Buch ist wieder genauso voller Witz, es liest sich wieder sehr schnell, und wie gewohnt gibt es im Anhang wieder ein Glossar und die Rezepte. Eine kleine Änderung gibt es diesmal doch: Nicht alle Tränen sind Lachtränen. Denn die Liebesgeschichte zwischen der Oma und ihrem Paul – nein, das verrate ich nicht.
Mir hat dieser Band jedenfalls wieder genauso gut gefallen wie die vorherigen.

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Ganz normale Helden
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familie, internet, london, trauer, realität

Ganz normale Helden

Anthony McCarten
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.09.2012
ISBN 9783257067941
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Es ist schlimm, wenn ein Kind stirbt. Schlimm für die Eltern, und schlimm für die Geschwister.
Ein Jahr nach dem Tod ihres Sohnes Donald sind Jim und Renata immer noch nicht wieder zu einem normalen Leben fähig. Jim hat ein Haus auf dem Land gekauft und meint, dass die Abgeschiedenheit hilfreich für die Familie sein wird, und Renata chattet mit einem Online-Priester. Oder vielleicht auch direkt mit Gott.
Dass ihr 18jähriger Sohn Jeff trotz seiner eigenen Trauer versucht, ihnen über den Verlust hinwegzuhelfen, merken Jim und Renata nicht einmal. Also haut Jeff ab. Erst in das Online-Rollenspiel „Life of Lore“ (LoL), dann auch in der Realität. Jeff ist eines Tages spurlos verschwunden und meldet sich nicht mehr.
Jim verzweifelt daran, denn er will nicht auch noch sein zweites und letztes Kind verlieren. Also macht er sich auf die Suche, auf die virtuelle Suche. Er meldet sich bei LoL an und versucht dort, seinen Sohn zu finden. Aber das ist gar nicht so einfach, denn Jeff hat das höchste Level erreicht. Jim muss sich im Spiel hocharbeiten, um Jeff treffen zu können. Das hat Folgen…
Dieses Buch ist die Fortsetzung von „Superhero“, lässt sich aber auch problemlos lesen, wenn man den ersten Band nicht kennt.
Sehr positiv fand ich, dass in diesem Buch deutlich wird, dass nicht nur Jugendliche dem Reiz der Online-Rollenspiele erliegen, sondern auch Erwachsene sich so sehr darin verlieren können, dass ihr beruflicher und privater Alltag darunter leidet. Nicht nur Kinder und Jugendliche müssen Medienkompetenz lernen, auch deren Eltern.
Die Beschreibung des Spiels hat mir an der Geschichte am besten gefallen. Ich glaube, auch ich wäre diesem Spiel verfallen, so interessant klingt es. Diese Teile des Buches sind auch am humorvollsten.
Die Charaktere wirken lebendig und authentisch, auch wenn ich ihre Reaktionen und ihr Verhalten nicht immer nachvollziehbar fand. Und der flüssige Schreibstil sorgt für eine gute Lesbarkeit. Lediglich das Ende fand ich ein wenig abrupt.
Anthony McCarten hat einfach ein Händchen für ungewöhnliche und fesselnde Geschichten.

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Geisterreise
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Geisterreise

Marie Pohl
Fester Einband: 329 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 24.07.2012
ISBN 9783100590237
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Ist eine junge Frau, die sich einem Straßenjungen anvertraut und mit ihm quer durch Kuba zu einer Santeria-Priesterin reist, naiv, oder besitzt sie nur, wie sie selbst sagt, eine gute Menschenkenntnis? Offensichtlich letzteres, denn ihr passiert, wie auch auf den anderen Reisen, nichts besonders Schlimmes.
Dass ein Gefühl für Situationen, ein Urvertrauen in das Gute im Menschen und eine Offenheit für Erfahrungen außerhalb der eigenen Lebenswelt eine Reise zu einem einschneidenden persönlichen Erlebnis machen können, durfte ich auch selbst erfahren. Ich kann daher das Verhalten der Autorin gut nachvollziehen.
Marie Pohl sucht nach Geistern. Der Glaube an Geister existiert in allen Gegenden der Welt, und trotz regionaler Unterschiede geht es dabei immer um das Gleiche. Es muss also etwas an diesem Glauben dran sein, und Marie Pohl tut alles Mögliche, um endlich einmal selbst einen Geist zu sehen.
Die Reise beginnt in Kuba, wo die Santeria-Priesterin der Autorin rät, nach der Afrikanischen Königin zu suchen. Leicht gesagt, gibt es auf dem afrikanischen Kontinent doch eine ganze Legion solcher Königinnen.
Die Teilnahme an der Zeremonie in Kuba hat unangenehme Auswirkungen für Marie Pohl, sie wird fast ohnmächtig, muss den Raum verlassen und leidet noch längere Zeit unter starken Nackenschmerzen, die erst in Berlin von der Atemtherapeutin Ilse Middendorf geheilt werden. Die Methode klingt seltsam, aber ich habe selbst den Erfahrbaren Atem bei einer Schülerin Middendorfs kennengelernt und profitiere bis heute von dieser ungewöhnlichen, sanften und wirksamen Methode.
Als Nächstes verschlägt es die Autorin nach Irland, wo sie für eine Freundin ein Anwesen hütet, das verkauft werden soll. Bisher sind jedoch alle Käufer im letzten Moment abgesprungen. Angeblich soll es in dem Haus spuken. Marie findet auch unerklärliche Blutpfützen im Badezimmer, aber einen Geist sieht sie trotz aller Bemühungen nicht. Trotzdem ist sie sich sicher, dass es Geister gibt. „Wir haben ein Gespür für eine Anwesenheit, die in der Natur liegt. Das Mysterium ist eine Anwesenheit, eine schwingende Anwesenheit, eine animierende Anwesenheit, eine Anwesenheit, die etwas erzählt.“, erklärt ihr ein Ire.
Besonders gut zu spüren ist das in Afrika. Marie reist nach Ghana, und dieser Teil des Buches hat mir am besten gefallen. Ich habe drei Monate lang in einer ghanaischen Familie in Accra, Tema und der Volta-Region gelebt und selbst einige unerklärliche Erlebnisse gehabt.
Beim Lesen kamen also viele wunderbare Erinnerungen hoch, zum Beispiel an den Empfang außerhalb des Flughafengebäudes, oder an die Busse, die erst dann abfahren, wenn sie voll besetzt sind, „any time from now“. Der afrikanische Umgang mit Zeit ist völlig anders als unserer und eine sehr schöne Erfahrung, wenn man sich darauf einlässt.
Die Autorin begegnet traditionellen Priestern und nimmt an Zeremonien teil, aber auch hier gelingt es ihr nicht, einem Geist zu begegnen. Jedenfalls nicht sichtbar, denn der Geist eines toten Freundes macht sich zwar positiv bemerkbar, erscheint ihr aber nicht.
Leider verzichtet die Autorin auf eine große Zeremonie in Ghana, um rechtzeitig zum Fest der Toten in Mexiko zu sein. Das unheimliche Erlebnis auf einem Vulkan ist zwar interessant erzählt, mir fehlte jedoch die thematische Verbindung zum Rest des Buches.
Auch das Interview mit einem Zauberer an der Grenze zwischen Deutschland und Belgien ließ mich unbefriedigt zurück, mir fehlte der Rahmen dieser Geschichte.
Witzig fand ich die Beschreibung der Erfahrungen mit den Geisterjägern und der Residual Energy. Zum Schluss wurde auch die die Afrikanische Königin gefunden, an einem ganz unerwarteten Ort.
Wer einen Roman erwartet, wird von diesem Buch enttäuscht sein, denn es ist eher ein Sachbuch, eine Reisebeschreibung und ein Buch über Mythen der Welt. Mythen, die sich erstaunlich ähnlich sind.
Ich hatte Probleme mit dem Schreibstil, der mir zu abgehackt war, und ich hätte gern mehr Hintergrundinformationen gehabt. Ich denke, dem Buch hätte es gut getan, als Sachbuch konzipiert zu werden.
Trotzdem hat mir dieses ungewöhnliche Buch gut gefallen, besonders der Teil, der in Ghana spielt.

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Grete Minde
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Grete Minde

Theodor Fontane , Helmuth Nürnberger
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei dtv, 21.02.2012
ISBN 9783423140874
Genre: Literatur vor 1945

Rezension:

Stiefmütter sind nicht nur im Märchen böse, das muss Grete Minde Anfang des 17. Jahrhunderts selbst erleben.
Grete wird ständig schlecht behandelt, beschimpft und gedemütigt. Heutzutage könnte sie sich an das Jugendamt wenden, aber damals interessierte es keinen Menschen, ob es einem Kind gut geht oder nicht.
Nur der Nachbarsjunge Valtin hält zu ihr, zeigt ihr seine Liebe und flüchtet schließlich gemeinsam mit ihr. Leider gibt es kein glückliches Ende einer Liebesgeschichte, sondern ein schreckliches Ergebnis einer späten Rache.
Theodor Fontane gehört zu meinen Lieblingsschriftstellern. Ich mag seinen Schreibstil und seine ruhige, aber eindringliche Art, eine Geschichte zu erzählen. Dabei ist selbst in einer einfachen Novelle zwischen den Zeilen viel Gesellschaftskritisches verborgen.
Die Geschichte der Grete Minde, die auf einer wahren Begebenheit beruht, hat mich stark berührt. Sie hat alles versucht, um ihren schlechten Lebensbedingungen zu entfliehen, aber sie hat es nicht geschafft.
Diese Neuauflage hat einen ausführlichen und nützlichen Anhang, mit Anmerkungen, Erklärungen, Briefen und Bemerkungen zur Entstehungsgeschichte.

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Grappa lässt die Puppen tanzen
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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Grappa lässt die Puppen tanzen

Gabriella Wollenhaupt
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Grafit, 01.05.2012
ISBN 9783894253950
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Der Bierstädter Straßenstrich wird geschlossen. Aber wo sollen die überwiegend osteuropäischen Prostituierten jetzt hin? Die neue Regelung macht ihr Leben noch unsicherer.
Kein Wunder also, dass Grappa, die über die Polizeiaktion berichten soll, über eine tote Hure stolpert. Die übel zugerichtete Tote ist eine Roma-Frau, und Grappa beginnt ihre Nachforschungen in einer ihr völlig fremden Welt.
Bierstadt ist unschwer als Dortmund zu erkennen, und einmal mehr überholt die Realität die Fiktion. Dortmund hat tatsächlich den Straßenstrich aufgelöst.
Der Krimi ist wie immer witzig und spannend, aber auch politisch und sozial engagiert. Ich fand die Schilderung der Roma-Gemeinschaft sehr interessant und die Darstellung der Stellung der Frau sehr lebensnah.
Grappa gehört mit ihrer schnodderigen Art und ihrer sozialen Ader inzwischen zu meinen Lieblings-Serienheldinnen.

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Goethe ruft an
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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

goethe, leichtschreiben, manuskript, leben, schreiben

Goethe ruft an

John von Düffel
Fester Einband: 317 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 19.08.2011
ISBN 9783832196493
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Goethe ruft an, bei einem recht unbedeutenden Schriftsteller, der sich nichts sehnlicher wünscht, als die Begabung seines langjährigen Bekannten zu besitzen, ebenso berühmt zu sein wie dieser, der schon zu Lebzeiten ein Klassiker ist.
Nein, es ist kein Anruf aus dem Jenseits, es handelt sich natürlich nicht um den echten Goethe, sondern um einen äußerst erfolgreichen Schriftsteller, der vom Ich-Erzähler nur so genannt wird. So, wie auch die anderen Protagonisten dieses außergewöhnlichen Romans nach ihren Eigenschaften benannt werden, und beispielsweise als Fräulein Rottenmeier auftauchen.
Goethe bittet seinen Nacheiferer, ihn bei einem Seminar im Spreewald zu vertreten, weil er selbst in China weile. Das Seminar beginne zwar schon am nächsten Tag, es sei aber kein Problem, es ohne lange Vorbereitung zu leiten, weil alles gründlich in Goethes Manuskript beschrieben sei, jeder Schritt, jede Schreibübung.
Dieses Manuskript wird dem Ich-Erzähler ausgehändigt, ausdrücklich im Original, von dem keine Abschrift existiert. Leider ist der Gute ziemlich chaotisch veranlagt, schafft es nicht, vor Kursbeginn auch nur eine Seite zu lesen, verschläft, und muss das Seminar aus dem Stehgreif halten.
Zu allem Übel versuchen die Kursteilnehmerinnen, ihm das Manuskript abzuschwatzen, und dabei merkt der Ich-Erzähler, dass er das wertvolle Original-Manuskript nicht mehr finden kann…
Dieses intelligente Buch hat mir richtig Spaß gemacht, besonders die literarischen Diskussionen der Kursteilnehmer, in denen es beispielsweise um die Schwierigkeit des ersten Satzes geht.
Auch wenn ich es gewöhnungsbedürftig fand, dass die wörtliche Rede nicht mit Anführungsstrichen gekennzeichnet ist, was ich überhaupt nicht mag, hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen.
Eine ganz besondere Spannung erhält das Buch durch den Wechsel zwischen tiefgründigen literarischen Debatten und der witzig geschilderten Überforderung des Ich-Erzählers, mit seiner Rolle als Kursleiter, mit den teilnehmenden Frauen und mit der Suche nach dem Manuskript fertig zu werden.
Ich wünsche diesem klugen Kleinod viele Leser.

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Gebrauchsanweisung für Island
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22 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

island, reisen, menschen, 2x verfügbar, neu

Gebrauchsanweisung für Island

Kristof Magnusson
Fester Einband: 193 Seiten
Erschienen bei Piper, 11.03.2011
ISBN 9783492275880
Genre: Sonstiges

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Goldstein
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(45)

75 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 25 Rezensionen

berlin, krimi, 30er jahre, gereon rath, antisemitismus

Goldstein

Volker Kutscher
Flexibler Einband: 573 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.10.2011
ISBN 9783462043235
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Berlin im Jahr 1931. Bei Karstadt und Wertheim haben sie erfolgreich geübt, in dieser Nacht wollen Alex und Benny das KaDeWe ausrauben. Wie zuvor ist es leicht, sich einschließen zu lassen und an den Schmuck und andere Wertsachen zu kommen. Aber diesmal geht etwas schief, offensichtlich hat die Polizei einen Tipp bekommen. Bei der Jagd durchs nächtliche Kaufhaus fällt Benny von einer Fensterbrüstung.
Das war kein Unfall; ein Polizist hat Benny auf die Hände getreten, damit er sich nicht halten kann. Dieses Wissen ist für Alex lebensgefährlich, denn sie wird als Mitwisserin von der Polizei gejagt. In die gewohnten Verstecke kann sie nicht zurück, und ihr Hehler wird ermordet.
Hilfe erhält die obdachlose Alex nur von Charly Ritter, der Jurastudentin, die ihren Vorbereitungsdienst im Amtsgericht Lichtenberg ableistet und mit Gereon Rath befreundet oder vielleicht doch schon verlobt ist.
Gereon Rath hat nicht nur Entscheidungsprobleme in seiner Beziehung zu Charly, sondern auch berufliche Probleme. Er soll den amerikanischen Verbrecher Goldstein während seines Berlinbesuchs überwachen. Eine langweilige Tätigkeit, die durch Goldsteins Findigkeit, seinen Bewachern zu entwischen, dann aber noch zu einer spannenden Jagd durch Berlin wird.
Die politische Lage sorgt ebenfalls für Arbeit, denn die Auseinandersetzungen zwischen SA und Rotfront werden immer gewalttätiger.
Auch der Unterweltsboss Marlow hält Gereon Rath in Trab. Der Chef eines Ringvereins ist verschwunden und Gereon soll als Gegenleistung zu den Gefälligkeiten, die Marlow bisher geleistet hat, ermitteln.
Daneben gibt es noch eine Serie von Morden, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Aber schnell wird Gereon klar, dass all seine Ermittlungen zusammenhängen und Teil einer Verschwörung sind, die direkt in das Polizeipräsidium führt.
Für mich ist dies der bisher beste Teil der empfehlenswerten Reihe um Gereon Rath. Dem Autor gelingt es, die Zeit der Weimarer Republik lebendig werden zu lassen. Die Atmosphäre der damaligen Zeit mit ihrer schleichenden Entdemokratisierung der Gesellschaft, dem geschürten Neid auf Juden und dem Beginn der Repressalien gegen Juden wird hervorragend und mit historischer Genauigkeit eingefangen. Erschreckend deutlich werden Parallelen zu Tendenzen in der heutigen Zeit, z.B. der Sarrazin-Debatte.
Auch die Charaktere sind lebendig und authentisch. In diesem Band hat mir besonders Alex, die unter besseren Umständen sicherlich nicht kriminell geworden wäre, mit ihrer Anständigkeit und ihrer Beharrlichkeit gefallen. Auch der zunächst undurchsichtige Goldstein wird durch sein Verhalten richtig sympathisch.
Gereon Rath mit seinen Ecken und Kanten gefiel mir schon in den Vorgängerbänden gut, ebenso wie seine Beinaheverlobte Charly, die sich als Frau im Berufsleben gegen die männlichen Vorurteile durchsetzen muss.
Jetzt warte ich auf den nächsten Band dieser historisch spannenden Krimiserie.

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Gewalt
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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

gesellschaften, menschen, soziologie, biologie, verhalten

Gewalt

Steven Pinker , Sebastian Vogel
Fester Einband: 1.211 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 20.10.2011
ISBN 9783100616043
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Schon wieder ein Amoklauf. Schon wieder ein mörderischer Anschlag. Schon wieder ein tätlicher Angriff im öffentlichen Nahverkehr. Schon wieder Tote und Verletzte. Jeden Tag lesen wir von neuen Gewalttaten. Es wird immer schlimmer, unsere Gesellschaft wird immer gewalttätiger.
Stimmt nicht, sagt Pinker, im Gegenteil. Er vertritt die These, dass die Gewalt sogar abgenommen habe. Und diese These belegt er in diesem zu Recht als Standardwerk bezeichneten Buch sehr gründlich und ausführlich.
Pinker betrachtet die langfristige Entwicklung der Gewalt und stellt erst einmal sehr plastisch die alltäglichen Gewalterfahrungen in früheren Gesellschaften dar. Das Mittelalter beispielsweise, das uns so sehr fasziniert, dass sich historische Romane hervorragend verkaufen, war kein gemütlicher Ort. Da wurde gefoltert, als öffentliche Belustigung zu Tode gequält, Kinder wurden misshandelt und getötet, Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung, die kleinsten Vergehen zogen drastische Strafen bis hin zum Tod nach sich. Auch die Ritter des Mittelalters waren nicht gerade die edlen Männer, als die sie gemeinhin dargestellt werden. Sie schützten ihre Minnedamen nur davor, von anderen Rittern geraubt zu werden, nicht vor der eigenen Brutalität.
Das gleiche trifft auf alle anderen früheren Gesellschaften zu, wie das alte Rom oder das antike Griechenland. Im alten Rom wurden Folterungen zum öffentlichen Schauspiel. Im berühmten Kolosseum kamen fast 500 000 Menschen auf grausamste Arten um, unter den Augen eines begeisterten Publikums.
Auch die Bibel bildet da keine Ausnahme. Sie forderte in erster Linie Gehorsam gegenüber der Autorität Gottes, ein Menschenleben hatte demgegenüber keinen Wert. Eine der schlimmsten Foltermethoden, die Kreuzigung, wurde zum Sinnbild der christlichen Religion, deren Führungskräfte die systematische Folter in Europa salonfähig machten. Die Bibel ist so voller brutaler und ausführlicher Gewaltbeschreibungen, dass sie nach heutigen Kinderschutzmaßstäben erst ab einem Alter von 18 Jahren gelesen werden dürfte.
Das Gleiche gilt für Grimms Märchen, in denen es vor Gewalttaten nur so wimmelt. Mord, Kindesaussetzung, Kindesmord, Kannibalismus, Vergiftung, Verstümmelung, Verbrennung und sexueller Missbrauch sorgen für nicht so süße Träume nach Vorlesen der Gutenachtgeschichte.
Selbst noch im 20. Jahrhundert war Gewalt in der Ehe keine Straftat, und das Verprügeln von Kindern war eine anerkannte Erziehungsmethode.
Massive Gewalt war zu allen Zeiten und in allen Gegenden der Welt ein ganz normaler Bestandteil des Alltags.
Aber wodurch hat sich das geändert? Wie kommt es, dass wir heutzutage nicht mehr davon bedroht sind, gepfählt oder aufs Rad geflochten zu werden? Wie kommt es, dass Folter und die Todesstrafe in weiten Teilen der westlichen Welt verpönt sind? Warum werden heute Menschen für geringe Vergehen nicht mehr an den Pranger gestellt, wo sie ohne Nahrung aushalten müssen und mit Exkrementen beworfen werden? Warum werden kluge Frauen nicht mehr als Hexen verbrannt?
Pinker erklärt das unter anderem mit dem Aufkommen und Erkämpfen von Rechten und mit der Entwicklung des Mitleids.
Der Autor teilt den Prozess des Gewaltabbaus in mehrere Phasen ein: Dem Befriedungsprozess, dem Prozess der Zivilisation, der Humanitären Revolution, dem Langen Frieden, dem Neuen Frieden und der Revolution der Rechte.
Im Befriedungsprozess fand der Übergang von der Steinzeitgesellschaft der Jäger und Sammler hin zu den sesshaften Gesellschaften statt. Pinker macht es sichtbar Spaß, mit romantischen Vorstellungen aufzuräumen, denn die ursprünglichen Gemeinschaften waren nicht natürlich, edel und gut, sondern wesentlich gewalttätiger als ihre Ackerbau und Viehzucht betreibenden Nachfahren. Besonders hart wurde um Frauen gekämpft, natürlich ohne deren Mitspracherecht. Der Prozess der Befriedung senkte das Risiko eines Mannes, Opfer einer Gewalttat zu werden, um ein Fünftel.
Der Zivilisationsprozess hatte das Merkmal, dass die Gewaltausübung institutionalisiert und auf den Staat übertragen wurde. Der Gewaltrückgang fand überwiegend in den oberen Schichten statt, denn vor allem dort wurde sie ausgeübt. Unterstützt wurde dieser Prozess durch den Handel, der es notwendig machte, über den eigenen Tellerrand zu sehen, sowie durch einen Wandel in der Psyche hin zu mehr Selbstkontrolle und besserem Benehmen. Bei Fischern, Bauern und Viehzüchtern entwickelten sich informelle Normen. Ein wichtiger Motor des Zivilisationsprozesses war die Heirat, denn Frauen haben offensichtlich eine friedensstiftende Wirkung auf Männer.
Zentral war die Humanitäre Revolution. Die Aufklärung sorgte für ein Umdenken. Tötungen aus Aberglauben, wegen Gotteslästerung und wegen Ketzerei wurden abgeschafft, Grausamkeit und Folter, auch gegenüber Kindern und Tieren, wurden geächtet, die Rechte der Menschen wurden wichtig. In dieser Phase wurde auch die Sklaverei abgeschafft. Die Wertschätzung wendete sich nicht mehr Seelen, sondern Leben zu. Das erforderte die Fähigkeit, für die anderen Menschen Mitleid zu empfinden. Ermöglicht und verstärkt wurde dieser Prozess durch das Aufkommen der Wissenschaft, durch die Verbesserung der Hygiene, die Menschen weniger abstoßend machte, und vor allem durch die Verbreitung des Lesens. Die Alphabetisierungsrate stieg, und als immer mehr preiswerte Bücher zur Verfügung standen, stieg auch die Motivation zum Lesen. Dazu kam die „Leserevolution“, nämlich die Veränderung des Leseverhaltens. Statt religiöser Texte wurden säkulare gelesen, und die Bandbreite der Textarten nahm zu. Der Horizont der Lesenden erweiterte sich über die unmittelbare Umgebung des eigenen Dorfes hinaus und führte, besonders durch die Lektüre von Romanen, zu einer größeren Fähigkeit, sich in die Denkweisen anderer Menschen einzufühlen und den eigenen Standpunkt, die eigenen Gewohnheiten und Sitten zu relativieren. Kein Wunder, dass der Klerus Romane auf den Index der verbotenen Bücher setzte!
Die Periode des Langen Friedens bezieht sich auf die Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Nie in der Geschichte gab es weniger Kriege als in dieser Phase. Pinker hat in diesem Kapitel eine herrlich plastische Art zu zeigen, wie Wahrscheinlichkeiten berechnet werden und welche Fallstricke in solchen Berechnungen lauern. Dieser Teil ist sehr statistiklastig, aber es lohnt sich, am Ball zu bleiben. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob der 2. Weltkrieg historisch gesehen wirklich nur ein statistischer Ausrutscher war. In diesem Teil zeigt sich nämlich auch, wie schwierig es ist, Kriegsopfer gegeneinander aufzurechnen. War der Völkermord in Ruanda wirklich so viel weniger schlimm als andere Genozide?
Zurzeit sind wir in der Phase des Neuen Friedens, in dem auch der Kalte Krieg überwunden wurde. Ob es so friedlich bleibt, kann niemand voraussagen, dazu ist diese Phase einfach noch zu kurz. Aber immerhin haben wir es bisher geschafft, dass keine der so zahlreich vorhandenen Atomwaffen auch wirklich eingesetzt wird. Bleibt zu hoffen, dass auch die Regierungen des Irans und Nordkoreas diese Vernunft zeigen. Pinker rückt in diesem Abschnitt auch das Ausmaß der Terrorgefahr in die richtige Dimension und zeigt, dass die Gegenmaßnahmen der Regierungen, aber auch die Angst der Bevölkerung, völlig überzogen sind. Durch den Verzicht auf das Fliegen und den Umstieg aufs Auto sind mehr Menschen gestorben, als bei den Anschlägen am 11. September. Die übersteigerte Angst ist den Regierungen gerade recht, können sie doch so ungestraft die persönlichen Freiheiten gesetzlich beschneiden. Sehr plausibel finde ich die Ausführungen Pinkers, warum die Humanitäre Revolution noch nicht in den islamischen Ländern angekommen ist, nämlich wegen der Ablehnung der Buchdruckpresse im Mittelalter und dem Widerstand gegen den Import von Büchern und gegen das freie Denken. Der arabische Frühling wird das hoffentlich ändern.
Ein weiterer zentraler Prozess für den Rückgang der Gewalt sind die Revolutionen der Rechte. Ehemals unterdrückten Minderheiten werden Rechte zugestanden, die ihnen lange verweigert wurden. Die Erklärung der Menschenrechte, die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die gewaltlose Erziehung von Kindern, der Tierschutz, all das hat zu einer vorher undenkbaren toleranten Gesellschaft geführt. In früheren Zeiten wäre beispielsweise eine offen gelebte Homosexualität lebensgefährlich gewesen (in einigen Ländern ist sie das bis heute), heute sucht ein Bauer im Fernsehen einen Mann. Zurzeit übertreiben wir es fast schon mit dem Einsatz für vermeintlich Unterdrückte, wie einige Auswüchse der political correctness zeigen. Wahrscheinlich haben wir auch deshalb den Eindruck, dass die Gewalt zugenommen hat, weil einfach mehr darüber berichtet wird.
Um die Mechanismen von Gewalt zu verstehen, sieht Pinker sich die inneren Dämonen an. Die neuesten Erkenntnisse aus Hirnforschung, Verhaltensbiologie und Psychologie werden anhand der Beschreibung von Experimenten dargestellt. Wurzeln der Gewalt sind demnach Raub, Dominanzstreben, Rache, Sadismus und Ideologie. Der von Pinker beschriebene Flynn-Effekt ist meiner Meinung nach hervorragend geeignet, um die Mechanismen von Rassismus zu erklären. Diesen Teil fand ich am spannendsten zu lesen, zeigt er doch, wie dünn unsere zivilisatorische Schicht ist, wie unzuverlässig unsere Selbsteinschätzung ist, was in unseren Gehirnen abläuft, wenn wir wütend sind, und wie anfällig wir für Gruppenzwang, pluralistische Ignoranz und Gradualismus sind. Letzteren Mechanismus hat auch Götz Aly in seinem Buch „Warum die Deutschen? Warum die Juden?“ beschrieben.
Die Existenz der heutigen Besseren Engel ist für Pinker in erster Linie eine Folge der Vernunft. Für ihn ist die Vernunft der zentrale Faktor, der für den Rückgang der Gewalt verantwortlich ist, und somit noch wichtiger als Empathie.
Zur Untermauerung seiner Thesen wendet Pinker statistische Verfahren an, wodurch seine gründlichen Ausführungen sehr anschaulich werden. Trotz des sehr umfangreichen Zahlenwerks, der vielen Tabellen und Graphen schafft Pinker es, gut lesbar zu bleiben.
Überhaupt hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen, besonders im letzten Absatz des Buches, in dem Pinker seine Gefühle beschreibt. Immer wieder wird der Text durch lockere Bemerkungen und satirische Seitenhiebe aufgelockert, zum Beispiel, wenn es um US-Präsidenten oder um die Veränderungen der Kindheit geht: „Ein weiteres Sakrament ist die Kampagne, mit der man Kinder noch von dem leisesten Hauch einer Spur einer Ahnung einer Erinnerung an Gewalt abschirmen will.“ (S. 656). Dem kann ich nur zustimmen. Ende der sechziger Jahre konnte ich mich noch mit einem Klassenkameraden prügeln, ohne verklagt zu werden. Heute reicht schon ein kleiner Schubser in der Sporthalle für eine Anzeige wegen Körperverletzung. Die Sorge um das Wohl der Kinder ist völlig hysterisch geworden, nicht nur bei amerikanischen Eltern.
Überwältigend fand ich die Fülle der Fachgebiete, die Pinker heranzieht. Geschichte, Politikwissenschaft, Psychologie, Verhaltensbiologie, Statistik und Kulturwissenschaft vermengen sich zu einem großen Ganzen, einem Standardwerk eben. Besser kann Interdisziplinarität nicht gelingen.
Allerdings sieht Pinker für mein Empfinden die Gewalt zu stark quantitativ und zu wenig qualitativ. Die Opferzahlen früherer Kriege sind kaum zu berechnen, zu unterschiedlich sind weltweit die Definitionen, ab wann von einem Krieg gesprochen wird. Noch schwieriger zu berechnen sind die indirekten Todesfälle, die deshalb von Pinker nicht berücksichtigt werden. Ich kann auch Pinkers Argument, dass die geringere Zahl von Zivilopfern ein Indiz für eine sinkende Brutalität sei, nicht uneingeschränkt folgen. Der medizinische Fortschritt dürfte meiner Meinung nach eine viel größere Rolle bei der sinkenden Zahl der Zivilopfer spielen.
Außerdem hat Pinker einen halbblinden Fleck, wenn es um Afrika und Indien geht, besonders im Hinblick auf die Situation der Frauen. Genitale Verstümmelung und Mitgiftmorde werden in wenigen Sätzen abgehandelt, was mir angesichts des Umfangs dieses Buches entschieden zu wenig ist. Zugute halten muss man Pinker aber, dass er die besondere und zentrale Rolle der Frauen sowohl als Gewaltopfer als auch als Friedensstifterinnen erkennt.
Meiner Meinung nach sieht Pinker auch die Marktmechanismen zu positiv. Dass der internationale Finanzmarkt und die ungleichen Voraussetzungen der Staaten auf dem Weltmarkt Kriege zur Sicherung der Märkte, Ungerechtigkeiten, Armut, Umweltzerstörung und eine immer größere Spaltung zwischen Arm und Reich verursachen, blendet er weitgehend aus.
Auch die Thesen des Utilitaristen Peter Singer hat Pinker meiner Meinung nach zu unkritisch wiedergegeben. Die behindertenfeindlichen Auswirkungen dessen Thesen hat er nicht berücksichtigt.
Die These Pinkers, die Frauen seien heutzutage von der Last der Hausarbeit befreit, trifft leider ebenfalls nicht zu. Trotz Berufstätigkeit verbringen Frauen immer noch mehr Zeit mit Hausarbeit als Männer, und die Haushaltsgeräte haben zwar die Dauer einer einzelnen Arbeit verringert, dafür aber die Ansprüche erhöht, zum Beispiel, jeden Tag frisch gewaschene Bekleidung zu tragen, während sie früher ausgelüftet wurde.
Sehr sinnvoll hingegen finde ich Pinkers moralpsychologischen Lösungsansatz für den Konflikt zwischen Israel und Palästina. Ich denke, so könnte es wirklich funktionieren. Vorausgesetzt, jemand lässt den politisch Verantwortlichen das Buch zukommen und zwingt sie zum Lesen.
Bei der Buchvorstellung in der Urania wurde deutlich, dass der Autor, dessen Buch einen höchst umfangreichen Anhang mit Nachweisen und Quellenangaben besitzt, sicherlich nicht geguttenbergt hat, so kompetent und intelligent hat er die Fragen beantwortet.
Trotz der kleinen Kritikpunkte, die angesichts des Umfangs nicht ins Gewicht fallen: Dieses Buch ist nicht nur ein Standardwerk, sondern auch glänzend und intelligent geschrieben, und somit unbedingt lesenswert.

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Ghost Street
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26 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

thriller, serienmord., ermittlung, geist, ku-klu-klan

Ghost Street

Josh Ericson
Flexibler Einband: 303 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter, C, 14.09.2011
ISBN 9783800056422
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Die junge Staatsanwältin Alessa beobachtet in Savannah, im Süden der USA, eine brutale Tat. Ein Sack wird von einer Brücke geworfen, offensichtlich mit lebendem Inhalt. Alessa springt ins Wasser, aber sie kann die im Sack gefangene Frau nicht mehr retten.
Schockiert erfährt Alessa, dass diese Mordmethode in den 60er Jahren an der Mutter des Opfers schon einmal angewandt wurde, vom Ku Klux Klan. Und auch weitere Morde an Afroamerikanern kopieren damals vom Ku Klux Klan begangene Morde. Existiert diese furchtbare Organisation wieder?
Alessa ist durch ihre eigene Familiengeschichte betroffen und ermittelt. Dabei gerät sie selbst ins Fadenkreuz des Ku Klux Klans.
Unerwartet erhält sie Hilfe von dem jungen David und verliebt sich in den geheimnisvollen Mann. Aber dann findet sie seinen Grabstein…
Dieser Mystery-Thriller liest sich sehr leicht und schnell. Die Charaktere wirken lebendig und authentisch, und die Verbindung zwischen Mystery und History ist sehr gut gelungen.
Besonders gut gefallen hat mir, wie dieses spannende Buch einem die Zeit der Bedrohung durch den Ku Klux Klan sehr nahe bringt. Die Beschränkungen und Gefahren, denen die afroamerikanische Bevölkerung ausgesetzt war, werden plastisch und fühlbar.
Genau die richtige Lektüre für dunkle Herbsttage.

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Geheimnisse des "Dritten Reichs"
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3 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

insignien des erfolgs, luxus und repräsentation, germanisierung, hitlerattentat, legenden diktator

Geheimnisse des "Dritten Reichs"

Guido Knopp
Fester Einband: 413 Seiten
Erschienen bei Bertelsmann, C, 19.10.2011
ISBN 9783570101063
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Um es gleich vorweg zu nehmen: sehr viel Neues bringt dieses Buch nicht. Richtige Geheimnisse werden nicht aufgedeckt, höchstens Dinge, die nicht so breit bekannt sind, wie zum Beispiel die hervorragende finanzielle Ausstattung Hitlers.
Populärwissenschaftlich geschrieben, ist dieses Buch gut lesbar und somit gut geeignet für alle, die sich mit dem Thema noch nicht näher beschäftigt haben.

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Grüne Armee Fraktion
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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

hamburg, wirtschaft, anschlag, klüngel, presse

Grüne Armee Fraktion

Wolfgang Metzner
Flexibler Einband: 269 Seiten
Erschienen bei Emons, H J, 22.09.2011
ISBN 9783897058583
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Seit Jahrzehnten wird in Deutschland friedlich, aber erfolglos, gegen die Atomkraft protestiert. Ebenso erfolglos waren die Proteste gegen Stuttgart 21.
Eine Gruppe, die sich in der Nachfolge der RAF sieht, will sich damit nicht abfinden. Ihre Mitglieder führen als GAF (Grüne Armee Fraktion) brutale Anschläge durch und nehmen dabei viele Tote und Verletzte in Kauf.
Ziel der Angriffe ist die Atommafia. Aber warum ausgerechnet jetzt, wo der Atomausstieg doch gesellschaftlicher Konsens und schon beschlossen ist?
Der Reporter Jonas Mondrian ist noch von der alten Schule und setzt auf Recherche der Hintergründe statt auf billige Sensationsmache. In seiner Redaktion wird er deshalb belächelt, aber diesmal erweist sich seine Methode als die richtige. Niemand kommt der GAF so nahe wie er. Auch, als die Situation völlig eskaliert, ist er hautnah dabei und macht eine haarsträubende Entdeckung.
Von Anfang an hat dieser gut geschriebene Thriller ein rasantes Tempo, das bis zum überraschenden, aber glaubwürdigem, Ende gehalten wird.
Hochaktuelle Themen wie der Atomausstieg und Stuttgart 21 werden schlüssig in die Handlung integriert. Auch die Charaktere sind authentisch und lebendig.
Besonders gut gefallen hat mir, dass der Autor die linke Szene mit ihren verschiedenen Strömungen und Gruppierungen äußerst kompetent beschreibt.
Diesen spannenden Politthriller, der mit viel Sachverstand und Können geschrieben ist, habe ich in einem Zug verschlungen. Bitte mehr davon!

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Getürkt!
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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Getürkt!

Mehmet Akyazi
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 06.07.2011
ISBN 9783453408487
Genre: Comic & Humor

Rezension:

Wie ticken diese deutsch-türkischen männlichen Jugendlichen eigentlich? Wie lebt es sich zwischen zwei Kulturen?
Schön, wenn sich einer dieser männlichen Jugendlichen persönlich zu Wort meldet und diese Fragen beantwortet, wie ich es mir von diesem Buch versprochen hatte.
Leider war der Aufbau des Buches nicht dazu geeignet, diese Erwartung zu erfüllen. Mir war das Geschilderte zu sehr ins Unrealistische überzogen. Nach der Lektüre des Buches weiß ich immer noch nicht mehr über die deutsch-türkische Realität.
Was ich schade finde, denn an einigen Stellen zeigt sich, dass der Autor auch scharfsinnig-ernsthaft und gleichzeitig urkomisch schreiben kann. So hätte ich mir das ganze Buch gewünscht.

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Gehirnflüsterer
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24 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

kognitionspsychologie, schlüsselreize, trügerische netze, verborgene tiefen, überzeugungsinstinkte

Gehirnflüsterer

Kevin Dutton , Bernd Leineweber , Klaus Binder
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei dtv, 20.05.2011
ISBN 9783423248693
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Katzen haben es drauf. Sie haben Überzeugungskraft. Und dafür brauchen sie nicht einmal Worte, ein „Aufforderungsschnurren“ reicht, um an Futter zu kommen. Wie machen die das?
Babies haben es drauf. Sie haben Überzeugungskraft. Und dafür brauchen sie nicht einmal Worte. Wie machen die das? Können Erwachsene das auch? Und wenn ja, wie?
Was haben Babies und Psychopathen gemeinsam? Können wir uns immer auf unser Gehirn verlassen, oder ist es leicht, uns hereinzulegen? Wie kommt es, dass manche Menschen so viel überzeugender sind als andere? Und sind alle Psychopathen Serienkiller?
Interessante Fragen wirft Kevin Dutton da auf, und noch interessanter ist seine unnachahmliche Art, diese Fragen zu beantworten. Unterhaltsam und spannend liest sich das und damit ist dies eines der wenigen Sachbücher, die ich in einem Zug durchgelesen habe. (Nein, nicht in der Bahn).
Anhand vieler anschaulicher Beispiele zeigt Dutton, wie wir uns beeinflussen lassen, und was dabei in unserem Gehirn vor sich geht.
Dabei erfahren wir unter anderem, warum es bei McDonalds immer so hell ist. Und ob ein teurer Wein besser schmeckt, weil er so gut ist, oder weil er mehr kostet.
Fast keiner von uns ist gegen Vorurteile gefeit, und der seit der Steinzeit in unserem Hirn verankerte Drang, sich der Mehrheitsmeinung anzuschließen, kann auch schon mal dazu führen, dass wir eine Meinung annehmen, von der wir genau wissen, dass sie falsch ist.
Besonders spannend fand ich das Kapitel über Psychopathen, die nicht immer Serienmörder sind, sondern meistens nach außen ganz normal. „Sie sind charmant, selbstsicher, skrupellos und unbarmherzig. Unbarmherzig. Sie denken nur an sich. Egal, um was es geht. Und sie sind Großmeister der Überzeugung.“ Ich habe noch nie eine so treffende Beschreibung einer bestimmten Person meines näheren Umfeldes gelesen…
Wie schaffen es Psychopathen, denen die Empathie normaler Menschen fehlt, andere so stark zu beeinflussen, wo dafür doch gerade Empathie gebraucht wird? Ganz einfach, es gibt zwei Arten der Empathie, die warme und die kalte. Das heißt, Psychopathen können Gefühle erkennen, auch wenn sie selbst sie nicht fühlen. Nicht sehr beruhigend.
Die Beschreibung von Studien, Fallbeispielen und Experimenten wird durch interessante Selbsttests ergänzt, die man allein oder im Freundeskreis durchführen kann. Da dürfte es dann einige Überraschungen geben, wenn man bedenkt, wie viel Prozent der Bevölkerung als Psychopathen eingestuft werden.
Ein sehr gut lesbares, unterhaltsames und lehrreiches Buch, das zeigt, dass Wissenschaft nicht trocken und schwer verständlich daher kommen muss. Und nach dem Lesen könnte es sein, dass man auf einige Werbemethoden nicht mehr reinfällt.

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Geben und Nehmen
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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Geben und Nehmen

Fay Weldon , Angelika Felenda
Flexibler Einband: 315 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 18.04.2011
ISBN 9783832161583
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Zwei Jahre nach Fay Weldons Geburt hatte ihre Mutter eine Fehlgeburt. Die Geschichte dieser ungeborenen Schwester in einem Paralleluniversum wird in diesem Buch erzählt.
Die achtzigjährige Frances sitzt in ihrem Haus und verhält sich mucksmäuschenstill, damit der Steuereintreiber vor der Tür sie nicht hört. Die ehemals erfolgreiche Schriftstellerin ist in finanzielle Nöte geraten; einzig ihr Enkel Amos hält noch zu ihr.
Das England des Paralleluniversums wird von der NER, der Nationalen Einheitsregierung, deren Mitglieder nicht Politiker, sondern Sozialpädagogen und Psychologen sind, regiert. Das Leben ist strikt durchorganisiert und reglementiert. Nur die Spitze der Gesellschaft hat regelmäßig Strom und kann andere Lebensmittel als den Nationalen Hackbraten kaufen.
Frances hat sich in ihrem eingeschränkten Leben eingerichtet und ist eigentlich ganz zufrieden. In ihrem wechselhaften Leben gab es schon oft stürmische Zeiten. Und vor allem viel familiäres Chaos. Ungeplante Schwangerschaften, unpassende Partner, Probleme mit den Kindern – und jetzt verhält sich der Enkel Amos sehr geheimnisvoll. Was planen er und seine Freunde im leerstehenden Haus nebenan? Und woraus stellt ihr Schwiegersohn Viktor den Nationalen Hackbraten eigentlich her?
Frances rechnet mit viel Witz und Ironie mit ihrer Familie und vor allem mit ihren Männern ab. Zynisch ist sie dabei nicht, meint sie: „Ich bin nicht zynisch, bloß alt, und kann zwei und zwei zusammenzählen.“
Die kleinen Seitenhiebe in den Nebensätzen, Frances´ Art, sich nicht unterkriegen zu lassen, und ihr verrückter Lebenslauf haben mir gut gefallen. Besonders angenehm fand ich, dass ihr Feminismus nicht verbissen, sondern mit Humor und Selbstironie daher kommt.

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Grappa und die Seelenfänger
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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

krimi, friedemann kleist, serienkrimi, wayne pöppelbaum, bierstadt

Grappa und die Seelenfänger

Gabriella Wollenhaupt
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Grafit, 23.05.2011
ISBN 9783894253851
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Aufregende Tage für Bierstadt. Die Show WSDS (Wir suchen dich, Superstar) veranstaltet ein Casting. Aufregende Tage auch für Maria Grappa. Denn sie muss sich mit einem neuen Chef abärgern, der bei seinem Vorhaben, das Blatt familienfreundlicher zu machen, nicht viel Verwendung für eine Polizeireporterin hat. Maria Grappa soll also über die Castingshow berichten, statt den Machenschaften der Sekte „Kirche der Erleuchteten“ nachzugehen. Erst einmal ist sie ziemlich knatschig darüber, aber dann wird Pitt Brett, der pöbelnde Chefjuror von WSDS entführt, und Maria Grappa kommt in Fahrt.
Ich wage es kaum zu gestehen, aber das war der erste Band aus dieser Reihe, den ich gelesen habe. Aber trotz Späteinstieg hatte ich keine Probleme, in das Universum der Maria Grappa einzusteigen.
Ich war begeistert von diesem hochaktuellen und dabei witzigen Krimi. Wer hinter Pitt Brett, der „alle Bohlen im Zaun hat“, und der „Kirche der Erleuchteten“ steckt, ist natürlich klar, und die Art, wie beides auf den Arm genommen wird, ist einfach herrlich. Auch von Guttenberg kriegt nebenbei sein Fett ab.
Die nächsten Bände dieser Serie werde ich mir jedenfalls nicht entgehen lassen.

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Gute Geister
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(103)

222 Bibliotheken, 6 Leser, 3 Gruppen, 31 Rezensionen

rassentrennung, freundschaft, rassismus, dienstmädchen, südstaaten

Gute Geister

Kathryn Stockett , Cornelia Holfelder-von der Tann
Fester Einband: 604 Seiten
Erschienen bei btb Verlag (HC), 23.03.2011
ISBN 9783442752409
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Jackson, Mississippi, im Jahre 1962, ist kein guter Ort für Schwarze. Nicht einmal die gleichen Toiletten wie die Weißen dürfen sie benutzen.
So geht es auch der 52jährigen Aibileen, die als Haus- und Kindermädchen arbeitet und inzwischen das 17. weiße Kind aufzieht. Ihren eigenen Sohn hat sie verloren. Und auch von den Ziehkindern muss sie sich immer wieder trennen.
Die 36jährige Minny, ebenfalls schwarz, hat ein ziemlich großes Mundwerk und ist wegen eines angeblichen Diebstahls von ihrem Arbeitgeber entlassen worden. Die einzige Stelle, die für Minny noch zu kriegen war, ist die eines Dienstmädchens bei der seltsamen Celia.
Diese beiden Frauen werden vom Schicksal mit der 22jährigen Eugenia, genannt Skeeter, verbunden. Skeeter hat das College abgeschlossen und träumt davon, als Journalistin in New York zu arbeiten. Von den Plänen ihrer Mutter, sie zu verheiraten, hält sie nichts.
Dass Skeeter ihr verschwundenes schwarzes Kindermädchen vermisst, löst eine Kette von Ereignissen aus, die das Leben der drei Frauen gründlich durcheinander wirbelt.
Die Geschichte wird immer abwechselnd von den drei Frauen erzählt, im jeweilig passenden Tonfall und mit den jeweiligen Emotionen. Das macht das Buch so lebendig, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, mit den Erzählerinnen in einem Zimmer zu sitzen.
Die drei völlig unterschiedlichen Charaktere sind alle liebenswert, jede auf ihre Art. Ich könnte gar nicht sagen, welche der Frauen mir am besten gefallen hat. Jede hat Eigenschaften, die ich besonders schätze, und jede hat Eigenschaften, die mir unangenehm sind. Ins Herz geschlossen habe ich jedoch jede einzelne.
Die damalige Situation der Schwarzen im Süden der USA, die Rassentrennung, die Willkür und die aufkommende Bürgerrechtsbewegung sind so gut beschrieben, dass einem diese Zeit sehr nahe gebracht wird. Dieses Buch ist damit in einer Liga mit The Color Purple.
Der warmherzige Schreibstil hat mir ausgesprochen gut gefallen, und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, weil ich so sehr mit den Charakteren gelitten, gelacht und gefiebert habe.
Kurz gesagt, ein absolut wunderbares Buch, das auf die Liste meiner Lieblingsbücher kommt. Ich rate euch: Lest es!!! Oder lest es, wie ich, ein zweites Mal.

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Glanz
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(32)

86 Bibliotheken, 1 Leser, 4 Gruppen, 9 Rezensionen

computerspiel, thriller, wachkoma, drogen, new york

Glanz

Karl Olsberg
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 15.03.2011
ISBN 9783746626895
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann, ist, dass ihrem Kind etwas zustößt.
Anna muss genau das durchmachen. Sie findet ihren 14jährigen Sohn Eric bewusstlos vor dem Laptop, auf dem er ein Fantasy-Computerspiel gespielt hat. Eric ist im Wachkoma, und Anna ist verzweifelt. So verzweifelt, dass sie die Hilfe einer Frau namens Emily annimmt, die behauptet, die Seelen anderer Menschen berühren zu können. Die Ärzte sind überhaupt nicht begeistert davon, und so entführt Anna ihren Sohn aus dem Krankenhaus.
Mit Hilfe von Emily und einer geheimnisvollen Droge schafft Anna es tatsächlich, in Erics Gedankenwelt einzudringen, und taucht so in die Handlung des Computerspiels ein. Aber beides ist gefährlich und lebensbedrohend.
Und auch die Wirklichkeit wird immer bedrohlicher. War Eric Teil eines perfiden Experiments?
Ich fand die Idee, einen Thriller mit Fantasyelementen zu verquicken, ziemlich gewagt. Aber Karl Olsberg hat diese schwierige Aufgabe glänzend gelöst. Das Buch wird durch den ständigen Wechsel zwischen Realität und Spielwelt spannend und lebendig. Zum Schluss wusste ich genauso wenig wie die Protagonistin, wo die Realität aufhört und die Spielebene anfängt.
Es war für mich völlig unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen, so sehr habe ich mich als Mutter mit Anna identifiziert.
Das überraschende Ende ist ein weiterer Pluspunkt dieses ungewöhnlichen und brillant komponierten Thrillers.

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Grimm
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(113)

258 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 34 Rezensionen

märchen, hamburg, grimm, fantasy, mythen

Grimm

Christoph Marzi
Fester Einband: 559 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 11.11.2010
ISBN 9783453266612
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

„Mädchen, weich vom Wege nicht!“ – denn sonst? Sonst geschehen bizarre Dinge.
Der 17jährigen Vesper passiert genau das. Dabei fängt der Tag ganz normal an, mit Ärger in der Schule und mit der Unfähigkeit ihrer Mutter, sich für ihre Tochter zu interessieren. Aber dann wird der Tag merkwürdig. Ein seltsamer Mann verfolgt Vesper. Ihr Vater, der ihr immer Märchen vorgelesen und ihr einige Sätze daraus besonders ans Herz gelegt hat, stirbt unter ungeklärten Umständen. In ganz Europa schlafen die Kinder ein, alle zur gleichen Zeit, einfach so. Und deren Eltern haben Albträume, alle zur gleichen Zeit, alle den gleichen.
„Nehmt euch vor Wölfen in Acht!“ – in der Stadt? Ja, denn plötzlich werden in Berlin welche gesichtet.
„Wölfe sehen nämlich wie Menschen aus.“ – das weiß jeder, der schon einmal einen Manager gesehen hat.
Vesper will sich mit ihrer Mutter treffen, aber irgendwie benimmt diese sich noch seltsamer als sonst. Denn es ist gar nicht die Mutter, sondern eine Kreatur mit deren Aussehen. Die Mutter ist tot, und in der Wohnung ist ein Wolf.
„Du bist eine von ihnen.“ – von wem oder was? Was hat das alles zu bedeuten?
Vesper erhält einen Brief ihres Vaters mit einem Schlüssel und einem Ring. Was soll sie damit anfangen?
„Hüte dich vor den Wölfen. Und dem, was ihnen folgt.“ Leicht gesagt, aber wie schützt man sich vor lebendig gewordenen Märchenwesen?
Vesper lernt den Studenten Leander Nachtsheim kennen, der ebenfalls im Besitz eines Schlüssels ist. Gemeinsam wollen sie das Rätsel lösen.
„Wir sind hier, wir sind erwacht.“
Irgendetwas, das zu Zeiten der Gebrüder Grimm geschehen ist, löst die unheimlichen Ereignisse aus. Vesper und Leander müssen sich beeilen, herauszufinden, was geschehen ist, damit die Kinder aus ihrem Schlaf erwachen. Dabei bekommen sie unerwartete Hilfe, aber können sie wirklich glauben, was ihnen erzählt wird?
„Alles ist wahr.“
Christoph Marzi hat die Märchenwelt der Gebrüder Grimm geschickt in die heutige Zeit übertragen und einen spannenden Fantasyschmöker geschrieben, den ich förmlich verschlungen habe. Dabei habe ich auch Lust bekommen, mal wieder Grimms Märchen zu lesen. Ein gelungenes All-Age-Buch, das sehr gut unter den Weihnachtsbaum passt.

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Gegen jede Regel
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44 Bibliotheken, 1 Leser, 7 Gruppen, 22 Rezensionen

krimi, krefeld, deutschland, mord, internet

Gegen jede Regel

Sebastian Stammsen
Flexibler Einband: 379 Seiten
Erschienen bei Grafit, 30.09.2010
ISBN 9783894253790
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Nicht immer ist alles so, wie es scheint.
Als der 17jährige Schüler Tobias erstochen aufgefunden wird, ist für die Ermittler erst einmal alles klar: Schwarze Kleidung, düstere Einrichtung, Computerspiele, distanzierte Eltern – also ein Einzelgänger, ein Außenseiter, ein Freak.
Weit gefehlt. Tobias entpuppt sich als äußerst begabter Bandleader und Komponist, dessen Charisma ihn bei Allen, vor allem aber bei den Frauen, beliebt machte. Er war auf vielen Gebieten talentiert und so engagiert, dass die Frage auftauchte, wie viele Stunden sein Tag eigentlich hatte.
Bleibt nur die Frage, wie es kommt, dass ein so beliebter Junge ermordet wird. Kann das Computerspiel, das er online gespielt hat, mit seinem Tod zusammenhängen? Oder wurde das sexuelle Bäumchenwechseldich-Spiel in der Band doch nicht von allen Beteiligten so locker gesehen, wie behauptet?
Das sympathische Ermittlerpaar Markus Wegener und Nina Gerling beginnt, zu ermitteln. Wobei Markus sehr schnell an die Grenzen seines technischen Verständnisses gelangt, obwohl er doch heimlich einen Computerkurs belegt hat, um neben seiner Kollegin nicht immer wie ein Trottel dazustehen. Aber das Computerspiel, das Tobias auf dem Niveau der Deutschen Meisterschaft gespielt hat, ist äußerst komplex, und es geht nicht gerade fair dabei zu.
Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, weil es so spannend und gut geschrieben war.
Der Autor ist Psychologe und arbeitet an Schulen. Das merkt man, denn er hat die Atmosphäre, die an einem Gymnasium herrscht, gut eingefangen und die dort herrschenden Probleme kompetent benannt. Die Charaktere sind glaubhaft, und das Ermittlerpaar ist erfrischend normal, mit normalen Problemen wie Scheidung und lauten Nachbarn, aber zur Abwechslung weder alkoholkrank noch depressiv.
Ich hoffe, dass dieser Erstling der Auftakt zu einer Serie ist, denn ich möchte gern mehr davon!

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