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Der Prinzessinnenmörder
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(59)

104 Bibliotheken, 1 Leser, 4 Gruppen, 19 Rezensionen

krimi, mord, bayern, oberbayern, spitzingsee

Der Prinzessinnenmörder

Andreas Föhr
Flexibler Einband: 377 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 09.09.2009
ISBN 9783426663974
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Kleine Kinder und Besoffene haben Glück, sagt man. Aber in diesem Fall kann man nicht von Glück reden, denn das Kind ist tot und der Besoffene hat die Leiche gefunden.
Bei dem Besoffenen handelt es sich um Polizeiobermeister Kreuthner, dessen Chef Kommissar Wallner es wahrlich nicht leicht mit ihm hat. Aber irgendwie schafft Kreuthner es immer wieder, entscheidende Hinweise zu finden.
Und das ist bitter nötig in diesem verzwickten Fall. Denn das tote Mädchen, das in einem Brokatkleid gefunden wird, hat eine Plakette mit der Nummer 1 im Mund. Was, wie Wallner richtig vermutet, auf einen Serienmörder hindeutet. So dauert es auch nicht lange, bis die nächsten Mädchenleichen gefunden werden.
Die Spannung dieses beachtlichen Debüts baut sich ganz langsam, aber unaufhaltsam auf, so dass es schwer ist, das Buch aus der Hand zu legen. Gesprochen wird in einem entschärften Bayerisch, so dass auch Nicht-Bayern es verstehen können.
Dieser Krimi mit seinen knorrigen Charakteren und dem kräftigen Lokalkolorit hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ein sehr lesenswerter Serienauftakt!

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Die Jahre des schwarzen Todes
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(6)

22 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

zeitreise, oxford, mittelalter, england, 2054/1348

Die Jahre des schwarzen Todes

Connie Willis , Walter Brumm
Flexibler Einband: 784 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 07.11.2011
ISBN 9783453527126
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

Im Jahr 2054 sind spannende Zeiten angebrochen. Mit Hilfe eines Netzes sind Zeitreisen möglich, und die Historiker an Oxfords Colleges können ihre Theorien vor Ort überprüfen.
Die junge Kivrin brennt darauf, ins Mittelalter zu reisen und hat sich umfassend vorbereitet. Aber als sie endlich in das Jahr 1320 versetzt wird, merkt sie sofort, dass etwas schiefgegangen sein muss. Ist es auch, und zwar gründlich, denn sie ist im Jahr 1348 gelandet, dem Jahr, in dem die Pest ausbrach.
Eine Krankheit bricht auch im Oxford des Jahres 2054 aus. Ist sie durch das Zeitreisenetz gekommen? Jedenfalls macht sie es notwendig, dass eine Quarantäne verhängt wird. Die vielen Kranken, die versorgt werden müssen und die fieberhafte Suche nach der Krankheitsursache machen es unmöglich, sich um die Rückholung von Kivrin zu kümmern.
Die Handlung wechselt ständig zwischen dem Mittelalter und dem Jahr 2054 hin und her. Beide Handlungsstränge sind spannend und von sorgfältig ausgearbeiteten und lebendigen Charakteren bevölkert, wie zum Beispiel Kivrin, die sich im Mittelalter gut einfindet und als wahre Freundin der Dorfbewohner erweist, Mr. Dunworthy, der im Jahr 2054 verzweifelt versucht, Kivrin zu helfen, dem einfallsreichen Colin, der eine schier unerschöpfliche Energie besitzt und der kleinen Agnes, die Kivrin in ihr Herz schließt.
Auch skurrile Charaktere bereichern die Handlung: Die unbeirrbaren amerikanischen Handglockenspielerinnen, der um Toilettenpapier und andere Vorräte besorgte Sekretär Finch, die überbehütende nervende Mutter und ihr Sohn William, dessen ständiger Wechsel seiner Freundinnen sich als sehr hilfreich erweist.
Sie alle habe ich liebgewonnen, habe mit ihnen gefiebert, gelitten, gestaunt und getrauert. Ich habe die Protagonisten so sehr ins Herz geschlossen, dass ich auf eine baldige Fortsetzung hoffe.
Connie Willis breitet ihre Geschichte mit viel Einfallsreichtum, Liebe zum Detail und akribisch recherchiertem Setting aus.
Besonders gefallen hat mir, wie plastisch und realistisch beschrieben das Mittelalter ist. Man hat fast den Gestank der damaligen Zeit in der Nase. Die ganze Brutalität, der Schmutz, die Armut, die alltägliche Gewalt gegen Frauen, all dies ist wirklichkeitsnah erzählt.
Kurz gesagt, dieses Buch ist ein wunderbarer Schmöker und eine äußerst gelungene Verbindung zwischen historischem Roman und Science Fiction.

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Die Bestimmung
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(676)

1.207 Bibliotheken, 10 Leser, 16 Gruppen, 281 Rezensionen

dystopie, liebe, fraktionen, ferox, zukunft

Die Bestimmung

Veronica Roth , Petra Koob-Pawis
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei cbt, 01.03.2012
ISBN 9783570161319
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Ist es möglich, dass Menschen friedlich zusammenleben? Die Gemeinschaft, in der Beatrice lebt, versucht etwas Neues, in dem sie die Menschen nach ihren Eigenschaften und Fähigkeiten in fünf Fraktionen einteilt: Die selbstlosen Altruan, die freimütigen Candor, die wissenden Ken, die friedfertigen Amite und die furchtlosen Ferox. Wer in keine dieser Fraktionen passt, muss sein Leben als Fraktionsloser, ohne Familie und in Armut, verbringen.
Wenn die Jugendlichen sechzehn Jahre alt werden, müssen sie sich einem Eignungstest unterziehen und danach entscheiden, in welcher Fraktion sie für den Rest ihres Lebens leben wollen. Selten kommt es vor, dass die Geburts-Fraktion verlassen wird, denn das bedeutet die lebenslange Trennung von der Familie.
Bei der Altruan Beatrice ist das Testergebnis nicht eindeutig. Sie kann keiner der Fraktionen zugeordnet werden, und das ist brandgefährlich für sie. Denn die sogenannten Unbestimmten werden gnadenlos verfolgt.
Mit einem gefälschten Testergebnis schließt sie sich der Fraktion der Ferox an, aber sie lebt ständig in der Furcht, als Unbestimmte entlarvt und getötet zu werden. Dabei ist das Initiationsverfahren der Ferox schon anspruchsvoll und gefährlich genug, um für eine Menge Stress zu sorgen. Und dann ist da auch noch dieser Ausbilder, der so seltsame Gefühle in Beatrice, die sich jetzt Tris nennt, auslöst…
Endgültig gefährlich wird es, als Beatrice einer Verschwörung auf die Spur kommt, durch die ihre gesamte Gemeinschaft in Gefahr gerät.
Dieses Buch habe ich geradezu verschlungen. In der Flut der Dystopien sticht diese Geschichte besonders hervor. Nicht nur, weil der Gesellschaftsentwurf stimmig ist, sondern auch, weil deutlich wird, warum eine künstlich hervorgerufene Gesellschaftsform nicht auf Dauer funktionieren kann.
Auch die Charaktere sind etwas Besonderes und besitzen mehr Tiefe, als man bei diesem Genre vermutet. Keiner der Protagonisten ist nur gut oder nur böse, alle haben ihre Ecken und Kanten, ihre guten und dunklen Seiten.
Die spannende Geschichte ist hervorragend geschrieben und liest sich einfach gut. Ich warte schon jetzt ungeduldig auf den nächsten Teil.

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Der stumme Tod
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(57)

85 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

berlin, krimi, stummfilm, weimarer republik, tonfilm

Der stumme Tod

Volker Kutscher
Fester Einband: 541 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 26.02.2009
ISBN 9783462040746
Genre: Krimi & Thriller

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Die wir am meisten lieben
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(45)

73 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

hollywood, internat, western, liebe, irakkrieg

Die wir am meisten lieben

Nicholas Evans , Susanne Schädlich
Fester Einband: 367 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 15.11.2011
ISBN 9783352008153
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Der achtjährige Tommy ist Bettnässer. Einen Jungen mit diesem Problem im England der späten fünfziger Jahre dann auch noch in ein Internat zu stecken, ist nicht nur ein Indiz für Lieblosigkeit, sondern auch geradezu eine Garantie für lang nachwirkende Kindheitstraumata. Tommy wird im Internat gehänselt und gequält. Sein einziger Ausweg ist die Flucht in Cowboygeschichten und die Identifikation mit deren Helden.
Aber dann hat Tommy das Glück, dass seine Schwester Diane ihn rettet und dort herausholt. Sie nimmt ihn mit zu ihrem Lebensgefährten nach Hollywood. Und der ist ausgerechnet Tommys Lieblingsheld einer Cowboyserie. Tommy fühlt sich wie im Paradies. Aber die schöne Fassade seines neuen Lebens bröckelt schnell und weicht einer Katastrophe, die fortan Tommys Leben bestimmen wird.
Im zweiten Erzählstrang erfahren wir Näheres über Tommys Erwachsenenleben. Er arbeitet nicht besonders erfolgreich als Dokumentarfilmer, ist trockener Alkoholiker, von seiner Freu getrennt und hat kaum Kontakt zu seinem Sohn Danny.
Aber jetzt muss er über sich herauswachsen, denn der Marinesoldat Danny ist wegen Mordes an Zivilisten im Irak vor dem Militärgericht angeklagt worden; ihm droht die Todesstrafe.
Mit der Vollstreckung einer Todesstrafe beginnt auch der Roman; hingerichtet wird Tommys Mutter. Die Spannung, warum die Mutter in der Gaskammer gelandet ist, wird bis zum Schluss aufrecht erhalten, erst dann wird die überraschende Auflösung geliefert.
Das Buch liest sich gut und flüssig, aber es hinterließ bei mir keinen nachhaltigen Eindruck. Mir kam es vor wie gedrucktes Popcornkino: Unterhaltsam und fesselnd, während man es liest, aber danach ist es dann auch schnell vergessen. An den „Pferdeflüsterer“ reicht dieses Buch bei Weitem nicht heran, für ein paar entspannte und angenehme Stunden sorgt es aber dennoch.

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Darf ich meine Oma selbst verbrennen?
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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

tod, humor, bestatter, bestattung, beerdigung

Darf ich meine Oma selbst verbrennen?

Peter Wilhelm
Flexibler Einband: 222 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 23.09.2011
ISBN 9783426784273
Genre: Comic & Humor

Rezension:

Kaum jemand beschäftigt sich mit dem Thema Tod. Wenn dann ein Angehöriger stirbt, steht man plötzlich vor ganz neuen Fragen, während man gleichzeitig in einer psychischen Ausnahmesituation ist. Kein Wunder, dass dabei einiges schief läuft.
Aber dass es dabei so skurrile und witzige Dialoge wie die in diesem Buch gesammelten Höhepunkte des Bestatterblogs geben kann, hätte ich nicht gedacht. Da wird (allen Ernstes?) gefragt, ob man auch ein Grab mit Internetanschluss haben kann, eine treusorgende Ehefrau möchte ihren (jetzt nicht mehr) diabeteskranken verstorbenen Ehemann mit einem Medikamentenvorrat beerdigen, eine Frau hat schlaflose Nächte, weil sie nicht weiß, welche Behördengänge sie erledigen muss, wenn sie gestorben ist, eine Vegetarierin besteht auf vegetarischen Kränzen und vieles mehr.
Besonders die Dialoge mit Kunden sind herrlich. Ich bewundere die Geduld des Bestatters mit der grabtiefen Dummheit mancher Menschen!
Nebenbei gibt es noch Informationen rund um die Bestattung und ein sicherlich nicht ganz uneigennütziges Betonen der Vorsorgemöglichkeiten.
Ein witziges Buch, das in kleinen Häppchen gelesen werden sollte.

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Das unsagbar Gute
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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

drogen, österreich, moral, dornbirn, dorf

Das unsagbar Gute

Christian Mähr
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 29.08.2011
ISBN 9783552061705
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Katzen sind gefährlich. Amateure auch. Beides zusammen ist eine tödliche Kombination. Und so müssen, ausgelöst von dem Kater Sami, eine ganze Reihe Menschen daran glauben, völlig unabsichtlich. Eine Katastrophe reiht sich an die nächste, und das alles nur, weil eine Chemikerin eine Glühbirne wechseln will, eine Katze eine offene Tür nutzt und ein Nachbar die Gelegenheit ergreift, herumliegendes Geld einzusacken. Dessen Fehlen dem Besitzer natürlich auffällt, aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht der Versicherung gemeldet werden kann. Die ganze Situation führt zu einem Aufschwung für die Hersteller von Kühltruhen und zu einer misslungenen Erpressung.
Klingt ungewöhnlich? Ist es auch. Dies ist ein ganz besonderer Krimi, nicht nur wegen der ungewöhnlichen und hervorragend komponierten Handlung, sondern vor allem wegen seiner literarischen Sprache und seiner philosophischen Betrachtungen über Katzen und Menschen.
Die Lesung des Autors auf der Langen Kriminacht der Frankfurter Buchmesse war für mich der Höhepunkt des Abends, und das Buch hat gehalten, was die gelesenen Ausschnitte versprachen. Dieser intelligente Krimi hebt sich wohltuend vom Mainstream ab und bietet ein außergewöhnliches Lesevergnügen. Wäre dieses Buch ein Wein, hätte es sich die Bezeichnung Grand Cru verdient.

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Disney: Enthologien 11 - Hex! Hex!
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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Disney: Enthologien 11 - Hex! Hex!

Walt Disney
Fester Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Egmont EHAPA, 02.11.2011
ISBN 9783770435272
Genre: Comic & Humor

Rezension:

Entenhausen ist zauberhaft. Aber auch gefährlich. Denn wenn gehext und gezaubert wird, kann so einiges schiefgehen. Zum Beispiel, wenn Donald im ungünstigsten Moment niest, Entenhausen eine brunnenstiftende Hexe schlecht behandelt oder man sich mit einem Zauberer aus dem Sumpf anlegt.
Zauberei kann jedoch auch dazu führen, dass die Verzauberten ganz neue Seiten an sich entdecken. So wird Donald zu einem berühmten und erfolgreichen Zauberer. (Nein, nein, er ist nicht zum Glückspilz geworden. Wie immer ist sein Erfolg nur von kurzer Dauer.) Auch Daisy erleben wir einmal von einer ganz anderen Seite, nämlich einer bösen: Daisy wird zur Furie. (Aber es ist nicht ihre Schuld, wirklich!)
Unsere Helden verschlägt es in ungemütliche Gegenden wie den Fürchteforst oder in einen unterirdischen Bahnhof mit einem verschollenen Zug (Richtig geraten: Für Onkel Dagobert springt dabei etwas heraus.) Und Donald gerät sogar in die Entenhausener Version des Herrn der Ringe.
Ein bezauberndes Buch für Disneyfans!

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Der Poet der kleinen Dinge
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70 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

frankreich, behinderung, außenseiter, freundschaft, gegenwartsliteratur

Der Poet der kleinen Dinge

Marie-Sabine Roger , Claudia Kalscheuer
Fester Einband: 238 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 25.10.2011
ISBN 9783455400953
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Alex sieht wie ein Junge und wesentlich jünger als ihre 30 Jahre aus, und benimmt sich auch so. Sie zieht von Ort zu Ort, von Job zu Job und weigert sich, Wurzeln zu schlagen, engere Bindungen einzugehen.
Das ändert sich, als sie ein Zimmer bei Marlene und Bertrand anmietet. Bei ihnen lebt Bertrands Bruder Gerard, der grotesk verwachsen und vermeintlich zurückgeblieben ist. Alex nennt ihn Roswell, weil er hässlich wie ein Außerirdischer aussieht, merkt aber bald, dass Gerard eine außergewöhnliche innere Schönheit besitzt.
Als Alex zufällig mit anhört, dass Marlene, die sich gerade noch über Menschen echauffiert hat, die einen Hund aussetzen, diese Skrupel bei Gerard nicht hat, der für sie nur ein lästiges Anhängsel ist, beginnt sie, mit Gerard zu üben. Er soll, falls Marlene ihn wirklich aussetzt, der Polizei seinen Namen und seine Adresse nennen können. Auch Ausflüge unternimmt sie mit Gerard, und langsam beginnt dieser Kontakt, ihr Herz zu erweichen. Erst recht, weil Gerard Gedichte aufsagen kann, die seine Mutter ihm beigebracht hat. Allmählich fragt Alex sich, wer in dieser Familie in Wahrheit behindert ist.
Bei ihren Ausflügen kommen Alex und Gerard mit zwei weiteren Außenseitern zusammen. Oliver Zackenbarsch trinkt übermäßig viel Bier und betrachtet das als seine Arbeit, weil er die leeren Dosen in den Kanal wirft und daraus einen Staudamm machen will. Cedric hat weder Antrieb noch Perspektive, aus seinem Leben etwas zu machen.
Als Oliver ein Motorradgespann erbt und Alex Gerard für eine Woche allein versorgen soll, beginnt ein Roadmovie der etwas anderen Art. Das Leben der vier Außenseiter ändert sich grundlegend.
Marie-Sabine Roger schreibt warmherzig, herzzerreißend, komisch und berührend. Dabei sind die Charaktere keine Stereotypen; sogar das Verhalten der hartherzigen Marlene wird, wenn auch nicht verständlich, so zumindest nachvollziehbar. Die Protagonisten haben ihre Ecken und Kanten, sind außergewöhnlich und nicht nur liebenswert. Sie wirken dadurch lebendig und individuell.
Kurz, dieses Buch ist einfach wunderbar.

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Das Spiel der Nachtigall
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48 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 11 Rezensionen

mittelalter, liebe, walther von der vogelweide, krieg, könig

Das Spiel der Nachtigall

Tanja Kinkel
Fester Einband: 924 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 02.11.2011
ISBN 9783426198186
Genre: Historische Romane

Rezension:

Walther von der Vogelweide ist ein besonderer Mann. Aus relativ einfachen Verhältnissen kommend, hat er nur ein Ziel: Er will ein berühmter Minnesänger werden. Dazu muss er an die Höfe der Herrscher, und schnell wird seine Existenz nicht nur durch seine Armut, sondern auch durch die vielfältigen Fehden zwischen den Herrschenden bedroht. Aber Walthers Wortgewalt und seine Intelligenz lassen ihn immer wieder davonkommen, obwohl er mit seiner spitzen Zunge selbst Kaiser und Papst verspottet.
Judith von Köln ist eine besondere Frau. Sie ist als Jüdin und Frau im mittelalterlichen Köln ohne Rechte, schafft es aber trotzdem, sich in Salerno als Ärztin ausbilden zu lassen und zieht als Magistra von Hof zu Hof. Eine Ehe mit einem Christen und ihre Heilkunst sind ihr einziger Schutz vor Verfolgung.
Die Wege von Walther und Judith kreuzen sich immer wieder. Aus der Annäherung wird eine Liebesgeschichte, die aber stets von Gefahren und Missverständnissen bedroht ist. Beider Leben ist eine ständige Gratwanderung, und so wechselt auch ihre Liebesgeschichte dauernd zwischen Nähe und Distanz.
Die größte Bedrohung stellen die Streitigkeiten und tödlichen Intrigen zwischen den Staufern und den Welfen um die deutsche Krone dar, von denen Walther und Judith direkt betroffen sind. Nach Kräften versuchen sie, Einfluss zu nehmen, damit die endlosen Auseinandersetzungen, die so viel Leid und Zerstörung über die Menschen bringen, endlich aufhören. Beide haben die innere Stärke, niemals aufzugeben, auch wenn die Lage aussichtslos zu sein scheint.
Tanja Kinkel lässt in diesem flüssig geschriebenen Mittelalter-Schmöker das 12. Jahrhundert so lebendig werden, als würde man eine Zeitmaschine besteigen. Besonders gut gefallen haben mir die sorgfältig ausgearbeiteten Charaktere. Selbst die Nebenfiguren bleiben nachhaltig im Gedächtnis, zum Beispiel die Prostituierte Maria, durch die Judith lernt, Gefallen am Liebesakt zu finden.
Gründlich recherchiert wird eine Zeit beschrieben, in der das Leben der einfachen Leute völlig von Kräften bestimmt war, die sie nicht beeinflussen konnten. Immer wieder wurden ihre Dörfer zerstört, mussten sie in den Krieg oder auf Kreuzzüge ziehen für Herrscher, die dauernd wechselten, aber immer die gleichen negativen Ereignisse für die Menschen brachten. Besonders schlecht war die Situation der Frauen, die einfach nur als Verfügungsgut gesehen wurden, selbst wenn sie adlig waren. Da wurden schon Kinder verheiratet, nur um sich Verbündete zu sichern. Die Frauen waren ihren Männern vollkommen ausgeliefert. Auch das beschreibt die Autorin so plastisch, dass es mich beim Lesen sehr berührt hat.
Mir hat dieser intelligente Roman Walther von der Vogelweide so nahe gebracht, dass ich gleich nach dem Lesen den Großen Conrady aus dem Regal gezogen und die Gedichte von Walther von der Vogelweide genossen habe, einem wirklich großen Dichter, dessen Ansichten so zeitlos sind, dass sie auch in unsere Zeit passen.

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Das geheime Leben der Fliegen
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Das geheime Leben der Fliegen

Magnus Muhr , Tilman Rammstedt , Tilman Rammstedt
Fester Einband: 64 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 11.10.2011
ISBN 9783832196325
Genre: Comic & Humor

Rezension:

Fliegen sind lästig. Wir verjagen sie, wir schlagen sie tot, wir quälen sie mit Fliegenfängern. Dabei sind diese Wesen auch nur Menschen wie du und ich, jedenfalls wenn man den Bildern dieses Buches trauen darf.
Fliegen vergnügen sich beim Fussballspielen und Reiten, heiraten, musizieren und haben Schlafstörungen. Alltagstätigkeiten kommen ebenso vor wie Extremsportarten. Das geheime Leben der Fliegen ist vor allem: ganz normal.
Wer nach Betrachten dieser Bilder noch ohne schlechtes Gewissen eine Fliege totschlagen kann, ist herzlos.

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Die Wahrheit über den Fall D
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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die Wahrheit über den Fall D

Charles Dickens , Carlo Fruttero , Franco Lucentini
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei PIPER VERLAG GMBH, 01.08.1994
ISBN 9783492119153
Genre: Zeitgenössische Literatur

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Das Geheimnis des Edwin Drood
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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

england, klassiker, roman

Das Geheimnis des Edwin Drood

Charles Dickens , Ulrike Leonhardt , Burkhart Kroeber , Burkhart Kroeber
Fester Einband: 762 Seiten
Erschienen bei Manesse Verlag, 01.09.2001
ISBN 9783717519768
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Edwin Drood ist schon als Kind mit Rosa Bud verlobt wurden. Die beiden mögen sich eigentlich auch, aber die Vorherbestimmtheit ihrer Beziehung ist eine so große Last, dass sie sich dauernd nur streiten.
Rosa ist in dem Mädcheninstitut, das sie besucht, mit der aus Ceylon stammenden Helena Landless befreundet, deren Zwillingsbruder Neville sich in Rosa verliebt. Neville ist ein hitziges und aufbrausendes Kerlchen und gerät in Streit mit Edwin. Und dann verschwindet Edwin Drood spurlos.
Sein opiumabhängiger Onkel Jasper, Kantor des Ortes und ein recht schmieriger Typ, der es ebenfalls auf Rosa abgesehen hat, beschuldigt Neville des Mordes.
Damit beginnt eine Kriminalgeschichte, die gleichzeitig eine herrliche Provinzsatire ist und, wie immer bei Dickens, von einer Vielzahl skurriler Typen bevölkert wird.
Die ersten Leser dieses Romans im Jahre 1870 waren fürchterlich entsetzt, als die Lieferung der Romanteile nach dem 22. Kapitel abbrach. Charles Dickens war gestorben, ohne seinen letzten Roman vollenden zu können. Seitdem ist die literarische Welt fasziniert von diesem unvollendeten Kriminalroman. Eine ganze Bibliothek kann mit Spekulationen über den von Dickens geplanten Fortgang und mit Fortschreibungen gefüllt werden.
Der in diesem Band abgedruckte von Ulrike Leonhardt weitergeschriebene Teil trifft den Tonfall und Stil von Dickens recht gut, und das von ihr erdachte Ende finde ich plausibel. An das Original reicht ihr Text natürlich nicht heran, das wäre auch zu viel verlangt. Und wer weiß, wie viele überraschende Wendungen Dickens noch für seinen ersten Kriminalroman geplant hatte.
Das Geheimnis des Edwin Drood wird sich nie endgültig lösen lassen.

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Das Lied der Klagefrau
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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das Lied der Klagefrau

Wolf Serno
Fester Einband: 489 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 28.10.2011
ISBN 9783426198070
Genre: Historische Romane

Rezension:

Göttingen, 1786. Endlich findet der Puppenspieler Julius einen Weg, sein abgebrochenes Medizinstudium weiterzuführen und seine geliebte Alena zu heiraten. Auch eine geeignete Unterkunft, in der er seine Puppen unterbringen kann, findet sich.
Göttingen, 1789. Julius ist kurz davor, seine Dissertation abzuschließen. Schon jetzt arbeitet er erfolgreich als Arzt in einem Hospiz. Aber plötzlich türmen sich erneut Hindernisse für ihn auf. Im Hospiz kommt es zu rätselhaften Todesfällen, sein Liebesleben wird durch Henrietta, die sich als Mann verkleidet hat, um studieren zu können, gehörig durcheinandergewirbelt, Alena verlässt ihn und er wird sogar wegen Mordes angeklagt. Und dann taucht auch noch ein alter Feind auf. Muss Julius seinen Traum begraben?
Wie jedes Buch von Wolf Serno ist auch dieses ein wahrer Pageturner mit liebevoll ausgestalteten Charakteren. Serno schreibt so kompetent, spannend und gut lesbar über das Mittelalter, wie kaum ein anderer. Wie gründlich er recherchiert, zeigt sich ebenso im Anhang, der neben einem nützlichen Glossar auch die benutzten Quellen auflistet und Auszüge der im Buch genannten Dissertation zeigt.
Dass die Geschichte in meiner Geburtsstadt Göttingen spielt, gefiel mir dabei natürlich besonders gut. Serno kennt Göttingen offensichtlich genau und ist bei der Recherche nicht einmal davor zurückgeschreckt, das Göttinger Bier zu probieren. Ich teile übrigens sein Urteil über dieses Gesöff, das sich seit dem Mittelalter offensichtlich nicht verbessert hat.
Dies ist genau das richtige Buch, um mit einer Tasse Tee und in eine Wolldecke gekuschelt das eklig kalte Wetter auszublenden.

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Die Eisläuferin
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(26)

42 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

politik, amnesie, russland, omsk, chefin

Die Eisläuferin

Katharina Münk
Flexibler Einband: 246 Seiten
Erschienen bei dtv, 19.10.2011
ISBN 9783423248815
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Wissen Politiker eigentlich, was sie tun? Die Regierungschefin eines westeuropäischen Staates (wer da wohl gemeint ist?) jedenfalls nicht mehr. Denn als sie im Urlaub mit ihrem Mann den Sicherheitskräften entflohen ist, um ungestört mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren zu können, fällt ihr das Stationsschild von Omsk auf den Kopf. Frau Me – ääh, die Regierungschefin verliert daraufhin das Gedächtnis. Die letzten 20 Jahre existieren nicht mehr für sie. Schlimmer noch, sie behält auch nichts Neues. Jeden Tag muss sie von ihrem Mann, einem Professor (kommt uns das bekannt vor?) neu gebrieft werden. Dabei kann sie noch nicht einmal mehr lesen. Spickzettel fallen also flach.
Natürlich ist ihr Stab in heller Aufregung. Grund genug gibt es dafür, denn Frau Me- ähh, die Regierungschefin entwickelt plötzlich eine für Politiker fatale Eigenschaft: Sie sagt, was sie denkt. Damit nicht genug, sie entflieht mit ihrem Therapeuten ihrem durchorganisierten und fremdbestimmten Alltag und versucht sich im Eislaufen. Entgegen aller Erwartungen steigt nun ihr Beliebheitsgrad, was ihrem Stab allerdings auch nicht in den Kram passt.
Die Grundidee des Buches ist wirklich witzig, wie auch der Schreibstil, besonders am Anfang, als alle nur in politischen Floskeln reden. Köstlich! Gefallen haben mir auch die ab und an aufblitzenden satirischen Ideen und die realistische Beschreibung des Politikbetriebs und ihrer Handelnden.
Das hätte also ein richtig gutes Buch werden können, wenn nicht so klar erkennbar gewesen wäre, um wen es sich bei der angeblich fiktiven Regierungschefin handelt. So kam mir die reale Person gedanklich immer dazwischen, und das Ganze bekam ein „Geschmäckle“, den Eindruck einer verkappten Wahlkampfhilfe.
Davon abgesehen, liest sich das Buch sehr unterhaltsam.

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Das Lied vom Tun und Lassen
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(19)

40 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 18 Rezensionen

selbstmord, musik, schule, band, blog

Das Lied vom Tun und Lassen

Jan Böttcher
Fester Einband: 315 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 14.09.2011
ISBN 9783498006587
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Die Schülerin Meret springt vom Dach der Schule. Wie gehen Schüler und Lehrer damit um? Wie verändert der Tod die Lebenden?
Der erste Teil des Buches ist aus der Perspektive des Musiklehrers Immanuel Mauss geschrieben. Er versucht, neue Unterrichtsmethoden einzuführen, und er versucht auch, die Trauer der Schüler zu begleiten. Aber er selbst ist desillusioniert und deprimiert, seitdem seine Frau gestorben ist.
Der Schulpsychologe Johannes Engler ist Mittelpunkt des zweiten Buchteils. Er soll die Schülerin Clarissa Winterhoff begutachten, die keinen Umgang mit ihrer Trauer findet. Aber er verliert seine Professionalität und beginnt eine Affäre mit Clarissa. Auch er hat mit Trauer und Verlust zu kämpfen, weil er von seiner Frau und damit auch von seinem Sohn getrennt lebt.
Der letzte Teil des Buches ist ein fiktives Tourblog, das Clarissa über ihre Band schreibt. Es handelt sich um ein Unterrichtsprojekt beim Musiklehrer Mauss. In diesem Blog wird deutlich, warum Clarissa solche Probleme hat, den Tod Merets zu verarbeiten.
Ich bin mit dem Buch nicht so richtig warm geworden, weder mit den Charakteren, noch mit der Art, die Geschichte zu erzählen. Es gab mir zu viele Zeitsprünge, besonders im letzten Teil. Und vor allem war mir der Schluss nicht rund genug. Zu viele Fragen blieben offen.
Aber vom Schreibstil war ich begeistert.

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Die Gesichtslosen
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(72)

124 Bibliotheken, 2 Leser, 4 Gruppen, 37 Rezensionen

münchen, rechtsmedizin, gesichtsrekonstruktion, thriller, deutschland

Die Gesichtslosen

Stephanie Fey
Flexibler Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 07.11.2011
ISBN 9783453435865
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Die Rechtsmedizinerin Carina hat einige Jahre als Knochen- und Mumienexpertin in Mexiko verbracht. Nun kommt sie zurück nach München, um in ihrem Lieblingsfeld zu arbeiten: Der Rekonstruktion von Gesichtern.
Und am Münchner Institut für Rechtsmedizin wartet auch gleich der passende Fall auf sie. Ein Serienkiller zieht seinen Opfern die Gesichtshaut ab und nimmt sie als Souvenir mit. Carina hat jetzt die Aufgabe, den Frauen ihre Gesichter zurück zu geben.
Das ist schwierig genug, aber auch ihr Privatleben ist nicht einfach. Die Umstellung, sich nach 2 Jahren wieder in Deutschland einfinden zu müssen, fällt Carina nicht leicht. Dass ihr Vater Hauptkommissar ist und ihr ständig reinredet, führt immer wieder zu Spannungen zwischen den beiden. Und auch ihr Freund nervt.
Der zweite Erzählstrang des Buches beschäftigt sich mit der Sekretärin Rosa. Sie arbeitet in den 80er Jahren im Innenministerium und lässt ihrem DDR-Freund Informationen zukommen. Dass ihre Liebe ausgenutzt wird, merkt sie nicht. Und eines Tages gibt sie unwissentlich eine sehr brisante Zeichnung weiter. Das hat fatale Folgen.
Beide Handlungsstränge werden von der Autorin sehr geschickt verknüpft. Das Herrhausen-Attentat ist glaubwürdig in die Handlung integriert, und die Atmosphäre der 80er Jahre ist gut eingefangen.
Dieses Buch ist ein guter Serienauftakt mit interessanten Charakteren, die noch Raum zur Weiterentwicklung haben.
Ich fand die bodenständige Protagonistin mit ihren Ecken und Kanten sehr sympathisch, besonders mit ihren Versuchen, das entspannte mexikanische Arbeitstempo in einer deutschen Behörde umzusetzen. Allerdings ist das Verhalten Carinas am neuen Arbeitsplatz insgesamt ziemlich unrealistisch, so verhält sich niemand in der Probezeit. Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt an diesem spannenden und flüssig geschriebenen Thriller.
Ich freue mich jedenfalls auf die Fortsetzung der Serie.

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Die Insel der besonderen Kinder
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(500)

949 Bibliotheken, 13 Leser, 12 Gruppen, 205 Rezensionen

insel, fantasy, kinder, monster, zeitschleife

Die Insel der besonderen Kinder

Ransom Riggs , Silvia Kinkel
Fester Einband: 415 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 27.10.2011
ISBN 9783426283684
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Kinder lieben Märchen. Und die Märchen, die Jacob von seinem Großvater erzählt bekam, waren etwas ganz Besonderes. Großvater Abraham erzählte von einer Insel mit Kindern, die besondere Fähigkeiten haben.
Jugendliche haben mit Märchen nicht mehr so viel am Hut, auch Jacob nicht. Aber das ändert sich, als sein Großvater durch den Angriff eines Monsters stirbt, das nur Jacob sehen kann, und ihm Hinweise hinterlässt, mittels derer Jacob die Insel der besonderen Kinder findet. Denn es gibt sie wirklich, und es hat einen guten Grund, dass Jacob die Geschichten erzählt wurden.
Jacob macht sich auf den Weg und erfährt mehr über sich, als er sich jemals hätte träumen lassen. Dabei bekommt er es mit einem mysteriösen Waisenhaus zu tun, mit Kindern, die Feuer entstehen lassen können, schweben können, unsichtbar oder besonders stark sind. Jedes Kind hat ein anderes Talent, und sie ergänzen sich dadurch hervorragend im Kampf gegen die Monster, von denen sie gejagt werden.
Mir hat dieser ungewöhnliche Fantasy-Roman ausgesprochen gut gefallen, besonders wegen der liebevollen Ausstattung. Die echten Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Privatsammlungen unterstützen die unheimliche Atmosphäre des Buches und lassen die Geschichte sehr lebendig werden. Der 16jährige Jacob ist ein authentischer Protagonist, der mir auf Anhieb sympathisch war.
Der Autor nimmt sich mit seinem ruhigen Schreibstil Zeit, die Geschichte zu entwickeln. Dabei lässt er eine gruselige und schaurige Stimmung entstehen, die dafür sorgte, dass ich dieses spannende Buch erst aus der Hand legen konnte, als ich die letzte Seite gelesen hatte.
Zum Glück lässt das Ende auf eine Fortsetzung hoffen.

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Das Paradies
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(24)

28 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

ddr, weimar, wende, kindheit, mauer

Das Paradies

Andrea H. Hünniger
Fester Einband: 216 Seiten
Erschienen bei Tropen-Verlag Label von Klett-Cotta, 26.09.2011
ISBN 9783608503050
Genre: Biografie

Rezension:

Die Autorin ist in der DDR aufgewachsen. Aber da sie erst 1984 geboren ist, hat sie die DDR gar nicht mehr bewusst erlebt, sondern nur die ersten Jahre nach der Wende. Das merkt man dem Buch an.
Andrea Hanna Hünniger beschreibt die Wende aus der Sicht der Ostdeutschen und übernimmt dabei deren Unzufriedenheit. Denn die ehemalige BRD hat sich nicht als das erhoffte Paradies erwiesen; die überstürzt durchgeführte Wiedervereinigung hat viele Nachteile mit sich gebracht. Dafür einseitig den Westen verantwortlich zu machen, greift meiner Meinung nach zu kurz.
Außerdem fehlte mir im Buch der rote Faden. Mir war es zu unstrukturiert, mit zu vielen Zeitsprüngen. Ich bin daher mit dem Buch nicht richtig warm geworden.

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Das Liliengrab
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(30)

75 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 13 Rezensionen

wien, heinz martin, kinderzimmer, gerichtsmediziner, leblos

Das Liliengrab

Valentina Berger
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2011
ISBN 9783492258135
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Ein Baby im Taufkleidchen liegt auf weiße Lilien gebettet. Das könnte ein hübsches Bild sein, aber das Baby ist tot. Es hat keine äußeren Verletzungen, es ist also auch möglich, dass es am Plötzlichen Kindstod gestorben ist. Erst beim Fund der zweiten auf weiße Lilien gebetteten Babyleiche ist klar, dass es sich um Morde handeln muss.
Der Rechtsmediziner Heinz Martin und seine Kollegin Laura Campelli haben es mit einer ganz besonders schwierigen Mörderjagd zu tun. Und für Laura wird dieser Fall persönlich, als ihre kleine Nichte aus der Säuglingsstation entführt wird.
Wir Lesenden bekommen einen Vorsprung vor den Ermittlern, denn wir erfahren sehr schnell, wer die Täterin ist. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Der Einblick in die Psyche einer Schizophrenen ist erschreckend realistisch und sehr interessant. Fast bekommt man Mitleid mit der Täterin.
Dieser emotional aufwühlende Thriller ist gut geschrieben, entwickelt durch die ständigen Perspektivwechsel viel Spannung und wartet mit sympathischen Charakteren auf.
Schade nur, dass die Ereignisse des ersten Bandes verraten werden, ich hätte ihn gern noch gelesen, kann mir das jetzt aber sparen.
Aber auf den nächsten Band der Serie bin ich schon gespannt.

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Die Maske
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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

erzählungen

Die Maske

Siegfried Lenz
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 01.11.2011
ISBN 9783455400984
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Kann man auf eine gemalte Frau eifersüchtig werden? Offensichtlich ja, denn in der ersten Erzählung dieses neuen Buches von Siegfried Lenz bringt ein Gemälde fast eine Ehe auseinander.
Die längste der Erzählungen handelt von einem an den Strand angeschwemmten Container mit Masken, die für das Völkerkundemuseum gedacht waren. Abends in der Kneipe werden die Tiermasken von den Einheimischen aufprobiert und sorgen nicht nur für viel Vergnügen, sondern plötzlich auch zur Verständigung zwischen verfeindeten Parteien. Diese Masken verbergen nicht, sondern bringen offensichtlich das Beste in den Menschen hervor. Und sie stiften eine Liebesgeschichte.
In der dritten Erzählung geht es um die Ehrung eines standhaften Kapitäns, der bis zuletzt auf seinem sinkenden Schiff ausgehalten hat. Auch hier geht es eigentlich wieder um Moral, was sich besonders im ehrlichen Umgang des Kapitäns mit der Ehrung zeigt.
Besonders nahe ging mir die vierte Erzählung, die in einem Krankenhauszimmer spielt. Ein Schriftsteller lässt mit seiner Frau das Leben des Sohnes, das er gerade aufgeschrieben hat, vorbeiziehen, eine Geschichte, die ein herzzerreißendes Ende hat.
Der Band schließt mit einem Interview über einen Film, der ein ungewöhnliches Leben behandelt.
Normalerweise lese ich Erzählungen nicht so gern, aber bei den Erzählungen von Siegfried Lenz ist das anders. Sie sind etwas ganz Besonderes und wirken, auch wegen des für Siegfried Lenz so typischen Tonfalls und Schreibstils, lange nach. Auf wenigen Seiten kann Lenz beschreiben, wofür andere Autoren einen ganzen Roman brauchen. Das gilt sowohl für die Tiefe der Charaktere als auch für die behutsame Anregung zum moralischen Denken.
Ich hoffe, dass der 85jährige Siegfried Lenz, der einer meiner Lieblingsautoren ist, noch sehr lange so wunderbare Bücher schreibt.

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Die geheimen Memoiren der Jane Austen
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40 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

jane austen, liebe, england, memoiren, liebesgeschichte

Die geheimen Memoiren der Jane Austen

Syrie James , Ulrike Seeberger
Flexibler Einband: 409 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 25.08.2011
ISBN 9783746627298
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Jane Austen hat Tagebuch und viele Briefe geschrieben, wir wissen also ziemlich gut über ihr Leben Bescheid. Nur über die Zeit von Januar 1809 bis April 1811 ist nichts bekannt. Ihre Schwester Cassandra hat alle Unterlagen über diese Zeit vernichtet. Verbirgt sich dahinter eine Liebesgeschichte? Zumindest dieses Buch macht eine daraus.
Jane trifft ihren Traummann, aber er hat ein Geheimnis. Und leider verhindern die Umstände, dass sie zusammenkommen. Jane verarbeitet ihre Erlebnisse in ihren Büchern, so dass wir einige Charaktere und Situationen wiedererkennen. Genau so hätte es sein können, und ich hoffe, dass Jane Austen wirklich eine so schöne Liebe hatte.
Der Schreibstil dieses lesenswerten Buches kommt dem von Jane Austen recht nahe, und auch die Erzählung selbst ist stimmig und im Geist ihrer Romane.
Ein sehr gelungenes Buch in den Fußstapfen Jane Austens, nach dessen Lektüre man Lust bekommt, die Austen-Romane endlich mal wieder zu lesen.

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Die oder ich
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Die oder ich

Wilfried Eggers
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Grafit, 01.09.2011
ISBN 9783894253899
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Eins ist klar: Einer landet in der forensischen Psychiatrie. Aber wer? Und warum? Welches Verbrechen passiert, und wer begeht es? Gibt es überhaupt ein Verbrechen?
Nach dem noch halbwegs klaren Anfang der Geschichte tun sich immer mehr Fragen auf. Wie hängen die verschiedenen Handlungsstränge zusammen, was haben die Protagonisten miteinander zu tun? Und, vor allem, wer von ihnen wird am Ende als Täter in der Psychiatrie enden? Der Rechtsanwalt, der von seinem Beruf die Nase voll hat und kurz vorm Durchdrehen ist? Der feindselige und prozessfreudige Bauer, dem es nichts ausmacht, dass sein Bulle auf den Nachbarn losgeht? Der Arbeitslose, der sich nach dem Tod der Mutter immer mehr zurückzieht und sich beobachtet fühlt?
Diese Geschichte baut sich auf wie ein Gewitter. Erst ist nur ein fernes Knistern in der Luft, dann spürt man die Bedrohung langsam immer näher kommen, bis sie sich dann explosionsartig entlädt.
Ein ganz ungewöhnlicher und genial komponierter Krimi, den man nicht aus der Hand legen kann.

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Die dunkle Chronik der Vanderborgs
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41 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 12 Rezensionen

nationalsozialismus, vanderborgs, amanda, vampir, fluch

Die dunkle Chronik der Vanderborgs

Bianka Minte-König
Flexibler Einband: 467 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter, C, 15.03.2011
ISBN 9783800095346
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

Im zweiten Teil der Dunklen Chronik der Vanderborgs geht es um Estelles Tochter Amanda. Sie ist 17 Jahre alt und ist Insassin einer Nervenheilanstalt am Anfang des 20. Jahrhunderts.
Amanda bekommt einen neuen Psychiater zugewiesen. Conrad Lenz ist jung und Anhänger Freuds. Amanda ist schwer traumatisiert und hat keinerlei Erinnerung an ihre Vergangenheit. Nach einiger Zeit Therapie mit Conrad verbessert sich der Zustand Amandas und sie wird aus der Klinik entlassen. Conrad behandelt sie aber im Haus ihres Vaters weiter.
Amanda findet wieder Freude am Leben und fängt an, sich wieder zu erinnern, unter anderem daran, dass ihre Mutter von ihrem gesetzlichen Vater, dem Vampir Utz, in die Karpaten entführt wurde. Durch eine Nachricht erfährt Amanda, dass ihre Mutter noch lebt, und macht sich mit Conrad und ihrem Vater auf die Suche. Gemeinsam brechen sie in die Karpaten auf.
Dort müssen sie feststellen, dass Utz sich eine Armee von Untoten erschaffen hat. Und besonders für Conrad hat die Reise furchtbare Konsequenzen.
Man sollte den ersten Teil gelesen haben, um den zweiten Band zu verstehen. Wie auch der erste Band ist dieses Buch gut geschrieben. Es ist informativ, weil die deutsche Geschichte eine Rolle spielt. Obwohl es nicht superspannend ist, liest es sich gut und relativ schnell.
(Gastrezension meiner Tochter)

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Die Parallelklasse
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migranten, chancengleichheit

Die Parallelklasse

Patrick Bauer
Flexibler Einband: 190 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 28.09.2011
ISBN 9783630873688
Genre: Sach- & Fachbuch

Rezension:

Auf der Grundschule waren sie noch Freunde, Patrick und Ahmed. Aber danach trennten sich die Wege ebenso wie die Laufbahnen. Patrick, Sohn einer Mittelschichtfamilie, wechselte auf ein Gymnasium, machte sein Abi, studierte, wurde Journalist. Achmed machte den Realschulabschluss, hatte viele unterschiedliche Jobs, wurde arbeitslos und Drogenhändler.
In einem Berliner Park trafen sie sich zufällig wieder, und das war der Auslöser für Patrick Bauer, nachzuforschen, was aus seinen Mitschülerinnen und Mitschülern der Kreuzberger Grundschule geworden ist.
Eine schwierige Suche war das, aber nach und nach schälte sich ein – nicht gerade positives – Bild heraus. Alle Kinder mit deutschen Eltern sind auf ein Gymnasium gewechselt, egal, wie gut ihre Noten waren. Den Kindern mit Migrationshintergrund gelang das nur in Ausnahmefällen, egal, wie begabt sie waren. Diese Trennung setzte sich auch im Berufsleben fort.
In keinem anderen Land ist die schulische Laufbahn so sehr vom Elternhaus abhängig wie in Deutschland. Ein sozialer Aufstieg ist kaum noch möglich.
Besonders deutlich wird die Misere an der Hauptschule. Als ich Jugendliche war, konnten meine ehemaligen Grundschulklassenkameraden, die auf die Hauptschule gewechselt waren, nach der Schule eine Lehrstelle bekommen. Ein Realschulabschluss reichte damals für eine Ausbildung in der Bank. In allen Berufen gab es Möglichkeiten, sich weiterzubilden und aufzusteigen.
Das ist heute nicht mehr so. Die Arbeitgeber sind wesentlich anspruchsvoller als damals, bieten gleichzeitig aber wesentlich schlechtere Bedingungen. Heute werden bereits 10% der Ausbildungsstellen im Handwerk, die früher an Hauptschulabgänger vergeben wurden, von Abiturienten besetzt. Die restlichen Ausbildungsplätze gehen überwiegend an Realschüler. Wo früher ein Realschulabschluss reichte, wird heute Abitur erwartet. Hauptschüler haben keine Chance auf einen Ausbildungsplatz, und das wissen sie auch. Kein Wunder, dass sie unmotiviert sind.
Dazu kommen die Defizite des Bildungssystems. Bildung darf in Deutschland nichts kosten. Schulkinder sitzen in maroden Schulen mit unbenutzbaren Toiletten und Turnhallen, werden von einer Reform nach der anderen gequält und müssen ihren Stoff trotz massiven Stundenausfalls lernen, weil nicht genügend Lehrer eingestellt werden. Eine individuelle Förderung der Kinder ist so nicht möglich. Und den meisten Lehrern fehlt die interkulturelle Kompetenz, das konstatiert auch Patrick Bauer.
Bei vielen Kindern kommen noch familiäre Defizite dazu. Entscheidend für die Schullaufbahn ist daher nicht nur die Herkunft, sondern vor allem, ob die Familie Bildung als wichtig erachtet. Bildungsferne Elternhäuser produzieren bildungsferne Kinder.
Erfrischend ehrlich ist Patrick Bauer am Schluss seines Buches, als sich seine Perspektive vom politisch Korrekten hin zum Vater ändert. Denn er ist sich auch noch nicht sicher, auf welche Schule er sein Kind geben wird…
In einem Gespräch, das ich auf der Frankfurter Buchmesse mit dem sehr sympathischen Autor führen konnte, sprach er ein weiteres Problem an: die Gastarbeitermentalität der in Deutschland Geborenen. Ahmed und die anderen früheren Klassenkameraden sehen sich als türkisch, iranisch, usw., obwohl sie in Deutschland geboren wurden. Das hängt natürlich auch mit der verfehlten Einwanderungspolitik zusammen.
Die Identifikation der Kinder mit ihrer Umgebung sei so stark, dass es getrennte Lebensräume in Berlin gebe. Der erste Kontaktpunkt mit der deutschen Gesellschaft ist heute die Schule, und das ist einfach zu spät. Patrick Bauer spricht sich daher für eine Kindergartenpflicht aus. Die von ihm befragten Lehrer, die er übrigens durchgehend als sehr engagiert erlebt hat, haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder, die in der 1. Klasse Defizite haben, diese auch nach der 6., bzw. 10. Klasse nicht aufgeholt haben.
Ein Ansatzpunkt, um etwas positiv zu verändern, seien das Quartiersmanagement und die Stadtteilmütter. So könnten Vorbehalte gegen den Kindergartenbesuch ausgeräumt und Deutschunterricht für Eltern angeboten werden. Wichtig sei es, direkt in die Familien zu gehen, um diese zu motivieren. Außerdem müsse es arabische Erzieherinnen und Erzieher in den Kindergärten und Schulen geben. Womit wir wieder bei dem Problem wären, dass Bildung hierzulande nichts kosten darf…
Patrick Bauer hat mir bestätigt, dass alle Fakten im Buch stimmen. Bisher gibt es allerdings kein Feedback seiner ehemaligen Klassenkameraden, denen er das Buch zugesendet hat. Schade.
Ich kann dieses sehr lesenswerte Buch jedenfalls vorbehaltlos empfehlen!

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