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Stromschnellen: Roman
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Stromschnellen: Roman

Bonnie Jo Campbell
E-Buch Text: 399 Seiten
Erschienen bei Piper (com), 16.04.2013
ISBN B00ADL53OY
Genre: Sonstiges

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Dark Destiny
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268 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

dystopie, liebe, joy, neél, jennifer benkau

Dark Destiny

Jennifer Benkau
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei script5, 18.03.2013
ISBN 9783839001455
Genre: Science-Fiction & Fantasy

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Escape
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307 Bibliotheken, 6 Leser, 3 Gruppen, 43 Rezensionen

flucht, sektion, sam, jennifer rush, anna

Escape

Jennifer Rush , Ulrike Brauns
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Loewe Verlag, 16.01.2013
ISBN 9783785575161
Genre: Kinder- & Jugendbuch

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Elsa ungeheuer
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44 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

kunst, elsa, den haag, freundschaft, texas

Elsa ungeheuer

Astrid Rosenfeld
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.02.2013
ISBN 9783257068504
Genre: Zeitgenössische Literatur

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Knapp am Herz vorbei
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108 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 36 Rezensionen

willie sutton, bankräuber, new york, gefängnis, usa

Knapp am Herz vorbei

J.R. Moehringer , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Fischer (S.), Frankfurt, 01.02.2013
ISBN 9783100496034
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

New York, Winter 1969: Willie Sutton, einst berühmtester Bankräuber Amerikas, wird aus dem Gefängnis entlassen. Ein Reporter und ein Fotograf begleiten ihn an seinem ersten Tag in der Freiheit und fahren mit ihm gemeinsam die Stationen seines Lebens ab. Nach und nach erfahren sie Stück für Stück, wer Willie Sutton eigentlich war und was ihn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum meistgesuchten Mann Amerikas machte.

Der Roman zeichnet das außergewöhnliche Lebensbild Willie “The Actor” Suttons nach, beginnend mit einer Jugend im irischen Armenviertel Brooklyns und einer unglücklichen Großen Liebe, später dann erster erfolgreicher Raubzüge in Banken und Juweliergeschäften, die der meist verkleidete Sutton derart raffiniert durchführte, dass nie jemand verletzt oder auch nur ein einziger Schuss abgefeuert wurde. Während der großen Bankenkrise anvancierte Sutton zu einer Art “modernem Robin Hood” unter der Bevölkerung und festigte seinen Kultstatus durch spektakuläre Ausbrüche aus zwei Gefängnissen. Polizeiberichte und Zeitungsartikel zeichneten ein Bild eines kultivierten Gentleman-Gangsters, der über die Maßen belesen war, regelmäßig ins Kino ging und Theater besuchte und zudem Bücher schrieb, darunter zwei verschiedene Autobiographien.

Meine Meinung:

J.R. Moehringer ist mit den Geschichten und Legenden rund um den großen Willie Sutton aufgewachsen und hat für diesen Roman recherchiert, so viel er über ihn herausfinden konnte. Nur wenige Details sind erwiesen, vieles basiert auf Zeitungsberichten, Erzählungen von Beobachtern oder Nachfahren Suttons. Was aber im Vagen bleibt, vor allem über Suttons privates Leben, zeichnet Moehringer behutsam und glaubhaft nach, trifft dabei genau den richtigen Ton für das New York Anfang des 20. Jahrunderts, einer Ära des schnellen Geldes und großer Hungersnöte, der Börsencrashs und des zerbröckelnden American Dreams.

“Knapp am Herz vorbei” ist Moehringers Versuch, sich einem Helden seiner Kindheit anzunähern und ihn in seinem Roman zu würdigen, wie es der große Bankräuber sicher selbst gern gelesen hätte. Dabei bleibt er die gesamte Zeit über glaubhaft und man zweifelt keine Sekunde, dass sich alles genau so zugetragen haben könnte.

Fazit:

Großartig erzählte und hervorrangend recherchierte Lebensgeschichte; eine Hommage an einen außergewöhnlichen Mann.

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Tags: banken, bankräuber, brooklyn, börsencrash, gefängnis, new york, willie sutton   (7)

  

 

Das Obsidianherz
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49 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

steampunk, magie. mystery, münchen, liebe, ju honisch

Das Obsidianherz

Ju Honisch
Flexibler Einband: 809 Seiten
Erschienen bei Origin, 01.02.2008
ISBN 9783867620284
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

München 1865: Eigentlich ist die junge Corrisande Jarrencourt in Begleitung ihrer Anstandsdame in die bayerische Landeshauptstadt gekommen, um einen wohlsituierten Ehemann zu finden. Zur gleichen Zeit wie die Damen halten sich im Nymphenburger Hotel mehrere konspirative Interessengruppen auf, die alle dasselbe Ziel haben: in den Besitz eines geheimen Manuskripts zu gelangen, dessen zerstörerische Macht das gesamte Weltengefüge verändern könnte.

An der Spitze eines im Hotel operierenden bayerischen Geheimkommandos steht der britische Agent Colonel Delacroix. Im Wettstreit mit einem dunklen Mönchsorden und einem verräterischen Magier erhält er Hilfe von Seiten der ausgefuchsten Operndiva Cérise Denglot und ihrem ominösen Geliebten, der alles andere als ein Mensch zu sein scheint. Doch bald fällt eine finstere Macht über das Hotel, die das Manuskript um jeden Preis in ihre Gewalt bringen will und Corrisande sieht sich mitten hineingezogen in einen mörderischen Strudel aus Intrigen, Schein und Sein und der ultimativen Herrschaft über die Welt.

Meine Meinung:

“Das Obsidianherz” stand auf meiner Leseliste, seit Ju Honisch dafür 2009 mit dem Deutschen Phantastikpreis ausgezeichnet wurde. Umfang und Preis (der für die Publikation eines Independentverlags wie Feder und Schwert durchaus gerechtfertigt ist), mögen mich ein zeitlang abgehalten haben, doch die Lektüre hat sich durchaus gelohnt.

Ju Honisch erschafft eine überzeugende Melange aus Abenteuerroman, Thriller und Historiendrama und würzt alles mit einem kräftigen Schuss Dark Fantasy und einer Prise schwarzhumoriger Scharfzüngigkeit. Hier wird quer durch die Genres geschwelgt was das Schriftstellerherz hergibt und eine Reihe von außergewöhnlichen Charakteren geschaffen, die man noch lange danach im Gedächtnis behält. Die Handung wird rasant und spannend erzählt und lässt kaum Wünsche offen. Auch, was Originalität und Überraschungsmomente angeht, macht Ju Honisch so schnell keiner etwas vor.

Warum ich dennoch eine Kaffeetasse abziehe? Zum einen störe ich mich ein klein wenig an der Hintergrundgeschichte Corrisande Jarrencourts (die ansonsten übrigens eine meiner Lieblingscharaktere im Roman ist). Die mutige, aber durch und durch keusche, charmant naive und im Kern höchst sensible junge Frau soll sich in ihrer Jugend als fassadenkletternde und messerwerfende Diebin verdingt haben, nur um jetzt, zurück auf dem Pfad der Tugend, ein ehrbares Leben an der Spitze der Gesellschaft anzustreben. Die ganzen 800 Seiten über habe ich versucht, diese beiden Seiten Corrisandes in Einklang zu bringen, doch es mochte mir einfach nicht gelingen. Alles an ihr empfand ich als absolut überzeugend, inklusive ihrerer Willensstärke und ihrem (sie selbst überraschenden) Mut in den gefährlichsten Situationen, in denen sie plötzlich über sich selbst hinauszuwachsen scheint. Doch diese Gauner-Vergangenheit mag sich einfach nicht ins Gesamtbild fügen und wäre auch nicht unbedingt nötig gewesen. Und wenn Corrisande zum wiederholten Mal aus einer tiefen Ohmacht erwacht, fragt man sich, warum die Autorin sie nicht einfach jende zarte, mutige junge Frau hat bleiben lassen, denn diese Momente sind einfach am glaubhaftesten.

Womit ich auch gleich zu Kritikpunkt Nummer zwei komme: Wiederholungen. Ich erwähnte eingangs das hohe Erzähltempo, in dem Honisch die Geschichte vorantreibt. Ein paar Mal jedoch war ich versucht, ein wenig genervt an den Seiten zu zupfen, weil die ein oder andere Jagd nach dem Phantom doch zu sehr der vorangegangenen ähnelte und auch einige ausschweifende Dialoge dazu neigten, bereits Gesagtes erneut anzuführen. Einer der Gründe, weshalb mir das “Obsidianherz” so gut gefallen hat, ist der die ausufernde und ungebändigte Erzählfreude Ju Honischs. Ich bin aber überzeugt, dass es dem Buch gut getan hätte, an der einen oder anderen Stelle behutsame Kürzungen vorzunehmen. Hundert Seiten weniger hätten dem Roman sicher nichts an Charme und Esprit genommen, aber vielleicht ein etwas strafferes Gesamtbild ergeben.

Abgesehen davon kann ich “Das Obsidianherz” jedoch sehr empfehlen als die etwas andere Lektüre unter all dem immer gleichen Mainstream im Fantasybereich.

Fazit:

Wenn Edgar Allen Poe einen Roman über Sissi geschrieben hätte und dieser von Guy Ritchie verfilmt würde, könnte vielleicht “Das Obsidianherz” dabei herauskommen. Ein ungewöhnliches und spannendes Lesevergnügen trotz kleiner Längen.

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Tags: phantastic history, steampunk   (2)

  

 

Der Weg des Falken
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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

afghanistan, leben, iran, kindheit, mittelasien

Der Weg des Falken

Jamil Ahmad , Giovanni Bandini , Ditte Bandini
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 19.02.2013
ISBN 9783455403947
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Der Weg des jungen Tor Baz ist von seiner Geburt an steinig – die Liebe seiner Eltern darf nicht sein und nur der Zufall will es, dass er die blutige Rache ihrer Stammesväter überlebt. Heimatlos reist er von Ort zu Ort, tritt am Rand fremder Geschichten als kurzer Gast auf und verschwindet ebenso schnell wieder, streift am Weg verstreute Schicksale beinahe unbemerkt und lenkt den Lebensweg anderer plötzlich in eine ungeahnte Richtung. Durch ihn erfährt man Geschichten über Liebe, Tod, Hinterlist, Mut und Weisheit aus den entlegendsten Winkeln einer Welt, die wir so noch nie gesehen haben – der Grenzregion zwischen Pakistan, Afghanistan und dem Iran.

Meine Meinung:

“Der Weg des Falken” ist eine kostbare kleine Sammlung von Geschichten aus einem Teil der Welt, der uns heutzutage meist als Kriegsschauplatz in den Medien präsent ist; Ländern, in denen scheinbar Angst und Terror geboren werden. Jamil Ahmad nimmt uns jedoch mit auf eine Zeitreise in die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, zu Menschen, die zwischen Mittelalter und Moderne leben, Nomaden, die ihre Traditionen im Widerstand gegen die neuen politischen Bestimmungen bewahren wollen. Wir erfahren von Stammesfehden und uralten Traditionen, Hochzeiten und Ehrenmorden, Karawanenzügen und Sklavenmärkten, weisen Männern und mutigen Frauen, Mullahs, Händlern, Spitzeln, Gauklern, Häuptlingen, Soldaten und Hirten. Alle Geschichten sind in sich abgeschlossen, manche spinnen einen dünnen Faden zur nächsten weiter und immer wieder taucht Tor Baz auf, der in dieser weiten, bedrückenenden, schönen und beängstigenden Welt seinen Platz finden muss.

Fazit:

Ein einmaliger Einblick in einen fremden und durch und druch vielfältigen Teil der Welt, über den wir bisher noch viel zu wenig wissen.

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Tags: afghanistan, iran, mittelasien, pakistan   (4)

  

 

Der amerikanische Architekt
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ground zero, new york, 9/11, architekt, architektur

Der amerikanische Architekt

Amy Waldman , Brigitte Walitzek
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 04.02.2013
ISBN 9783895614910
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

New York, 2004: Eine Jury ist zusammengekommen, um über den besten Entwurf für eine Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge vom 11. September abzustimmen. Nach langen Diskussionen einigt man sich endlich auf den Gewinner. Der Umschlag mit dem bisher anonymen Namen wird geöffnet – und die Jury-Mitglieder müssen schockiert feststellen, dass es sich bei ihrem Gewinner um einen Muslim handelt.

Es entflammt ein heftiger Disput um die Person des Architekten und die Bedeutung seines Entwurfs und weitet sich, kaum dass das streng vertrauliche Ergebnis zur Presse durchgesickert ist, über die gesamte Stadt und schließlich bis über die Landesgrenzen aus. Clarie Burwell, innerhalb der Jury Vertreterin der Hinterbliebenen der Opfer, ist eine der wenigen, die sich voller Überzeugung für den begabten wie auch komplizierten Architekten einsetzt. Doch als der Druck von aufgebrachten Familienmitgliedern, skruppellosen Journalisten, machthungrigen Politikern und radikalen Aktivisten immer größer wird, beginnt auch sie, zu wanken.

Meine Meinung:

Das Jahr hat gerade erst begonnen und schon habe ich einen meiner absoluten Lieblingstitel 2013 entdeckt: “Der amerikanische Architekt” hat mich in jeder Hinsicht überzeugt, ein Buch wie ein Paukenschlag, ein Blick in die Seele einer zerrütteten Nation, ein politisch-kulturelles Panorama über die Vorurteile und Ressentiments der heutigen Zeit und das alles erzählt mit einer Ehrlichkeit, die einem Schwall kalten Wassers gleichkommt.

Waldman, die vor der Veröffentlichung ihres Romans “Der amerikanische Architekt” als Journalistin für die New York Times gearbeitet und selbst aus Afghanistan und New York in den Wochen nach den Anschlägen von 9/11 berichtet hat, erweist sich als brillante Erzählerin. Jedes Wort sitzt, die verschiedenen Personen, durch die Waldman die Geschichte aus unterschiedlichsten Blickwinkeln erzählt, sind vielschichtig und glaubhaft gezeichnet. Die Entwicklungen, die im Laufe der Handlung immer drastischere Ausmaße annehmen, sind absolut überzeugend geschildert und es fällt schwer, sich daran zu erinnern, dass es sich trotz authentischer Einzelheiten um eine fiktive Geschichte handelt. Tatsächlich gibt es Parallelen zu wahren Ereignissen, zum Beispiel erinnert die Debatte um die Gedenkstätte an jene um das islamische Kulturzentrum Park51 in Lower Manhattan, die nicht lange, nachdem Waldman ihren ersten Manuskriptentwurf fertig hatte, in der Öffentlichkeit entbrannte. Ein weiterer Beweis für die Aktualität und Relevanz dieses Romans.

Das Kunststück, das Amy Waldman mit ihrem Roman gelingt, ist, den Leser trotz aller Sympathien, die er für den Architekten Mohammad Khan, die junge Hinterbliebene Claire oder einen der anderen Protagonisten entwickelt, nie ganz auf eine Seite zu ziehen und das Kalaidoskop immer ein Stück weiterzudrehen, um ihn zu einer neuen Sichtweise der Dinge zu zwingen, seine eigene zuvor gefasste Meinung zu hinterfragen und auch in die Köpfe der anderen Parteien hineinzuschauen. Das ist provokativ, nicht immer angenehm, ungemein spannend und bringt einen zum überdenken eigener Moralvorstellungen. Amerikanische Leser werden sich beim Lesen besonders herausgefordert fühlen, vorgefasste Meinungen und eingeschränkte Sichtweisen zu überdenken. Nach der Lektüre des Buches ist mir aber klargeworden, dass uns der Grundgedanke alle angeht und gerade in der heutigen Zeit des Terrors, der Konflikte zwischen West und Nahost, aber auch dem Zusammenleben verschiedener Kulturen und Glaubensrichtungen auf engstem Raum Akzeptanz ein Wort ist, dass wir uns ganz groß auf die Fahnen schreiben sollten.

Zusammenfassend (und ohne vom Inhalt zu viel vorwegzunehmen) möchte ich sagen, dass ich “Der amerikanische Architekt” inhaliert habe und kaum aus der Hand legen konnte. Dieses Buch ist eine absolute Empfehlung quer durch die Geschmäcker und Lesegewohnheiten, denn das Thema ist ein globales und rüttelt Fragen und Vorstellungen wach, die sich spätestens im Laufe der letzten zehn Jahre in unseren Köpfen festgesetzt haben – und bietet die Chance, Altes zu überdenken und neue Ansätze zu finden. Waldman greift niemals offen Partei und regt ihre Leser an, im Verlauf der Geschichte ihre persönlichen Wahrheiten und Überzeugungen zu finden, denn von der großen Erleuchtung ist unsere Gesellschaft noch weit entfernt.

Fazit:

Lesen! Lesen! Lesen!

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Tags: 11. september, 9/11, architektur, ground zero, islam, new york, religion   (7)

  

 

Die Einzige
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129 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

dschungel, unsterblichkeit, jugendbuch, wissenschaftler, elysia

Die Einzige

Jessica Khoury , Ursula Höfker
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.01.2013
ISBN 9783401068695
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Als erste ihrer Spezies ist die siebzehnjährige Pia die Essenz dessen, wonach die Menschheit seit Jahrtausenden gestrebt hat: Unsterblichkeit. Perfektion. Doch bevor die Welt für diesen großen Schritt bereit ist, muss Pia versteckt gehalten werden.

Aus diesem Grund lebt sie in einer streng geheimen Kolonie von Wissenschaftlern, verborgen im brasilianischen Regenwald. Seit ihrer Geburt wird sie auf die ihr angedachte große Aufgabe vorbereitet: eines Tages das Team von Wissenschaftlern anzuführen, die Unsterbliche wie sie erschaffen sollen. Doch Pias Welt gerät aus den Fugen, als sie Eio trifft, der aus dem Dorf der Eingeborenen unweit von “Little Cam” kommt und sie zum ersten Mal an ihrer Bestimmung zweifeln lässt.

Meine Meinung:

In den USA wurde “Die Einzige” schon vor Erscheinen unglaublich gehypt, und zwar aus folgenden Gründen: Erstens, die Autorin Jessica Khoury ist erst 22 Jahre alt. Zweitens versprach “Die Einzige”, endlich einmal eine völlig neue und unverbrauchte Richtung unter all den romantischen Dystopie- und SciFi-Geschichten für junge Leser einzuschlagen. Drittens überschlagen sich die Stimmen verschiedener Autorenkollegen vor Begeisterung (allen voran “Godspeed”-Autorin Beth Revis, die Khoury während des Schreibens Pate stand).

Dschungel? Geheime Wissenschaftlerkolonie? Unmögliche Liebe? Unsterblichkeit? Das kann mich nur begeistern, dachte ich, doch während des Lesens legte sich meine Begeisterung recht schnell und am Ende ließ mich das Buch doch mit einigen Bauchschmerzen zurück.

Warum? Khourys Schreibe ist solide und das von ihr gezeichnete Bild einer wissenschaftlichen Organisation im Dschungel durchaus überzeugend. Ich mochte auch, wie selbstverständlich Pia anfangs ihre abgeschottete Welt sieht, ihre ungewöhnlich neutrale Beziehung zu ihren biologischen Eltern und ihre unterschiedlich freundschaftlichen Bindungen zu all den “Onkels” und “Tanten”, wie sie die Wissenschaftler nennt, mit denen sie tagtäglich arbeitet und bei denen sie Unterrichtsstunden hat.

Doch dann taucht Eio auf und mit ihm diese absolut platte, vorhersehbare und direkt langweilige Liebesgeschichte, wie ich selten eine gelesen habe. Hier funkt einfach nichts, alles geht zu schnell, man denkt sich: Hm, er ist der erste und einzige männliche Mensch in Pias Leben, der nicht über dreißig ist. Kann man da ihre Schwärmerei vom ersten Augenblick ihrer Begegnung an wirklich ernst nehmen? Leider nicht. Und der Grund dafür ist auch recht simpel: Khourys Charaktere sind (angefangen bei fast allen Nebencharakteren) zu farblos. Ja, Pia weckt Sympathien beim Leser, sie wandelt sich vom gleichmütig-ehrgeizigen Mädchen zu einer erst neugierigen und dann rebellischen jungen Frau – aber dennoch bleibt sie immer recht naiv, schwankt stets zwischen gegensätzlichen Gefühlen, ohne die feineren Abstufungen dazwischen auszuloten. Und Eio ist einfach nur ein mutiger, gutherziger, fröhlicher Junge aus dem Dschungel, der Pia die Welt zu Füßen legt – was auf die Länge des Buches verteilt leider ziemlich öde ist. Angemerkt sei noch (kleiner Spoiler), dass das junge Liebespaar (sie siebzehn, er achtzehn Jahre) über ein aufregendes Händchenhalten bis kurz vor Schluss nicht hinauskommt – nicht mal in Gedanken. Was dem Ganzen auch nicht mehr Glaubhaftigkeit verleiht.

Die ansonsten recht interessante Geschichte um Trug, Verrat, Mord und die Auseinandersetzung mit Unsterblichkeit als einem der ältesten Träume der Menschheit hätte das Buch für mich noch besser abschneiden lassen können. Aber das elendig langsame Tempo, in dem das alles erzählt wird, hat schon sehr an meinen Nerven gezerrt. Immer wird der Leser dem eigentlichen Geheimnis hinter “Little Cam” ein winziges Stückchen näher gebracht, nur um dann wieder eine Reihe eher belangloser Szenen folgen zu lassen, angeführt von Pias verbotenen Abstechern in den Dschungel, wo sie Eio trifft, der ihr dann die Sterne zeigt oder einen Wasserfall oder eine Höhle zwischen den Wurzeln eines Baumes. Ich kam nicht umhin, mich in einer Art Trott wiederzufinden. Auch nicht besser die immer wieder stattfindenden Gespräche mit Pias Lehrer Paolo, der ein ums andere Mal erklärt, wie einzigartig sie ist und wie wichtig sie ihre Bestimmung nehmen muss. Passagenweise war das echt ermüdend und ich denke, ein Drittel Seiten weniger hätte dem Buch sicher gut getan.

Ein paar sachliche Ungenauigkeiten, wie zum Beispiel die Verwendung des tödlichen Pfeilgiftes Curare, um jemanden zu paralysieren, sind mir nebenbei auch aufgefallen. Außerdem erscheint mir das Schicksal von Tante Harriet, eine der wenigen Figuren, zu denen ich wirklich Zugang finden konnte, etwas zu stark an jenes von Juliet aus “Lost” angelehnt. Ein Luxus-Kritikpunkt, aber es ist mir aufgefallen.

Zusammenfassend kann ich zwar sagen, dass mich “Die Einzige” unterhalten hat, ich mochte die Grundidee und die Storyentwicklung im Großen und Ganzen, aber die Liebesgeschichte konnte mich überhaupt nicht überzeugen, die Charaktere ließen (bis auf wenige Ausnahmen) schmerzlich an Tiefe vermissen und zu guter Letzt ging mir das alles deutlich zu langsam voran. Khoury beweist mit ihrem Debüt, dass sie Mut zu neuen Ideen hat und ihr Handwerk beherrscht, aber an der Ausführung noch ordentlich zu feilen hat.

Fazit:

Ein SciFi-Roman mit deutlichen Einflüssen aus “Lost” und “Avatar”, der in seinen Grundzügen unterhaltsam und vielversprechend ist, aber leider nachvollziehbare Romantik, Tiefe der Charaktere und ein packendes Erzähltempo vermissen lässt. Deshalb (und weil es das Debüt dieser jungen Autorin ist), drei großzügige Kaffeetassen von mir.

Hinweis: Zur Abwechslung handelt es sich hier um einen Einteiler statt einem genretypischen Serienauftakt, was doch mal recht erfrischend ist.

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Tags: brasilien, dschungel, liebesgeschichte, science fiction, unsterblichkeit   (5)

  

 

Liebe unter Fischen
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86 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

berlin, österreich, liebe, lyrik, alpen

Liebe unter Fischen

René Freund
Fester Einband: 205 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 24.01.2013
ISBN 9783552062092
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Alfred Firneis, Lyriker mit Sensationsauflagen, hat ein Burnout. Nicht genug, dass er depressiv in seiner verwahrlosten Wohnung hockt und keine einzige Zeile zu Papier bringt, rückt ihm auch noch seine Verlegerin Susanne Beckmann auf die Pelle, denn die Bank sitzt ihr wegen Steuerzahlungen im Nacken. Wenn sie nicht bald einen neuen Bestseller von ihm bekommt, sieht es ganz, ganz schwarz für sie aus.

Kurzerhand schickt sie Fred an den Kleinen Elbsee in den österreichischen Alpen, wo er sich in der Holzhütte ihres Vaters einquartiert. Inmitten von Stille und unberührter Natur und weitab vom Berliner Alltagsstress blüht Fred auf – nicht zuletzt durch den erfrischend unangepassten Revierförster August und die junge Biologin Mara, die am See über das Verhalten der Elritze forscht. Doch ist in der neugefunden Idylle tatsächlich alles so, wie es scheint?

Meine Meinung:

Besonders gefallen hat mir der Beginn von “Liebe unter Fischen”: Verlegerin Susanne, die in der völlig verwahrlosten Wohnung von Fred Firneis auftaucht; er mit einem fiesen Burnout geplagt und sie, die so schnell wie möglich ein paar Gedichte von ihm braucht, für ein Buch, das die Buchhändler schon längst vorbestellt haben. Doch mit Fred ist überhaupt nichts anzufangen und als sie ihn auch noch dazu bringen will, eine Art Zwangs-Erholungsurlaub in den Alpen zu machen, rastet er völlig aus. Herrliche Slapstick-Komik, die mich mehrmals laut zum Lachen gebracht hat.

Sehr idyllisch und ein wenig gemäßigter im humoristischen Sinn geht es dann am Kleinen Elbsee zu. Fast schon zu schwärmerisch breitet hier der Autor eine ideale Landschaft der Sinnlichkeit und Ruhe vor uns aus. Angenehm, aber leider mit weniger Biss geht es weiter, bis der herrlich bodenständige Revierförster August auftaucht und mit seiner einfachen Sicht auf die Dinge für viele Lacher und Schmunzelmomente sorgt. Er ist mit Abstand meine Lieblingsfigur im ganzen Roman. Die Liebesgeschichte zwischen Fred und der jungen Biologin Mara wiederum ist nett und erfrischend zu lesen, aber für mich nicht herausragend innovativ oder großartig romantisch. Einfach schön und entspannend, aber nicht “vom Hocker reißend”. Entschädigt wird man dafür mit einem überraschenden Twist im letzten Drittel, der die ganze Handlung noch einmal ordentlich durcheinanderbringt und für Spannung sorgt.

Alles in Allem habe ich “Liebe unter Fischen” als eine sehr angenehme und erfrischende kleine Liebesgeschichte mit wirklich idyllischen Landschaftsbeschreibungen der österreichischen Bergwelt empfunden. Fred als ausgebrannter Autor, der seine Kreativität und die Freude am Leben wiederentdeckt und der schwer sympatische August werden mir dabei vor allem in Erinnerung bleiben. Hier wird das Rad sicherlich nicht neu erfunden, aber Spaß hatte ich beim Lesen allemal.

Ach ja, anmerken wollte ich noch, dass ich immer wieder über für mich ungewöhnliche österreichische Wörter oder Redewendungen gestolpert bin (zum Beispiel wird an der “Kassa” bezahlt oder ein Computer “aufgedreht”). Das störte mich nicht weiter, Verlag und Autor sind ja immerhin österreichisch, nur frage ich mich, ob es für deutsche Protagonisten immer passend gewählt ist.

Fazit:

Locker luftige Alpenromanze, die stellenweise echt komisch ist und einfach das Gemüt erfreut.

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Tags: alpen, autor, komödie, liebesgeschichte, lyrik, österreich   (6)

  

 

An den Ufern des goldenen Flusses
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54 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

venezuela, historischer roman, dschungel, isabel beto, krieg

An den Ufern des goldenen Flusses

Isabel Beto
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 01.12.2012
ISBN 9783499259777
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

1815: Vor der Küste Venezuelas kämpfen die junge Deutsche Janna Sievers und ihr Verlobter Reinmar ums Überleben, als die Seuten Deern in Seenot gerät. Das junge Paar wird getrennt – und Janna findet sich völlig entkräftet and den Ufern des Orinocos wieder, wo sie kurze Zeit später Strandräubern in die Hände gerät. Der undurchsichtige Halb-Indio Arturo rettet sie und nimmt sie mit in seinem Boot. Janna hofft, mit seiner Hilfe nach Angostura zu kommen und dort Reinmar wiederzufinden. Doch Arturo verfolgt ganz andere Pläne. An den Quellen des Orinocos will er einen sagenhaften Inka-Schatz finden und ist bereit, dafür alles zu opfern.

Meine Meinung:

Nach ihrem Brasilien-Roman “Die Bucht des grünen Mondes” musste ich unbedingt auch Isabel Betos neuestes Werk lesen, das uns diesmal nach Venezuela zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts entführt. Auch diesmal tauchte ich ein in eine reich ausgestaltete Welt voller Exotik, Abenteuer und Leidenschaft, die dem Genre “Sehnsuchtsliteratur” vollkommen gerecht wird. Wieder einmal liefert sie eine spannende, unvorhersehbare und romantische Geschichte, die das Flair einer vergangenen Epoche und eines uns fremden Landes versprüht und dabei bis ins Detail recherchiert und überzeugend erzählt ist. Ihre Charaktere sind griffig und dreidimensional, besonders das tragende Paar Janna und Arturo, deren Liebesgeschichte sich einfühlsam und glaubhaft entwickelt und bei mir das ein oder andere Herzflattern verursacht hat.

Wenn ich überhaupt etwas zu bemängeln habe, dann, dass ich mir in den Wirren der Besatzungs-Episode im letzten Drittel ein wenig von der unbeschwingteren Leichtigkeit der Flussfahrt gewünscht hätte und dass das ansonsten sehr hilfreiche kleine Glossar im Anhang noch um ein paar Worte reicher gewesen wäre (ein paar Mal habe ich nach Wörtern gesucht, die nicht noch einmal aufgeführt waren). Dies hat meiner Freude beim Lesen jedoch keinen Abbruch getan.

Es bleibt nur zu sagen, dass unter all den “Sehnsuchtsschmökern”, die derzeit mit ihren mehr oder minder blumigen Covern den Markt bevölkern, Isabel Betos Südamerika-Schmöker auf jeden Fall in die oberste Liga gehören. (Die Cover ihrer Bücher mag ich zum Glück sehr.)

Denn - was man leider in einigen Sehnsuchtsschmökern zu lesen bekommt:

- eine austauschbare Pappmaché-Heldin, die in eine am Handlungsrand herumdümpelnde Liebesgeschichte mit blassem Helden stolpert, eingebettet in eine flache und vorhersehbare Handlung, die man schon hundertmal gelesen hat,

- vage Landschaftsbeschreibungen, die einem weismachen wollen, man befände sich hier und dort auf der Weltkarte, aber man hat Mühe, dies dem Autor abzunehmen; schlechte Recherche, falsche Fakten und Stirnrunzel-Momente.

Was man mit Isabel Betos Büchern bekommt:

- starke und eigenwillige Charaktere, mitreißende Liebesgeschichten und Handlungen, die spannungsreich und unverbraucht sind und immer wieder überraschen.

- realistische und zum Schwärmen anregende Naturbeschreibungen voller schillernder Details und dazu hervorragend recherchierte geschichtliche und gesellschaftliche Hintergründe, die einem das Gefühl geben, genau in diesem Augenblick dabei zu sein.

Fazit:

Wer sich in ein exotisches Land entführen und nicht nur von einer berauschenden Liebesgeschichte, sondern auch einem packenden Abenteuer voller unverhoffter Wendungen mitreißen lassen möchte, sollte zu Isabel Betos “An den Ufern des goldenen Flusses” greifen.

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Tags: auswanderer, befreiungskampf, dschungel, flussfahrt, indios, südamerika, venezuela, wildnis   (8)

  

 

Die Forrests
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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kinder, eltern, leben, geld, veränderung

Die Forrests

Emily Perkins , Anke Caroline Burger
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury, 01.09.2012
ISBN 9783827010766
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Als die Familie Forrest anfang der Siebziger aus den USA nach Auckland, Neuseeland zieht, ändert sich das Leben der Geschwister Dorothy, Michael, Evelyn und Ruth von Grund auf. Ihr Vater, ein distanzierter Mensch, zieht sich immer mehr in sich selbst zurück, während ihre Mutter ein wildes Hippie-Leben in einer Frauenkommune führt. Besonders Eve und Dorothy entwickeln eine innige Schwesterliebe, die von beider Liebe zu Daniel überschattet wird, dem Jugendfreund ihres Bruders und praktisch Ziehsohn der Forrests. Je älter die Forrest-Geschwister werden, desto mehr driftet die Familie auseinander und es ist Dorothy, die über die Jahre versucht, ihr zerbröckelndes Leben zu meistern und ihre Geschwister nicht aus den Augen zu verlieren.

Meine Meinung:

Dieses Buch hat es mir wirklich nicht leicht gemacht. Emily Perkins pflegt einen unsteten, beinahe trägen und immer wieder auf kleinen Nebensächlichkeiten fokussierenden Erzählton, durch den es mir schwerfiel, konzentriert zu lesen. Das schlimmste und nervenaufreibendste für mich aber war, das die Autorin offenbar einen Roman der Zwischenszenen geschrieben hat. Es kommt mir tatsächlich so vor, als würde man als Leser immer nur die Nachwehen und Aufarbeitungen großer Ereignisse vorgesetzt bekommen. Zwei Protagonisten gehen eine Beziehung ein. Wir erfahren aber erst davon, lange nachdem die beiden schon wieder getrennt sind und wie die beiden damit umgehen. Jemand macht eine Rucksackreise durch Südamerika, wir bekommen davon nur aus Sicht der zu Hause wartenden Mutter mit. Wieder jemand anderes hat einen Unfall oder verfällt irgendeiner Sucht, und wieder setzt die jeweilige Episode erst Monate danach ein, man nimmt nur teil an der Aufarbeitung und Bewältigung des Vergangenen. So geht es das ganze Buch über. Die eigentliche Handlung dröppelt relativ stetig und mit einigen Zeitsprüngen vor sich hin, es gibt keinen direkten Spannungsbogen, eher ein gleichmäßiges Wellenreiten, das einen gerade so bei der Stange hält. Es passiert wirklich einiges mit unseren Protagonisten, gerade, weil die Handlung mehrere Schicksale über so viele Jahre verfolgt, aber Perkins lässt uns nur an den Gedankengängen und Gesprächen “dazwischen” teilhaben, den kleinen Gesten und kurzen Gesprächen. Das ist sicher so beabsichtigt, gibt der ganzen Story diese unvgergleichliche Zartheit und fordert den Leser zum Nachdenken und Interpretieren auf. Leser wie ich werden die knapp 400 Seiten auf der Suche nach der “eigentlichen Handlung” sein, um die es hier ironischer Weise aber gar nicht geht. Es sind eben die Zwischentöne, es ist das Ungesagte, das Nachdenkliche, was Perkins in ihrem Familienroman herausgearbeitet hat.

Was mir außerdem gefehlt hat, ist eine greifbarere Beschreibung der Protagonisten. Dafür, dass wir so viel von ihrem Innenleben erfahren (zumindest dem Dorothys, aus deren Sicht der Großteil der Handlung geschildert wird), weiß man fast nichts über ihr Äußeres, es gibt kaum Eigenheiten oder irgendetwas, woran man die vielen Namen festmachen könnte. Gerade, als die Handlung in der dritten Generation der Forrests angelangte, bin ich mit einigen Namen immer wieder durcheinandergekommen.

Ein Luxuskritikpunkt für mich ist außerdem, dass die Geschichte so gut wie nichts “Neuseeländisches” an sich hat. Bis auf ein, zwei Ortsnamen weist nichts daraufhin, wo die Handlung stattfindet. Für mich ein kleiner Wermutstropfen, weil ich mir erhofft hatte, etwas mehr Einblick in die neuseeländische Gesellschaft zu bekommen.

Fazit:

Schlussendlich ist “Die Forrests” ein zutiefst nachdenklicher und melancholischer Roman einer Familie, deren Mitglieder sich über die Jahre stetig gegen die Widrigkeiten des Lebens und ihren sorgsam voreinander abgeschirmten Problemen stellen müssen und dabei zu vergessen drohen, wie sehr sie einander brauchen.

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Tags: ehe, eifersucht, familiengeschichte, kinder, leben, neuseeland, schwestern   (7)

  

 

Solange die Nachtigall singt
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(67)

203 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

wald, jäger, liebe, mord, jugendbuch

Solange die Nachtigall singt

Antonia Michaelis , Kathrin Schüler
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.09.2012
ISBN 9783789142932
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

“Weinen blinde Schneiderpuppen nachts?”

Der junge Tischlergeselle Jari begibt sich auf eine Wanderung in der Lausitz, am Ranade der Zivilisation, hinein in die unberührten Wälder, in denen die Grenzen zwischen Deutschland, Polen und Tschechien verwischen.

Im Wald begegnet er der schönen und geheimnisvollen Jascha, die ihn mitnimmt zu ihrem Haus, ein Paradies in aller Abgeschiedenheit. Jari beginnt, sich in einem Strudel aus trügerischer Schönheit zu verlieren und wird zum Jäger, dem kein Opfer zu groß ist, um die Schönheit und seine Liebe zu schützen.

Meine Meinung:

Nach dem atemberaubenden “Märchenerzähler” musste ich auch Anonia Michaelis’ nächsten großen Roman lesen. Wieder ist es beinahe unmöglich, das Buch zu bewerten, ohne zu viel vom Inhalt vorwegzunehmen. In “Solange die Nachtigall singt” legt sie – wenn überhaupt möglich – ein noch düstereres, noch unheimlicheres, schwärmerisches, packenderes, überraschenderes und phantasievolleres Werk vor.

Abermals habe ich mich wie in einen Sog hinabgezogen gefühlt. Schönheit und Schrecken liegen hier so dicht beieinander, dass man beim Lesen beinahe konstant eine Gänsehaut hat. “Solange die Nachtigall singt” ist ein Mystery-Thriller voll unvergleichlicher Phantasie und Fabulierlust, eine Geschichte über Liebe und Hass, ein Blick in die tiefsten menschlichen Abgründe, und alles inmitten wunderbar unberührter Natur. Noch mehr als im “Märchenerzähler” spielt die Autorin hier mit den krassesten Gegensätzen und schafft es, sie so kunstvoll miteinander zu verweben, dass man wie verzaubert ist und nicht mehr mit dem Lesen aufhören kann.

Aufgrund der wirklich düsteren Handlung, einiger Elemente, die schon beinahe ins Horrorgenre gehen und verschiedener explizierter Szenen würde ich das Buch auf alle Fälle erst ab siebzehn, achtzehn empfehlen.

Ich weiß nicht, ob man den “Märchenerzähler” und “Solange die Nachtigall singt” miteinander vergleichen kann. Obwohl sich viele Stilelemente und auch ein paar Ausgangsideen ähneln, gefällt mir persönlich die “Nachtigall” fast noch besser. Der Wald, die Farben, die immer wiederkehrenden Märchenelemente (die Zahl drei spielt eine bedeutende Rolle), das ebenso undurchschaubare wie überraschende Handlungsgeflecht und dieses allgegenwärtige Gänsehautgefühl sind eine Mischung, die mich vollends in ihren Bann geschlagen hat.

Fazit:

Wie Antonia Michaelis dieses Gruselmärchen zwischen Traum und Realität heraufbeschwört, ihre Leser ebenso wie Jari selbst ahnungslos durch den Wald stolpern lässt und dabei so geschickt mit Trug und Wahrheit, mit Sympathie und Antipathie ihrer Charaktere spielt, ist wahrlich Meisterklasse.

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Tags: drillinge, horror, lausitz, mord, märchen, schönheit, thriller, wald   (8)

  

 

Die Vermessung der Welt
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(61)

96 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

gauß, humboldt, deutschland, wissenschaft, mathematik

Die Vermessung der Welt

Daniel Kehlmann
Fester Einband: 379 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 18.11.2009
ISBN 9783499253034
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:  
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Noir
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(97)

237 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 63 Rezensionen

drogen, tod, noir, liebe, gläserrücken

Noir

Jenny-Mai Nuyen
Buch: 384 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Polaris Verlag, 01.10.2012
ISBN 9783862520282
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

Nino Sorokin ist fünf, als seine Eltern mit dem Auto verunglücken. Seitdem sieht er den Tod anderer Menschen voraus – und er weiß, dass er selbst nur 24 Jahre alt wird. Auf der verzweifelten Suche nach einem Weg, wie er seinem sicheren Tod entkommen kann, taucht er tief ein in das undurchsichtige Nachtleben Berlins. Dort gerät er in einen Kreis von Mentoren, die in Verbindung mit der Welt zwischen Leben und Tod stehen. Mithilfe des geheimnisvollen Monsieur Samedi will er es schaffen, sein Schicksal zu ändern. Doch alles kommt anders, als er sich in die seelenlose Noir verliebt, die bereits auf der Schwelle zum Jenseits steht …

Meine Meinung:

Nachdem ich fast alles vorangegangenen Werke von Jenny-Mai Nuyen gelesen habe, war ich gespannt auf ihren neuen Roman, mit dem sie sich bewusst einem reiferen Publikum zuwenden will.
„Noir“ ist kein Fantasybuch mehr, es ist ein tiefgreifender philosophischer Roman, der die menschlichen Abgründe erforscht – mit einem Schuss Phantastik, der jedoch zu jeder Zeit in die reale Welt übertragen werden kann, eine Reflexion der Realität, wenn man so will. Es fällt auf, mit welchen Fragen sich die Autorin während des Schreibens auseinandergesetzt hat, Themen wie Tod und Endlichkeit, Verlust, Abnabelung, Liebe auf seelischer und physischer Ebene, Perspektivlosigkeit und das Gefühl des Verlorenseins dürften typisch sein für junge Leute Anfang zwanzig (zu denen auch ich gehöre, ich konnte mich mit einigem, was Nino durchmacht, sehr gut identifizieren).
Ihre Sprache ist bestechend schön, noch um einiges gereifter und erwachsener als in ihren vorherigen Werken und immer stärker mit Hang zum Poetischen.
Auch die Figuren sind hervorragend ausgearbeitet, die Dialoge geschliffen und besonders realitätsnah.
Vor allem aber ist es diese Empfindsamkeit, gepaart mit einer erstaunliche Reife und Klugheit, die aus jeder Seite dieses Buches spricht – kaum zu glauben, dass das eine 23jährige geschrieben hat. Hut ab!

Warum ich trotzdem nicht zufrieden mit „Noir“ bin?
Zunächst einmal passiert mir einfach zu wenig. Nuyen liefert ein überzeugendes Setting, eine flirrende Atmosphäre, aber einen Plot, der anfangs zu lange braucht, um in Gang zu kommen (das erste Drittel erschien mir viel zu lang und hinausgezögert, eine ordentliche Straffung hätte hier sicher gut getan), der zum großen Showdown zwar an Fahrt aufnimmt, aber zu sehr auf gedehnte, zum Abschweifen neigende Dialoge setzt, die zwar einige philosophische Ideen berühren, den Leser aber lange in der Dunkelheit herumtappen lassen, ohne ihn des Rätsels Lösung näher zu bringen. Im Großen und ganzen ist die Idee zwar großartig, aber in einen recht dünnen Plot verpackt und letztendlich zu stark zu einem großen Wirrwarr aus Dialogszenen, Gedankenfetzen und Sinneseindrücken aufgebauscht.

Des weiteren – aber das ist wirklich nur mein persönlicher Lesegeschmack – ist mir die Geschichte zu düster, zu drogenlastig, zu depressiv. Denn das ist „Noir“ in meinen Augen in Wirklichkeit: Die Geschichte einer schweren Depression. Oder nein, nicht nur das, im Grunde geht es auch um eine zerstörerische Drogensucht. Verpackt in eine phantastische Hintergrundgeschichte zwar und eine metaphysische Tour durch den menschlichen Geist und die Fragen, die irgendwann in uns erwachen, um uns das Leben schwer zu machen und uns am Leben festhalten zu lassen.
Diese alles niederdrückende Schwermütigkeit, diese tiefsitzende Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit beinahe aller agierenden Figuren hat mich beim Lesen niedergeschlagen gemacht und mich so geschlaucht, dass ich trotz aller Faszination und Spannung nicht behaupten kann, das Lesen hätte mir „Spaß“ im wörtlichen Sinne gemacht.

Zudem muss ich auch sagen, dass mir Jenny-Mai Nuyens lebendige und bildhafte Sprache, für die ich ihre Bücher unter anderem liebe, hin und wieder etwas over-the-top war. Grandioser und malerischer noch als in allen bisherigen Büchern, aber manchmal doch etwas … zu viel. Zum Beispiel versucht sich Nino während eines Gesprächs mit seiner Schwester zu konzentrieren, aber in seinem Kopf ist „[...] nur ein Knistern, das Bröseln von Herbstlaub. Als er lange genug im Rascheln gestanden hatte, erwiderte er […].“
An solchen Stellen wurde mir die Sprache doch etwas zu artifiziell, zu ausgeschmückt um ihrer selbst willen und dabei schon fast ins Peinliche abdriftend.

Und zum Schluss muss ich noch loswerden, dass ich das Ende von „Noir“ nicht ganz überzeugend fand … Meine Meinung. Zufriedenstellend, ja, aber nach allem, was diesem Schluss vorangegangen ist, bin ich mir nicht sicher, ob ich diese Auflösung ganz überzeugend fand.

Alles in Allem bin ich in meiner Meinung zu diesem Buch zutiefst gespalten. Die Sprache ist betörend schön, schießt aber ab und zu übers Ziel hinaus. Die Idee finde ich großartig, den Plot aber zu dünn. Mir gefällt, wir „Noir“ erzählt wird, aber das erste Drittel ist mir zu langatmig. Die philosophischen Gedanken und Dialoge sind sind äußerst tiefsinnig und überraschend, aber ich frage mich, ob dieser Aspekt nicht über Gebühr viel Platz beansprucht und dabei dem Rest der Handlung zuträglich ist. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob mir das alles nicht ein wenig zu metaphysisch, um nicht zu sagen esoterisch gefärbt ist. Ich mochte die Charaktere und die Dialoge sehr, konnte mich aber nicht mit der ausführlich beschriebenen Drogen- und Party-Szene identifizieren und die depressive Stimmung des Buches hat mich extrem runtergezogen.

Fazit: Ich werde definitiv auch weiterhin ein Fan von Jenny-Mai Nuyen bleiben, aber ich würde mir wünschen, dass sie mit ihrem nächsten Roman wieder mehr zu ihrer großartigen Art des Genschichtenerzählens zurückfindet und sich ein bisschen von der "dunkelschwarzen" Grundstimmung und der Paulo-Coelho-Esoterik loslöst. ;)

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Tags: berlin, drogen, gläserrücken, nachtleben, tod, unsterblichkeit   (6)

  

 

Die Sisters Brothers
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(5)

12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

wilder westen, goldrausch, killer, psychopaten

Die Sisters Brothers

Patrick deWitt , Marcus Ingendaay
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Manhattan, 01.06.2012
ISBN 9783442547005
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Die Brüder Charlie und Eli Sisters sind berühmt-berüchtigte Killer, die im Auftrag des Kommodores im Wilden Westen unterwegs sind und Leute aus dem Weg schaffen. Ihr neuester Auftrag führt sie von Oregon nach Kalifornien, wo das Goldfieber ausgebrochen ist. Hermann Kermit Warm ist die Zielperson, doch warum er eigentlich auf der Abschussliste steht, wissen die Brüder noch nicht.

Meine Meinung:

Patrick deWitts Roman, der 2011 auf der Shortlist zum Man Booker Prize stand, ist auf angenehme Art mal etwas völlig anderes, er unterhält und überrascht, ohne sich immer an die gängigen Erzählstrukturen zu halten. Geradezu herrlich anarchistisch erzählt deWitt die Reise der ungleichen Brüder; Charlie, der Psychopath ohne Gewissen und Eli, der schwermütige Grübler, der im Grunde seines Herzens ein guter Mensch sein will. Die unterwegs einen schrägen Charakter nach dem anderen kennenlernen, eine Spur der Verwüstung und einen Haufen Leichen hinter sich lassen und obendrein noch mit sich selbst klar kommen müssen.

Die Geschichte ist eine Art klassisches Wild-West-Abenteuer aus Sicht der “Bösen” mit morbid-psychotischem Twist, die Stimmung eine Mischung aus Melancholie und unterschwelligem Humor. Eli, aus dessen Perspektive wir das Geschehen verfolgen, ist ein einnehmender Erzähler, der unter seiner rauen Schale sensibel und nachdenklich ist, unter der Fuchtel seines Bruders leidet und sich eigentlich ein friedlicheres Leben für sich vorstellen könnte, wenn er denn nur wüsste, ob er für was Anständiges überhaupt etwas taugt – alles in allem ein schwer sympatischer Serienkiller.

Der Plot an sich ist abwechslungsreich und immer wieder überraschend – wenn auch für meinen Geschmack etwas zu episodenhaft (mir hätte es besser gefallen, wenn einzelne Figuren noch einmal aufgetaucht oder bestimmte Begebenheiten später noch einmal von Bedeutung gewesen wären). Das Ende war eine große Überraschung und wirklich nicht vorauszusehen – dennoch fehlte es mir an der ein oder anderen Stelle ein wenig an Glaubhaftigkeit. Für diese Kritikpunkte daher eine Kaffeetasse Abzug.

Fazit:

Ein außergewöhnlicher Roman, der sich traut, sein eigenes Ding zu machen – mit einem unvergleichlichen Duo in der Hauptrolle, dessen Abenteuer man mit Spannung verfolgt. Die melancholisch-morbide Stimmung und der eigenwillige Humor sitzen – nur für das Episodenhafte und die ein oder andere fragliche Wendung gehe ich mit der Wertung runter. Trotzdem: Lesenswert!

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Tags: goldrausch, killer, psychopaten, wilder westen   (4)

  

 

Alle meine Wünsche
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(58)

80 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 36 Rezensionen

frankreich, liebe, lottogewinn, glück, roman

Alle meine Wünsche

Grégoire Delacourt , Claudia Steinitz
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 01.09.2012
ISBN 9783455403848
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Jocelyne ist 47, etwas beleibt, führt einen bescheidenen Kurzwarenladen in einer nordfranzösischen Stadt und ist zufrieden mit ihrer harmonischen, aber reizlosen Ehe. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als sie sich von ihren Freundinnen zum Lottospielen überreden lässt – und unversehens den Jackpot knackt.

Meine Meinung:

“Alle Meine Wünsche” ist ein kleiner und herzerwärmender Roman. Delacourt hat mit der verträumten und bescheidenen Jocelyne eine außerordentlich sympatische Erzählerin geschaffen, die mit ihren Träumen, ihrer positiven Lebenseinstellung und ihrem wachen Geist in einem Käfig aus Tristesse und Lieblosigkeit gefangen zu sein scheint. Man wünscht ihr alles Gute der Welt und dass sie sich endlich traut, aus sich herauszukommen und sich endlich zu entfalten. Und dann passiert dieser ungeheuerliche Schicksalsschlag mit dem Lottogewinn, der alles für sie ändern könnte – zum Positiven oder, wie Jocelyne befürchtet, zum Negativen.

Der Grundgedanke des Buches ist wohl: Macht Geld wirklich glücklich? Endlich alle Wünsche erfüllen und sorgenfrei leben – ist das wirklich so leicht getan wie gesagt? Und um welchen Preis? Welche Konsequenzen zieht diese große finanzielle Unabhängikeit nach sich – und welche Dinge lassen sich mit allem Geld der Welt doch nicht erreichen? Warum streben wir nach Dingen, die wir normalerweise nie bezahlen könnten – und hätten wir ein wirklich ein besseres Leben, wenn wir uns all das plötzlich leisten könnten? Was wiegt schwerer als Gold – und was wünschen wir uns wirklich?

Eine rührende Geschichte darüber, was uns zu dem Menschen macht, der wir sind. Und eine Liebeserklärung an das kleine Glück.

Fazit:

Ein liebevoller und poetisch geschriebener kleiner Roman für Herz und Hirn. Delacourt schreibt gefühlvoll, intelligent und dabei auf wunderbare Weise typisch französisch. Die ersten zwei Drittel der Handlung empfand ich trotz aller Begeisterung als relativ vorhersehbar, wobei ich die Auflösung am Ende um so überraschender fand. Vier Kaffeetassen dafür. Und eine warme Empfehlung für die kältere Jahreszeit. :)

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Tags: ehe, familie, frankreich, glück, lotto   (5)

  

 

Der Atem der Welt
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(19)

38 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 13 Rezensionen

walfang, schiffbruch, kannibalismus, tiger, london

Der Atem der Welt

Carol Birch , Christel Dormagen
Fester Einband: 393 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 01.09.2012
ISBN 9783458175445
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

London, 1857: das Leben des achtjährigen Jaffy nimmt eine ungeahnte Wende, als er furchtlos dem bengalischen Tiger entgegentritt, der der Menagerie des berühmten Importeurs Charles Jamrach entlaufen ist.

Der Geschäftsmann ist beeindruckt von dem Mut des Jungen und nimmt ihn unter seine Fittiche; von nun an arbeitet Jaffy als sein Handlanger und entwickelt dabei ein besonderes Interesse und Gespür für Tiere. Als sein bester Freund Tim auf einem Walfänger anheuert, um auf einer Insel im Indischen Ozean nach einem “Drachen” zu suchen, den ein reicher Auftraggeber haben möchte, schließt er sich ihm ohne zu überlegen an. Die beiden brechen zu einer Fahrt ins Ungewisse auf, die ihre Welt für immer verändern wird.

Meine Meinung:

Erwartet habe ich einen historischen Abenteuerroman, bekommen habe ich mit “Der Atem der Welt” letzendlich viel mehr. Carol Birch erzählt die Geschichte einer tiefen Freundschaft, ihre Erzählung versprüht auf jeder Seite wilde Fabulierlust und die Liebe zum Reisen und Erforschen neuer Welten. Ihre Schreibe ist dabei rauh und traumwandlerisch, gleichzeitig poetisch und manchmal pefekt-unfertig. Sie erzählt aus der Sicht eines jungen Mannes, der in das Erwachsenwerden hineinkatapultiert und vom Schicksal hin und her geworfen wird wie ein kleines Boot auf den Wellen der Weltmeere. Ich war absolut gefesselt von dem Abenteuer, das Jaff und Tim bestehen müssen und konnte mich selbst dann nicht loseisen, als ihre gemeinsame Reise eine katastrophale Wende nimmt und unfassbare Ausmaße annimmt.

Vielleicht hätte ich mir ein wenig mehr äußerliche Beschreibungen der einzelnen Personen, vor allem der Besatzung des Schiffes, gewünscht, denn so bin ich anfangs immer wieder ein wenig ins Stolpern gekommen beim Zuordnen der Namen und Dienstgrade. Das soll aber auch mein einziger Rüpel bleiben.

Birch liefert eine pannende, überraschende Geschichte, die dazu auch noch herausragend geschrieben und ein Hohelied auf das Menschsein ist, das Leben und Überleben. Und die Freundschaft, die selbst in der dunkelsten Stunde besteht – und darüber hinaus.

Fazit:

Ein bombastischer und emotional fordernder Roman, der niemanden ungerührt zurücklassen wird. Für mich verdient auf der Shortlist des Man Booker Prize 2011 gelandet und eine Leseempfehlung an alle, die nicht zu zart besaitet sind und sich auf eine unvergessliche Weltreise voller Schönheit und Schrecken einlassen wollen.

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Tags: exotische tiere, kannibalismus, komodovaran, schiffbruch, walfang, weltreise   (6)

  

 

White Horse
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213 Bibliotheken, 4 Leser, 9 Gruppen, 66 Rezensionen

seuche, dystopie, endzeit, white horse, liebe

White Horse

Alex Adams , Birgit Reß-Bohusch
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.09.2012
ISBN 9783492702522
Genre: Science-Fiction & Fantasy

Rezension:

Zoe ist eine der wenigen Überlebenden der Epidemie “White Horse”, die 90 Prozent der Menschheit ausgelöscht hat. Jetzt schlägt sie sich durch die Trümmer ihrer alten Welt, auf der verzweifelten Suche nach dem Mann, den sie liebt.

Meine Meinung:

Alex Adam’s (post-)apokalyptisches Debüt ist mit Sicherheit eines: Ein beachtenswerter Roman, der aus der Masse der neuen Dystopien und Endzeitromane hervorsticht. Hier ist nichts “All Age”, hier geht es richtig brutal zur Sache, hier wird nicht versucht, einen breiten Massengeschmack zu bedienen, denn Adam’s Schreibe ist direkt, rau, geradezu widerspenstig. Mal ein wenig träumerisch, dann wieder drastisch und brutal schildert sie, wie Zoe in einer dem Untergang geweihten Welt um ihr Überleben kämpft.

Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, deswegen nur so viel: “White Horse” wartet mit einer äußerst spannungsgeladenen und actionreichen Tour de force auf, die einige Überraschungen bereithält und die Nerven der Leser flattern lässt. Stellenweise geht es echt grauenerregend brutal zu, die Handlung wird in eine immer düster werdende Richtung vorangetriebenund doch wird man wie Zoe von einem winzigen Hoffnungsschimmer getrieben, der nicht zuletzt durch die knistsernde Liebesgeschichte zwischen ihr und Nick angefacht wird.

Mir persönlich war das Ende etwas zu überhastet und einer der Haupt-Twists für mich nicht hundertprozentig befriedigend gelöst, dennoch bin ich mit erstaunlicher Leichtigkeit durch diesen dunkel-düsteren Thriller geflogen und war am Schluss regelrecht außer Atem. Spannung pur! Adam’s Schreibe hebt sich angenehm (und, um es mal ehrlich zu sagen, für dieses Genre unerwartet) vom Mainstream ab, was mir sehr gefallen hat. Nicht jedes stilistische Mittel war vielleicht ganz nach meinem Geschmack, aber Hut ab vor diesem mutigen Schritt in eine ganz eigene Richtung – davon können sich Kollegen gern mal eine Scheibe abschneiden! :)

Bisher habe ich gar nichts aus der Sparte Apocalypse/Horror gelesen, aber ich werde mit Spannung das Erscheinen von Band 2, “Red Horse”, und des dritten Bandes der Trilogie (die offenbar jeweils in sich abgeschlossen sind) verfolgen.

Fazit:

Das Ende hätte für mich weniger abrupt und an der ein oder anderen Stelle glaubhafter gelöst sein können und der etwas spröde Schreibstil der Autorin wird je nach Geschmack des Lesers auf die Probe gestellt werden. Ansonsten haben wir hier aber ein hochspannendes Debüt mit Filmqualitäten, das es lohnt, mal einen Blick hinein zu werfen.

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Tags: apocalypse, endzeit, seuche   (3)

  

 

Flammen über Arcadion
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(85)

222 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 58 Rezensionen

dystopie, arcadion, carya, jonan, bernd perplies

Flammen über Arcadion

Bernd Perplies
Fester Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Lyx, 01.09.2012
ISBN 9783802586378
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Rom in einer dystopischen Zukunft: Nach einem verheerenden Ereignis, das nur als der “Sternenfall” bekannt ist, herrscht der mächtige Lux Dei über die von der Außenwelt abgeschottete Stadt, die jetzt Arcadion heißt.

Die 16jährige Carya lebt gut behütet in einer der priviligierteren Familien und als braves Mitglied der Templerjugend auf. Sie hat keine Ahnung, was sich außerhalb der Mauern Arcadions befindet und was es mit den Invitros, den “Künstlichen”, die von der Regierung verfolgt werden, auf sich hat. Bis sie eines Tages alles verliert und gezwungen ist, aus Aracion zu fliehen. Hilfe bekommt sie dabei unerwartet von Pitlit, einem vorwitzigen Straßenjungen und Jonan, einem jungen Templersoldaten, der desertiert, als er sein Vertrauen in die Herrschaft des Lux Dei verliert.

Meine Meinung:

Ich habe “Flammen über Arcadion” ganz gerne gelesen, aber ich tue mich schwer damit, die positiven Eindrücke herauszustellen, weil es so vieles an diesem Buch gibt, das mir negativ ins Auge gefallen ist. Da wären zuerst einmal die Charaktere, die allesamt nicht herausragend gestaltet sind, dafür aber eines gemeinsam haben: sie neigen zu Handlungen, die ich nur bedingt und manchmal überhaupt nicht nachvollziehen konnte.

Angefangen bei Caryas absoluter Naivität, die sie das gesamte Buch über nicht wirklich abzuschütteln vermag, selbst, nachdem sie die furchtbarsten Dinge erleben muss. Ihre reservierte Art, mit der sie auf den Tod einer geliebten Person reagiert oder das beinahe blinde Vertrauen, das sie in Jonan setzt, der mal eben (nachdem ihm klargeworden ist, mit was für brutalen Mitteln der Lux Dei vorgeht) all seine Prinzipien über den Haufen wirft und von jetzt auf gleich desertiert. Weiter geht es damit, dass die beiden auf ihrer Flucht von überall her Hilfe zu bekommen scheinen, und das in einer Welt, wo es am sichersten sein sollte, den Kopf einzuziehen und sich so unauffällig wie möglich zu verhalten. So aber bringt sich wie selbstverständlich gleich eine ganze Reihe von Menschen in Gefahr, um Carya und Jonan (die jetzt auf der Abschussliste des Lux Dei stehen) zu helfen, und ein Großteil davon kommt aus der Sache nicht lebend heraus. Das mag ja alles nobel und heldenhaft sein, ist aber reichlich realitätsfern. Die Reihe der unglaubwürdigen Handlungselemente setzt sich fort, aber darauf genauer einzugehen, würde zu viel vorwegnehmen.

Bernd Perplies gestaltet seine Welt liebevoll aus und wartet mit einem abwechslungsreichen Plot auf, doch zu all den “Kopf-Schüttel-Momenten” kommen für mich noch die an Tiefe vermissen lassenden Charaktere und die zuweilen etwas gestelzt wirkenden Dialoge hinzu. Das Ganze wirkt doch etwas spröde und unfertig auf mich und ich hätte mir ein wenig mehr Durchdachtheit gewünscht. Nichtsdestotrotz lässt Perplies am Schluss genügend lose Enden offen und Leser, die mehr Gefallen an dem Buch gefunden haben als ich, werden mit Spannung den Folgeband, “Im Schatten des Mondkaisers”, erwarten, in denen die Charaktere vermutlich mehr über die Welt außerhalb Arcadions erfahren werden und vielleicht ein weiteres Puzzlestück über Caryas rätselhafte Herkunft aufgedeckt wird.

Fazit:

“Flammen über Arcadion” ist eine solide und unterhaltsame Jugend-Dystopie, die aber nichts wirklich Neues zum Genre beizutragen hat. Ihre größte Schwäche liegt für mich in einer Reihe von Unglaubwürdigkeiten, die mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen haben. Alles in Allem lesbar, aber leider keine Empfehlung von mir.

  (8)
Tags: dystopie, italien   (2)

  

 

Der ungeladene Gast
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(29)

54 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

england, landadel, familie, geister, landsitz

Der ungeladene Gast

Sadie Jones , Brigitte Walitzek
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DVA, 03.09.2012
ISBN 9783421045553
Genre: Zeitgenössische Literatur

Rezension:

Frühjahr 1912: Auf dem heruntergekommenen Landsitz Sterne laufen die Vorbereitungen für Emerald Torringtons zwanzigsten Geburtstag auf Hochtouren. Doch mit der Ankunft der Gäste gerät etwas ins Rollen, das keiner der Anwesenden aufzuhalten vermag. Auf einem Nebengleis in der Nähe des Anwesens, so heißt es, habe es ein schreckliches Eisenbahnunglück gegeben. Die Pflicht der Hausbesitzer ist es nun, die Überlebenden vorübergehend bei sich aufzunehmen. Die Passagiere, die kurze Zeit später auf Sterne eintreffen, werfen den sorgfältig geplanten Abend komplett über den Haufen. Unter ihnen ist ein äußerst merkwürdiger Mann, der Emeralds Mutter von früher zu kennen scheint. Und so steht der Gesellschaft eine denkwürdige Nacht bevor, die neimanden unverändert zurücklassen wird …

Meine Meinung:

Was bin ich froh, über dieses Buch gestolpert zu sein. Ich hatte zuvor noch nichts von Sadie Jones gelesen und wusste auch von der Handlung her nicht, auf was ich mich einlassen würde. Völlig ahnungslos tauchte ich in die Geschichte ein und wurde fortgetragen von einem Sog, der mich erst auf der letzten Seite wieder freigegeben hat.

“Der ungeladene Gast” quillt über vor fabelhaften Ideen und wartet mit glänzenden Charakteren auf. Kunstvoll und unwiderstehlich erschafft Jones das Bild einer zerbröckelnden Adelsfamilie, die alles daran setzt, den schönen Schein und ihre Würde zu bewahren, während in einer Folge von unerwarteten und skurrilen Zwischenfällen alles um sie herum im Chaos versinkt.

Sadie Jones richtet das Ganze so wunderbar süffig und triefend vor Ironie und Schadenfreude an wie die kunstvoll arrangierten Festspeisen in der Küche von Sterne. Immer wieder dachte ich beim Lesen: “Das liest sich wie ein Film! Das muss ein Film werden!”

Fazit:

“Der ungeladene Gast” ist ein hypnotisierendes Buch mit ungeheurer Sogkraft. Eine eine köstliche Ständesatire, ein Kammerspiel voll unverhoffter Verstrickungen und eine düstere Gänsehautgeschichte in einem. Phänomenal!

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Tags: england, geister, grusel, landhaus   (4)

  

 

Zu zweit tut das Herz nur halb so weh
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(68)

122 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 47 Rezensionen

liebe, rassismus, rassentrennung, usa, kentucky

Zu zweit tut das Herz nur halb so weh

Julie Kibler
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 01.08.2012
ISBN 9783866123250
Genre: Gegenwartsliteratur

Rezension:

Obwohl Dorrie und Miss Isabelle nicht unterschiedlicher sein könnten, verbindet die beiden eine tiefe, über die Jahre gereifte Freundschaft. Dorrie ist selbstständige Friseurin, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und Afroamerikanerin. Miss Isabelle, zu der sie einmal in der Woche zum Frisieren kommt, ist neunzig, verwitwet und Weiße.

Als Miss Isabelle Dorrie eines Tages bittet, sie auf einer mehrtägigen Fahrt nach Cincinnati zu einer Beerdigung zu fahren, ändert es das Leben beider Frauen. Denn Miss Isabelle erzählt Dorrie die Geschichte, wie sie sich als junge Frau in Robert, den Sohn ihrer farbigen Haushälterin, verliebte – und sich damit gegen ihre Familie und die eisernen Prinzipien der damaligen Gesellschaft stellte.

Meine Meinung:

“Zu zweit tut das Herz nur halb so weh” beginnt relativ unaufgeregt und entwickelt sich zu einer klassischen Südstaaten-Romanze. Tatsächlich ist die erste Hälfte des Buches recht überraschungsarm und hätte ein wenig mehr Abwechslung vom Althergebrachten vertragen.

Nichtsdestotrotz: Kiblers Figuren sind allesamt rund und überzeugen, die beiden Protagonistinnen bilden ein äußerst sympatisches Gespann und man verfolgt mit zunehmender Spannung, wie sich Isabelles Geschichte weiterentwickelt. Denn mit der zweiten Hälfte kommt tatsächlich mehr Schwung in die Handlung, Isabelles Kampf um ihr Glück und ihre Selbstbestimmung reißen mit und auch die kleinen Epsidoden zwischen Dorrie und Isabelle auf der Fahrt sind rührend.

Einzig Roberts Geschichte blieb mir, gemessen am Thema des Buches, etwas zu schwach beleuchtet. Im Buch geht es um die tiefe Kluft zwischen Schwarzen und Weißen, aber irgendwie erfährt man nur wenig über das Leben der schwarzen Bevölkerung. Roberts Gedankenwelt erschließt sich dem Leser nur vage und überhaupt werden die Begegnungen zwischen ihm und Isabelle sehr spärlich in die Geschichte eingestreut. Am Ende ist es die Liebesgeschichte der beiden, die deswegen etwas von ihrem Zauber zurückstecken muss – Kibler bleibt zu versiert auf Isabelles Perspektive und lässt Robert zu sehr in den Hintergründ rücken – und degradiert ihn somit unverdient zu einer Randfigur.

Was bleibt, ist dennoch eine mitreißende Geschichte, die in der zweiten Hälfte deutlich an Fahrt aufnimmt und am Ende nach dem ein oder anderen Taschentuch verlangt.

Fazit:

Die sympatischen Protagonistinnen trösten über den etwas zu kurz gekommenen männlichen Hauptcharakter hinweg. Wo sich die Liebesgeschichte etwas zu schnell und vorhersehbar entwickelt, ist es Isabelles Weg zu einer eigenständigen jungen Frau, die den Leser fesselt. Obwohl unterhaltsam geschrieben und mit gelungenem Ende versehen, ist es doch das Thema Rassenhass, dass mir hier etwas zu kurz kommt. Ein gut zu lesendes Buch, das allerdings Tiefe vermissen lässt.

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Tags: dreißiger jahre, rassenhass, rassentrennung, schwarze   (4)

  

 

Legend - Fallender Himmel
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(352)

725 Bibliotheken, 26 Leser, 9 Gruppen, 168 Rezensionen

dystopie, day, june, liebe, republik

Legend - Fallender Himmel

Marie Lu , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Loewe, 10.09.2012
ISBN 9783785573945
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Los Angeles, in einer dystopischen Zukunft: der fünfzehnjährige Day ist der meistgesuchte Verbrecher der Republik, und obwohl niemand sein Gesicht kennt, ist ein hohes Lösegeld auf seinen Kopf ausgesetzt.

Die fünfzehnjährige June Iparis ist die beste Kadettin an der Militärakademie und die Einzige, die je den großen Test, dem sich alle Kinder im Alter von 10 Jahren unterziehen müssen, mit der vollen Punktzahl bestanden hat.

Als Junes Bruder, ein Offizier, bei einem Überfall getötet wird, ist es Day, der für seinen Tod verantwortlich gemacht wird. June erhält daraufhin den Auftrag, Day ausfindig zu machen und ihn ein für allemal aus dem Weg zu schaffen.

Meine Meinung:

“Legend – Fallender Himmel” ist für mich eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Nachdem Oetinger einen Riesenerfolg mit der “Panem”-Trilogie gelandet hat, Fischer mit dem stark gehypten “Die Auswahl” durchgestartet ist und Cbj einen Bestseller mit “Die Bestimmung” an Land gezogen hat (alles Jugendbuch-Dystopien, die demnächst verfilmt werden sollen), will der Loewe Verlag nun mit Marie Lus “Legend”-Trilogie auf den fahrenden Zug aufspringen. Was hier an Werbegeldern ausgegeben worden sein muss, will ich mir nicht einmal vorstellen.

Was aber lässt sich über “Legend” erzählen? Müsste ich die Handlung zusammenfassen, ich bräuchte nicht mal fünf Sätze. Die Charaktere? Haben keinerlei bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Spannung? Nur im weitesten Sinne erkennbar. Der Schreibstil? Ist vorhanden, mehr aber auch nicht. Originalität? Habe ich auf keiner der 368 Seiten gefunden.

Genauer: Marie Lu’s Erstling bietet nichts, aber auch gar nichts Neues. Der Plot ist so fadenscheinig, dass man ihn direkt suchen muss. Wenn ich mir vorstelle, dass dieses Handlungskonstrukt noch zwei Bände lang durchhalten muss, bin ich echt gespannt, das da noch kommen soll. Lu hat keinerlei neue Ideen zum Genre beizusteuern, ich hatte sogar das Gefühl, dass sie sich überhaupt nur mit Müh und Not eine Story aus dem Ärmel schütteln konnte. Der Verlauf der Handlung ist vom ersten Moment an klar und man läuft zu keiner Sekunde Gefahr, überrascht zu werden.

Die Charaktere sind durch die Bank reißbrettartig in ihren Eigenschaften und immer schwarz-weiß. Weder überzeug Day als knallharter Schwerverbrecher (der keinen einzigen Mord begangen, aber mal ein paar Brände an Militärfahrzeugen gelegt hat, buhu), noch June als hyperintelligente Soldatin (je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr wundert man sich, wie sie zu ihren perfekten Testergebnissen kommen konnte). Der Umstand, das beide erst 15 (!) sind, macht das keine Spur glaubwürdiger. Sämtliche Nebencharaktere sind ebenso langweilig wie durchschaubar.

Die aufgebauschte und durchweg vorhersehbare Handlung wird noch getoppt von einer Reihe von Unglaubwürdigkeiten, über die ich nur den Kopf schütteln konnte. Angefangen mit eine Aktionszene, in der Day auf der Flucht ein Messer in eine Gipswand rammt, um sich dann aus eigener Kraft daran nach oben und mit den Füßen zuerst durch ein Fenster in großer Höhe hinaus zu schwingen. Einer Computerspiel-Figur würde ich diesen Stunt vielleicht noch durchgehen lassen (Marie Lu war künstlerische Leiterin bei einer Computerspiel-Firma), aber nicht in einem Roman. Als Day jemanden mit seinem Messer an der Schulter trifft, ist für ihn absolut klar, dass er ihn nicht tötlich verletzt haben kann, weil es “nur” die Schulter ist. Das dort eine lebenswichtige Arterie verläuft, wird außer acht gelassen. Auch Junes große Überraschung über den Befehlsgehorsam ihres Kameraden, der nach Aufforderung seines Commanders Unschuldige erschießt, ist einfach nur lächerlich. Als gedrilltes Mitglied der Armee sollte es ihr in den Knochen stecken, Befehle ohne jede Frage auszuführen. Und die Szenen, in denen June sich als Hackerin betätigt, sind direkt haarsträubend. Hier hätte die Autorin ihr Nichtwissen zu diesem Thema wirklich besser überspielen müssen. Noch unglaubwürdiger wird es kurz vor dem Finale, aber ich will nichts vorwegnehmen.

Zuletzt ist es Marie Lu’s Schreibstil, der her einiges hätte retten können. Leider gestaltet der sich aber so simpel und unausgereift, dass sich mir die Frage stellt, weshalb das Buch überhaupt verlegt wurde. Der Roman ist einfach nur mäßig geschrieben und auch die Dialoge bleiben ungelenk und farblos. Großes schriftstellerisches Talent kann ich hier nicht entdecken.

Fazit:

“Legend” ist handlungs- und spannungsarm, bietet kaum glaubwürdige Charaktere in einem kaum beschrieben Setting und lässt jeden Anflug von Originalität vermissen.

Zurück bleibt eine über die Maßen gepushte Dystopie ohne Inhalt, deren bestes Attribut ist, dass man sie lesen kann. Der Rest ist eine große Menge heißer Luft.

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Tags: dystopie   (1)

  

 

Sam und Emily
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164 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

liebe, zufall, jugendbuch, gewalt, familie

Sam und Emily

Holly Goldberg Sloan , Barbara Lehnerer , Bernadette Ott , Holly Goldberg Sloan
Fester Einband: 428 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.08.2012
ISBN 9783401065182
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Als Emily dem siebzehnjährigen Sam das erste Mal begegnet, merkt sie gleich, dass er anders ist. Was sie nicht weiß: zusammen mit seinem jüngeren, autistischen Bruder Riddle und seinem kriminellen Vater lebt er ein Landstreicherleben. Er hat keine feste Bleibe, geht seit Jahren nicht mehr zur Schule und ernährt sich meistens von dem, was er in Müllcontainern findet. Dabei kümmert er sich aufopferungsvoll um seinen introvertierten und chronisch kranken Bruder.

Noch bevor mehr aus Emilys und Sams zarten Annäherungsversuchen werden kann, überschlagen sich die Ereignisse und ehe es sich Sam versieht, befindet er sich mit seinem Bruder auf der Flucht in den Mittleren Westen – und plötzlich geht es um Leben und Tod.

Meine Meinung:

“Kleine Geschichte vom Glück des Zufalls” spielt mit den Wechselwirkungen des Schicksals und den kleinen und großen Ereignissen im Leben, die irgendwie untrennbar miteinander verknüpft sind und auf verschlungen Pfaden und doch unmittelbar unsere Zukunft beeinflussen. Holly Goldberg Sloan legt ein beeindruckendes Debüt vor, eine warmherzige Geschichte über den Wert von Familie und Freundschaft und gleichzeitig einen packenden Thriller, der uns unverhofft mitnimmt in die Wildnis und in Abgründe, in die uns die Habgier, Selbstsucht und Neid hinabreißen. Der Roman ist modernes Märchen und unaufdringliches Gesellschaftsbild, besonders in Bezug auf die armerikanische Arm-Reich-Schere.

Mit den Brüdern Sam und Riddle hat die Autorin absolut überzeugende Charaktere geschaffen. Auch Clarence, ihr Vater, von Beruf Dieb und Menschenfeind, ist ein unangenehm dreidimensionaler Charakter. Ein bisschen auf der Strecke bleibt dabei leider Emily, die für mich als Protagonistin nicht ganz so fühlbar wurde wie die anderen. Daher eine halbe Kaffeetasse Abzug.

Fazit:

Eine Liebeserklärung an den Zusammenhalt der Familie und ein packender Abenteuerroman in einem. Vom Verlag als Liebesgeschichte getarnt, aber in Wirklichkeit noch viel mehr als das – ein Roman über zwei Brüder, über Armut und Reichtum, Mut, Selbstlosikeit und Zuversicht. Und darüber, dass jeder seines Schicksals eigener Schmied ist.

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Tags: armut, autismus, diebstahl, familie, häusliche gewalt, liebe, wildnis   (7)

  

 

The Longest Way
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the longest way, reisen, christoph rehag, reisebericht, china

The Longest Way

Christoph Rehage
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Malik, 01.06.2012
ISBN 9783890293868
Genre: Sonstiges

Rezension:

An seinem 26. Geburtstag bricht Christoph Rehage zu einer ungeheuerlichen Wanderung auf: von seiner Studentenwohnung in Beijing aus soll es durch ganz China und Mittelasien bis ins heimatliche Bad Nenndorf gehen. Mit dreißig Kilo auf dem Rücken macht er sich auf dem Weg – jeden einzelnen Meter will er dabei zu Fuß zurücklegen. Regelmäßig berichtet er auf seinem Blog über seine Reise. Seinen preisgekrönten Timelapse-Kurzfilm “The longest way”, den er auf Youtube hochläd, sehen sich über 2 Millionen Menschen an. Was er unterwegs erlebt hat und warum er seine Reise nach 4646 Kilometern abbrach, erzählt er in diesem Buch.

Meine Meinung:

Ich habe Christoph Rehages Reisebericht aus purer Neugierde zur Hand genommen; das großartige Video, das seine Reise so populär gemacht hat, habe ich erst danach entdeckt. Ich bin nicht sicher, was ich erwartet habe von einem jungen Typen, der einfach so losläuft, allein, ein Jahr lang, durch ein Land wie China. Aber ich hätte bestimmt nicht gerechnet mit dieser Flut von Eindrücken, die Rehage heraufbeschwört, seinen Begegnungen mit den interessantesten Charakteren und den außergewöhnlichen Freundschaften, die er schließt.

Am Wegesrand findet er Geschichten vom alten und vom neuen China, einem Land, dass von Jahrtausende alten Kaiserreichen, wüsten Kriegszügen, der Großen Mauer, Tschingis Khan, Mao, Kommunismus, Kulturrevoltion und Wiederaufbau erzählt. Er läuft mit offenen Augen durch die Welt und findet immer wieder das Besondere im Alltäglichen. Da er fließend Chinesisch spricht, kommt er mit der Landbevölkerung ebenso ins Gespräch wie mit den Städtern. Er trifft andere Reisende, Geschäftsleute und Wanderarbeiter, Schulkinder, Mönche, Bauern, Postituierte und Wahrsager.

Rehage beschreibt das alles elegant und nüchtern, voller Klarheit und doch getragen von einer ganz eigenen Poesie, angereichert mit einer Fülle von Wissenswertem über chinesische Geschichte, Kultur, Religion und Mythologie, denn Christoph Rehage hat neben Kameraführung auch Sinologie studiert. Alles ist so organisch in die Schilderung seiner Erlebnisse hineingewebt, dass es sich liest wie aus einem Guss. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ein Bericht über eine zwölfmontaige Wanderung, die streckenweise immer wieder auch beschwerlich und eintönig wurde, kein einzige Mal ermüdend zu lesen ist. Ich habe “The longest way” in einem Rutsch gelesen, geradezu verschlungen. Und am Ende sogar ein bisschen geweint.


Fazit:

“The longest way” hat mich mitgerissen und immer wieder erstaunt. Ein absoluter Pageturner, der sich mit seiner erzählerischen Kraft wie ein Abenteuerroman liest. Ganz klar eines meiner Lesehighlights in diesem Jahr und eine absolute Empfehlung! Ich bin so begeistert, dass ich mir nach einiger Überlegung auch den großartigen Bildband zur Reise gekauft habe.

Also: lest dieses wunderbare Buch und schaut euch auch unbedingt Christoph Rehages Kurzfilm an.

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Tags: china, reisebericht, reisen, the longest way, wandern, zu fuß   (6)

  

 
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