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The Longest Way
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the longest way, reisen, christoph rehag, reisebericht, china

The Longest Way

Christoph Rehage
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Malik, 01.06.2012
ISBN 9783890293868
Genre: Sonstiges

Rezension:

An seinem 26. Geburtstag bricht Christoph Rehage zu einer ungeheuerlichen Wanderung auf: von seiner Studentenwohnung in Beijing aus soll es durch ganz China und Mittelasien bis ins heimatliche Bad Nenndorf gehen. Mit dreißig Kilo auf dem Rücken macht er sich auf dem Weg – jeden einzelnen Meter will er dabei zu Fuß zurücklegen. Regelmäßig berichtet er auf seinem Blog über seine Reise. Seinen preisgekrönten Timelapse-Kurzfilm “The longest way”, den er auf Youtube hochläd, sehen sich über 2 Millionen Menschen an. Was er unterwegs erlebt hat und warum er seine Reise nach 4646 Kilometern abbrach, erzählt er in diesem Buch.

Meine Meinung:

Ich habe Christoph Rehages Reisebericht aus purer Neugierde zur Hand genommen; das großartige Video, das seine Reise so populär gemacht hat, habe ich erst danach entdeckt. Ich bin nicht sicher, was ich erwartet habe von einem jungen Typen, der einfach so losläuft, allein, ein Jahr lang, durch ein Land wie China. Aber ich hätte bestimmt nicht gerechnet mit dieser Flut von Eindrücken, die Rehage heraufbeschwört, seinen Begegnungen mit den interessantesten Charakteren und den außergewöhnlichen Freundschaften, die er schließt.

Am Wegesrand findet er Geschichten vom alten und vom neuen China, einem Land, dass von Jahrtausende alten Kaiserreichen, wüsten Kriegszügen, der Großen Mauer, Tschingis Khan, Mao, Kommunismus, Kulturrevoltion und Wiederaufbau erzählt. Er läuft mit offenen Augen durch die Welt und findet immer wieder das Besondere im Alltäglichen. Da er fließend Chinesisch spricht, kommt er mit der Landbevölkerung ebenso ins Gespräch wie mit den Städtern. Er trifft andere Reisende, Geschäftsleute und Wanderarbeiter, Schulkinder, Mönche, Bauern, Postituierte und Wahrsager.

Rehage beschreibt das alles elegant und nüchtern, voller Klarheit und doch getragen von einer ganz eigenen Poesie, angereichert mit einer Fülle von Wissenswertem über chinesische Geschichte, Kultur, Religion und Mythologie, denn Christoph Rehage hat neben Kameraführung auch Sinologie studiert. Alles ist so organisch in die Schilderung seiner Erlebnisse hineingewebt, dass es sich liest wie aus einem Guss. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ein Bericht über eine zwölfmontaige Wanderung, die streckenweise immer wieder auch beschwerlich und eintönig wurde, kein einzige Mal ermüdend zu lesen ist. Ich habe “The longest way” in einem Rutsch gelesen, geradezu verschlungen. Und am Ende sogar ein bisschen geweint.


Fazit:

“The longest way” hat mich mitgerissen und immer wieder erstaunt. Ein absoluter Pageturner, der sich mit seiner erzählerischen Kraft wie ein Abenteuerroman liest. Ganz klar eines meiner Lesehighlights in diesem Jahr und eine absolute Empfehlung! Ich bin so begeistert, dass ich mir nach einiger Überlegung auch den großartigen Bildband zur Reise gekauft habe.

Also: lest dieses wunderbare Buch und schaut euch auch unbedingt Christoph Rehages Kurzfilm an.

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Tags: china, reisebericht, reisen, the longest way, wandern, zu fuß   (6)

  

 

Tödlicher Staub
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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

mafia, nanopartikel, sardinien, militär, mord

Tödlicher Staub

Massimo Carlotto , Mama Sabot , Hinrich Schmidt-Henkel
Flexibler Einband: 164 Seiten
Erschienen bei Tropen-Verlag Label von Klett-Cotta, 01.05.2012
ISBN 9783608502077
Genre: Krimi & Thriller

Rezension:

Pierre Nazarri, Deserteur vom Militär, wird von einer dubiosen Organistation erpresst und auf die junge Tierärztin Nina angesetzt. Nina, die an radioaktiver Strahlung erkrankte Ziegen und Schafe untersucht, soll er die Forschungsergebnisse stehlen. Dabei verstrickt sich Pierre immer tiefer in ein gefährliches Netzt aus Vertuschung, Macht und Geld, in das nicht nur die korrupte örtliche Polizei, sondern auch das Militär, die Mafia und die Politik verstrickt sind.

Handlung:

“Tödlicher Staub” packt ein Thema an, für das Carlotto und sein Co-Team aus elf Autoren und investigativen Journalisten recherchiert haben. Das Stichwort ist “Nanopartikel”, und womit Pierre es in der militärischen Sperrzone auf Sardinien zu tun bekommt, ist absolut beängstigend – denn die Grundlagen dieses Fiktiven Romans sind absolut real.

Dieses brisante und bisher vor allem todgeschwiegene Thema vor der Kulisse Sardiniens hat mich auch zum Lesen verlockt, denn Krimis sind normalerweise eher nicht mein Genre. So viel habe ich mir versprochen von diesem Buch, aber hier wurde viel, aber auch so viel in den Sand gesetzt, dass es zum Haareraufen ist. Carlotto wird als einer der besten und erfolgreichsten Autoren Italiens gehandelt, aber nach “Tödlicher Staub” bin ich erst mal mit ihm durch.

Was mich gestört hat? Allem voran die schlecht strukturierte Handlung, viel zu sehr wird hier an der Oberfläche gekratzt, das Thema Nanopartikel wird nur am Anfang wirklich behandelt und im Laufe des Geschehens einfach fallengelassen. Hinzu kommen dievöllig stereotypen Charaktere. Das Büchlein ist nur 160 Seiten dick, aber Carlotto überschüttet den Leser mit derart vielen Ex-Söldnern, Ex-Finanzpolizisten, Ex-Majoren, Ex-Dealern und Ex-Gefängniswärtern, die man allein an ihren – für uns fremdartigen italienischen – Namen auseinanderhalten muss, dass einem förmlich die Ohren schlackern. Wer bei der Hälfte des Buches noch weiß, wer wen erpresst , wer von wem herumgeschubst wird, wer wen linkt und mit wem verbündet ist (und wie jeder von denen heißt!), der ist richtig, richtig gut.

Mir war es, beim besten Willen, zu viel. Was mich bei der Stange hielt, war das Schicksal Pierres und Ninas, aber irgendwann ist die Handlung einfach so konfus und unzusammenhängend, dass ich bestimmt aufgegeben hätte, wäre das Buch nicht so dünn.

Fast will man glauben, Carlotto war sich beim Schreiben für seinen eigenen Roman “zu cool”. Das Buch ist einfach zu dünn, zu unstrukturiert und zu oberflächlich, um dem wichtigen Thema auch nur annähernd gerecht zu werden. Sämtliche agierende Figuren (die Militärs, erst recht die ganzen schmierigen Mafiosi, aber sogar vor den Frauen macht Carlotto nicht Halt!) sind cool, so cool, dass Erpressungen, Ermordungen, ja selbst schlimme Schicksalsschläge immer aalglatt rüberkommen und jeder immer noch einen flotten Spruch nachschieben muss wie in einer billigen Gangsterklamotte. Ist es das klischeebehaftete süditalienische Ego, das hier durchschimmert und jeden als Macho auftreten lässt? Ich weiß es nicht.

Fazit: Das wichtige Thema des Buches hat diese unzureichende Umsetzung nicht verdient. Zu sehr wird and der Oberfläche gekratzt, das 160 Seiten schmale Büchlein ist zu vollgestopft mit Personen, die allesamt kein Gesicht haben, dafür aber mächtig cool und geleckt reden. Schade.

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Tags: nanopartikel, sardinien   (2)

  

 

THE WINTER ROSE
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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

london, industrialisierung, emanzipation

THE WINTER ROSE

Jennifer Donnelly
Fester Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Publishers, 07.08.2006
ISBN 9780007191314
Genre: Sonstiges

Rezension:

London, 1900: India Selwyn Jones ist eine wohlerzogene junge Dame aus reichem Hause, die eigentlich ein unbeschwertes Leben haben könnte. Aber India hat ihren eigenen Kopf: als eine der wenigen weiblichen Absolventinnen hat sie gerade ihren Doktor der Medizin bestanden und träumt von einem Krankenhaus im Londoner Elendviertel Whitechapel, das sich um arme Frauen und Kinder kümmert. Ihre erste Anstellung in einer Arztpraxis ist allerdings mehr als ernüchternd und ihr Verlobter, Freddie Lytton, ein aufstrebender Politiker, sähe es am liebsten, wenn sie ihre Ambitionen ganz schnell vergessen und ihn so schnell wie möglich heiraten würde. Nur Ella, eine junge Krankenschwester, bestärkt India in ihren Träumen und wird zu ihrer engen Verbündeten. Als India jedoch dem kriminellen Bandenboss Sid Malone begegnet, ändert sich alles …

Meine Meinung:

Was bleibt zu sagen, außer dass “The Winter Rose” seinem Vorgänger “The Tea Rose” in nichts nachsteht? Die Handlung setzt nur wenige Jahre nach dem Ende des ersten Buches ein und schildert diesmal Indias Geschichte. Gegen alle Widerstände setzt sie sich für die hoffnungslos arme, hungernde und bildungsferne Arbeiterklasse Londons ein, während ihr jeder in ihrem Umfeld Steine in den Weg zu legen scheint. Ohne es zu ahnen, wird sie dabei immer enger in Netz aus Habgier, Macht und Betrug eingesponnen, aus dem es bald kein Entrinnen mehr zu geben scheint.

Donnelly versteht es erneut wie keine andere, hervorragend Recherchiertes eindrucksvoll zu einem spannenden Plot zu verarbeiten. Dabei nimmt sie offengelassene Stränge aus ihrem vorherigen Buch wieder auf und erzählt auch die Geschichte von Fiona, Joe und natürlich Charlie weiter, der schon am Ende von “The Tea Rose” die Identität des Sid Malone angenommen und alle Kontakte zu seiner Schwester abgebrochen hatte. Gleichzeitig geht es auch mit Seamie weiter, der in diesem Buch das erste Mal Bekanntschaft mit der spritzigen Willa macht, deren Geschichte im Abschlussband der Trilogie, “The Wild Rose”, erzählt werden wird.

Es ist einfach bemerkenswert, wie es Donnelly schafft, über Hunderte von Seiten ihre Geschichte so ambitioniert und in unverminderter Qualität zu erzählen. Auch dieser Roman sprüht wieder vor Fabulierlust und ist erneut so realistisch geschildert, dass man einfach nur den Hut ziehen muss vor der immensen Recherchearbeit, die den Büchern vorangegangen sein muss.

Wer die “Teerose” gelesen hat, wird auch “Die Winterrose” lieben – selbstverständlich sind die Geschichten so erzählt, dass man sie auch unabhängig voneinander lesen kann – aber sie sind als eine Art Familiensaga angelegt und macht gleich doppelt Spaß, wenn liebgewonnene Charaktere wieder auftauchen und man ihre Schicksale weiter mitverfolgen kann.

Fazit:

Meine Begeisterung, die ich beim Lesen der “Tea Rose” empfunden habe, übertrug sich mühelos auf die “Winter Rose” und bleibt ungebrochen. Donnelly ist eine grandiose Erzählerin!

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Tags: emanzipation, industrialisierung, london   (3)

  

 

The Tea Rose
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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

jack the ripper, tee, london, liebe, armut

The Tea Rose

Jennifer Donnelly
Flexibler Einband: 756 Seiten
Erschienen bei St Martins Pr, 01.03.2004
ISBN 0312993560
Genre: Sonstiges

Rezension:

London, 1888: Fiona Finnegan, Tochter eines Dockarbeiters, lebt mit ihrer Familie in ärmsten Verhältnissen im Londoner Elendviertel Whitechapel. Fiona arbeitet hart in der Teefabrik von William Burton, um die paar Shilling, die sie verdient, zum Familienunterhalt beizusteuern. Was sie beiseitelegen kann, spart sie, um mit ihrer Jugendliebe Joe eines Tages einen eigenen Laden aufzumachen.

Doch dann geschehen mehrere schreckliche Ereignisse auf einmal: Joe wird gegen seinen Willen in die Ehe mit einer anderen Frau manövriert und Fionas Mutter wird Opfer des Whitechapel Mörders. Als ihr Vater, Anführer der Gewerkschaft und Verfechter besserer Löhne für die Dockarbeiter ums Leben kommt, ahnt sie, dass nur Burton dahinter stecken kann. Ehe sie es sich versieht, schwebt sie selbst in höchster Lebensgefahr. Zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Seami und der Hilfe des netten Nicholas Soames, der die beiden am Hafen aufgabelt, gelingt es ihr, eine Passage nach Amerika zu bekommen. Dort angekommen, stellt sich ihr einzig überlebender Verwandter Michael als hoffnungsloser Trinker heraus. Verzweifelt versucht Fiona, seinen Lebensmittelladen zu retten und bekommt unerwarter Hilfe.

So beginnt ihr Aufstieg in der New Yorker Gesellschaft als erfolgreiche Geschäftsfrau. Ihr ganzer Antrieb ist dabei insgeheim die Vernichtung William Burtons. Doch während ihre edlen Teestuben immer erfolgreicher werden und sie sogar beginnt, ihr eigenes Teeimperium aufzubauen, kann sie einen nicht vergessen: ihre große Liebe Joe.

Meine Meinung:

Lange bin ich um „Die Teerose“ herumgeschlichen, endlich habe ich sie gelesen – und bin einfach nur hin und weg. Donnelly beschwört vor den Augen des Lesers ein London herauf, das vor Armut und Schmutz starrt, voller Korruption und Ausbeutung ist. Die Ärmsten der Armen fristen ein jämmerliches Dasein in schimmeligen, rattenverseuchten Absteigen, während sie sich von früh bis spät kaputt schuften, um sich und ihre Familien irgendwie über Wasser zu halten.

Fiona ist eine fleißige und amitionierte junge Frau, überzeugt davon, dass sie es in ihrem Leben zu etwas bringen kann. Gemeinsam mit Joe träumt sie von einer sorgenfreien Zukunft. Schnell habe ich diese optimistische Protagonistin, die sich so liebevoll um ihre Familie kümmert, ins Herz geschlossen. Um so mehr litt ich auch, als sie von einem Schicksalsschlag nach dem anderen getroffen wird. Spätestens hier legt man das Buch kaum noch aus der Hand. Sie Seiten fliegen nur so vorbei, während man Fiona auf ihrer Überfahrt nach Amerika begleitet und den sympathischen Nicholas kennenlernt, der sich als Fionas Ehemann und Vater von Seami ausgibt, damit die beiden eine Passage bekommen.

Mit Einsetzen der Handlung in New York erblüht Donnellys Schreibe zu voller Kraft. Hier wird eine Stadt beschrieben, die explosionsartig wächst, in der alles in Bewegung ist und nichts unmöglich scheint. Die Autorin schreibt so bildgewaltig, dass man sich fühlt wie in einem Film. Die Beschreibung der Charaktere ist dabei genauso realitätsnah wie die mitreißenden Dialoge.

Hinzuzufügen seien da noch die ausgezeichnete Recherche der Autorin rund am das Leben in London und New York um 1900. Ob es um die Kriminalität in den Londoner Unterschichten geht oder den Lebensttil der gehobenen Gesellschaft in der Neuen Welt, nie hat man auch nur einen Moment das Gefühl, die Autorin wisse nicht genau, wo von sie da schreibe.

Fazit: Was bleibt zu sagen? Ein 700-Seiten-Schmöker über die Emanzipation einer jungen Frau? Auch, aber was den Leser bei der „Teerose“ erwartet, ist weitaus mehr: ein detailliertes Gesellschaftsbild um 1900, eine farbenprächtige Studie des damaligen Handels in all seinen Facetten, liebevoll gezeichnete Charaktere, großartige Dialoge und Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Was sind schon 700 Seiten, wenn man solchen Spaß beim Lesen hat?

PS: Jedem, der sich traut, möchte ich die englische Ausgabe des Buches empfehlen. Donnellys Sprache ist einfach unvergleichlich und es wäre schade, diesen schönene Londoner Slang nicht im Original zu lesen.

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Tags: auswanderer, jack the ripper, tee   (3)

  

 

Tödliche Spiele
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(2.512)

3.573 Bibliotheken, 41 Leser, 38 Gruppen, 536 Rezensionen

liebe, panem, hungerspiele, katniss, peeta

Tödliche Spiele

Suzanne Collins , Sylke Hachmeister , Peter Klöss ,
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.08.2009
ISBN 9783789132186
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

In einem dystopischen Nordamerika leben die letzten überlebenden Menschen in „Distrikten“, die vom übermächtigen Kapitol kontrolliert werden. Jedes Jahr verstaltet es die sogenannten „Hungerspiele“, bei denen je ein Junge und ein Mädchen aus jedem der 12 Distrikte in einer riesigen Arena gegeneinander antreten müssen. Nur einer von ihnen kann dieses grausame Spiel, das im Fernsehen übertragen wird, gewinnen und somit mit dem Leben davon kommen – denn es geht um Sterben oder Sterben lassen.

Als die erst neunjährige Prim aus Distrikt 12 für das Spiel ausgelost wird, geht ihre Schwester Katniss für sie in die Arena, um sie zu retten. Dort warten nicht nur die 23 anderen Gegenspieler auf sie – sondern auch Peeta aus ihrem eigenen Distrikt, den sie aus ihrer Kindheit kennt.

Meine Meinung:

Vorweg: „Tödliche Spiele“ liest sich weg wie ein Ein-Akter und ist ein absoluter Pageturner. Trotzdem habe ich hier und da ein wenig zu beanstanden, weshalb der Roman in meinen Augen an den 5 Kaffeetassen vorbeischrammt.

Einen riesigen Pluspunkt bekommt der erste Teil der „Tribute von Panem“-Trilogie allein schon für die außergewöhnliche Idee. Sicher, Suzanne Collins erfindet mit ihrem post-apocalyptischen Endzeitszenario im ehemaligen Nordamerika das Rad nicht wirklich neu. Innerhalb der Jugendliteratur finden sich jedoch (nachdem sich die anspruchsvolle Fantasy immer mehr etabliert) gute Science Fiction Romane aber leider immer noch selten. Obwohl ein Jugendbuch, setzt sich Collins’ Roman ungeschönt mit den Folgen des globalen Krieges in der Zukunft auseinander und hat Mut, Brutalität und Grausamkeit dabei nicht aus dem Weg zu gehen.
Vor allem die Idee zu den „Hungerspielen“ finde ich faszinierend und großartig. Mit der Thematik, sich bis aufs Blut bekämpfender Jugendlicher in Form eines „Spiels“, wagt sich die Autorin auf einen ziemlich wackligen Pfad, trifft dabei jedoch voll ins Schwarze: die jugendlichen Leser, aufgewachsen mit dem Fernsehen und Berichterstattungen aus aller Welt, wissen sehr genau, was in Krisengebieten passiert und wozu Menschen in der Lage sind. Die manipulierte und endblößende Welt der Reality-Shows, in der sich die Tribute im Roman wiederfinden, kennt jeder aus dem Fernsehen. So gesehen sind die „Hungerspiele“ gar nicht allzu utopisch.
Hinzu kommt – last but not least – die unheimliche Spannung, die sich durch alle 414 Seiten zieht. Es ist einfach unmöglich, das Buch länger als für ein paar Stunden aus der Hand zu legen. Zu sehr bangt man mit Katniss und den anderen Hauptfiguren, bis alle Fäden beim großen Showdown zusammengeführt werden.

Nun zu meinen zu bekritelnden Punkten. Zunächst einmal wären da die Charakterzeichnungen. Katniss, aus deren Perspektive wir die Geschichte lesen, bleibt die ganze Zeit über verbissen und berechnend. Sicher, sie hat ein äußerst schweres Los gezogen, muss sie doch ihre in völliger Armut lebende Familie ernähren und schließlich bei den Hungerspielen ums Überleben kämpfen. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass ihre Gefühlswelt etwas eindimensional geschildert wird. Ihre Sorgen um ihre Mutter und ihre Schwester Prim scheint sie immer wieder auszuschalten und in ruhigeren Momenten sind sie plötzlich wieder da, ebenso wie ihre Gefühle zu Peeta und Gale, die sie nur selten an sich heran lässt. Vor allem, wenn es um das Töten in der Arena geht, bleibt sie relativ kalt und agiert zum Teil bloß wie Figur in dem tödlichen Spiel. Hier wäre entschieden mehr Potential da gewesen (innere Zerrissenheit, Selbstzweifel, etc.) Auch die Nebenfiguren hätten mehr Tiefe verdient, allen voran Peeta, Katniss’ Verbündeter.
Zum zweiten hatte ich den Eindruck, dass Collins’ Beschreibungen oftmals nur an der Oberfläche kratzen. Wie sieht Distrikt 12 aus, wo Katniss lebt? Sind die Häuser heruntergekommen oder vom Krieg zerstört, sind die Straßen sauber oder voller Müll? Darüber erfährt man nichts. Auch, wie der Ort des Kampfes, also die Arena der Hungerspiele, aussieht, bleibt im Halbdunkel. Im Wald wachsen Bäume, ja klar, aber mehr Nadel- oder Laubbäume? Ist der Boden kalkig oder moosbedeckt? Wie riecht es hier? Harzig, würzig? Wie sieht die Landschaft im Allgemeinen aus? Hier beschränkt sich die Autorin nur auf das Notwendige, um die Szenen zu beschreiben, büßt aber mächtig Potential ein, um eine unverwechselbare Atmosphäre zu schaffen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist ebend die Jagd und Sammelei, mit der sich Katniss durch die Wildnis außerhalb ihres heimatlichen Distrikts und im Wald in der Arena schlägt. Man merkt, dass Collins kein fundiertes Wissen über essbare Pflanzen besitzt, denn ihre Beschreibungen beschränken sich auf Oberflächlichkeiten. Ich weiß, sie ist ja auch Autorin und keine Pflanzenexpertin, aber ihre Protagonistin Katniss soll bewandert auf diesem Gebiet sein und man nimmt es ihr einfach nicht ab. Ebenso ihre Künste als Bogenschützin: ich bin mir sicher, selbst ein Sportschütze bringt die Kunststücke, die Katniss mit Pfeil und Bogen drauf hat, nicht zustande. Und wenn ich mir die Jagdausbeute von diversen Naturvölkern, die noch immer mit dem Bogen unterwegs sind, ansehe, dann bezweifle ich ernsthaft, dass es möglich ist, drei wilde Truthähne hintereinander zu schießen, ehe sich der Schwarm mal überlegt, vielleicht wegzufliegen. Also auch in dieser Hinsicht nicht immer schlüssig und glaubhaft. ;)
Nun aber schnell mein letzter – aber leider größter Kritikpunkt: „Tödliche Spiele“ birgt im Ansatz das großartige Potential für eine gesellschaftskritische Auseinandersetzung – mit Sensationslüsternheit, mit der Schere zwischen Arm und Reich, mit Unterdrückung, Kontrollte und Diktatur. Suzanne Collins aber verschenkt hier ihre Möglichkeiten und lässt „Tödliche Spiele“ zu einem zwar brutalen, aber moralisch unkritischen Aktiondrama verflachen. Vielleicht will sie auch gar nicht groß kriteln, sondern nur eine spannende Geschichte erzählen, aber ich finde, dass mit dieser Thematik eine gewisse Auseinandersetzung mit oben genannten Aspekten – Kameraüberwachunge, Diktatur – unabdingbar ist.

Fazit: „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ zeichnet sich vor allem durch seinen rasanten Erzählstil, die ungewöhnliche und unverbrauchte Idee, den Mut der Autorin zu diesem Thema und die atemlose Spannung aus. Einen Punkt ziehe ich für die verschenkten Möglichkeiten, was eine ausgefeiltere Beschreibung der Charaktere und des Settings angeht und die kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Problemen, die sich aus dem Plot ergeben, ab.
Nichtsdestotrotz war mein Lesespaß ungetrübt. Empfehlenswert!

  (10)
Tags: dystopie   (1)

  

 

Talitha Running Horse
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66 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 6 Rezensionen

indianer, pferde, liebe, lakota, jugend

Talitha Running Horse

Antje Babendererde
Fester Einband: 303 Seiten
Erschienen bei Ensslin im Arena Verlag
ISBN 9783401452180
Genre: Kinder- & Jugendbuch

Rezension:

Das Halbblut-Lakota-Mädchen Talitha, wächst im Pine Ridge Reservat in South Dakota auf und lebt mit ihrem Vater unter bescheidenen Verhältnissen in einem Trailer. Mit 13 trifft sie das erste Mal auf den jungen Neil Tunderhawk und lernt das Fohlen Stormy kennen. Während sie langsam Stormys Zuneigung gewinnt, gelingt es ihr jedoch nicht, sich an den abweisenden Neil heranzutasten. Ihre unschuldigen Träume werden allerdings von einem einschlagenden Ereignis überschattet, als der gesamte Trailer abbrennt und Tally zu ihrer unausstehlichen Tante und ihrem Cousin ziehen muss. Zu allem Überfluss bleibt ihrem Vater nichts anderes übrig als seine Arbeit in einer anderen Stadt zu suchen. Die Einzige, der sie sich anvertrauen kann, ist die junge Stute Stormy, zu der ein ganz besonders Verhältnis entsteht.
Tally wird älter und reifer, sie erfährt von Alkohol, Drogen und randalierenden Gangs im Reservat und ihr werden die bisher dunklen Seiten des Lebens bewusst. Dabei verliert sie nie die tiefe Zuneigung für Neil und die Hoffnung, dass er die kleine Tally vergessen und sie endlich als junge Frau sehen und ihre Gefühle erwidern könnte. Und nicht zuletzt die Hoffnung, das der große Ritt zu Ehren der Vorfahren ihr einen neuen Weg aufzeigen und manches wieder zum Guten wenden kann.

Meine Meinung:

„Talitha Running Horse“ ist überraschend vielschichtig. Was als unschuldiges Pferdeabenteuer vor exotischer Kulisse beginnt, entwickelt sich bald zu einem kritischen Gesellschaftsbild der Lakota Indianer. Das Buch braucht seine 50 Seiten, um mit dem spannungsgeladenen Teil der Geschichte loszulegen, doch dann reißt es den Leser mit und lässt ihn nicht mehr los.

Der Einblick in das triste Reservatsleben der Lakota, geprägt von Arbeitslosigkeit, Alkohol, Kriminalität und Identitätsverlust der jüngeren Generationen ist schmerzlich. Hoffnung keimt aber immer dann wieder auf, wenn Talitha und die Menschn in ihrem Leben an die alten Traditionen anzuknüpfen versuchen und ein Gefühl des Zusammenhaltes entsteht, das einen Funken dessen wieder aufkeimen lässt, was das stolze Volk der Lakota vor einem Jahrhundert noch gewesen ist.

Fazit: Man muss definitiv kein Pferdefan sein, um „Talitha Running Horse“ zu mögen. Ein wunderbares Lesevergnügen – und vielleicht eine der intensivsten Liebesgeschichten aller Babendererde-Romane.

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Tags: indianer   (1)

  

 
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